Perfekte Versorgung

Technik

Energieführungssysteme - Beim Warenumschlag in Seehäfen drängt die Zeit: Durchsatz heißt die Devise. Um die Prozesse zu optimieren, hat Kabelschlepp robuste Energieführungen mit einem intelligenten Notfallsystem entwickelt.

02. April 2009

Krananwendungen mit Verfahrwegen von 500 Metern oder mehr sind keine Seltenheit in Hafenanlagen. Das stellt besondere Anforderungen an die Leitungsführung für die Energie- und Datenversorgung. In gleitender Anordnung unterliegen Energieführungsketten und Leitungen wegen der hohen Reibungskräfte starkem Verschleiß. Daher sind diese Verfahrwege ab einer bestimmten Länge kaum noch realisierbar. Kabelschlepp hat einen anderen Ansatz gewählt: rollen statt gleiten. Bei der innovativen Energieführung Rail Cable Carrier (RCC) gleitet die Last nicht auf dem Untertrum, sondern fährt mittels einer Stützkonstruktion über zwei Ebenen. Kugelgelagerte Rollen werden dafür seitlich an der Kette befestigt und sind somit einfach zu montieren.

Sicherheit durch Ketten- Aufsteigschutz

In der oberen Ebene rollt das Obertrum der Energieführungskette in den Führungsschienen, das Untertrum wird im unteren Teil des Systems abgelegt. Dabei passen sich die Rollen in U-förmig ausgesparte Halterungen ein, was trotz minimalem Spiel in den Kettengliedern die Energieführung zuverlässig in Position hält. Durch diese gestützte Führung wird selbst bei intensivem Einsatz ein Durchhang der Kette vermieden. Zug- und Schubkräfte werden im Vergleich zur gleitenden Anordnung um zirka 90 Prozent reduziert, und damit deutlich auch die erforderliche Antriebsleistung. Aufgrund der niedrigen Schubkräfte und der geringen Rollreibung kommt es nicht zum Aufsteigen der Kette; zusätzliche Sicherheit gibt der integrierte Aufsteigschutz durch Umkantungen an der Kanaloberseite. Die Verschleißerscheinungen werden, anders als bei einer gleitenden Anordnung, mit dem RCC minimiert. Daraus resultieren stark verlängerte Wartungsintervalle, was Zeit und Materialkosten spart. Durch die Konstruktion und Anordnung der Führungsschienen auf Standard-Anschlusshöhe erzielt die Anlage einen geringen Kettenverschleiß, schonendere Leitungsführung, reduzierten Wartungsaufwand und eine längere Lebensdauer, da die Gegenbiegung entfällt.

Leiser Lauf im System

Außerdem ist keine zusätzliche Bahnhofslänge, wie bei gleitender Anordnung mit tiefem Anschluss üblich, nötig. Dieser Bereich, in dem das Obertrum auf das Untertrum geführt wird, kann nicht zum Verfahren genutzt werden. Beim RCC hingegen entsteht durch die Standard-Anschlusshöhe nur ein minimaler Bogenüberstand. Das spart Platz und dank der dadurch verringerten Leitungs- und Kettenlänge ebenfalls Kosten. Das System zeichnet sich durch einen leisen, vibrationsarmen Lauf aus, ermöglicht hohe Geschwindigkeiten von bis zu zehn m/s sowie Zusatzlasten von über 50 kg/m.

Entkopplung bei Ausfall

Es eignet sich zusätzlich für den Einsatz mit bewährten Standard-Energieführungsketten. Zusätzlich zum Rail Cable Carrier hat Kabelschlepp den Emergency Cable Carrier (ECC) entwickelt: ein Entkopplungssystem mit Not-Aus-Funktion, das bei plötzlicher Blockade den Komplettausfall der Energie- und Datenversorgung verhindert. Dank des intelligenten Entkopplungssystems werden teure Ausfall- oder Stillstandszeiten sowie aufwendige Reparaturarbeiten vermieden, was sich beispielsweise bei folgendem Szenario bezahlt macht: Ein großes Containerschiff im Hamburger Hafen soll gelöscht und neu beladen werden. Das muss bei hunderttausend Euro Liegegebühren pro Tag schnell geschehen. Doch der Umschlagprozess wurde gestoppt. Grund hierfür ist ein defekter Containerkran – ein Hindernis lag im Verfahrweg des Energieführungssystems. Die Kette ist zerstört, die Leitungen sind ausgerissen – der Kran steht still. Ein kostspieliger Vorfall an der Krananlage, für die die technische Zuverlässigkeit ein wichtiger Faktor ist.

Intelligente Lösungen gegen Blockaden

Intelligente und flexible Lösungen sind hier gefragt – wie der ECC, der für Anwendungen mit langen Verfahrwegen und rauen Umgebungsbedingungen wie in Häfen, Kohle- und Stahlwerken konzipiert wurde. Das Entkopplungssystem von Kabelschlepp ist für Blockaden entwickelt und setzt sich aus einer Haupt- und einer Notfallkette zusammen. Es erkennt sofort in alle Richtungen die Blockade der Hauptkette und schaltet die Anlage umgehend ab. Ausgelöst wird damit nicht nur die Abschaltung, sondern auch die Abbremsung, wenn die voreingestellte Maximalkraft am Mitnehmer der Hauptenergieführungskette überschritten wird. Die Energieführung ist mit einer Überbrückungssicherung ausgestattet: Der Hauptkette ist die Notfallkette angegliedert, die bei Normalbetrieb in einem Kettenwagen über einen Mitnehmerarm mit dem dynamischen Verbraucher verfährt. Wurde eine Blockade von dem Kabelschlepp-Notfallsystem erkannt und die automatische Notabschaltung ausgelöst, bleibt die Hauptkette stehen, der Mitnehmer koppelt sich aus und verfährt mit der Notfallkette weiter. Diese wird, wie auch der Kettenwagen, dem Bremsweg der jeweiligen Applikation entsprechend angepasst.

Erschienen in Ausgabe: 02/2009