Sicherheit zuerst – aber richtig!

Technik / Lagersicherheit

Unfallprävention - Gute Logistik ist die wirtschaftliche Bereitstellung von Waren und Gütern zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Folgt man dieser Definition, liegt eines klar auf der Hand: Zeit, oder besser ein möglichst geringer Zeitaufwand, ist ein herausragendes Merkmal guter Logistik. Doch wo Zeit ein knappes Gut ist, sind Gefahren oft nicht weit. Dennoch hat in Lager und Logistik auch unter hohem Zeitdruck die Sicherheit oberste Priorität.

19. März 2014

Immer wieder passieren im Lager oder beim Be- und Entladen an der Rampe mehr oder weniger schwere Unfälle. Welche Folgen selbst kleinere Anfahrunfälle von Gabelstaplern an Regalen haben können, ist in spektakulären Videos im Internet zu sehen. So kann eine beschädigte Regalstütze den Einsturz einer ganzen Regalanlage zur Folge haben.

Daher regelt eine Reihe von Vorschriften, Anleitungen und Anweisungen die Sicherheit im Lager. Die Betriebssicherheitsverordnung zum Beispiel regelt die Einführung und Prüfung von Arbeitsmitteln. Dazu zählen im Lager neben Regalen und Regalanlagen auch alle Flurförderzeuge sowie automatische und automatisierte Lager-, Förder- und Kommissionieranlagen.

Prüfplaketten für Regale

Die Verordnung regelt die Gefährdungsbeurteilung und die sicherheitstechnische Bewertung durch befähigte Personen. Verantwortlich dafür ist der Betreiber. Generell gilt: Mitarbeiter müssen, was die Bedienung der Lagereinrichtung betrifft, fachgerecht geschult werden, sodass sie auch mögliche Schäden an Betriebsmitteln erkennen und melden können.

Der Gesetzgeber sieht nach dem ordnungsgemäßen Aufbau und der Inbetriebnahme von Regalen zur Warenlagerung regelmäßige Regalprüfungen und -inspektionen vor. So müssen Regale laut DIN EN 15 635 wöchentlich durch eine befähigte Person in einer internen Sichtprüfung auf Sicherheit und etwaige entstandene Beschädigungen kontrolliert werden.

Zusätzlich ist mindestens alle zwölf Monate eine Experteninspektion durch eine fachkundige Person durchzuführen. Lagerausrüster oder auch Systemlieferanten wie etwa die Hamburger Still GmbH, bieten diesen Service an. Dabei kontrollieren zertifizierte Regalinspekteure systematisch alle Regale anhand eines detaillierten Inspektionsprotokolls und dokumentieren dies anschließend zusätzlich mit einer Prüfplakette.

Bei der Definition der Schäden unterscheidet die Norm zwischen der grünen, der orangefarbenen und der roten Gefahrenstufe. Während die grüne Einstufung nur eine Überwachung des Schadens erforderlich macht, müssen Schäden mit orangefarbener Gefahrenstufe baldmöglichst und solche mit roter Einstufung umgehend entlastet und fachgerecht repariert werden.

Schutz für Stützen

Als geeignete Maßnahme, Beschädigungen von Stützen zu verhindern oder wenigstens zu verringern, haben sich Schutzeinrichtungen bewährt, die an allen Stützen angebracht werden. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Anfahrschutz, der mit dem Boden verankert ist und nicht mit den Regalstützen verbunden sein darf. Dieser ist nur für die Eckbereiche von Regalen vorgeschrieben. Um die Sicherheit und Standfestigkeit von Regalen zu erhöhen, empfiehlt es sich zudem, die Tragfähigkeit des Regals geringer einzustufen als angegeben, sodass es nie maximal belastet wird.

Bei der Auswahl geeigneter Fahrzeuge für Warentransport, Warenumschlag oder Kommissionierung sollte das Thema Sicherheit einen genauso großen Stellenwert erhalten wie die Anschaffungs- und die Betriebskosten. Jedes Jahr passieren in Deutschland über 12.000 meldepflichtige Gabelstapler-Unfälle, 20 bis 30 davon enden tödlich. Daher sollten potenzielle Käufer von Flurförderzeugen auf folgende Sicherheitsaspekte besonderes Augenmerk legen: niedrige Ein- und Austrittsstufe, gute Rundumsicht, geeignete Beleuchtung, intuitive Bedienung, ergonomisch gestaltete Arbeitsbedingungen, geringe Humanschwingungen, tief liegender Schwerpunkt, Rückhaltesystem für den Fahrer, Lastschutzgitter, gutes Bremsverhalten und automatischer Rampenhalt sowie Totmannschalter.

Auch Ergonomie wichtig

Nach der Entscheidung in Sachen Antriebsart, Tragkraft und Hubhöhe sollten der Bediener und die Ausstattung des Flurförderzeugs im Mittelpunkt stehen. Denn ein ergonomischer und anwenderfreundlicher Arbeitsplatz erhöht die Sicherheit beim späteren Betrieb des Fahrzeugs.

