SLS für Sportwagen-Spezialisten

Porsche: Optimierung im Ersatzteillager

Die Porsche AG hat im Rahmen ihres Projektes PorTello das Zentrale Ersatzteilelager in Ludwigsburg, ZEL, auf SAP-Basis für die künftigen Anforderungen fit gemacht. Witron Logistik und Informatik hat bei diesem Projekt das ZEL mit einem auf die Porsche-Anforderungen maßgeschneiderten Staplerleitsystem ausgestattet, das die Auftragsdaten aus dem SAP WM operativ umsetzt. Seit August vergangenen Jahres läuft das System reibungslos.

22. Oktober 2002

PorTello bildet das optimierte und restrukturierte Ersatzteilgeschäft im SAP R/3-System der Porsche AG ab. Im Rahmen des Projektes Porsche Teilelogistik wurden alle relevanten Geschäftsprozesse, von der Beschaffung über die Lagerabwicklung bis zur Disposition optimiert und von SAP R/3 sowie spezifisch angepaßten Programmen für die operative Ebene unterstützt. Hierbei hat die Würzburger Niederlassung von Witron die Aufgabe übernommen, mit ihrem maßgeschneiderten Staplerleitsystem TMS-to-R/3 alle operativen Geschäftsprozesse und Materialbewegungen im Lager zu steuern und zu optimieren: Alle Transportaufträge sind in SAP R/3 WM angelegt und werden zur Ausführung an das Transport-Management System TMS von Witron übertragen.

PorTello betrifft das Zentrale Teilelager, ZEL, von Porsche mit allen Standorten in Ludwigsburg; somit sind auch das Hochregallager in Zuffenhausen und die Außenlager in Waiblingen informationstechnisch mit der Anlage in Ludwigsburg verbunden. Das ZEL koordiniert die weltweite Versorgung aller Porsche-Vertriebstöchter. Auf einer Gesamtfläche von 21.000 Quadratmetern bietet es rund 42.000 Lagerplätze in verschiedenen Ausführungen für derzeit 60.000 unterschiedliche Artikel. Bis zu 15.000 Plätze entfallen auf Schmalgang-Hochregallager, die von manngeführten RBG bedient werden. Insgesamt sind im ZEL, das normalerweise im Zweischichtbetrieb an fünf Tagen in der Woche läuft, an die 50 Stapler in unterschiedlichen Versionen im Einsatz. Nur so kann das große und auf vergleichsweise wenigen Lagerplätzen vorgehaltene Artikelspektrum gehandhabt werden, das vom Motor bis zur Beilagscheibe reicht. Der Versorgungszeitraum reicht vom ersten gebauten Porsche bis zu den neuesten Sportwagenmodellen.

Beschleunigung der SAP-Abläufe

Im Zusammenhang mit PorTello wurde für das ZEL das Projekt TMS gestartet, da das Altsystem nicht mehr zukunftsfähig war und optimiert werden mußte. TMS-to-R/3 fungiert quasi als verlängerter operativer Arm des im ZEL eingesetzten SAP Warehouse Management WM. „TMS agiert als ,Schmieröl& pos; zwischen den verschiedenen Systemkomponenten. Es gleicht die Restriktionen der beteiligten Systeme aus und sorgt für komfortable operative Abläufe“, erläutert Diplom-Informatiker Rainer Mündlein, seitens Witron, Rimpar, für das TMS-Projekt verantwortlich, die Grundprinzipien.

Im R/3-System wurde der Standard verwendet, um die Releasefähigkeit zu gewährleisten. Anpassungen an die Gegebenheiten des Lagers wurden, wo möglich, ins TMS verlagert. Durch die batchweise Rückmeldung sind di Lagerarbeiter unabhängig von Buchungszeiten und Sperrsituationen im R/3-System. Zudem konnte durch diverse Maßnahmen die Performance der Einbuchung erhöht werden. Beim alten Hochregallager mußten dortige Verbuchungsmöglichkeiten berücksichtigt werden, da hier Änderungen praktisch unmöglich sind. Insbesondere darf die Produktion, die auch aus diesem Lager versorgt wird, in keinem Fall beeinträchtigt werden.

Laut Stefan Arnold, seitens Porsche der IT-Projektleiter für das PorTello-Projekt, hat sich Porsche für Witron aufgrund seiner marktführenden Position und Kompetenz in der Lagerlogistik und auch bei Staplerleitsystemen entschieden. Hinzu kam, daß Witron mit seiner Standard-Schnittstelle Logiface-to-R/3 die Kommunikationsbasis für die operative Logistik bietet.

60 interne und externe Mitarbeiter waren für das Projekt PorTello tätig, davon 20 von Porsche, 25 Entwickler und Modulspezialisten des Beratungshauses Meschke, Hofmann und Partner, MHP, eines Unternehmens des Porsche Dienstleistungsbereiches sowie Mitarbeiter von Witron und weitere Fachberater. Projektstart war der 30. 09. 1999, die produktive Nutzung des Systems begann am 1. August 2001.

