»Made by Kocher bedeutet Qualität«

Interview

Unternehmen Nach dem Tod von Unternehmensgründer Alfred Kocher im Oktober vergangenen Jahres hat bei Kocher Regalbau, führender Anbieter von Hochregalanlagen, speziell im Bereich Silobau, ein Generationswechsel stattgefunden. Das Unternehmen wird jetzt von Alfred Kochers Sohn Frank und von Marion Bullinger geführt. Ein Gespräch über Gegenwart und Zukunft von Kocher Regalbau.

06. Februar 2013

Kocher Regalbau zählt zu den Pionieren im Hochregallagerbau. Wie ist das Unternehmen heute aufgestellt? Wo liegen die Zielmärkte? Und in welchen Dimensionen werden solche Projekte realisiert?

Frank Kocher: Um es vorweg zu nehmen, 2012 war für uns bisher das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte. Wir konnten einen Umsatz von über 35 Millionen Euro realisieren und dies in erster Linie mit unserem Hauptprodukt, dem dach- und wandtragenden Hochregalsilo.

Mit diesem sind wir groß geworden und seit über 45 Jahren erfolgreich am Markt. Ohne das große Vertrauen unserer Kunden und die in vielen Fällen jahrzehntelange Zusammenarbeit mit unseren Partnern wäre dies nicht möglich gewesen. All diesen Weggefährten gilt unser Dank. Mein Vater, Alfred Kocher, war als Mitbegründer der modernen Lagertechnik der Erste, der durch den Einsatz kaltprofilierter Stahlprofile derartige Anlagen überhaupt wirtschaftlich bauen konnte. Und an dieser Technologie werden wir auch künftig festhalten. Im Hochregalsilobereich können wir heute alles abdecken: Palettenlager, verschiedenste Systeme wie Karossenlager und Satellitenlager oder AKL-Versionen mit der dafür notwendigen Ausstattung, Bühnen zum Beispiel oder auch Zäune. Eben all das, was sich auf den reinen Regalbau bezieht. Die Dach- und Wandverkleidung gehört ebenfalls häufig zu unserem Lieferumfang.

Hauptsächlich sind wir in Europa aktiv. Ich schätze, circa 40 Prozent des Umsatzes machen wir in Deutschland und 60 Prozent außerhalb. In Asien konnten wir 2012 erstmals ein Projekt abwickeln. Und in diesem Jahr werden wir erstmals auch ein Hochregal-Projekt in den USA, in South Carolina, realisieren. Unsere Kompetenz, international Projekte auszuführen, steigt dadurch weiter. Der Dimension unserer Regalsysteme sind kaum Grenzen gesetzt, vor allem große Höhen gehören zu unserer Stärke. Projekte um 100.000 Palettenstellplätze und 4.000 Tonnen verbautem Stahl gehören zu unseren Referenzen.

Frau Bullinger, Herr Kocher, Sie beide führen jetzt, nach dem Tod von Alfred Kocher im Oktober letzten Jahres, die Geschäfte des Unternehmens. Welche Akzente wollen Sie in und mit dem Unternehmen setzen?

Marion Bullinger: Ich gehöre dem Unternehmen schon seit fast 18 Jahren an und habe seit 2001 die Position einer Geschäftsführerin inne. Umso mehr freue ich mich, mit dem Juniorchef zusammen das Unternehmen weiter genauso gewinnbringend und erfolgsorientiert zu leiten wie unter Alfred Kocher. In den vorangegangenen Jahren war ich mit dem Seniorchef oft bei Vergabeverhandlungen, auf Baustellen, bei Abnahmen der fertiggestellten Anlagen, auf zahlreichen Einweihungen und auch bei Grundsteinlegungen. So habe ich in diesen vielen Jahren das ganze Umfeld erfahren und die Technik verinnerlicht, mal abgesehen vom Personalwesen, das seit meinen Anfängen bei Kocher zu meinem Tätigkeitsfeld gehört. Da wir nun nicht mehr drei Gesellschafter, sondern zwei sind, konzentrieren sich meine Aufgaben jetzt mehr auf den Innendienst, was nicht heißt, dass ich bei dem einen oder anderen Vergabegespräch nicht doch dabei sein werde. Die gesamte kaufmännische Abwicklung zählt ebenfalls seit vielen Jahren zu meinen Schwerpunkten.

Frank Kocher: Jeder hat seine Aufgaben. Mein Schwerpunkt liegt klar auf dem Vertrieb und dem intensiven Austausch und Kontakt mit unseren Kunden. Die Ausrichtung des Unternehmens ist ebenfalls ein entscheidender Punkt meiner Arbeit. Frau Bullinger verantwortet, wie angesprochen, eher Themen wie Personal und Finanzen. Jeder von uns hat dabei seine strukturierten Aufgabengebiete, und das funktioniert gut. Wichtig ist, das möchte ich herausstellen, das Aufgebaute erfolgreich weiterzuführen, Kontinuität, Qualität und Solidität dem Kunden gegenüber immer wieder nachzuweisen. Das schließt auch ein, den Blick auf Veränderungen des Marktes nicht zu verlieren, um dann darauf reagieren zu können.

