Schnell, sicher und sanft

Krane in der Papierfabrik

Beim Bau des neuen Versandlagers für Papierrollen forderte eine Papierfabrik schonendes Handling und schnelle Abläufe beim Ein- und Auslagern. Diese Forderungen erfüllen zwei automatische Zweiträger-Laufkrane, die jeweils mit einem speziellen Vakuumheber ausgestattet sind. Durch exaktes Positionieren schaffen die Krane die Voraussetzung für eine Stapelhöhe von 15 Metern, und damit eine bessere Flächennutzung.

21. Oktober 2002

Die Papierfabrik Adolf Jass GmbH & Co. KG, Fulda, gehört zu den größten europäischen Produzenten von Verpackungspapieren zur Herstellung umweltfreundlicher Wellpappen.

Auf zwei je fünf Meter breiten Fertigungsstraßen erzeugt das Unternehmen jährlich Papier im Gewicht von zirka 450.000 Tonnen. Die Produktion basiert auf einem reinen Altpapierkreislauf, dessen Ökobilanz durch hervorragende Werte besticht.

Mit 260 Beschäftigten erzielt die Papierfabrik im Vier-Schicht-Betrieb „rund um die Uhr“ einen Umsatz von etwa 150 Millionen Euro pro Jahr. Hiervon werden 65 Prozent in Deutschland und 35 Prozent im europäischen Ausland erwirtschaftet. Der Marktanteil in Deutschland beträgt knapp 15 Prozent.

Mit einem Investitionsvolumen von 15 Millionen D-Mark ließ Jass in Fulda ein 30 mal 42 Meter großes und 26 Meter hohes vollautomatisches Versandlager für kundenspezifisch konfektionierte Papierrollen errichten. Die Lagerkapazität beträgt rund 6.000 Tonnen. Das Gros der Investitionssumme entfiel auf das Gebäude und die Förderanlagen. Besondere Aufmerksamkeit galt der Beschaffenheit der Bodenplatte, die sehr eben und punktuell stark belastbar sein mußte.

Jass entschied sich aufgrund der beschränkten Grundfläche des Versandlagers, die Rollen in eine Höhe von bis zu 15 Metern zu stapeln. Als Materialflußsystem kamen daher aus-schließlich Krane in Betracht, da diese die doppelte Lagerhöhe erreichen als die bisher eingesetzten Gabelstapler.

Die Zweiträger-Laufkrane von der Demag Cranes & Components GmbH, Wetter/Ruhr, tragen Lasten im Gewicht von bis zu 4,8 Tonnen und sind mit einer Windwerkskatze sowie einem Vakuumheber ausgerüstet.

Breites Vorteilsspektrum

Trotz dichter Blocklagerung haben die Krane schnellen Zugriff auf alle Papierrollen. Die Rollen werden mit dem Vakuumheber schonend aufgenommen und pendelfrei geführt. Dadurch wird ein präzises Positionieren möglich und die Stabilität der Rollentürme gewährleistet.

Die Lagerspiele konnten bei Jass spürbar beschleunigt werden. Die Schnelligkeit der Krane beruht unter anderem auch auf nächtlichen Optimierungen, die das Lagerverwaltungssystem (LVS) automatisch ausführen läßt. Falls Rollen aus Platzgründen chaotisch eingelagert werden mußten, werden diese, sofern deren Abholung für den nächsten Tag angekündigt ist, aus den Türmen entnommen und bereitgestellt. Später, beim endgültigen Auslagern und Beladen der Lkw, spart der Betreiber Zeit. So können in den Spitzen innerhalb von 16 Stunden nahezu zwei Tagesproduktionen versandt werden.

Vakuum hält schwere Papierrollen

Die aus der Fertigung kommenden Rollen weisen mit zirka drei Tonnen Gewicht, einer Rollenlänge von 2,50 bis 2,80 Meter und einem Rollendurchmesser von 1,50 Meter beachtliche Maße auf. Der Weg zum Lager führt die Rollen über einen Bodenförderer zu einer Hubstation, die sie eine Etage höher transportiert und dort einem Bodenförderer übergibt, auf dem sie aufgerichtet werden. Anschließend fahren sie auf einem Plattenförderer in das Automatiklager. Hier nehmen die Krane die Rollen mit ihren Vakuumhebern auf und lagern sie auf dem vom LVS zugeteilten Platz ein. Die Heber sind an ihrer Unterseite mit einer stoßgedämpften Saugschale versehen. Ein Vakuum hält die Papierrolle am Heber, wobei ein spezielles Sicherheitskonzept selbst bei Stromausfall ein Abstürzen der Last verhindert.

Um Pendelungen bei Fahrbewegungen auszuschließen, wird der Heber in der höchsten Position durch Fixierarme stabilisiert. Bei der Lastaufnahme zentriert die Steuerung den Vakuumheber durch einen installierten Dorn.

Die mit einer Hubgeschwindigkeit von 80 Metern pro Minute und einer Kranfahrgeschwindigkeit von bis zu 100 Metern pro Minute fahrenden Krane bewältigen gemeinsam 72 Lagerspiele pro Stunde. Beim Auslagern setzen sie die Rollen auf dem Plattenförderer ab, der sie zu einer Abnahmestation bringt. Dort verladen Stapler die Rollen auf Lkw.

Die Krane werden vom LVS gesteuert, das mit dem übergeordneten Warenwirtschaftssystem kommuniziert. Die Aufträge zum Ausliefern der Papierrollen erteilt der Verkauf von Jass. Den eigentlichen Auslagerungsvorgang löst der Versand aus, indem er die entsprechenden Rollen abruft.

Das Versandlager ist informationstechnisch in Raster gegliedert. Beim Festlegen der Rastergröße berücksichtigt Demag den maximalen Rollendurchmesser und einen Freiraum von 100 Millimeter zwischen den einzelnen Rollentürmen. Da das im LVS hinterlegte Rastermaß auf zwei unterschiedliche Raster verändert werden kann, ist im Bedarfsfall stets eine optimale Flächennutzung erreichbar.

Permanente Verfügbarkeit

Vor der Auftragsvergabe für die Krane verhandelte Jass mit fünf Anbietern. Die Entscheidung fiel nach eingehende Prüfung der Angebote auf Demag. Ausschlaggebend waren neben den guten Referenzen auch die räumliche Nähe der zuständigen Demag-Niederlassung, durch die eine permanente Verfügbarkeit gewährleistet ist.

Für Jass ist eine Verfügbarkeit von nahe 100 Prozent unabdingbar, da die Krane Bestandteil einer logistischen Kette sind, die in der Fertigung beginnt. Sollte ein Kran ausfallen, müßte das Unternehmen seine Produktionsmaschinen abschalten. Da Jass jährlich an 330 bis 350 Tagen arbeitet und daher zeitlich nicht ausweichen kann, wurde mit dem Hersteller ein Wartungsvertrag abgeschlossen, der einen 24-Stunden-Service garantiert. Wie die Verantwortlichen von Jass bestätigen, wurden mit dem Automatiklager von Demag eine bessere Höhennutzung, beschleunigte Abläufe und ein sanftes Handling erreicht.

Erschienen in Ausgabe: 05/2002