Verpackungstechnik

Sicher und sauber in die Mühle

Der Aschaffenburger Anlagenbauer Getecha hat für den Verpackungsmittel-Hersteller Pro-Pac eine komplette, automatisierte Zerkleinerungslinie realisiert.

13. Februar 2019
Sicher und sauber  in die Mühle
Ausschnittsweise im Vordergrund zu sehen ist die Getecha-Zerkleinerungslinie für PP-Folienreste. (Bild: © Getecha)

Verpackungsmittel-Hersteller Pro-Pac hat mit dem Ziel, seiner Produktion mehr Freiraum zu geben und die gesamte Zerkleinerungstechnik zu zentralisieren, eine neue Halle am Standort Vechta errichtet. Nach und nach zogen hier immer mehr Zerkleinerungsanlagen zur Behandlung von Resten und Fehlteilen aus verschiedenen Thermoforming- und Extrusionsprozessen ein. Im Mittelpunkt standen dabei mehrere automatisierte Komplettlösungen des Unternehmens Getecha, Hersteller von Zerkleinerungssystemen für die Kunststoff verarbeitende Industrie.

Komplexe Aufgabenstellung

Die Planungen sahen vor, in der ersten Projektstufe zunächst zwei Linien für die Zerkleinerung gestapelter Thermoforming-Teile aus der Serienproduktion von weißen und transparenten PP- und PET-Behältern sowie eine dritte Linie zum Zerkleinern unterschiedlich dicker PP-Folienreste zu installieren. In allen drei Fällen sollte das Ergebnis eine Komplettlösung sein. Daher galt es nicht nur, die passenden Trichter- und Einzugsmühlen auszuwählen, sondern auch die komplette Input- und Output-Technik zu projektieren. Für das Zerkleinern der Thermoforming-Teile fiel die Wahl auf zwei Getecha-Mühlen vom Typ RS 45090.

Diese Trichtermühlen sind für Durchsätze von bis zu 900 kg/Stunde ausgelegt und verfügen optional auch über Mahlgehäuse mit Schalldämmung. Bei Pro-Pac bilden die RS 45090 das zerkleinerungstechnische Herzstück von zwei mehrstufigen, parallel laufenden Aufbereitungslinien. »Wie bei vielen ähnlichen Projekten geht es auch hier grundsätzlich darum, Fehlteile aus PP und PET – vorrangig in Stapeln angelieferte Teller mit 250 Millimetern Durchmesser – sauber und schnell aus Sammelbehältern in die Mühlen zu führen. Und zwar möglichst staubarm und ohne Verstopfung von Förderband oder Mühlentrichter, sodass ein störungsfreier und effizienter Durchlaufprozess gewährleistet ist«, erklärt Andreas Lanz, Area Sales Manager von Getecha.

Hintergrund

Getecha wurde 1956 gegründet und hat den Stammsitz in Aschaffenburg. Das Familienunternehmen beschäftigt derzeit 70 Mitarbeiter, hat eine Niederlassung in den USA und erwirtschaftet einen Gesamtumsatz von etwa 8,5 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2017). Das Unternehmen wird von Christine Rosenberger und Burkhard Vogel geführt und ist auf Zerkleinerungssysteme für die Kunststoff verarbeitende Industrie spezialisiert.

Homogener Materialstrom

Den Startpunkt des Prozesses gestaltete Getecha als Sicherheitsschleuse mit einer vollautomatischen Kippvorrichtung. Hier werden die vollen Sammelbehälter aus der Produktion von einem Mitarbeiter in die Aufgabeposition gerollt und voll automatisiert in einen Übergabetrichter gekippt – mit bis zu etwa 132° und bis der definierte Entleerungsgrad erreicht ist. Danach wird der Behälter wieder abgesenkt, entnommen und zurück in die Serienfertigung gerollt. Vom Übergabetrichter gelangen die zu zerkleinernden Trinkbecher, Teller und Schalen auf ein Förderband, wobei eine angetriebene Abstreiferrolle ineinander steckende Fehlteile vereinzelt. Wichtig außerdem: Da die Sammelbehälter direkt aus der Produktion kommen, können sie Metallteile enthalten, die sowohl die Anlagen beschädigen als auch das Mahlgut verunreinigen würden. »Um dies auszuschließen, befindet sich über dem Förderband ein Tunneldetektor mit doppellagiger Metallsuchspule, der zuverlässig alle metallischen Partikel detektiert und – falls nötig – die Zuführung unterbricht«, berichtet Andreas Lanz. Auf diese Weise werde sichergestellt, dass ein homogener und kontinuierlicher Materialstrom in Richtung Mühlentrichter unterwegs ist.

Komplette Systemlösung

Sowohl eine Überlast-Abschaltung als auch das Energy Save System von Getecha finden sich auch in der Einzugsmühle RS 3012 E, die den Mittelpunkt der dritten Zerkleinerungslinie im Aufbereitungszentrum von Pro-Pac bildet. Hier galt es für Andreas Lanz, eine komplette Systemlösung zu projektieren, bei der bis zu drei Rollen mit PP-Folienresten aus dem Thermoforming einer effizienten Zerkleinerung zugeführt werden sollten. Mit der RS 3012 E konnte Lanz dem Kunden eine Einzugsmühle anbieten, die nach eigenen Angaben »wie geschaffen war für diese Aufgabenstellung«. Der Rotor dieser Maschinen hat einen Schneidkreis von 300 Millimeter und wird serienmäßig mit Schnittlängen zwischen 410 und 1.575 Millimetern betrieben. Die Rolleneinzüge weisen Breiten von etwa 100 bis circa 1.550 Millimeter auf und werden in verschiedenen Varianten angeboten. Die bei Pro-Pac eingesetzte Mühle verfügt zudem über ein intelligentes System zur Geschwindigkeitsregelung der Einzüge für die Offline-Zerkleinerung extrudierter Folien. Alle drei neuen Zerkleinerungslinien sowie eine weitere, vom Getecha-Engineering angepasste Mühle aus dem Pro-Pac-Bestand sind an eine Saug-Druck-Förderanlage (Getecha System GA 1000) mit Mahlgut- und Abluft-Entstaubung angeschlossen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2019
Seite: 64 bis 65

Schlagworte