Konkurrenten als Partner

FJ-Staplerumfrage 2000

Nicht alles in Sachen Gabelstapler müßte unbedingt mehrfach erfunden werden. Kooperationen mit der Konkurrenz sparen beispielsweise in der Automobilindustrie manche Entwicklungs-Mark. Unter welchen Voraussetzungen könnten sich die Staplerhersteller solche Partnerschaften vorstellen? Die Antwort reicht von „praktizieren wir bereits“ bis „kein Bedarf“ (zweiter Teil der diesjährigen FJ- Staplerumfrage; Teil eins im Sonderheft Staplertechnik 2000).

06. Juni 2001

Wir können uns Entwicklungs- und Produktions-Partnerschaften mit der Konkurrenz nicht nur vorstellen, wir praktizieren sie bereits. Das fängt innerhalb der Konzernmarken Linde, Still und Fiat OM an, wo wir natürlich Synergien in den Entwicklungsabteilungen und in der Fertigung nutzen. Die Zusammenarbeit konzentriert sich hier insbesondere auf die Komponentenseite.

Aber auch mit Wettbewerbern, die nicht zur Linde-Gruppe gehören, existieren Produktionspartnerschaften. Beispiel dafür ist unser „Juli“-Motorenwerk in Tschechien, das seit Jahren erfolgreich von Jungheinrich und Linde gemeinsam betrieben wird. Hier sind es in erster Linie die höheren Stückzahlen, über die wir zu beachtlichen Kostenminderungen kommen. Voraussetzung für solche Kooperationen ist natürlich ein hoher Grad an Flexibilität. So ist die Motorenfertigung dort in mehrere Fertigungslinien gesplittet, so daß jeder Partner auch Eigenentwicklungen fahren kann.

Dr. Dieter Helmke, Jungheinrich

Produktions-Partnerschaften können da sinnvoll werden, wo besonders hohe Stückzahlen entscheidend sind, von beiden Seiten spezielles Wissen eingebracht werden kann und die Beteiligten die gleichen Qualitätsansprüche haben. Am Markt kann so eine Partnerschaft aber nur bestehen, wenn sich die fertigen Flurförderzeuge trotz einiger gemeinsamer Komponenten klar differenzieren.

Jens Reinecke, Still

Eine Zusammenarbeit mit Mitbewerbern kann sich nur in engen Grenzen bewegen und sollte sich auf Komponenten beschränken, die die Produktdifferenzierungs-Merkmale nicht verwischen. Die Gemeinschaftsproduktion der Hersteller Linde, Jungheinrich und Still von Elektromotoren ist ein realisiertes Beispiel.

Anton Pischl, Steinbock Boss

Der Jungheinrich-Konzern praktiziert diese Art der Partnerschaft seit mehreren Jahren sehr erfolgreich mit dem Linde-Konzern in Form einer gemeinsamen Fertigung für Elektromotoren in Tschechien. Dies ließe sich auch auf andere Komponenten übertragen. Entscheidend ist, daß die Endprodukte auf unterschiedlichen Plattformen aufbauen, so daß der Kunde tatsächlich die Wahl unterschiedlicher Geräte hat. Eine weitere Voraussetzung ist sicherlich auch, daß damit für alle Beteiligten wirtschaftliche Vorteile verbunden sind.

Alain Strickroth, Hyster

Als ein weltweit führendes Unternehmen in der Materialfluß-Industrie haben wir uns darauf konzentriert, Forschung und Entwicklung auf höchstem Niveau innerhalb unserer Unternehmensgruppe zu betreiben und eigene Produktionsmöglichkeiten weiter zu entwickeln. Unsere globale Präsenz und unser Handelsvolumen ermöglichen uns, auf diesem Gebiet stark zu investieren. Auch unsere interne Produktentwicklung, das Ingenieurwesen, der Einkauf und die Logistik arbeiten zusammen, um auf einer Vielzahl von Gebieten Synergien herbeizuführen - mit dem Ziel, signifikante Vorteile für unsere Kunden in bezug auf Produkt-Harmonisierung, Vorlaufzeiten und Service- Eigenschaften zu erreichen. Wir entwickeln für das Outsourcing bestimmter Teile, wie Motoren, Reifen, Bremsen und Drehmomentkonvertern, starke Partnerschaften mit Lieferanten, bei denen signifikante ökonomische Einsparungen und gegenseitige Vorteile erreicht werden können. Dies erreichen wir zugunsten einer hohen Qualität mit niedrigen Kosten für unsere Endverbraucher.

