Sag bei Miele leise Servus

Spezial / Antriebs- und Fördertechnik

Intralogistik - Miele setzt in der Materialbereitstellung im Leichtguttransport seit zwei Jahren auf den Intralogistik-Baukasten von Servus. 26 autonome Transportroboter sorgen im Stammwerk in Gütersloh dafür, dass das Material zur richtigen Zeit zu den richtigen Montagelinien gelangt.

10. November 2015

Die Devise bei Miele »Qualität, die über viele Jahre besteht« gilt seit jeher. So hoch wie der Hersteller von Haushaltsgeräten die Messlatte für seine Produkte legt, so hoch legt er sie auch bei seinen Zulieferern. Deshalb hat sich Miele dazu entschieden, seinen Materialfluss mit Hilfe von Servus Intralogistics, Generalunternehmer für Intralogistik-Lösungen, zu optimieren. Zuvor wurden sämtliche Kleinteile für die drei Montagelinien, über die im Stammwerk in Gütersloh täglich 4.500 Waschmaschinen gefertigt werden, aus einem traditionellen Kleinteilelager mit Regalbediengeräten versorgt. Die Wege waren früher weit zwischen den Montagelinien in der Werkhalle und dem Kleinteilelager in einer anderen Halle. Allein der Materialfluss erforderte etliche Mitarbeiter. Insgesamt 26 Transportroboter stellen Material bereit. Mit der Entscheidung für eine Lösung aus dem Intralogistik-Baukasten von Servus hat Miele einen weiteren Schritt in Richtung »Lean Production« gemacht. In einem Workshop wurden die Materialflüsse analysiert, optimiert und dementsprechend das neue automatische Kleinteilelager (AKL) definiert, um die Zuführprozesse effizienter zu gestalten.

Zur richtigen Zeit

Seit nunmehr zwei Jahren sorgen 26 Autonomous Robotic Carrier der 3. Generation (ARC3) dafür, dass die drei Montagelinien zur richtigen Zeit mit dem richtigen Material versorgt werden. Die Transportroboter übernehmen sämtliche Transporte von Behältern, Leertrays und Leertraystapeln zwischen Einlagerung, Kleinteilelager, Kommissionierplätzen und einem automatischen Supermarkt. Das Servus-System ist dezentral gesteuert, was höchste Prozesssicherheit garantiert. Jeder ARC entscheidet selbst über seine Fahrtstrecke und kommuniziert über Funk in Echtzeit mit seinen Assistenten. Dadurch bleibt das System immer gleich einfach, egal ob fünf oder 500 ARCs im Einsatz sind. Servus-Inhaber und -Geschäftsführer Christian Beer ergänzt: »So ist zudem gewährleistet, dass die ARCs stets den kürzesten Weg finden. Man kann sich einen ARC im Lager wie einen Taxifahrer in Manhattan vorstellen, der seine Fahraufträge von der Taxizentrale unserem Orderboard erhält. Während sich der Taxifahrer an Straßenschildern orientiert, erhält der ARC seine Adressinformationen über RFID-Tags an der Strecke.« Das AKL von Miele bildet in Gütersloh das intralogistische Bindeglied zwischen Wareneingang mit Hochregallager (Europaletten) und den Montagelinien. Während an der einen Längsseite des AKL drei Kommissionierstationen angebunden sind, befindet sich an der gegenüberliegenden Seite der automatische Supermarkt, an dem Milkrun-Routenzüge die Behälter mit den Teilen für die Montagelinien direkt aus dem Regal entnehmen können.

Automatisch bestückt

Sobald das System von Miele einen Montageauftrag auslöst, holen die ARCs die dafür benötigten Teile aus dem Regal und fahren sie zu den Kommissionierplätzen. Hier landen die Teile via Pick-by-Light in den Zielbehältern. Fertig kommissionierte Behälter werden anschließend wieder im AKL ein- bzw. zwischengelagert. Meldet dann eine Montagelinie ihren Bedarf an, werden alle vorkommissionierten Behälter in den automatischen Supermarkt gefahren, wo sie vom Milkrun abgeholt und zur Montagelinie befördert werden. Die Automatisierung des Materialflusses ist bei Miele damit aber noch nicht abgeschlossen die nächste Ausbaustufe der Servus-Anlage ist bereits in Planung.

Weiterer Nutzen

»Wir sehen Servus nicht nur als reines Lagersystem. Die Flexibilität der autonomen Transportroboter von Servus wollen wir in weiterer Folge auch nutzen, um mit dem Servus-System direkt bis an die Montagelinie zu fahren«, erklärt Markus Kahlert, Logistikplaner bei Miele. Für ihn war der hohe Grad der Skalierbarkeit ein entscheidender Faktor, warum er sich für Servus Intralogistics und gegen eine konventionelle Lösung mit Regalbediengeräten entschieden hat. »Ein Lager mit RBG hätte uns deutlich mehr gekostet und bei Weitem nicht die von uns geforderte Flexibilität abgedeckt. Mit Blick auf unsere Durchsatzvolumina und Transportwege benötigen wir ein maximal flexibles System, weshalb beispielsweise der Aspekt der Skalierbarkeit von zentraler Bedeutung war«, sagt Kahlert, der zufrieden auf die Zahlen blickt. »Wir registrieren derzeit täglich etwa 8.000 Servus-Fahraufträge.«

Daten & Fakten

Servus Intralogistics liefert als Generalunternehmer Intralogistik-Lösungen, bei der alle Prozesse von Wareneingang über AKL, Kommissionierung, Montage und Büro bis hin zum Warenausgang schnittstellenlos verknüpft werden. Durch den flexiblen Baukasten können die Servus-Anlagen (autonom agierende Schwarmroboter) einfach skaliert werden. Diese transportieren Werkstücke und liefern just in time ab.

Miele beschäftigt weltweit rund 17.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Am Traditionsstandort in Gütersloh arbeiten derzeit 5.500 Menschen unter anderem an der Entwicklung und Produktion von Waschmaschinen, elektronischen Steuerungen für alle Miele-Geräte.

Erschienen in Ausgabe: 06/2015