Schlaues System

Strategien - Mit dem Ausbau des Projektgeschäfts und einer verstärkten internationalen Ausrichtung hat der deutsche Lagertechnikspezialist Bito die strategische Vorgehensweise für die kommenden Jahre klar abgesteckt. von Sabine Vogel

23. August 2006

Vollzieht Bito damit den Wandel vom Produkt- zum Systemanbieter? Geschäftsführer Detlef Ganz sieht den Weg seines Hauses differenzierter, denn: »Bito war schon immer im Systemgeschäft tätig, nur haben wir diese Tatsache zu wenig publiziert. Mit der Einführung unseres Durchlaufregals 1976 waren wir in der Lage, große Kommissioniertechnik-Projekte zu realisieren. Inzwischen können wir auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken. Diese Erfahrung ist ein enorm wichtiger Faktor, denn der entscheidende Vorteil im Projektgeschäft ist das Know-how, und das bekommen Sie nicht in kurzer Zeit. Man kann sich also nicht einfach entschließen, von heute auf morgen in dieses Geschäft einzusteigen. Eine Projektabteilung und die Fertigungsabläufe auf das Systemgeschäft auszurichten, dauert gerade in einem so komplexen Bereich wie der Intralogistik Jahre. Ich bin davon überzeugt, dass man sich das dafür erforderliche Know-how nur begrenzt durch Akquisitionen aneignen kann. Der absolut wichtigste Stellhebel für mich ist ganz klar die langjährige Erfahrung unseres Personals.«

Am Anfang von Bito stand die Blechumformung. Und so war es nur folgerichtig, dass Bito mit der Fertigung seines ersten Stahlblechkastens 1959 in die Lagertechnik einstieg. Es folgten Kleinteileregale, Fachbodenregale und Gitterboxen. 1962 wurde mit der Kunststofffertigung begonnen. Das Durchlaufregal feierte im Jahr 1976 Premiere, und 1991 baute Bito das erste automatische Kleinteilelager.

Seit Februar 2005 lenkt Detlef Ganz die Geschicke von Bito. Zusammen mit seinem engagierten Team will Ganz »für jeden Bedarf die richtige Lösung entwickeln«. Eine der Voraussetzungen dafür ist, flexibel auf die Bedürfnisse des Marktes zu reagieren. »Neue Anforderungen an die Intralogistik, die Erschließung neuer Märkte und besonders ein geändertes Kundenverhalten«, so Ganz, »erfordern eine adäquate Reaktion der Unternehmen.« Im Fokus der zukünftigen Anstrengungen von Bito stehe daher die Differenzierung von Standard- und Projektgeschäft, die den Wandel des Unternehmens vom reinen Lagerprofi zum produzierenden Dienstleister und Systemintegrator unterstützen solle. Wichtig dabei sei auch, dass Bito von der Planung über die Konstruktion und Produktion bis hin zu Montage und After-Sales-Service alles aus einer Hand anbiete, betont Detlef Ganz.

Als Anbieter hochwertiger Produkte rund ums Lager setzt Bito nach wie vor auf statische und dynamische Regalsysteme, auf Bühnen und ein breites Spektrum an Kunststoffbehältern. Im Projektgeschäft steht der ganzheitliche Ansatz aus Planung, Realisierung und Abwicklung im Vordergrund. Hier reicht Bitos Angebotsspektrum von komplexen Lagereinrichtungen über automatische Regalanlagen mit Stellplätzen für Behälter oder Tablare bis hin zu Kommissioniersystemen auf Basis modularer Konzepte. Im Bereich Lagerverwaltungssoftware und Steuerung sowie bei angetriebenen Komponenten wie Regalbediengeräten setzt man in Meisenheim auf erfahrene Partner aus den jeweiligen Spezialgebieten.

Klare Trennung

Die differenzierte Betrachtung von Produkten und Projekten hat sich bei Bito bestens bewährt: »Sowohl im Vertrieb als auch in der Projektierung haben wir mittlerweile eine klare Trennung zwischen Standard- und Systemgeschäft«, betont Geschäftsführer Ganz und erklärt: »Die Projektierung von Lager- und Kommissionieranlagen wird in komplett eigenständigen Abteilungen abgewickelt. Hier sitzen Konstrukteure und Ingenieure zusammen und sorgen für eine optimale technische Auslegung der Regalanlagen und bilden somit die Schnittstelle vom Vertrieb zur Fertigung. Die Vertriebsabteilungen im Projektgeschäft sind für die Kundenberatung verantwortlich. Dort sind ausschließlich erfahrene Key Account Manager beschäftigt, die unsere wichtigen Systemkunden betreuen, und Projektmanager, die den Endkunden mit dem Fach-Know-how zur Seite stehen. Bei diesen Mitarbeitern handelt es sich um Fachleute, die ein breit gefächertes Wissen im Intralogistik-Bereich besitzen, auch weit über unser eigenes Produktspektrum hinaus.« Denn so viel steht nach Meinung von Detlef Ganz definitiv fest: »Wenn ich einen Kunden fachlich gut beraten möchte, muss ich über Regalsysteme und Behältertechnik genau so Bescheid wissen wie über das Kommissionieren, die ABC-Analyse, über Pick-by-Voice oder die Bandbreite der verfügbaren Regalbediengeräte.« Auch vor diesem Hintergrund wird Weiterbildung bei Bito groß geschrieben - die Meisenheimer bieten ihren Mitarbeitern ein eigenes Schulungsprogramm an.