Dr. Frithjof Timm, Clark

Entwicklungs- und Produktionspartnerschaften mit der Konkurrenz können in Ausnahmefällen sinnvoll sein. Ob sie jedoch dem Wettbewerb - auch der Technologien - förderlich sind, ist fraglich. Die Ressourcen der Zusammenarbeit mit den qualifizierten Zulieferern sind so groß, daß dies für Clark zur Zeit kein Thema ist. Zwei Beispiele unterstreichen das: Bei der Entwicklung des Drehstromantriebs für Elektrostapler hätte sich eine derartige Partnerschaft bedingt durch die zögerliche Haltung großer Hersteller ebensowenig positiv für den Markt ausgewirkt wie bei den Entwicklungsarbeiten zur Nutzung von flüssigem Erdgas als Treibstoff für Clark-Stapler. Die technologische Spitzenstellung von Clark bei den Gegengewichtsstaplern ist eine wichtiger Bestandteil des Wettbewerbs, sie darf auch im Sinne eines funktionierenden Marktes nicht verwässert werden.

Günther Scherer, BT Industries

Solche Partnerschaften sind ja beispielsweise in der Automobilindustrie gang und gäbe - etwa die gemeinsame Montage für Volvo und Mitsubishi in Holland. Von daher ist ähnliches natürlich auch für Flurförderzeuge denkbar.

Wichtig für den Erfolg solcher Partnerschaften sind unseres Erachtens zwei Dinge:

die Ziele und Rahmenbedingungen, aber auch die Grenzen einer solchen Partnerschaft müssen klar definiert sein und

die gemeinsame Entwicklung und/oder Produktion darf die Eigenständigkeit, das heißt die prägenden Charakteristiken einer Marke, nicht beeinträchtigen.

Partnerschaften machen außerdem um so eher einen wirtschaftlichen Sinn, je geringer das Marktvolumen eines (Nischen-)Produktes ist. Für den Kunden entscheidend sind letztendlich der Marktauftritt und das gesamte Leistungsspektrum eines Unternehmens - insbesondere im Hinblick auf die Vertriebs- und Serviceleistungen. Was BT angeht, so haben wir im Augenblick allerdings keinen Bedarf an weiteren Partnerschaften.

Franz Josef Tolle, Toyota

Auf Seiten Toyotas besteht ein grundsätzliches Interesse an Kooperationen mit Wettbewerbern. Toyota arbeitet beispielsweise nach wie vor mit dem französischen Unternehmen Manitou eng zusammen, das für Toyota bis 1996 Auftragsproduzent für Gabelstapler für den europäischen Markt war. Toyota sieht auch Möglichkeiten, das neu entwickelte System für Aktive Stabilität, kurz SAS, dem Wettbewerb zugänglich zu machen. In anderen Geschäftsbereichen, wie zum Beispiel in der Automobilindustrie, gibt es bereits schon seit einiger Zeit Kooperationen, zum Beispiel in Deutschland VW und in den USA General Motors.

Gerd Erke, Crown

Unsere hohe Fertigungstiefe spricht für sich. Der Austausch von Ersatzteilen, Zwischenprodukten, Bausätzen und Komponenten zwischen den europäischen und weltweiten Fertigungsstätten gehört zum Konzept von Crown.

