Macher mit Sinn fürs Menschliche

Unternehmen

Porträt Messe machen und dabei Mensch bleiben – diesen Spagat bewältigt Peter Kazander auf beeindruckende Weise. Mit der Logimat hat der gebürtige Niederländer innerhalb weniger Jahre eine neue Messe zum Erfolg geführt.

24. Februar 2010

Die Tür zu Peter Kazanders Büro steht weit offen. Die Ärmel sind hochgekrempelt, er begrüßt seinen Gast mit festem Händedruck. Nur noch wenige Tage bis zum Start der Logimat. In den Büroräumen des Veranstalters, der Euroexpo am Joseph-Dollinger-Bogen in München, herrscht reges Treiben. Auf dem Schreibtisch von Messeleiter Peter Kazander stapeln sich die Dokumente. Trotzdem wirkt der 54-Jährige ruhig und entspannt. Ohne Umschweife beginnt er zu reden. »Wir machen die Messe nicht für die Aussteller. Wir machen sie auch nicht für die Gesellschafter. Wir machen die Messe für die Besucher.«

Während des Gesprächs sagt Kazander, der Teamplayer, immer »wir« und »unsere Messe«. Hinter seinem Schreibtisch hängen vier große Plakate nebeneinander an der Wand. Auf jedem einzelnen sind kleine Karten aus Karton angeordnet, alle säuberlich mit einer Stecknadel in der Mitte festgepinnt – die Hallenpläne. »Die stecke ich noch manuell. Jeder Stand wird aus einem farbigen Karton ausgeschnitten, auf dem ich notiere, welcher Aussteller neben wem und wo nicht stehen möchte. Das ist eine Heidenarbeit. Das kann man tagsüber nicht machen, da geht die ganze Zeit das Telefon. Das geht nur nachts und am Wochenende.«

In Zeiten wie diesen arbeitet Kazander 70 bis 80 Stunden in der Woche und geht, wie er sagt, nur zum Schlafen nach Hause. Doch es macht ihm Spaß, vor allem die Arbeit und der Umgang mit Menschen, wie er betont. Das Miteinander und die Aufgabe, gemeinsam mit den Ausstellern eine gelungene Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Letztlich gehe es um Respekt – vor Menschen im Allgemeinen und vor Kunden im Speziellen. Wenn Kazander das sagt, legt er den Finger auf die Lippen und schaut in die Ferne. Fairness ist ihm wichtig. »Darauf lege ich extremen Wert.« Diesen Satz sagt er langsam, Silbe für Silbe. Und fügt dann lachend hinzu: »Aber das klingt alles viel zu idealistisch.« Das wiederholt er noch einige Male.

Gesunder Unternehmergeist und fairer Umgang mit seinen Partnern – diese Mischung macht Kazanders persönlichen Erfolg und auch den der Logimat aus. Allerdings dauerte es ein paar Jahre, bis der Niederländer seinen Weg gefunden hatte. Mit 25 sei er »wach geworden«, erzählt der gebürtige Rotterdamer im weichen holländischen Tonfall: »Ich hatte gemerkt, dass es für mich noch etwas anderes geben musste, als Sachbearbeiter zu sein.« An der Abendschule holte Kazander das Abitur nach – in nur einem Jahr. Vorgesehen waren drei. Es folgten Stationen in Transportunternehmen und weitere Schulungen.

Mit 37 führte Peter Kazander die Liebe zu seiner deutschen Frau in die Bundesrepublik. In Duisburg war er als Abteilungsleiter im Logistikzentrum von Kühne+Nagel tätig. 1992 wechselte er in ein Software-Unter-nehmen. Bis zum Vertriebs- und Marketingleiter stieg er auf, entschied sich dann aber doch für den Wechsel zum Messeveranstalter Euroexpo.

Für seine vielfältige berufliche Laufbahn hat der Vater zweier Kinder eine einfache Erklärung: »Ich hatte immer einen Zehn-Jahres-Rhythmus. Alle zehn Jahren habe ich im Beruf etwas verändert. Das hält jung.« An die ersten Jahre als Leiter der Logimat erinnert Kazander sich genau, besonders an den ersten Messetag im Jahr 2005: »Punkt neun, Messebeginn. Ich wartete direkt am Eingang, mit Blick auf die Rolltreppe, die vom U-Bahn-Schacht zum Eingang führte. Doch die Treppe blieb leer, kein einziger Besucher. Da kriegst du kurz Panik.« Glücklicherweise stellte sich heraus, dass die U-Bahn-Strecke wegen eines Zwischenfalls gesperrt worden war. Die Messebesucher kamen dann doch, nur eben etwas später. Heute kann Kazander über diesen ersten Messetag herzlich lachen.

Nach acht Jahren Erfahrung als Messeleiter weiß Peter Kazander viel über die Besucher der Logimat, räumt aber ein, dass sie trotzdem »eine große Unbekannte« bleiben. Seine Gesten verraten, wie sehr ihn diese Unbekannte fasziniert: »Ich kann versuchen, den Besucher über Anzeigen, Fachartikel, Internet, Newsletter oder Suchmaschinen zu erreichen, aber ich kenne ihn nicht. Einen Unbekannten für etwas zu begeistern, macht es schwierig. Aber es ist eben auch spannend.«

Als Fachmesse für Distribution, Material- und Informationsfluss ist die Logimat inzwischen eine feste Größe im Terminkalender der Logistikbranche. Obwohl im Laufe der Jahre stark gewachsen und seit 2008 in der neuen Stuttgarter Messe am Flughafen zu Hause, hat die Logimat ihren fast familiären Charakter doch erhalten können. »Wir sind ein überschaubares Unternehmen«, erklärt Peter Kazander, »nur das macht es möglich, so persönlich mit den Kunden zu arbeiten, wie wir das tun.« Auf die Frage, welche Aufgabe er sich für die Zukunft noch vorstellen könne, reagiert Kazander gelassen. Der Mann, so viel steht fest, ist zufrieden. Dem Messebusiness, sagt Kazander, bleibe er auf jeden Fall verbunden.

Messe, das bedeutet auch Hektik und Stress. Da braucht es einen Ausgleich. Peter Kazander ist begeisterter Skifahrer. So oft es die Zeit erlaubt, geht es nach Südtirol, auch mit dem eigenen Wohnwagen. Ist das nicht ein bisschen eng, wenn man an das Platzangebot großer Messehallen gewöhnt ist? Kazander lacht: »Wieso eng?« Sein Wohnwagen ist neun Meter lang.

Erschienen in Ausgabe: 01/2010