Umfassendes Leistungsangebot

Der größte Vorteil des zukunftsorientierten Traditionsunternehmens aus Rheinland-Pfalz aber ist das umfassende Leistungsangebot von Bito. Geschäftsführer Ganz: »Wir sind Hersteller von allen unseren Komponenten. Das heißt, was wir auf dem Papier für unsere Kunden planen, das produzieren, liefern und montieren wir auch selbst. Auf diese Weise ist es uns möglich, auch kurzfristig auf Kundenwünsche einzugehen oder - was den After-Sales-Bereich angeht -Nachlieferungen schnell in die Wege zu leiten. Wir sind wesentlich flexibler als ein reiner Integrator oder ein reines Planungsbüro.«

So viel Systemkompetenz und -service überzeugt sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Große Projekte konnte Bito unter anderem für Ford und Bombardier, für BMW, Rexroth und Mazda realisieren. Weiteres Beispiel: Edeka. Im westfälischen Hamm baut der Handelsriese derzeit ein vollautomatisches Verteilzentrum, das der Versorgung der regionalen Märkte dienen wird. Zentrales Element im Materialfluss sind 450.000 speziell für diesen Auftrag entwickelte Trays, die als Aufnahmeplattform für die angelieferte Handelsware fungieren. Auch hier heißt der Hersteller Bito. Überhaupt will das innovative Unternehmen auch seine Stärke im Behälterbereich weiter ausbauen. Bestes Beispiel: die Mehrwegbehälterserie MB mit ihren Vorteilen beim (leeren) Rücktransport. Aber auch der Kleinladungsträger KLT punktet, insbesondere im Bereich Ergonomie und Arbeitsschutz.

»Form follows function« lautete die Devise bei der Entwicklung einer neuen Generation von Eurostapelbehältern mit Doppelböden für schwere Lasten (wahlweise mit Kufen für den Transport auf Flurförderzeugen, Klapp- und Stülpdeckel, Sichtöffnungen und Plomben). Neu ist auch ein zum Patent angemeldetes Unterteilungssystem: eine individuell positionierbare Kunststoffhohlkammerplatte mit einer Tiefe von 10 mm und sechs Höhenklassen.

Engagement in Indien

Bito will den Markt mit optimalen Produkten bedienen. Dazu aber braucht das Unternehmen nicht nur Know-how, sondern auch Mittel. So investiert Bito in Meisenheim 15 Millionen Euro in die Erweiterung der Produktionskapazitäten. Mit Blick auf die Erschließung neuer Märkte soll Anfang 2007 zudem ein Fertigungsbetrieb im indischen Bombay die Geschäfte aufnehmen. Zu diesem Zweck wurde die NBS Nilkamal Bito Storage Systems Ltd. gegründet. Hierbei handelt es sich um ein Joint Venture zwischen Bito und der Nilkamal Plastics Ltd.

Bito Lagertechnik

Eine Erfolgsstory aus Rheinland-Pfalz

Bito Lagertechnik beschäftigt weltweit rund 600 Mitarbeiter. Im Jahr 2005 erwirtschaftete sie einen Umsatz von 86 Millionen Euro. Für die Produktion von Regalen und die Blechbearbeitung stehen am Hauptsitz von Bito in Meisenheim (Rheinland-Pfalz) 64.000 m² Betriebsfläche zur Verfügung. Im nahen Lauterecken verfügt das Unternehmen über eine Betriebsfläche 67.000 m². Hier fertigt Bito Kunststoffprodukte wie Mehrwegbehälter, Eurostapelbehälter und Kleinladungsträger. Neben Tochterunternehmen in der Schweiz, in Frankreich, Großbritannien, Spanien, Dänemark, Ungarn, Rumänien und den Benelux-Staaten betreibt Bito Vertriebsbüros in Italien, Polen und Tschechien.

Erschienen in Ausgabe: 04/2006