Und wie schätzen Sie den Markt für ihre Regaltechnologie momentan ein?

Frank Kocher: Unser Hauptprodukt, das Hochregalsilo, wird auch in den nächsten Jahren stark nachgefragt. Das legt der allgemeine Trend zu mehr Automatisierung nahe – wegen der gestiegenen Anforderungen an Lieferqualität und Lieferfähigkeit, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen. Unser Ziel muss sein, das Produkt noch leistungsfähiger im Hinblick auf Qualität, aber auch hinsichtlich des Kosten-Nutzen-Verhältnisses für unsere Kunden zu gestalten. Wir sind mittlerweile an einem Punkt, an dem die Regalanlagen ziemlich ausgereift sind. Aber es gibt immer noch Themen, über die man nachdenken kann. Und in die Richtung zielt unsere Produktstrategie.

Heißt das, Sie bieten das normale Palettenlager genauso an wie die Hochregalautomatisierung? - Frank Kocher: Die Automatisierung des Regals kommt nicht von uns, auch die Software nicht. Wir bieten das Regalsystem und auf Wunsch die Dach- und Wandverkleidung an. Somit sind unsere Anlagen Teil komplexer Projekte. Wir sind kein Generalunternehmer. Unsere Kunden sind Generalunternehmer, Planungsunternehmen und häufig auch die Endkunden selbst. »Technische Entwicklung« heißt daher für uns, zum Beispiel Profile statisch optimaler zu gestalten.

Ihre Referenzliste beinhaltet viele große, international tätige Unternehmen. Wie sind Sie außerhalb Deutschlands aufgestellt?

Frank Kocher: Wir haben außerhalb Deutschlands keine Niederlassungen. Die Gründe liegen vor allem in der Kundenstruktur. Unsere Präsenz in den Zielmärkten und der Vertrieb unserer Produkte ist durch Reisen effektiv abzudecken. Auslandsgesellschaften wären nicht rentabel. Ebenfalls spricht das kaum vorhanden Servicegeschäft im Regalbereich gegen weitere Niederlassungen. Durch diese Strategie garantieren wir auch eine optimale Betreuung unserer Kunden durch erfahrene Mitarbeiter und ausgewiesene Spezialisten im Silobau.

Sie stellen zum dritten Mal auf der Logimat aus. Was dürfen Ihre Kunden beziehungsweise die Standbesucher erwarten? - Marion Bullinger: Die Logimat ist für uns zum einen wichtig, weil sie in Stuttgart, also vor unserer Haustür, stattfindet. Zum anderen wollen wir uns natürlich auch unseren Kunden präsentieren, mit ihnen im Gespräch bleiben. Es ist eine schöne Messe, weil man Kunden trifft, die man möglicherweise nur einmal im Jahr sieht. Man bekommt mit, welche Projekte am Markt sind oder bevorstehen. Unsere Kunden wissen ja, was wir machen. Für uns ist es also wichtig, Präsenz zu zeigen.

Demzufolge ist die Logimat eine Kontaktbörse für Sie?

Frank Kocher: Ja, man erfährt dort, was am Markt läuft, wie die Aussichten sind und bekommt ein Gefühl für Branchenentwicklungen.

Und wie schätzen Sie die Entwicklung in Ihrem Marktsegment ein? - Frank Kocher: Sehr positiv, vor allem Deutschland ist derzeit enorm stark. Der prophezeite Abschwung und die oft angedeutete Marktsättigung sind nicht erkennbar. Länder außerhalb Deutschlands, vor allem der osteuropäische Markt, bieten häufig interessante Projekte und sind mittlerweile entscheidender Bestandteil unseres Umsatzes. Auf- und Abschwungphasen wird es immer geben. Aber langfristig betrachtet ist die gesamte Intralogistik-Branche in einer starken Position.

Um eine Vorstellung von der Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens zu bekommen: Welche Menge an Profilen haben Sie im letzten Jahr verbaut?

Marion Bullinger: Circa 20.000 Tonnen. Das ist seit 45 Jahren der größte Umsatz an Profilen. Gefertigt werden diese bei langjährigen Partnern. Hier bei uns in Stuttgart arbeiten 25 Mitarbeiter, die die Projekte konstruktiv und statisch auslegen und betreuen. Die gesamte Projektabwicklung kommt aus einer Hand. Montageleistungen kaufen wir bei bewährten Partnern zu.

Sie werben auf Ihrer Homepage mit dem Angebot, »Je nach Bedarfsfall die technisch optimale Lösung« zu bieten. Wie ist das zu verstehen?

