Praxiseinsatz: Tracker macht Paletten intelligent

Das Internet der Dinge soll für die Logistik massentauglich werden. Die Deutsche Telekom, das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und die European Pallet Association (EPAL) haben die ersten 500 intelligenten Paletten im Praxiseinsatz.

17. Oktober 2018
Der eingebaute Low Cost Tracker liefert Daten über die Position der Palette oder des Ladungsträgers, erkennt Bewegungen und misst den Temperaturverlauf. © Deutsche Telekom
Bild 1: Praxiseinsatz: Tracker macht Paletten intelligent (Der eingebaute Low Cost Tracker liefert Daten über die Position der Palette oder des Ladungsträgers, erkennt Bewegungen und misst den Temperaturverlauf. © Deutsche Telekom)

Wie die Unternehmen mitteilen, seien Verlust und Verzögerung zwei der größten Herausforderungen der Logistik. Frachtdiebstahl koste die Unternehmen jedes Jahr Milliarden Euro. Wegen fehlender oder falscher Informationen erreichten 30 Prozent aller Lieferungen weltweit nicht rechtzeitig ihr Ziel. „Intelligent vernetzte Paletten sind das neue Datengold der Logistik“, schreiben Telekom, Fraunhofer IML und EPAL. Sie haben eine neue Generation der standardisierten Palette auf dem Deutschen Logistik-Kongress vorgestellt. Unternehmen könnten so den Gütertransport über Wasser, Schiene und Straße mit der intelligenten Palette noch gezielter steuern. 

„Mit den intelligenten Paletten beginnt für EPAL eine neue Ära. Entscheidend für uns ist das Innovationspotential durch die neue Verfügbarkeit von Daten. So können wir unseren Kunden zuverlässige Mehrwerte bieten und ein für uns nachhaltiges Geschäftsmodell schaffen, sagt Ingo Mönke, Vorstandsvorsitzender der GPAL, des deutschen Nationalkomitees der European Pallet Association e.V. 

Der kleine Tracker wurde in den Telekom Open IoT Labs beim Fraunhofer IML entwickelt. Hier erfolgte auch der Einbau in 500 Paletten von EPAL. Der so genannte Low-Cost-Tracker kann die Position bestimmen sowie Bewegung, Schockeinwirkungen und Temperaturverlauf abrufen. Ein wasserfester Sensor registriert Stöße, Lage, Kippwinkel, Beschleunigungen und Temperatur der Palette. Die Palette meldet sich selbständig bei Abweichungen durch Erschütterungen oder Temperaturschwankungen. Sie gibt ihre aktuellen Daten automatisch an ein eigenes Portal. „Wir haben den Low-Cost-Tracker spezifisch für EPAL als einen unserer ersten Kunden gebaut. Allein in Europa hat die Vereinigung mehr als 500 Millionen Paletten im Umlauf. Dies ist ein riesiges Potenzial zur Digitalisierung der Lieferkette“, sagt Ingo Hofacker, verantwortlich für das IoT-Geschäft in der Deutschen Telekom.

Durch die robuste und kompakte Bauweise lassen sich die Tracker praktisch in jeden Ladungsträger einbauen, verspricht die Telekom. Der Datenaustausch erfolgt über das Maschinen- und Sensoren-Netz der Telekom, in Fachkreisen NarrowBand IoT (kurz: NB-IoT) genannt. Durch ihre besonderen Eigenschaften sei diese Schmalbandtechnologie ein idealer Wegbereiter für das Internet der Dinge. „Sie eröffnet eine drahtlose Zukunft mit sicherer, stabiler und robuster Konnektivität, die praktisch überall funktioniert.“ Vorteile der neuen Technologie sind ein niedriger Energiebedarf, geringe Kosten und eine hohe Durchdringung in Gebäuden. Die Batterielaufzeit beträgt zehn Jahre. Die Datenflatrate kostet einmalig zehn Euro für 10 Jahre. Auch soll die Nutzung von lizenziertem Spektrum und 3GPP-Standardisierung für Sicherheit auf LTE-Basis sorgen. 

„Der Low-Cost-Tracker macht Ladungsträger intelligent und hebt das Datengold der Logistik. Das wird der entscheidende Wettbewerbsvorteil in der Logistik. Für eine Skalierung im Milliardenbereich ist ein weltweiter Standard mit einer sicheren Zertifizierung und Authentifizierung, zum Beispiel per SIM-Karte, ebenso unerlässlich wie auf lange Sicht garantierte, stabile Netze, konkurrenzfähige Preise und Flatrates. Das kann zurzeit nur NB IoT“, sagt Professor Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML.