Schlaue Schnittstelle

Lagertechnik - Die SMA Technologie AG entwickelt intelligente Regelungssysteme für die dezentrale Energieversorgung. Wegen stetig wachsender Nachfrage implementierte das Unternehmen vor kurzem ein Mini-Load-Lager von Westfalia.

23. August 2006

Die immer neuen Ölpreisrekorde haben die Volkswirtschaften der Europäischen Union in den Jahren 2000 bis 2004 rund 400 Milliarden Dollar gekostet. Grund genug, verstärkt auf erneuerbare Energien zu setzen. In Deutschland sind Wind- und Sonnenenergie sowie Biomasse und Biokraftstoffe weiter auf dem Vormarsch. Etwa 10,2 Prozent des gesamten Stromverbrauchs wurden im vergangenen Jahr aus erneuerbaren Energien gedeckt. Bezogen auf den gesamten Endenergieverbrauch stieg der Anteil der erneuerbaren Energien von 5,7 auf 6,4 Prozent. SMA, ein 1981 aus der Universität Kassel heraus gegründetes Unternehmen, entwickelt und produziert computerbasierte Regelungssysteme für die dezentrale Energieversorgung. Innerhalb des Produktbereichs Solartechnik ist SMA mit seiner Wechselrichter-Baureihe »Sunny Boy« im Marktsegment »Erneuerbare Energien« weltweit führend. Mit Hauptsitz in Niestetal und Niederlassungen in den USA und China wurde im Geschäftsjahr 2004 mit 900 Mitarbeitern ein Umsatz von über 180 Millionen Euro erreicht. Mit der Expansion des Unternehmens stieg auch der Bedarf an strukturierter Logistik. Wurden die Wechselrichter (aus der Produktion kommend) früher auf Kommissionierwagen durch das Haus gefahren und im Bereich des Versands abgestellt, werden sie nun auf Tablaren stehen und für den Versand fertig getestet in dessen Nähe gelagert. Die Produktpalette umfasst ca. 50 unterschiedliche Wechselrichter. Für den weltweiten Export werden sie jedoch kundenspezifisch etikettiert und verpackt. Was zur Folge hat, dass aus 50 Wechselrichtern bis zu 700 Versandartikel werden können. Ihre Produktindividualität erhalten die Wechselrichter nach dem »Westfalia Miniload Kompakt System«. Entsprechend den Aufträgen werden die Wechselrichter auf zwei dafür vorgesehene Bahnen ausgelagert, zu den Versandmitarbeitern gefördert und dort auftragsbezogen verpackt.

Bevor SMA sich klar zugunsten des Miniload-Systems entschied, hatte man eine dieser Anlagen bei Bedford besichtigt. Die dortige Lösung fand einhellige Zustimmung.

Mehrere gute Gründe sprachen für Westfalia

Eine der wesentlichen Phasen in der Zusammenarbeit mit Westfalia war der Test des Regalfahrzeugs im Versuchsstand. Erst im Anschluss daran begann die Installation des Systems. Nach der dreiwöchigen Inbetriebnahme erfolgte Anfang Februar die Abnahme.

Für das »Miniload Kompakt System« von Westfalia hatten aus Sicht des Auftraggebers mehrere Gründe gesprochen. Zum einen konnte die Einhaltung des vorgegebenen Budgets gewährleistet werden, zum anderen zeigte die Lagerkonstruktion, dass der vorhandene Platz optimal ausgenutzt werden konnte. Dass das neue Lager gut im Kellergeschoss unterzubringen war, rundete die Entscheidung zu Gunsten Westfalias schließlich ab.

Das Mini-Load-Lager, das in zwei Schichten betrieben wird, stellt die Schnittstelle zwischen Produktion und Versand dar. Implementiert im Keller des Produktionsgebäudes mit einer Raumhöhe von 2,97 m und einer Grundfläche von 240 m² werden die Tablare mit den Wechselrichtern mittels Senkrechtförderer, vor dem eine Höhenkontrolle installiert ist, eingelagert.

Das Lager (24 m Länge, 10 m Breite, 3 m Höhe) ist in zwei Blöcke unterteilt. Mit fünf Ebenen und 38 Kanälen beziehungsweise mit vier Ebenen und 24 Kanälen bietet es genügend Platz, um die Produkte aufzunehmen. Im Mini-Load-System werden Sonderladungsträger mit einem maximalen Gewicht von 70 kg und zwei Maßen (700 x 550 x 430 mm = 1.500 Plätze; 350 x 550 x 430 mm = 3.000 Plätze) gelagert. Daraus resultiert, dass in Block I sieben und in Block II drei große Ladungseinheiten (insgesamt 1.425 LE) untergebracht werden. Das Regalfahrzeug, das nach oben hin offen konstruiert ist, ist mit einer Geschwindigkeit von 240 m/min bei einer Hubgeschwindigkeit von 120 m/min unterwegs. Somit lassen sich im Einzelspiel 140 LE pro Stunde bewegen. Dabei schafft der Satellit 120 m/min.

Bei SMA wurde mit der Software Savanna.Net das neueste Produkt der Westfalia Logistics Software implementiert. Es zeichnet sich durch seinen modularen Aufbau aus und lässt sich sowohl an bestehende Logistikaufgaben anpassen als auch in neu zu definierende Prozesse integrieren. Durch die Modularität ist die Option einer schrittweisen Erweiterung gesichert. Stets gewährleistet die Software eine effiziente logistische Prozesssteuerung und -analyse sowie die zentrale Datenorganisation und -kontrolle. Savanna.Net ist mit allen gängigen ERP- und SPS-Systemen zu betreiben. Ein Vorteil der Software ist auch ihre offene Architektur.

Deutliche Vorteile

Laut Frank Wüstenfeld von Westfalia hat SMA durch das Mini-Load-System deutliche Vorteile: das Lager mit der gewünschten Zahl an Plätzen konnte den vorgegebenen Räumlichkeiten mit Stützpfeilern gut angepasst werden; die Anlage ist in den vorhandenen Räumlichkeiten erweiterbar; die Reduzierung des manuellen Transports spart Kosten; die Pufferkapazität wurde erweitert; durch den neuen Puffer können vorgeschaltete Prozesse entsprechend den Auftragsgrößen flexibel gesteuert werden.

In Niestetal geht man davon aus, dass die Anlage sich innerhalb von vier Jahren amortisiert haben wird.

Erschienen in Ausgabe: 04/2006