Der Jahreswechsel ist in der Logistikbranche traditionell die Zeit der harten Verhandlungen. Verlader und Spediteure sitzen am Tisch, um Frachtraten und Kontrakte für die kommenden zwölf Monate zu fixieren. Doch selten war die Gemengelage so komplex wie beim Übergang in das neue Geschäftsjahr.
Es ist nicht nur ein einzelner Kostenfaktor, der nach oben zeigt, sondern ein kumulativer Effekt aus regulatorischen Eingriffen, demografischem Wandel und makroökonomischer Inflation. Während die Einführung der CO2-Mautkomponente bereits ein massiver Schock war, folgen nun die Zweitrundeneffekte und weitere Anpassungen. Für Transportunternehmen ist die genaue Kenntnis dieser Kostentreiber überlebenswichtig, um margendeckende Preise durchzusetzen. Für die verladende Wirtschaft bedeutet es: Die Ära der sinkenden Transportkosten ist vorbei.
Das Wichtigste in Kürze
- Ausweitung der Mautpflicht: Die Einbeziehung von Fahrzeugen ab 3,5 Tonnen (seit Juli 2024 voll wirksam) belastet nun auch den Verteilerverkehr und Kurierdienste massiv, was sich zum Jahreswechsel in den Preisen niederschlagen muss.
- Steigende CO2-Bepreisung: Die nationale CO2-Steuer auf fossile Kraftstoffe steigt zum 1. Januar erneut an, was den Dieselpreis an der Zapfsäule und damit die operativen Kosten direkt erhöht.
- Lohn-Preis-Spirale: Der anhaltende Fahrermangel und Tarifanpassungen sorgen für signifikant steigende Personalkosten, die oft den größten Block der Gemeinkostensteigerung ausmachen.
Der Maut-Hammer: Von der Autobahn in die Innenstadt
Das dominierende Thema bleibt die Lkw-Maut. Die Bundesregierung hat die Maut von einer reinen Infrastrukturabgabe zu einem klimapolitischen Lenkungsinstrument umgebaut.
Die 3,5-Tonnen-Grenze: Lange Zeit waren „kleine Lkw“ zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen mautbefreit. Diese Lücke ist geschlossen. Seit Mitte 2024 greift die Mautpflicht auch hier. Zum Jahreswechsel werden viele Dienstleister, die diese Kosten bisher vielleicht noch intern abgefedert oder als „Einführungsphase“ betrachtet haben, ihre Preislisten anpassen müssen. Dies betrifft vor allem die City-Logistik und den Werksverkehr. Handwerksbetriebe genießen zwar unter bestimmten Voraussetzungen die „Handwerker-Ausnahme“, doch reine Logistikdienstleister müssen zahlen. Die Maut ist nicht mehr nur ein Thema für den Fernverkehr, sondern verteuert nun auch die letzte Meile.
Die CO2-Komponente: Der CO2-Aufschlag (in der Regel 200 Euro pro Tonne CO2) bleibt bestehen. Da die wenigsten Flottenbetreiber kurzfristig auf emissionsfreie Antriebe (E-Lkw oder Wasserstoff) umsteigen können, wirkt dieser Aufschlag wie eine reine Steuererhöhung. Für 2025/2026 ist zudem damit zu rechnen, dass die Emissionsklassen noch strenger gefasst werden, was auch moderne Euro-VI-Diesel nicht mehr vor hohen Abgaben schützt.
Energie: Der Diesel wird teurer – per Gesetz
Neben der Maut auf die gefahrenen Kilometer steigt auch der Preis für den Kraftstoff selbst. Der nationale Emissionshandel (BEHG) sieht eine stufenweise Erhöhung des CO2-Preises für fossile Brennstoffe vor.
Zum 1. Januar erfolgt in der Regel die nächste Anpassungsstufe. Für den Liter Diesel bedeutet dies einen Aufschlag von mehreren Cent rein durch die Steuerlast – unabhängig von den volatilen Rohölpreisen am Weltmarkt. Für die Kalkulation bedeutet dies:
- Dieselfloater anpassen: Starre Frachtpreise sind ein Risiko. Spediteure müssen zwingend variable Dieselfloater in ihren Verträgen verankern, die nicht nur den Rohölpreis, sondern auch die steuerlichen Abgaben (CO2-Preis) als Basis haben.
