Leistungsträger

Anwendung In Thüringen steht eine der modernsten Landmaschinenfabriken Europas. Bei der Organisation des innerbetrieblichen Materialflusses – vom Wareneingang bis hin zum Geräteversand – hat man sich durchgängig für eine komplett staplergestützte Variante entschieden.

19. Mai 2008

Das Horsch-Werk in Ronneburg wurde 2007 im Beisein des Thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus eröffnet. Hier, auf der grünen Wiese zwar, aber in Sichtweite der A 4 und nahe des Hermsdorfer Kreuzes, entstand in kürzester Bauzeit auf einer Fläche von fast zehn Hektar die nach neuesten Erkenntnissen gebaute Landmaschinenfabrik. Gut 15,6 Millionen Euro investierten die Brüder Michael und Philipp Horsch, deren Stammwerk im bayerischen Schwandorf liegt, in das neue Werk. Die Auftragsbücher sind voll. Und so hat Geschäftsführer Michael Horsch sein Versprechen, 70 neue Arbeitsplätze zu schaffen, inzwischen weit übertroffen. Einschließlich der Zeitarbeiter sind mehr als 200 Mitarbeiter damit beschäftigt, Bodenbearbeitungs- und Sämaschinen für landwirtschaftliche Betriebe im In- und Ausland zu fertigen.

Im ersten Arbeitsschritt werden zentimeterdicke Stahlplatten und Rohre per Laser millimetergenau zurechtgeschnitten und anschließend zu Rahmen und Chassis verschweißt. Sie dienen als Basis für »Tiger«, »Pronto« oder »Sprinter«: Landmaschinen, die im neuen Werk ganz nach den individuellen Wünschen der Auftraggeber gefertigt werden. So handelt es sich zum Beispiel beim »Tiger« um eine Bodenbearbeitungsmaschine, deren Arbeitsbreite je nach Typ von 3 bis 7,50 Meter reicht. Das bis zu 7,8 Tonnen schwere Gerät ersetzt den sonst üblichen Pflug und bereitet im gleichen Arbeitsgang den Ackerboden zum Einbringen der Aussaat vor.

Robust und gleichzeitig präzise

Der ebenfalls technisch hochgerüstete »Sprinter« bringt das wertvolle Saatgut sicher in den Boden. Sensoren und eine ausgeklügelte Elektronik überwachen die eingestellte Furchentiefe im Acker und die Dosiermenge der Saatkörner an jedem einzelnen Schar und jeder Rohrleitung, durch welche die Körner vom Tank in den Boden geleitet werden. Um eine möglichst hohe Wachstumsrate der ausgebrachten Saat zu gewährleisten, wird eine exakt dosierte Menge an Düngemittel unter die Saatkörner gebracht, bevor dann im letzten Arbeitsgang die Furche wieder sauber verschlossen wird. Aufgrund der extremen Einsatzbedingungen in der Landwirtschaft müssen die Maschinen äußerst robust sein, jedoch gleichzeitig mit großer Präzision arbeiten.

Gefragte Geräte von hoher Effizienz

»Saatgut und Düngemittel sind sehr teuer. Je genauer und dosierter unsere Maschinen arbeiten, desto günstiger ist dies für die Landwirte«, erklärt Sven-Olaf Auerbach, Betriebsleiter der Horsch Maschinenbau GmbH in Ronneburg, den Erfolg »seiner« Geräte. Landmaschinen von Horsch sind gefragt, besonders in den angebotenen Größenordnungen. »In Ostdeutschland sind Betriebe mit bis zu 1.000 Hektar großen Anbauflächen keine Seltenheit. Auch in Frankreich, Spanien oder England werden auf den riesigen Gütern große Bearbeitungsmaschinen gebraucht «, weiß Betriebsleiter Auerbach.