Wichtig in diesem Zusammenhang: die Anordnung und intuitive Funktionalität der Bedienelemente, ein bequemer Sitz und gute Sicht zu allen Seiten. Auch Letzteres aus gutem Grund: 77 Prozent aller Staplerunfälle sind sogenannte Anfahrunfälle. 33 Prozent davon ereignen sich bei der Rückwärtsfahrt.

Gute Rundumsicht

Große Sichtfelder, auch im Fahrzeugdach, schlanke Schutzdach-Holmprofile und eine hohe Sitzposition sorgen für gute Rundumsicht. Unterstützend können Kamerasysteme die Sicht verbessern.

Still kann seine Stapler mit einem zusätzlichen Sicherheitssystem ausstatten. Das Safety Light, ein vom Stapler auf den Boden projizierter blauer Lichtpunkt, warnt Fußgänger und Bediener anderer Fahrzeuge vor unmittelbarer Gefährdung, sobald diese sich nicht mehr als fünf Meter vor oder hinter dem Stapler befinden. Das blaue Warnlicht sorgt dabei für eine Erhöhung der Arbeitssicherheit, gerade in unübersichtlichen und verwinkelten Bereichen der Arbeitsumgebung.

Ein optimaler Fahrerarbeitsplatz sollte nach ergonomischen und arbeitsmedizinischen Erkenntnissen aufgebaut sein. So sind zum Beispiel die Fahrerkabinen aller Gegengewichtsstapler von Still schwingungsarm gelagert, um die von der Last ausgehenden Schwingungen zu unterdrücken.

Damit der Fahrer auch unter Zeitdruck seiner Anschnallpflicht nachkommt, hat das Unternehmen zudem den Easy Belt entwickelt. Beim Aufsitzen steigt der Fahrer einfach in den vorgespannten Gurt hinein. Rückhaltesysteme, die den Fahrer bei Kippunfällen durch seitlich angebrachte Bügel vor dem Herausfallen schützen, sind der IWS-Pilotprotector oder das Sauermann-System.

Steuerung mit Joystick

Zu einer höheren Arbeitssicherheit trägt auch eine flexible und feinfühlige Bedienbarkeit des Flurförderzeugs bei, zum Beispiel mit Hilfe einer elektrohydraulischen Lenkung, großflächigen Displays oder in die Armlehne integrierten Bedienelementen in Form von Mini-Hebeln oder Knöpfen. Und über einen ergonomischen Joystick können alle wichtigen Funktionen des Fahrzeugs gesteuert werden, während die freie Hand permanent am Lenkrad bleiben kann.

Über die gesetzlichen Regeln zur Arbeitssicherheit hinaus werden ständig neue Lösungen entwickelt, die ebenfalls zur Unfallprävention bei der Staplernutzung beitragen. Dazu zählen die Senkrechtstellung des Mastes auf Knopfdruck, der automatische Senkstopp beim Kommissionieren, Leitschienen zur Führung des Staplers in den Regalgassen, die automatische Bremsung am Gassenende und Personenschutzanlagen für Schmalgangfahrzeuge.

Im Rahmen seiner Assistance Truck Control (ATC) bietet Still eine Reihe automatischer und halbautomatischer Funktionen an. Dazu gehören das sichere Verlassen und Abstellen des Fahrzeugs, die Sitzgurtkontrolle, die lenkwinkelabhängige Geschwindigkeitsbegrenzung und die Tempodrosselung bei angehobenem Gabelträger. Aber auch Zugangskontrollen zur Verhinderung nichtautorisierter Nutzung von Staplern und Warehouse Equipment tragen zu mehr Sicherheit im Lager bei.

Speziell bei größeren Flotten mit mehreren Fahrern werden zusätzlich zu den bewährten Startsystemen immer öfter elektronische Systeme zur Zugangskontrolle eingesetzt. Die Lösungen reichen dabei von PIN-Codes über RFID-Kontrollsysteme bis hin zu intelligenten Schlüssellösungen. Still etwa regelt die Zugangskontrolle im Rahmen des Flottenmanagement-Systems Fleet Manager 4.x mittels Datenkarte, RFID-Chip oder PIN. Damit können die Flottenbetreiber ihren Fahrern unterschiedliche Anwenderrechte oder Geschwindigkeitsbeschränkungen erteilen.

Assistenz für Stabilität

Eine an Bedeutung stetig zunehmende Möglichkeit zur Erhöhung der Sicherheit von Flurförderzeugen während des Betriebs sind Fahrerassistenzsysteme (FAS). Sie beinhalten stabilisierende Funktionen, etwa bei Kurvenfahrten, Kollisionsschutzsysteme, die den Fahrer vor Gefahren warnen und – falls erforderlich – den Stapler automatisch abbremsen, sowie Systeme zur Geschwindigkeits- und Hubhöhenbeschränkung. Je nach Art des Fahrerassistenz-Systems kommen verschiedene Arten von Sensorik und Ident-Technologie zum Einsatz.

