Logistikkonjunktur in Deutschland zieht wieder an

Die deutsche Logistikkonjunktur hat sich nach drei Quartalen mit rückläufigen Klimawerten im Frühjahr wieder spürbar belebt.

15. Juni 2012

Dies geht aus der jüngsten Erhebung (Mai-Befragung) für den Logistik-Indikator hervor, den das Institut für Weltwirtschaft im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) berechnet. Das Geschäftsklima konnte insgesamt um 8,5 Zähler auf 132,2 Punkte zulegen. Hierzu hat vor allem eine gegenüber der Winterbefragung deutlich verbesserte Lageeinschätzung beigetragen. Diese hat um knapp 14 auf 142,5 Indexpunkte zugelegt und konnte damit den jüngsten Einbruch fast wettmachen. Die Erwartungen hellten sich leicht um 3,1 auf 122 Zähler auf. Damit stehen die Zeichen in der deutschen Logistikwirtschaft wieder deutlicher auf Expansion. Geprägt wird die Aufwärtsentwicklung maßgeblich von der Anbieterseite (Logistikdienstleister), deren Klimawert kräftig um 15,2 Punkte auf 133,1 anzog, während die konjunkturelle Einschätzung bei den Logistikanwendern in Industrie und Handel – ausgehend von einem bereits deutlich höheren Vorquartalswert – praktisch stagnierte (neuer Indexstand: 131,4).

Die konjunkturelle Aufhellung auf der Anbieterseite zeigt sich sowohl in einer günstigeren Lageeinschätzung (Anstieg um fast 19 Punkte) als auch in optimistischeren Erwartungen (plus 11,5 Punkte). Alle Lagekomponenten haben sich deutlich verbessert. Die Kapazitätsauslastung hat das Normalniveau wieder überschritten und per Saldo bezeichnen mehr als die Hälfte der Befragten die Auftragslage als gut. Insbesondere der Auftragseingang aus dem Ausland hat kräftig angezogen. Auf Sicht der nächsten zwölf Monate wird mit einer weiter verbesserten Auftragslage gerechnet. Die aufgehellten Geschäftserwartungen schlagen sich in einer merklich höheren Investitionsbereitschaft nieder, während die Einstellungsbereitschaft etwas weniger stark aufwärts gerichtet ist als noch im Winter. Das nur geringfügig verbesserte Geschäftsklima bei den Logistikanwendern ist das Ergebnis einer gegenläufigen Entwicklung von Lage- und Erwartungskomponente. Einer um fast 9 auf 147 Punkte verbesserten Lageeinschätzung steht eine Erwartungseintrübung um gut 5 auf 115,7 Zähler gegenüber. Damit ist die Diskrepanz zwischen guter Lage und gedämpftem Optimismus wieder ähnlich ausgeprägt wie vor einem halben Jahr.

Noch deutlicher als die Anbieterseite haben die Anwender ihre Einstellungspläne revidiert; diese sehen für die kommenden 12 Monate keine Personalaufstockung mehr vor. Auch wenn die Anwender – ähnlich wie die Anbieter – hinsichtlich der zukünftigen Logistikbedarfe eine deutliche und gegenüber der Befragung im Winter noch kräftigere Expansion erwarten, so passt ihr sehr verhaltener Ausblick auf die allgemeine Geschäftsentwicklung derzeit nicht zu der von den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten erwarteten Eintritt der deutschen Volkswirtschaft in eine Hochkonjunkturphase.