Herr Durach, wie wichtig sind zwischenmenschliche Beziehungen für die Lieferkette?

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Nicht nur in der öffentlichen Diskussion, sondern auch in der Logistikforschung wird aus unserer Sicht der Faktor Mensch in globalen Unternehmensnetzwerken allzu häufig vernachlässigt. Unternehmen werden oft als simple »Black Boxes« mit Input- und Output-Faktoren betrachtet. Aber auch in Zeiten der Digitalisierung und Automatisierung sind es immer noch Menschen, die Unternehmen führen und betreiben.

Wann ist das besonders relevant?

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Gerade in Stresssituationen sind menschliche Verhaltensweisen in der Regel maßgebend für das Handeln von Unternehmen. Dies ist auch in Bezug auf das Verhältnis zwischen Unternehmen ein relevanter Ansatzpunkt für die Forschung. In unserer Studie zur Bedeutung von zwischenmenschlichen Beziehungen im Risikomanagement von Lieferketten konnten wir zeigen, dass persönliche Beziehungen ein wichtiger Faktor in der erfolgreichen Abwicklung von Prozessen sind. Das Zusammenwirken von Einkäufern und Verkäufern zweier Unternehmen bestimmt letztlich, wie effektiv Unterbrechungsrisiken gemeistert werden können.

Haben Sie das so erwartet?

Unsere Hypothesen basieren auf Theorieansätzen der Verhaltenswissenschaften. Wir hatten die Ergebnisse zwar erwartet, waren dann aber doch erstaunt, wie stark zwischenmenschliche Beziehungen den Erfolg von Lieferkettenprozessen in Stresssituationen tatsächlich beeinflussen.

Ist ein qualifizierter Mitarbeiter wichtiger als gutes Material?

Die Frage sollte wohl eher lauten: »Ist ein qualifizierter Mitarbeiter wichtiger als ein guter Computer?« Seit nunmehr fast 100 Jahren sprechen wir davon, dass Maschinen die Menschen an ihren Arbeitsplätzen ersetzen werden und doch ist unsere Wirtschaft auch heute noch auf qualifizierte Mitarbeiter angewiesen. Auch wenn wir keine Vergleichsstudie durchgeführt haben, so können wir doch Aussagen darüber treffen, dass der Mensch auch in Zeiten der Automatisierung immer noch einen wichtigen Faktor für den Unternehmenserfolg darstellt. Maßnahmen wie Training, Weiterbildungen aber auch soziale Events gemeinsam mit dem Personal des Lieferanten führen zu einer Entwicklung von zwischenmenschlichen Fähigkeiten, die für Unternehmen essenziell sind.

Die Studie

Eine Studie unter Leitung von Christian Durach vom Lehrstuhl für Supply Chain und Operations Management (ESCP) hat untersucht, welche Bedeutung zwischenmenschliche Beziehungen für das Lieferketten-Risikomanagement haben. Dazu wurden 220 Einkäufer von produzierenden Betrieben befragt.

Ist die Automatisierung eine Gefahr für die Lieferkette, weil es da weniger »menschelt«?

Ich sehe die Automatisierung weiterhin als Chance für die Lieferkette, bin aber gleichzeitig der Meinung, dass der Mensch dabei nicht vergessen werden darf. Gerade in Ausnahmesituationen, zum Beispiel bei unerwarteten Lieferunterbrechungen, können diese weichen Faktoren eine Schlüsselrolle einnehmen. Manchmal hilft ein Telefonat mit einer vertrauten Kollegin oder einem Kollegen mehr als ein ausgefeilter Algorithmus.

Welche Konsequenzen sollten Ihre Ergebnisse im Unternehmensalltag haben?

Das Kernergebnis und die Implikation sind leicht zusammengefasst: Der Mensch darf im modernen Unternehmensalltag nicht vergessen werden. Die Automatisierung stellt einen zentralen Erfolgsfaktor der nahen Zukunft dar, aber ist im Bereich der interorganisationalen Prozesse nicht das alleinige Erfolgsmodell.

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Tobias Rauser