Frank Kocher: Je nachdem, was der Kunde lagern möchte, gibt es verschiedene Anforderungen. Wenn es darum geht, diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat man verschiedene Möglichkeiten. Wir kommen aus dem Silobereich und können aufgrund unserer Erfahrung in der Statik und in der Konstruktion solche Lösungen erstellen, die für den Kunden optimal sind, sowohl in technischer als auch in preislicher Hinsicht. Die Kosten sind für unsere Kunden natürlich ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Lieferanten.

Wo liegen im Großsilolager-Bau die Herausforderungen, vielleicht in der schieren Größe? - Frank Kocher: Die Größe an sich ist nicht die entscheidende Herausforderung, Themen wie termingerechte Materialanlieferung oder Montagegeschwindigkeit bewegen uns viel mehr. Gerade statisch und konstruktiv aufwendige Projekte gehören zu unseren Stärken und erfordern teilweise mehr Know-how als reine Großprojekte. Bei einem Stuttgarter Autobauer bauen wir gerade ein Karossenlager unter extrem engen Platzbedingungen. Das Regal steht auf einer unterkellerten Betondecke. Für die Montage ist nur wenig Platz vorhanden. Ebenso sind vielerlei Portalausbildungen für die Fördertechnik zu berücksichtigen. Dabei kann man wirklich seine Erfahrung ausspielen.

Anspruchsvoll für die Profile wird es, wenn das Projekt sehr hoch und im Verhältnis dazu relativ schmal ist. Bei 40 Meter in der Höhe und 12 oder 13 Meter Breite ist es wichtig, auf optimal dimensionierte Profile zurückzugreifen, die den statischen Anforderungen des Silobaus standhalten. In diesem Zusammenhang noch ökonomisch zu bauen, das ist die eigentliche Herausforderung. Uns hilft dabei unsere Bauweise, der Einsatz kalt gewalzter Quadratrohre als Stützen. Das ist auch ein Unterschied zu einigen unserer Mitbewerber.

Was sind Ihre aktuellen Projekte?

Frank Kocher: Das Jahr 2012 war ein weiteres Jahr spannender Projekte. Beispielweise konnten wir eine große Anlage für einen international tätigen Getränkehersteller in England realisieren- In Tschechien waren wir für einen Autobauer tätig. Hier haben wir 1.700 Tonnen Profile in gut elf Wochen verbaut. In der Nähe von Frankfurt werden wir in Kürze für einen deutschen Lebensmittelgroßhändler ein großes Lager errichten und bald auch ein großes Lager für einen Buchhändler in Erfurt – beides große und anspruchsvolle Projekte. Was die technischen Herausforderungen betrifft, ist natürlich das Stuttgarter Karossenlager sehr interessant. Hier verbauen wir 180 Tonnen Profile und liefern die Dach- und Wandverkleidung.

Wie viele solcher Projekte können Sie im Jahr kapazitätsmäßig umsetzen? - Marion Bullinger: In der Regel sind es 25 Projekte, die in einem Jahr bei uns durchlaufen. Wir haben aber auch schon 27 Projekte in einem Jahr realisiert.

Frank Kocher: Gleichmäßig über ein Jahr verteilt gibt es kaum Grenzen. Spannend wird es, wenn viele Projekte gleichzeitig beginnen. Das stellt sehr hohe Anforderungen an das Projektmanagement, an die gesamte Logistik.

Was zeichnet Regaltechnologie »Made by Kocher« aus?

Frank Kocher: »Made by Kocher« bedeutet Qualität, Verlässlichkeit und die Spezialisierung auf den Silobau. Wir sind ein traditionell inhabergeführtes, mittelständisches Unternehmen. Werte wie Partnerschaftlichkeit und Vertrauen sind in unserem Geschäft entscheidend. Kurze Entscheidungswege und eine große Eigenständigkeit sollen die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten stärken. Unser Regalsystem stützt sich auf kalt gewalzte Quadratrohre. Wir haben keine Normregal- oder Einbauregalbauweise.

Das Doppelregal machen wir beispielsweise mit zwei statt mit vier Stützen. Das hat Vorteile für den Einsatz der Sprinkleranlage, weil keine Sprühbehinderung auftritt. Das bietet dem Kunden Kostenvorteile auch beim Betreiben des Lagers. Und wir haben die Längsauflagen nach innen gezogen. Das heißt, wir benötigen keine zusätzlichen Wandstützen zur Befestigung der Fassade. Sie wird direkt auf unsere Außenstützen montiert.

Im Schnelldurchlauf: Drei Gründe, warum sich ein Kunde für eine Lagerlösung von Kocher entscheiden sollte.

Frank Kocher: Unsere Erfahrung aus 45 Jahren Marktpräsenz, die Qualität unserer »Anlagen« und ganz wichtig unsere Flexibilität in der Projektabwicklung. Und der Preis passt natürlich auch.

Erschienen in Ausgabe: 01/2013