Optimale Automation

Hochregallager Eine wichtige Voraussetzung für den Unternehmenserfolg sind Anlagen nach Maß. Wie das Hochregallager von MFI für das Haus Rietho.

03. November 2006

Die Rietho GmbH mit Sitz in Steinach im mittleren Schwarzwald fertigt seit ihrer Gründung im Jahr 1986 Laser-, Stanz- und Biegeteile für ein breites Spektrum von Kunden aus der Industrie. Zu den Auftraggebern des blechverarbeitenden Unternehmens zählen der Automotive-Bereich, die Elektro- und Elektronikindustrie sowie die Küchen- und die Medizintechnik. Wobei das von Rietho gefertigte Teilespektrum ebenso vielfältig ist wie der Kundenkreis des Unternehmens. Die Basis bilden Dünnbleche von 0,5 bis 4 mm Dicke und maximal 3.000 mm Größe. Bearbeitet werden Stahl, Aluminium und (Edel-) Stahl. Besonderes Merkmal von Rietho wie der gesamten Branche ist der hohe Warenumschlag: »Die Blechbranche bewegt extrem viel Masse, um Umsatz zu generieren«, berichtet Albert Eble, Geschäftsführender Gesellschafter von Rietho. »Auf unser Haus bezogen sprechen wir in diesem Zusammenhang von 2.400 Tonnen Masse pro Jahr.«

Höchst unterschiedliche Versandeinheiten

Tag für Tag werden bei Rietho 30 bis 40 Sendungen mit bis zu 100 unterschiedlichen Einzelteilen versandfertig gemacht und auf den Weg zu 25 Kunden gebracht. Dabei setzen sich die Versandeinheiten aus höchst unterschiedlichen Gegenständen zusammen: von 8 kg wiegenden Leichtgewichten bis zu 1.000 kg schweren Gitterboxen. Hinzu kommen das Bestellverhalten der Kunden mit immer kürzeren Fristen und das ständig wechselnde Teilespektrum. Alles Gründe für Rietho, die interne Logistik so optimal wie möglich zu gestalten (zumal die Produktion seit geraumer Zeit mit modernsten Mitteln arbeitet). Rietho-Chef Albert Eble: »Automatische Fertigungszellen allein nützen auf Dauer wenig, wenn die Teile nicht ordentlich zwischengelagert und nicht geordnet in die nächste Arbeitsphase transferiert werden können.«

Für geordnete Lagerhaltung und ebensolche Abläufe in Steinach sorgt ein System des Intralogistikexperten MFI aus Benningen, ausgewiesener Spezialist für mittelständisch strukturierte Lösungen. Im Auf--trag von Rietho realisierte MFI Systemlogistik ein voll-automatisches Hochregallager für Gitterboxen, Europaletten und Ladungsträger in Sondermaßen. Mehr noch: Als Generalunternehmer trug MFI die Verantwortung für die Regalanlage in Silobauweise, für Dach- und Wandverkleidung, Regalbediengerät (RBG), Förderanlage, Anlagensteuerungen sowie Materialfluss- und Lagerverwaltungsrechner. Das Hochregallager ist eingassig angelegt, 46 m lang und 14 m hoch und wird von einem automatischen RBG bedient. Ausgelegt für doppelttiefe Lagerung bietet es 1.700 Stellplätze für Europaletten und Gitterboxen bis 1.000 kg.

MFI-Geschäftsführer Hans-Joachim Maier: »Die Anlage ist für unterschiedliche Paletten- und Gitterboxenkonturen ausgelegt. So können sowohl Paletten mit unterschiedlichen Höhen als auch solche mit verschiedenen Breiten ein- und ausgelagert werden.« Zudem bietet das Lager Stellplätze für überbreite Ladungsträger mit bis zu 1.500 mm breiten Blechen, die zwei herkömmliche Palettenplätze einnehmen. Darüber hinaus können Gitterboxen mit halber, normaler und mit Überhöhe (max. 1.370 mm) eingelagert werden. Damit die Ladung bei Bedarf auf der linken und rechten Seite etwas überstehen kann, ist das Lager etwas breiter angelegt als üblich. Inklusive Planung, Bau und Steuerung wurde die Anlage bei Rietho in der vergleichsweise kurzen Zeit von acht Monaten realisiert. Bereits im März dieses Jahres konnte sie in Betrieb genommen werden.

Deutliche Vorteile

Wie Albert Eble betont, sorgt das MFI-System dafür, »Rietho in der Produktionslogistik deutliche Vorteile zu verschaffen, indem wir Halbfertigteile so lange zwischenpuffern, bis sie für die Fertigstellung abgerufen und vollautomatisch angedient werden«. Auch dieser Prozess stellt gegenüber den alten Abläufen einen deutlichen Vorteil dar: »Früher hat es öfter mal geheißen, dieses oder jenes Teil stellen wir mal schnell dahin und arbeiten es morgen ab«, erinnert sich Eble schmunzelnd, »aber eine Woche später stand es dann unter Umständen immer noch da und war allenfalls ein oder zwei Mal umplatziert worden.« Heute würde das besagte Teil sofort eingelagert und exakt dann abgerufen, wenn es wirklich benötigt wird.«

Das neue Hochregallager bei Rietho bedient die Produktionsmaschinen ebenso wie die Peripherie zur Fertigbearbeitung der Produkte - Kantenmaschinen, Schweiß- und Schleifabteilungen sowie die Oberflächenbearbeitung. Zudem werden Fertigteile bis zum Versandabruf vorgehalten, dann vollautomatisch ausgelagert und in den Warenausgang transportiert.

Doppelttiefe Lagerung

Sowohl das Hochregallager als auch das Regalbediengerät bietet Leistungs- und Kapazitätsreserven. Ausgelegt auf 30 Doppelspiele pro Stunde liegt die Leistung je nach Bedarf bei 200 bis 300 Lagerbewegungen pro Tag. »Das mag für ein herkömmliches Hochregallager nicht besonders viel sein, bei unserer doppelttiefen Lagerung und den unterschied-lich dimensionierten Ladeeinheiten aber ist es eine große Menge«, wie Rietho-Chef Albert Eble betont.

Für Hans-Joachim Maier von MFI Systemlogistik ist wichtig, dass mit Blick auf die indivi-duellen Anforderungen von Rietho hinsichsichtlich Artikelbeschaffenheit, Teilevielfalt und Lagerfunktion »eine echte Mittelstandslösung« generiert werden konnte: »Wir haben bewährte Systeme an die spezifischen Kundenanforderungen angepasst.« Auf diese Weise unterstützt das neue Lager Riethos innerbetriebliche Logistik vom Wareneingang bis zum Versand - und liefert die in der Teilefertigung längst vollzogene Automation nun auch in der Intralogistik. Aus gutem Grund, denn in der schnelllebigen Blechteilebranche mit immer spezifischeren Kundenanforderungen muss man, so Rietho-Chef Eble, »immer etwas besser sein als die Mitbewerber, um sich behaupten zu können«.

Erschienen in Ausgabe: 05/2006