Die Risiken in der Supply Chain nehmen zu. Laut Ihrer Umfrage mit mehr als 100 Teilnehmern lassen sich durch ein proaktives Supply Chain Risk Management Risiken vermeiden, frühzeitiger erkennen und schneller mit definierten Maßnahmen beseitigen, um wirtschaftliche Schäden zu verhindern oder zu minimieren. Was ist Ihrer Meinung nach der hauptsächliche Risikotreiber, Herr Müller-Dauppert?

Durchschnittlich ereilen jedes Unternehmen zehn Störungen, wobei 3% davon als existenzbedrohend zu bewerten sind. Für die existenzbedrohenden Störungen sind in hohem Maße die direkten Lieferanten (33%) verantwortlich. Auch bei der Betrachtung aller Störungen insgesamt führen die direkten Lieferanten die Rangliste mit 14,4% der Nennungen an, dicht gefolgt von den logistischen Dienstleistern mit 13,6%. Die hohe Anzahl an Störungen bzw. die Anfälligkeit für Störungen der externen Partner demonstriert wiederum die Relevanz des Themas Logistikoutsourcing im Rahmen eines ganzheitlichen Supply Chain Risk Managements.

Wie hoch ist die Relevanz unternehmensübergreifender Supply-Chain-Risk-Management-Prozesse?

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Obwohl die höchsten Risiken und Störungen bei externen Partnern (direkten Lieferanten / logistischen Dienstleistern) gesehen werden, hat nur rund ein Drittel der Befragten einen unternehmensübergreifenden Supply-Chain-Risk-Management-Prozess definiert. Positiv zu bewerten ist allerdings, dass sich rund ein Drittel der Befragten regelmäßig über Informationen mit den Supply-Chain-Partnern austauschen, und bei fast zwei von fünf Unternehmen erfolgt der Austausch zumindest in unregelmäßigen Abständen. Als Gründe für die mangelnde Zusammenarbeit der Supply-Chain-Partner im Risk Management werden in der Studie unterschiedliche Faktoren angeführt. Diese reichen von unzureichender Ressourcenverfügbarkeit über mangelnde Transparenz, fehlende technologische Voraussetzungen bis hin zu fehlendem Know-how bei der Umsetzung der Initiativen. Interessant ist, dass wider Erwarten eine geringe Akzeptanz und fehlendes gegenseitiges Vertrauen eher als nachrangige Gründe für die mangelnde Zusammenarbeit genannt werden. Die Ressourcenbereitstellung sowie die strukturelle Ausrichtung der Prozesse sind entscheidend, um den Risiken der Supply Chain effizient zu begegnen.

Wird die Bedeutung des Supply Chain Risk Managements in Zukunft zunehmen?

Eindeutig ist die Aussage der Teilnehmer, dass die Bedeutung des Supply Chain Risk Managements in Zukunft allgemein (90%) und im eigenen Unternehmen (94%) zunehmen wird. Dabei kann ein holistisches Supply Chain Risk Management einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg sowie zur Risikominimierung in allen Unternehmensbereichen leisten und eine schnellere, effizientere Lösungsfindung bei Störungen ermöglichen. Die größten Umsetzungsdefizite werden von den Teilnehmern der Studie bei den Sublieferanten (67%) gesehen. Grund hierfür dürfte die mangelnde Zugriffsmöglichkeit sein, da hier kein direkter Kontakt und auch keine direkte Vertragsbeziehung besteht. Als hauptsächlicher Risikotreiber heute und in fünf Jahren ist die zunehmende Supply-Chain-Komplexität durch die Globalisierung und der damit einhergehenden Reduzierung der Fertigungstiefe zu nennen. Ein deutlicher Anstieg des Risikos wird bezüglich der Cyberkriminalität, aber auch beim Outsourcing erwartet. Ein erhöhtes Risiko sehen die Studienteilnehmer bei den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Einflüssen.

Herr Müller-Dauppert, was stellt die größte Herausforderung beim Supply Chain Risk Management dar?

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Die durchgriffstarke Verankerung in der Aufbauorganisation, die rechtzeitige und ausreichende Ressourcenbereitstellung sowie die ganzheitliche Betrachtung der Supply Chain bei steigender Komplexität stellen aus unserer Projekterfahrung die größten Herausforderungen beim Supply Chain Risk Management dar. Außerdem sind umfangreiche, standardisierte IT-Lösungen für ein effizientes Supply Chain Risk Management notwendig, die bis dato aber nur in Teilen abgedeckt werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die vollständige Studie kann angefordert werden bei Ralf Hoffmann (hoffmann@miebach.com).