Patente Prognosen

Planung Automatische Dispositionssysteme erleichtern Logistikdienstleistern die optimale Planung von Beständen und Lieferketten. Dr. Andreas von Beringe, Gründungsmitglied und Chief Executive Officer von SAF, sagt, wie’s geht.

03. November 2006

Wenn im Supermarktregal plötzlich die begehrte Bitterschokolade fehlt oder beim Jogurt große Lücken klaffen, dann ist dies nicht nur für den Kunden ein Ärgernis. Auch für die Logistikdienstleister können solche Pannen schwerwiegende Folgen haben: Treten öfter Fehler bei der Belieferung auf, kündigen die Handelsketten bestehende Aufträge und wechseln zur Konkurrenz.

Logistikdienstleister haben keinen leichten Stand. Einerseits müssen sie den Warenbestand in ihren Lägern so hoch ansetzen, dass sie eine annähernd hundertprozentige Lieferfähigkeit gewährleisten können. Andererseits sollen Bestände aber so niedrig wie möglich sein, um die Kosten im Griff zu halten. Zwischen diesen beiden Polen die Ba--l-ance zu finden, ist die große Herausforderung.

Früher stützten sich die Mitarbeiter der Zwischenläger dabei vor allem auf ihre langjährige Erfahrung. Doch diese Methode war nicht nur fehleranfällig, sondern auch sehr zeitaufwändig. Schließlich mussten die gewonnenen Erfahrungswerte immer wieder manuell in das entsprechende Dispositionssystem eingegeben werden. Schneller geht es dagegen mit einer automatischen Nachschubplanung. Systeme wie die Prognosesoftware SuperWarehouse der SAF AG sind inzwischen so ausgereift, dass sie einen Automatisierungsgrad bis nahezu 100 Prozent erreichen.

Prognosesoftware von großer Genauigkeit

Bei der Bestandsermittlung berücksichtigt die Software unter anderem die kumulierten Abverkaufsdaten aus den Filialen der Auftraggeber. Darüber hinaus werden zur Berechnung des kostenoptimalen Bestands auch so genannte asymmetrische Kosten mit einbezogen. Diese können beispielsweise dann entstehen, wenn der Umsatzausfall auf Grund nicht verfügbarer Ware die Kapitalbindungs- und Lagerhaltungskosten für einen höheren Bestand übersteigt.

Auf Grund ihrer Genauigkeit ermöglicht die Prognosesoftware deutliche Bestandsverringerungen. Wodurch bei gleich bleibender Lieferfähigkeit sowohl im Lager als auch entlang der logistischen Kette erheblich weniger Kapital gebunden wird. Auch der Handlingaufwand im Lager reduziert sich durch die verringerten Warenmengen. Sind im Rahmen unternehmensübergreifender Prozessketten auch Lieferanten eingebunden, profitieren auch sie vom Einsatz der Software. Denn die Prognose der artikelgenauen Bedarfsmengen sorgt bei den Herstellern für eine fundierte Basis ihrer Produktionsplanung und -steuerung.

Dass eine solche Vorhersage tatsächlich funktioniert, zeigt die Erfahrung. So konnte ein Kunde der SAF AG innerhalb von drei Monaten bei einem Spektrum von nahezu 3.000 Artikeln die Warenbestände um 29 Prozent und die Nullbestände um 62 Prozent reduzieren. Der Warenumschlag legte um 28 Prozent zu. Das Unternehmen erhielt so Raum für ein erweitertes Warensortiment und realisierte durch die gesteigerte Effizienz im Warenfluss einen höheren Service-Level.

Weltweiter Austausch von Logistikdaten

Die SAF-Dispositionssoftware steht mittlerweile auch den mehr als 10.000 Anwendern der Online-Logistikplattform AX4 direkt zur Verfügung. AX4 liefert dabei die aktuellen Bestandsdaten, SuperWarehouse prognostiziert darauf basierend den künftigen optimalen Lagerbestand. Die neutrale und flexible Plattform zur Steuerung, Optimierung und Kontrolle von logistischen Geschäftsabläufen integriert die IT-gestützten Prozesse. Dadurch können alle an der Lieferkette Beteiligten - vom Hersteller über den Transporteur bis hin zum Verlader - ihre Logistikdaten weltweit austauschen und Anwendungen für die Beschaffungs- und Distributionslogistik nutzen. Die durchdachte Supply-Chain-Management-Lösung integriert dabei alle involvierten Partner entlang der gesamten Prozesskette und stellt ihnen eine Vielzahl von Standards für die Kommunikation zur Verfügung.

SAF AG

Kluge Systeme aus der Schweiz

Die SAF AG wurde 1996 von Dr. Andreas von Beringe (Foto) und Professor Dr. Gerhard Arminger gegründet und beschäftigt inzwischen über 60 Mitarbeiter. Bei der Etablierung automatischer Dispositionssysteme auf Basis präziser Abverkaufsprognosen hat das Schweizer Softwareunternehmen mit Sitz in Tägerwilen eine Vorreiterrolle übernommen. Im Geschäftsjahr 2005 erzielte SAF Umsatzerlöse in Höhe von 7,4 Millionen Euro und ein Konzernergebnis in Höhe von zwei Millionen Euro.

Erschienen in Ausgabe: 05/2006