Die Produktionsprozesse folgen der sogenannten Linienfertigung. Im Gegensatz zur Nestmontage, die im Stammwerk Schwandorf praktiziert und bei der jede Maschine an einem Platz zusammengebaut wird, gibt in Ronneburg ein Arbeitsteam nach abgeschlossenem Montageschritt die Maschine an das nächste Team an der Linie weiter. »Ähnlich wie in der Automobilindustrie arbeiten wir in fünf Schritten. Zunächst wird der Rahmen aufgestellt und mit den durch Stapler angelieferten Anbauteilen bestückt. Danach wandert der Rahmen zur nächsten Arbeitsgruppe, bis am Ende der Fertigungslinie die komplette Maschine aus der Halle transportiert wird«, erklärt der Sven-Olaf Auerbach den Ablauf.

21 Geräte starke Staplerflotte

Ein automatisches Fertigungsband sucht man in Ronneburg vergeblich. Für den Transport an der Linie und die Anlieferung der Teile dorthin werden Stapler verwendet. »Die 21 Geräte umfassende Flotte ist ein wichtiges Bindeglied unserer Intralogistik«, so der Betriebsleiter. Die Fahrzeugpalette reicht vom Hochhubwagen über Elektro-Gegengewichtstapler mit 2,0 bzw. 2,5 Tonnen Tragfähigkeit bis hin zum Diesel-Schwerstapler, der bis 16 Tonnen stemmt. Alle Fahrzeuge tragen das Logo von Linde (auf der Cemat vor und im Pavillon P32).

Wichtiges Argument für den Kauf der Linde-Stapler war die Technik der Geräte, deren Komfort und Umschlagleistung sowie ihre generelle Wirtschaftlichkeit. In technischer Hinsicht ist besonders die Linde-Load-Control (LLC) zur elektronischen Ansteuerung der Hubmastfunktionen hervorzuheben. Zwei Zentralsteuerhebel reichen für die komplette Bedienung von Hubmast und Zusatzhydraulik.

Viel Ergonomie für den Fahrer

Da die Hebel in eine Armlehne integriert sind, werden Schulter- und Oberarmmuskulatur des Fahrers nicht beansprucht. Zudem schützen die über Metalllager an Antriebsachse, Neigezylinder und Lenkachse entkoppelte Kabine und der ruckfrei arbeitende Hydrostatik-Antrieb den Fahrer vor Stößen und Schwingungen. Überhaupt die Ergonomie – untrennbar ist sie mit dem hydrostatischen Antrieb verbunden, dem wichtigsten Know-how-Teil der Stapler aus Aschaffenburg. So liefert die Doppelpedalsteuerung einen entscheidenden Beitrag zum Bedienkomfort, indem sich der Fahrer auf die zu bewegende Last konzentrieren kann und weder kuppeln noch schalten muss.

Während an der Fertigungslinie die Elektro- Gegengewichtstapler mit 2,0 bzw. 2,5 Tonnen Tragfähigkeit die halb fertigen Landmaschinen von einer Arbeitsgruppe zur nächsten ziehen, müssen im Wareneingangsbereich auch stärkere Gewichtheber ran. Für tonnenschwere Stahlplatten, Träger und Rohre kommen verbrennungsmotorische Stapler mit Tragfähigkeiten bis acht Tonnen zum Einsatz.

Ein wichtiger Bereich der Fertigungskette bei Horsch ist die Lackiererei. Auch hier im Einsatz: Flurförderzeuge von Linde. Per Gabelstapler werden die zu lackierenden Teile vom Lagerplatz abgeholt und an einem Gehänge befestigt. Von dort laufen sie automatisch durch die Lackierkabine, in der ein Roboter den Pulverlack aufträgt. Mit Farbe versehen, werden die Teile auf Abruf, also just in time, zur jeweiligen Fertigungslinie gebracht.

Auch wenn die bis zu acht Tonnen schweren Landmaschinen auf Schwertransporter verladen werden, ist dafür passendes Arbeitsgerät gefragt. Bei diesen Linde-Maschinen handelt es sich um den H 80 mit acht Tonnen Hublast und um den H 160 mit 16 Tonnen Hublast. www.linde-mh.de

Erschienen in Ausgabe: 03/2008