Edwin Konopatsch, Kalmar

Durch den Zusammenschluß von Kalmar und Sisu zu Kalmar Industries unter dem Dach der Muttergesellschaft Partek haben sich zunächst einmal Entwicklungs- und Produktionspartnerschaften innerhalb der Unternehmensgruppe zwangsläufig ergeben. Das gilt gleichermaßen für Entwicklung und Konstruktion wie auch für die verschiedenen Produktionsstandorte in Schweden und Finnland. Die Frage nach entsprechenden Partnerschaften auch mit der Konkurrenz stellt sich gegenwärtig nicht, aber die Marktverhältnisse verändern sich ständig. Einer entsprechenden Zusammenarbeit steht Kalmar ohne Frage offen gegenüber. Wesentliche Voraussetzungen wären dabei zweifellos absehbare Vorteile für die Kalmar-Kunden und unbedingte Gewährleistung des hohen Kalmar-Qualitätsniveaus.

Bruno Haller, Stöcklin

Bei den Subsystemen Antrieb und Hydraulik halten wir uns an spezialisierte Anbieter, die mitunter auch andere Mitbewerber beliefern. Durch unsere Innovationsfreudigkeit (Drehstromlenkung, Drehstromantrieb) treffen unsere Spezialisten auch bei namhaften Zulieferfirmen auf offene Ohren. Dadurch sind in den letzten Jahren einige Neuentwicklungen entstanden, die von uns vorab eingeführt und später von den Mitbewerbern übernommen wurden.

Tuomo Häkkinen, Rocla

Im Prinzip sind wir im Hinblick auf gemeinsame Vorteile für eine Zusammenarbeit bei der Produktentwicklung. Aber die auf dem Markt angebotenen Geräte zunehmend und der Kunde muß bei der Produktauswahl auch Unterschiede finden können. Jeder Hersteller verleiht seinen Produkten eigene Züge. Eine zu ausgeprägte Zusammenarbeit könnte Systeme zerbrechen und ist auch nicht unbedingt zum Vorteil des Kunden, der das Gerät für seine eigenen individuellen Bedürfnisse anschafft. Eine Zusammenarbeit wäre am ehesten bei der Herstellung von Grundkomponenten wie Motoren, Rädern, Reglern und Hydraulik denkbar. Traditionelle Infrastuktur des Materialumschlags grenzt eine Zusammenarbeit bei der Produktentwicklung ein, so daß die Vorteile letztendlich gering wären.

Die Eigenherstellung bestimmter Teile wie Hubgerüste stellt für uns einen Wettbewerbsvorteil dar und der Gedanke einer Produktionszusammenarbeit liegt fern. Falls wir uns trotzdem für eine Zusammenarbeit entschließen sollten, dann würde dies auf Wunsch von Kunden erfolgen, beispielsweise im Hinblick auf neue Innovationen.

Franz-Josef Paus, Paus

Ist eine Kooperation denkbar? Sicher bei Antriebskomponenten und Verschleißteilen, wie beispielsweise Reifen, jedoch nicht bei tragenden Teilen oder Schlüsselbaugruppen wie dem Hubmast.

Winfried Westhoff, Tecklenborg (Mitsubishi)

Einige Hersteller machen uns ja bereits vor, was mit Gemeinschaftsentwicklung gemeint ist. Die sogenannten Juli-Motoren beispielsweise werden in Kooperation von Jungheinrich und Linde hergestellt. Aus Kostengründen mag solch eine Entwicklung sicherlich ihren Charme haben (insbesondere für Nischenprodukte). Allerdings bleibt abzuwarten, welche Erfahrungen in der Praxis gesammelt werden. Aus Sicht des Vertriebes (Produktunterscheidung) und der Servicetechniker (können dann ja bald beide Produkte warten) gibt es sicherlich noch einige kritische Anmerkungen.

Wolfgang Tietz, Svetruck

Partnerschaften pflegt Svetruck in ersten Linie zu den Lieferanten von Motor, Getriebe oder Antriebsachse und den entsprechenden elektrischen und hydraulischen Komponenten. Erfahrungsaustausch und Probeeinsätze liefern den ständigen Dialog zwischen diesen Herstellern und dem Spezialisten für alle großen Gabelstapler und mobilen Holzumschlagsgeräte.

Erschienen in Ausgabe: 10/2000