Schluß mit Messe-Chaos

Messelogistik: Software koordiniert Auf- und Abbau-Durcheinander

Der Messespediteur Kühne & Nagel ExpoService setzt auf dem Messegelände in München das Transportleitsystem TESS ein, um die Einsatzfahrten seiner Gabelstaplerflotte während der Auf- und Abbauphase zu optimieren.

23. Dezember 2003

Die Neue Messe München bietet ihren Ausstellern auf dem ehemaligen Flughafengelände München-Riem riesige Ausstellungsflächen. Zusammen mit dem ausgedehnten Freigelände ergeben die 15 identischen Hallen - jede anderthalb mal so groß wie ein Fußballfeld - eine Gesamtfläche von etwa einem Quadratkilometer. Auf diesem Messegelände ist der Unternehmensbereich KN Expo Service der Kühne & Nagel zugelassener Messespediteur.

Ein Messespediteur besitzt das „Exklusivrecht“, alle speditionstypischen Aufgaben, die im Rahmen einer Messe auf diesem Gelände anfallen, durchzuführen. Besonders bei großen und aufbauintensiven Messen ist die Einschränkung auf zugelassene Messespediteure für die Messegesellschaft der einzige Weg, das Auf- und Abbauchaos einigermaßen koordinieren zu können.

Neben dem An- und Abtransport von Ausstellungsstücken und Messeständen liegt ein weiterer Aufgabenschwerpunkt in Handling-Tätigkeiten beim Auf- und Abbau der Messestände. Hierunter fallen die Be- und Entladung der anliefernden und abholenden LKW, die Lagerung von sperrigem Verpackungsmaterial, die Vermietung von Gabelstaplern samt Fahrern, sowie die Durchführung von Kranarbeiten.

Zur Abwicklung derartiger Arbeiten setzt Kühne & Nagel eine Flotte von 13 eigenen Gabelstaplern ein. Je nach Größe der Messe und Anzahl der anliegenden Aufträge werden zusätzlich Mietstapler eingesetzt, um auf die schwankenden Anforderungen reagieren zu können.

Ein großer Anteil dieser Handlings-Aufträge erreicht Kühne & Nagel bereits als Vorbestellung. Da die Durchführung der Arbeiten in der Regel jedoch sehr terminkritisch ist und häufig außerplanmäßigen Änderungen unterliegt, wird die aktuelle Disposition der Mitarbeiter und Fahrzeuge schnell zu einer sehr komplexen Aufgabe. Zusätzlich zu den vorbestellten Aufträgen müssen gerade während der & uot;kritischen& uot; Auf- und Abbauzeiten spontan erteilte Aufträge berücksichtigt und eingeplant werden. Bei großen Messen bedeutet das für den Disponenten, daß er bis zu 40 Stapler im Überblick behalten und steuern muß.

Entlastung durch Software

Vor diesem Hintergrund entschied sich Kühne & Nagel zum Einsatz eines Optimierungssystems zur Disponenten-Unterstützung. Die Wahl fiel auf das Transportleitsystem Tess des Aachener Systemhauses Inform. In Verbindung mit dem Messeabwicklungsprogramm Fairs von Softfair, Goldbach, ermöglicht Tess eine automatisierte Abwicklung und Abrechnung der anfallenden Aufträge. In Fairs werden die Arbeitsaufträge in gewohnter Form erfaßt und durch die für eine Stapler-Gestellung notwendigen Daten wie Fahrzeugtyp, Einsatzdauer oder Dringlichkeit ergänzt.

Über eine Host-Schnittstelle empfängt Tess neue Kundenaufträge mit allen erforderlichen Informationen aus der Fairs-Datenbank. Da die beiden Programme während der Auftragsbearbeitung in permanenter Verbindung stehen, können Arbeitsphasen wie Staplerposition oder Grad der Auftragsabwicklung jederzeit abgerufen und sichtbar gemacht werden.

Dadurch ist auch im hektischen Messebetrieb sichergestellt, daß kein Auftrag übersehen wird. Speziell im Rahmen des meist unplanbaren Messebetriebes erweist sich das programminterne Modul Optim als hilfreich. Optim koordiniert und bestimmt Folgeaufträge online und dynamisch und verzichtet auf langfristige Auftragspläne. Staplereinsätze werden somit sehr flexibel und effizient geplant. Da die Termineinhaltung eines Auftrages höchste Priorität besitzt, kann Tess, je nach Zustand der Gesamtauftragslage, frei über die im Einsatz befindlichen Stapler verfügen. Wenn sich also ein für einen bestimmten Auftrag vorgesehene Stapler nicht nach der geplanten Zeit wieder als frei meldet, so weist Tess diesen Auftrag automatisch einem anderen Stapler zu, der die Termineinhaltung am besten gewährleisten kann.

Auftragsdaten per SMS

Zur automatischen Auftragsweitergabe an die Fahrzeugführer sorgt eine in Tess implementierte Datenfunk-Schnittstelle auf Basis des Short Message Service (SMS) eines Mobiltelefon-Netzes. Eine & uot;klassische& uot; innerbetriebliche Datenfunktechnik kam aufgrund der Ausdehnung des Messegeländes nicht in Frage. Da Kühne & Nagel neben den eigenen Geräten auch Mietstapler einsetzt, werden die Fahrzeuge mit leicht zu installierenden Applikationen der OHB Teledata, Bremen, bestückt, die wahlweise autark oder verbunden mit der Staplertechnik betrieben werden können.

Alle während der Abwicklung des Auftrages anfallenden Daten über eingesetzte Fahrzeuge oder Arbeitszeiten werden nach der „Erledigt“-Meldung des Fahrers automatisch an Fairs übertragen und stehen dort für die Rechnungserstellung zur Verfügung.

Mehr Zeit für individuelle AufgabenVon der Tess/Fairs-Lösung profitieren Disponent, Fahrer und Sachbearbeiter gleichermaßen: Der Disponent kann sich gezielter um außergewöhnliche Fälle und um Kundenkontakt bemühen, Fahrer und Disponenten werden von anfallenden Nebenarbeiten, ob Auftragserfassung, das Schreiben von Arbeitszetteln oder der Erfassung von Ist-Zeiten, weitgehend entbunden.

Bei aller Automatisierung der Prozesse behält der Disponent jedoch stets die Möglichkeit, über die Optimierungsvorschläge von Tess hinweg eigene Entscheidungen zu treffen.

Mit der angebotenen Vielseitigkeit hat die Programmkombination aus Fairs und Tess bei Kühne und Nagel zu einer effizienteren, schnelleren und kostengünstigeren Abwicklung der Messeaufträge geführt.

Erschienen in Ausgabe: 10/2003