Herr Hager, als erster und bislang einziger Europäer leiten Sie eines der wichtigsten operativen Aufgabengebiete im japanischen Traditionsunternehmen Daifuku. Welche besonderen Fähigkeit mußten Sie dafür mitbringen?

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Es ist sicherlich von großer Bedeutung, die Geschäftspraktiken und auch die Mentalität eines japanischen Konzerns zu kennen. Ich habe dies durch eine mehr als zwölfjährige Erfahrung im mittleren und oberen Management eines japanischen Großkonzerns von der Basis an erfahren dürfen. Dies und eine solide technisch-wirtschaftliche Ausbildung sowie mein beruflicher Werdegang sind meines Erachtens die wichtigsten Kriterien. Dazu addieren sich natürlich alle auch bei uns relevanten Fähigkeiten.

Daifuku zählt weltweit zu den führenden Anbietern von Material-Handling-Systemen. Dennoch ist der Bekanntheitsgrad des Unternehmens in Deutschland weniger hoch als der vergleichbarer Firmen. Was sind die Ursachen?

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Wir haben in den boomenden Wirtschaftsjahren Anfang der 90er durch unsere Teilhaberschaft an Vanderlande Industries unter deren Namen firmiert. Hier wurde eine bedeutende Durchdringung speziell in Deutschland und in den Niederlanden mit einer großen installierten Basis erreicht, aber eben nicht unter dem Namen Daifuku. Mit dem Wiedererwachen unter den Namen Daifuku im Jahre 2000 sind wir in die mageren Jahre gerutscht, haben aber mittlerweile wieder unseren Mitbewerbern gezeigt, daß mit uns jederzeit zu rechnen ist. Vom Grundsatz her ist jedoch auch zu sagen, daß Marketing in japanischen Unternehmen nicht immer an erster Stelle steht. Diesbezüglich habe und werde ich weiterhin Abhilfe schaffen.

Wie beurteilen Sie die Chancen von Daifuku im deutschsprachigen Raum innerhalb der nächsten fünf Jahre, und welche Ziele haben Sie definiert?

Deutschland ist immer noch das Land, das Qualität an die erste Stelle stellt. Wir als japanisches Unternehmen mit standardisierten Produkten und der größten Erfahrungsbasis im Engineering werden im wiedererwachenden Marksegment der mittleren Anlagengrößen unseren Mitbewerbern Paroli bieten. Im skandinavischen Markt haben wir bereits jene Erfolge erzielt, die wir auch im deutschsprachigen Markt anpeilen. Wir werden auch in Deutschland in den nächsten fünf Jahren die Bedeutung erlangen, die uns auf Grund unserer Weltmarkstellung zusteht. Als Ziel in fünf Jahren haben wir uns gleiche und höhere Stückzahlen wie unter Vanderlande vorgenommen. Wir werden dem Segment Andere in der Marktaufteilung entwachsen und wieder beim Namen genannt werden.

Welche Bedeutung kommt im europäischen Geschäft von Daifuku der deutschen Niederlassung zu?

Die Welt des Material Handling hat sich gewandelt. Waren Europa und Deutschland früher eher nach Japan in die Automatisierung eingestiegen, werden heute im Gegensatz dazu die neuen Entwicklungen vom deutschen Markt aus bestimmt. Daher ist für uns speziell der Standort Deutschland mit dem größten Feld unserer Mitanbieter eine unverzichtbare Niederlassung, die Innovationen in das Mutterwerk Japan zurückliefert. Des weiteren vergessen wir bitte nicht, daß das neue Europa Deutschland mehr und mehr zum Mittelpunkt macht.

Als Anbieter von Material-Handling-Systemen beträgt der Anteil von Daifuku am Weltmarkt ca. 20 Prozent. In Japan, den USA und in Spanien liegt er sogar bei 50 Prozent. Welche Anteil peilen Sie mittelfristig mit Blick auf den deutschen Markt an?

Wie bereits erwähnt, werden wir dem Feld Andere entsteigen und uns mit einem Marktanteil um die zehn Prozent nur fürs erste zufriedengeben. Allerdings wird es schwierig werden, Marktanteile wie zum Beispiel in Spanien mit 50 Prozent auch in Deutschland umzusetzen. Hierzu ist die Zahl der Mitbewerber vorerst zu groß.

Wodurch unterscheidet sich das Angebot von Daifuku im Vergleich zu europäischen oder amerikanischen Anbietern?

Wir beschäftigen uns ausschließlich mit Vollautomatisierung im Bereich Material Handling. Unsere Geräte sind Standardprodukte, einige sind mit Stückzahlen von mehr als 20000 Geräten auf dem Markt. Trotz Konzern sind wir aber ein mittelständisches Unternehmen, das mit Team Spirit agieren kann und dies auch tut.

Hat die inzwischen mehrjährige Tätigkeit für ein japanisches Unternehmen auch den Privatmann Kurt Hager beeinflußt?

Selbstverständlich, nach über 16 Jahren in japanischen Unternehmen ist das unvermeidbar. Ich habe aber dabei gewonnen - man kann von den Japanern sehr viel lernen.