- AdBlue-Kosten: Auch die Kosten für das zur Abgasreinigung notwendige AdBlue verharren auf hohem Niveau, da dessen Produktion extrem erdgasintensiv ist.
Personal: Der teuerste Faktor ist der Mensch
Während Energie und Maut „Durchlaufposten“ sind, trifft der Personalkostenanstieg die Substanz der Unternehmen. Der Fahrermangel hat sich nicht entspannt – im Gegenteil. Die demografische Kurve zeigt steil nach unten: Jedes Jahr gehen deutlich mehr Berufskraftfahrer in Rente, als junge Fahrer nachrücken.
Dies führt zu einem Arbeitnehmermarkt. Um Fahrer zu halten oder neue zu gewinnen, müssen Löhne deutlich oberhalb des Mindestlohns gezahlt werden. Hinzu kommen Spesen, Zuschläge und Benefits. Doch nicht nur hinter dem Steuer steigen die Kosten. Auch in der Disposition, im Lager und in der Verwaltung schlagen Inflationsausgleichsprämien und Tarifsteigerungen zu Buche. Branchenexperten rechnen für das kommende Jahr mit einem Anstieg der Personalkosten von 5 bis 8 Prozent.
Versicherung und Werkstatt: Die versteckte Inflation
Ein oft übersehener Block sind die Sachkosten rund um den Fuhrpark.
- Fahrzeugpreise: Die Anschaffungskosten für neue Zugmaschinen und Auflieger sind in den letzten 24 Monaten um 20–30 % gestiegen. Das erhöht die Abschreibungen und Leasingraten.
- Reparaturen: Werkstattstunden und Ersatzteile sind massiv teurer geworden. Moderne Lkw sind hochkomplexe Computer; ein einfacher Spiegeltausch ist heute ein Austausch von Kamerasystemen inklusive Software-Kalibrierung.
- Versicherungen: Aufgrund der gestiegenen Reparaturkosten und der Zunahme von Großschäden (und Diebstählen) passen KFZ-Versicherer ihre Prämien für Flotten deutlich nach oben an.
Strategien für Verlader und Spediteure
Wie geht man mit diesem Kostenberg um? Einfaches „Weiterreichen“ funktioniert in einem kompetitiven Markt nur bedingt.
Für Spediteure: Transparenz ist die einzige Waffe. Pauschale Preiserhöhungen von „10 %“ werden von Einkäufern abgelehnt. Eine detaillierte Aufschlüsselung (Maut-Anteil, Diesel-Anteil, Personal-Anteil) schafft Akzeptanz. Zudem muss der Fuhrpark auf Effizienz getrimmt werden: Telematik zur Fahrstiloptimierung und Tourenplanung zur Vermeidung von Leerkilometern sind Pflicht.
Für Verlader: Der Fokus muss auf Prozessoptimierung liegen. Wenn die Transportkosten pro Kilometer steigen, müssen die Prozesse an der Rampe effizienter werden.
- Standzeiten reduzieren: Jede Stunde, die ein Lkw wartet, kostet Geld. Schnelle Abfertigung macht einen Verlader attraktiv („Shipper of Choice“).
- Auslastung erhöhen: Halbvolle Lkw sind Luxus. Durch Bündelung von Sendungen oder Kooperationen lassen sich die Stückkosten senken, auch wenn die Frachtrate steigt.
Fazit: Kostenwahrheit als neue Realität
Das Jahr 2026 markiert endgültig das Ende der „Billig-Logistik“. Die politischen Rahmenbedingungen (CO2-Bepreisung) und die demografische Realität (Fahrermangel) erzwingen ein höheres Preisniveau.
Dies ist jedoch nicht nur negativ zu bewerten. Die Kostensteigerungen, insbesondere durch die Maut, sind auch ein Treiber für Innovation. Sie machen den Einsatz von emissionsfreien Antrieben (E-Lkw), die bis 2025/2026 noch mautbefreit sind, erstmals wirtschaftlich kalkulierbar. Der Jahreswechsel ist somit der Startschuss für eine teurere, aber langfristig nachhaltigere Logistik.
