Die Schmitz-Werke in Emsdetten, führender Hersteller und Anbieter von Markisen, Beschattungssystemen und Dekorationsstoffen, haben den Informationsfluß mit dem Materialfluß in ihren verschiedenen Werksbereichen synchronisiert, indem sie in neue MDE-Terminals und eine moderne Datenfunk-Infrastruktur für verzögerungsfreie Datenerfassung investiert haben. Seit mehr als 50 Jahren als Unternehmen am Markt, verfügt die Münsterländer Firmengruppe inzwischen über Niederlassungen und Tochterunternehmen rund um den Globus. Mit mehr als 700 Mitarbeitern erwirtschaftet das aus zwölf Gesellschaften bestehende Unternehmen über 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr.

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Marktorientierte Organisation

Der Absatz vieler Webereierzeugnisse (wie beispielsweise der von MarkisenMarkisenstoffen) ist saisonal bedingt. Hinzu kommt, daß die von zahlreichen Kunden vorgegebenen Lieferfenster immer enger werden. Die immer höher werdenden Lieferfrequenzen bei immer kleineren Losgrößen, verbunden mit Auslieferungen just in time, erfordern auch in Emsdetten eine den Bedingungen des Marktes angepaßte Organisation in Produktion, Lager und Versand. Höchste Transparenz und zeitnahe Nachvollziehbarkeit aller Prozesse in diesen Bereichen sind unabdingbare Kriterien, um den gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Die Zufriedenheit der Kunden ist dabei oberstes Gebot. Daher haben sich die Schmitz-Werke darauf eingestellt, bestellte Ware möglichst noch am selben Tag zu liefern. Vor diesem Hintergrund müssen die Läger stets bedarfsgerecht gefüllt und alle Prozesse immer transparent und zeitgleich nachvollziehbar sein.

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Im Schuß- und Hauptgarnlager der Schmitz-Werke wurde bereits vor etlichen Jahren beleglos kommissioniert. Mit kabelgebundenen Barcodescannern an stationären Terminals wurden dort alle relevanten Daten aufgenommen. Auch im Hochregallager wurden die Einlagerungen der Fertigwaren über MDE-Geräte gebucht.

Probleme der Vergangenheit

Das Problem dabei war jedoch, daß alle Buchungen zunächst gepuffert wurden, bevor sie erst sehr viel später über eine Tastaturschnittstelle per Host-Programm ins Warenwirtschaftssystem übertragen wurden. Da die Meldungen an den stationären Terminals zudem mit zwischenzeitlichem Aufschreiben der Lagerorte verbunden waren, schlichen sich bei diesem Verfahren immer wieder Fehler ein, ganz zu schweigen von dem Umstand, daß die Informationen nie direkt zur Verfügung standen.

Mobile Artikelerfassung

Die besten Aussichten, um den innerbetrieblichen Datenfluß zu beschleunigen und transparenter zu gestalten, versprach damals - im Jahr 1996 - eine Lösung auf Datenfunkbasis. Über Fachberichte in Logistikmagazinen hatten sich die Verantwortlichen in Emsdetten diesem Thema genähert und wählten schließlich das Systemhaus IND Mobile Datensysteme in Willich als Partner für die geplanten Veränderungen. Hauptziel der Datenfunkinstallation war eine mobile Artikelerfassung direkt vor Ort samt einer unmittelbar im Lagerbestand wirksam werdenden Verbuchung.

Anfang 1997 wurde in der Textilproduktion ein Schmalbandfunksystem mit zunächst sieben Handgeräten in Betrieb genommen. Eine zwingende infrastrukturelle Voraussetzung für die Kommunikation mit dem übergeordneten EDV-System war dabei die Einrichtung eines Datenfunkservers. Zu diesem Zweck genügte ein normaler PC mit Linux-Betriebssystem, der nebenbei auch den Anwendungsbildschirm für eine bedarfsgerechte Darstellung auf dem Display der Handterminals konvertieren mußte.

Notwendige Veränderung

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem INDDatenfunksystem wurden im Verlauf der nächsten Jahre weitere Produktions- und Lagerbereiche der Schmitz-Werke in die Onlinekommunikation einbezogen. Mit der Ausweitung des Systems auf weitere Hallen stieß man langsam aber sicher an die physikalischen Grenzen der Schmalband-Funktechnik. Störende Verzögerungszeiten im Funkdialog zwischen Terminals und Funkserver sowie zeitweise Aussetzer aufgrund von Reichweiteproblemen trübten den ehemals guten Eindruck der Datenfunktechnik. Gespräche mit dem Lieferanten über die mit steigender Anzahl von Mobilterminals schlechter werdende Performance des Schmalbandsystems führten jedoch recht schnell zu einer Lösung.