Mit einem RFID-System von Still etwa kann ein intelligenter Stapler Informationen über im Boden befindliche, passive Transponder auslesen und entsprechend reagieren. So greift das Assistenz-System beim Überfahren von Transpondern in die Fahrzeugsteuerung ein, um die Geschwindigkeit automatisch zu reduzieren, zum Beispiel an potenziellen Gefahrenpunkten wie Kreuzungen oder Engstellen.

Das Assistenz-System Still Optispeed für Schmalgangstapler und Kommissionierer regelt die Fahrgeschwindigkeit in Abhängigkeit von Hubhöhe und Lastgewicht. Darüber hinaus unterstützt es den Fahrer bei der Zielanfahrt im Regalgang, indem das Fahrzeug oder die Gabel automatisch an der horizontalen und vertikalen Zielposition gestoppt wird. Je nachdem, ob Ladung aufgenommen oder abgegeben werden muss, wird die Hubhöhe der Gabel feinjustiert.

Die Position des Fahrzeugs wird über einen Inkrementalgeber zur Wegstreckenmessung ermittelt und durch Barcode-Label an den Regalstützen und zwei am Fahrzeug angebrachte Barcode-Scanner ständig korrigiert. Das Assistenz-System zeigt dem Fahrer detailliert die aktuelle Position des Fahrzeugs an, die Zielposition im Regal und den noch zurückzulegenden Weg.

Genaue Fahrzeug-Prüfung

Neben Flüssiggas-Anlagen und Ladegeräten unterliegen auch Flurförderzeuge gesetzlich vorgeschriebenen, fest definierten Überprüfungen. Mindestens einmal pro Jahr muss bei Gabelstaplern die sogenannte FEM-4.004-Prüfung von Flurförderzeugen (BGV D 27) durchgeführt und in einem detaillierten Prüfbericht festgehalten werden.

Die Prüfung erstreckt sich auf die Beurteilung des allgemeinen Zustands des Flurförderzeugs und seiner Ausrüstung. Insbesondere Lenkung, Bremsen, Räder, Bedienelemente und Antrieb, die hydraulische Anlage, das Hubgerüst, Hubketten, Lastaufnahmemittel und das Fahrerschutzdach stehen auf der Prüfliste. Die Ergebnisse des Checks werden in einem Prüfbericht dokumentiert. Festgestellte Mängel sind zeitnah zu beseitigen.

Faktor Mensch spielt Rolle

Ebenfalls im Rahmen der FEM-4.004-Prüfung werden die am Stapler eingesetzten Anbaugeräte untersucht – auf Beschädigung, Verschleiß, Leckagen und sichere Befestigung. Mit Treibgas betriebene Stapler werden zusätzlich zur FEM 4.004 gemäß BGV D34 geprüft.

Ziel ist, den ordnungsgemäßen Zustand der Treibgasanlage zu gewährleisten, insbesondere in Bezug auf Dichtheit und Funktion. Damit soll vermieden werden, dass Gas unkontrolliert entweichen kann.

Die jährliche Prüfung der Ladegeräte von batteriebetriebenen Gabelstaplern und Lagertechnikgeräten erfolgt gemäß der BGV A3. Wichtig hierbei: Sicherheit und Funktionstüchtigkeit der Ladegeräte. Der jeweilige Check darf nur von befähigten Personen vorgenommen werden. Außerdem vorgeschrieben sind geeignete Prüfmittel. Gut aufgestellte Staplerhersteller stellen dafür beides, autorisierte Servicetechniker und Prüfmittel, zur Verfügung.

Bei allen technischen Möglichkeiten: Die herausragende Rolle spielt auch beim Thema Sicherheit in Lager und Logistik der Mensch. Wer etwa einen Stapler fahren will, muss laut Gesetzgeber eine mehrtägige Ausbildung durchlaufen.

Maßgeblich für die Ausbildung sind die Kenntnisse und Fertigkeiten zum sicheren Führen von Gabelstaplern nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz BGG 925 und den Anforderungen der BGV D27. Diese Ausbildung beinhaltet sowohl einen theoretischen Teil als auch die praktische Einweisung in die Fahrzeuge und deren Aufgaben.

Die Veranstaltung zum Thema:

Praxistag Lagersicherheit 2014

Wer sich in Sachen »Sicherheit in Lager und Logistik« auf den neuesten Stand bringen möchte, sollte demnächst nach Hamburg aufbrechen. Als Kooperation von , Carl Hanser Verlag und dem Intralogistiker und Staplerhersteller Still findet im Veranstaltungszentrum des Unternehmens, besser bekannt als Still Arena, am 24. und 25. Juni der Praxistag Lagersicherheit 2014 statt. Auf dem Programm: aktuellste Informationen zum Thema Sicherheit, vermittelt von ausgewiesenen Experten der Lager- und Logistikbranche. Aber auch die Praxis kommt nicht zu kurz. So zeigen Staplerfahrer, was man mit ihren Fahrzeugen machen oder auch nicht machen sollte – spannende Angelegenheit. Alle Informationen zu der Veranstaltung gibt’s unter:

Erschienen in Ausgabe: 02/2014