Praxisgerechtes Funknetzwerk

Das Systemhaus IND, Partner des amerikanischen Funk- und Indentsystemeherstellers Symbol, empfahl die Umstellung auf Spread-Spectrum-Datenfunktechnologie, bei der quasi unbegrenzt viele PC-Terminals via Breitbandfunk im 2,4-GHz-Bereich mit einer oder mehreren Funkanbindungen innerhalb eines Wireless LANs miteinander kommunizieren können. Am Ende entschied man sich in Emsdetten nach der Beratung durch die Funkspezialisten aus Willich für das Symbol Spectrum 24. Das Wireless LAN bei den Schmitz-Werken besteht heute aus insgesamt 21 Netzzellen mit je einem Access-Point, die den erforderlichen Operationsbereich der mobilen Endgeräte teilweise sogar redundant abdecken und den Funkverkehr in dem jeweiligen Bereich abwickeln. Die 21 Access-Points des Datenfunksystems, die kompatibel sind mit dem Simple Network Management Protocol und eine vollständige Integration in die Netzwerk-Management-Struktur des Unternehmens erlauben, funken mit Spread-Spectrum- Technology in der Direct- Sequence-Betriebsart und erreichen Übertragungsraten von bis zu 11 Mbit/sek. Durch eine spezielle Technik werden die Netzzellen selbst bei hundertprozentiger Überlappung sauber voneinander getrennt. In jeder Netzzelle können parallel Datenübertragungen stattfinden, wodurch sich das Datenvolumen im Funk-LAN nahezu beliebig erhöhen läßt.

Leichte Integration

Ein großer Vorteil gegenüber den stationären Funkgeräten des Schmalbandsystems ist neben der vielfach höheren Übertragungsrate die leichte Integration der Access Points in vorhandene Netzwerke. Mußten früher aufwendige Verkabelungen vom zentralen Server zu den einzelnen Schmalband-Funkstationen hergestellt werden, so lassen sich die modernen Access Points mit minimalem Aufwand ins vorhandene LAN einbinden. Der Datenfunkserver des früheren Schmalbandsystems wird heute nur noch zu Zwecken der Datenkonvertierung benötigt. Da die Konvertierungsvorschriften frei konfigurierbar sind, lassen sich beliebige Anwendungen des ERP-Systems auf die Möglichkeiten der mobilen Terminals projizieren.

Mobile Funk-PCs

Für die Mitarbeiter in Lager und Produktion ist die Funktionalität der Handterminals von großer Bedeutung. Informationen, die auf dem Display des Terminals dargestellt werden, müssen schnell und sicher erfaßt werden können. Außerdem muß eine einfache Bedienung gewährleistet sein. Die neu eingeführten Handterminals aus der PDT 6800-Serie von Symbol basieren auf PC-Architektur mit DOS-Betriebssystem und zeichnen sich durch ein robustes und handliches Design aus. Sie verfügen über einen praktischen Pistolengriff, ein kontrastreiches Display und eine griffige Tastatur mit 35 Tasten für die wichtigsten Funktionen. Lithium-Ionen-Akkus mit hoher Kapazität sowie praktische Stromsparfunktionen stellen sicher, daß die mobilen Geräte auch über längere Schichten hinweg zuverlässig mit Energie versorgt werden.

Vielfältige Möglichkeiten

Die moderne Datenfunktechnologie mit den universell einsetzbaren Mobil- PCs ist heute aus der IT-Struktur der Schmitz-Werke nicht mehr wegzudenken. Neben üblichen Logistikanwendungen wie beispielsweise der Datenerfassung im Warenein- und -ausgang finden sich weitere Anwendungen in Produktion und Verwaltung. So wird neuerdings auch die jährliche Inventur mit Hilfe der Funkterminals abgewickelt. Seit Ende 2003 wird das ERP-System IMOS durch das Softwaresystem Invent der Aachener Inform GmbH bei der Durchführung von Stichprobeninventuren unterstützt. Das Stichprobensystem ermittelt aus dem gesamten Lagerbestand eine geringe Menge von Artikeln, die tatsächlich gezählt werden müssen. Der Rest wird durch mathematisch-statistische Verfahren hochgerechnet, so daß nur ein Bruchteil des normalen Erfassungsaufwands anfällt. Nach relativ geringfügigen Anpassungen an IMOS bzw. den Funkserver konnten die Inventur-Datenerfassungsmasken des ERP-Systems auf den neuen Funk-PCs abgebildet werden.

Heute läßt sich die bisher so lästige Inventur, die sich nunmehr nur noch auf wenige Lagerpositionen beschränkt, mittels Scannerterminal weiter vereinfachen. Die übersichtlichen Angaben auf dem Display führen die Mitarbeiter zu den ausgewählten Lagerplätzen, wo die Artikelnummer eingescannt und die ermittelte Menge der Ware über die Tastatur eingegeben werden. Auf diese Weise lassen sich Inventurarbeiten nahezu papierlos und höchst effizient erledigen. Dadurch, daß sich die Access Points problemlos und überall in das Netzwerk der Schmitz-Werke einbinden lassen, konnte auch die Stichtagsinventur im Lager des Tochterunternehmens Textiles BV im niederländischen Beverwijk via Datenfunk abgewickelt werden.