Staplerleitsystem maßgeschneidert

Aufgabe von Witron war es, zusammen mit Porsche integrierte Geschäftsprozesse über SAP R/3, TMS und weitere Systeme zu konzipieren und zu definieren. Witron erstellte dabei die Konzeption, inklusive aller erforderlichen Ablaufanalysen, Datenstrukturierungen und -anpassungen. Im Mittelpunkt stand dabei, die spezifischen Wünsche von Porsche in der SAP-Landschaft abzubilden und gleichzeitig in den Materialfluß des Staplerleitsystems zu integrieren. Die Einführung des SLS dauerte zehn Monate, wobei Witron für die Hochlaufphase nur vier Wochen benötigte. Die Einführung von SAP R/3 WM erfolgte durch die Berater von MHP. Zum Stichtag 1. 8. 2001 wurde das Altsystem abgeschaltet, und die gesamten Lagerabläufe mit WM und TMS abgebildet. Mündlein: „Die Umstellung erfolgte auf einen Schlag. Es gab niemals die Diskussion, das Transportmanagementsystem TMS stufenweise einzuführen.“

Koordinierung rundum

Zu den wichtigsten Aufgabenbereichen des SLS zählen die Koordinierung der Staplereinsätze, die Zuteilung der Aufträge nach definierten Kriterien und Prioritäten sowie die Überwachung der Abläufe. Neben diesen „normalen“ Aufgaben eines SLS waren noch Schnittstellen zu weiteren Systemen zu beachten und eine Reihe von Porsche-spezifischen Highlights zu realisieren. Mündlein nennt hier die Auftragszuteilung mit mehreren Kundenaufträgen sowie die Koordination, um die von verschiedenen Staplern kommissionierten Kundenaufträge wieder zusammenzuführen. Hinzu kommt die Anbindung der unterschiedlichen, auf den Staplern und stationär eingesetzten Druckertypen, die Anbindung der Bizerba- Wägesysteme, die an den Verpack-Arbeitsplätzen das Gewicht und die Eichungs-Informationen aufnehmen und in den Verpackdialog integrieren sowie die Integration des CVS-Systems für die Ermittlung der Versandkosten. Zudem war die Kommunikation zum vollautomatischen Hochregallager auf Tandem-Plattform zu integrieren.

Weitere Besonderheiten bildeten die Koordinierung der Verpack- und Verladevorgänge. So werden Versandhilfsmittel vergeben und spediteurspezifische Label und bei Bedarf Inhaltslisten gedruckt. Die Packstücke werden an SAP gemeldet und für den Transport disponiert. Bei der Verladeerfassung geschieht die Zuordnung zu Transporten entweder im TMS oder durch einzelne Zuordnung im SAP.

Zudem galt, daß in einer der Kleinteilezonen ganggebundene Fahrzeuge mit sechs verschiedenen Kundenbehältern unterwegs sind. In einer weiteren Zone sind, ebenfalls mit sechs Kundenbehältern, Gegengewichtsstapler im Einsatz, die zudem die Bereiche wechseln. In anderen Bereichen wiederum werden Paletten gefahren. Generell werden Nachschubstapler und Kommissionierstapler gemischt eingesetzt.

Zuteilungs-Strategien

Wichtig war, wie Mündlein betont, den Auftragsumfang für die Stapler so zu definieren, daß Kriterien wie Kapazitä des Staplers, Wegeoptimierung und Verladezeitpunkt berücksichtigt werden. Außerdem mußte die Auftragszusammenführung mit Positionen aus anderen Lagerbereichen berücksichtigt werden. Abhängig von Lagerbereich und Auftragsart kann ein Stapler in seinem Lagerbereich bis zu sechs unterschiedliche Kunden kommissionieren.

Derzeit werden pro Tag zwischen 7.000 bis 8.000 Transportauftrags-Positionen, also Orderlines oder Greifvorgänge, geleistet, davon sind zwischen 5.000 bis 6.000 reine Kommissionierpositionen. Der Umfang pro Auftrag besteht zwischen wenigen bis zu 500 Positionen.

Leichte Bedienbarkeit

Wie wird bei dieser Aufgabenvielfalt die erforderliche Schnelligkeit des Systems gewährleistet? Wie Mündlein erläutert, läßt sich wenig standardisieren; vielmehr hilft hier „die Kompetenz von Witron, Konzeptionen für effiziente Abläufe mit kurzen Antwortzeiten zu erstellen und entsprechend zu programmieren“. Als Rechner für Datenbank und Applikation wird ein Windows NT-System auf Intel-Basis mit vier Prozessoren und 1,6 GB-Hauptspeicher eingesetzt.

Zudem wurden viele Abläufe ausschließlich im TMS realisiert, „damit der Bediener möglichst unabhängig vom SAP-System seine Tätigkeiten ausführen kann“. Die Auftragserteilung sowie die Rückmeldung vom TMS an das SAP-System geschehen batchweise, die Kommunikation mit den Datenfunk-Terminals der Staplerfahrer ist permanent online.

Die Wirksamkeit eines Systems steht oder fällt mit der Bedienbarkeit durch die Anwender. So wurde das SLS möglichst „leicht bedienbar und effizient“ gestaltet. Wichtig für das Projekt-Team von Witron sind die einfachen Hilfs- und Eingriffsmöglichkeiten für die Benutzer. So gibt es Online-Hilfe an den Terminals. Von jedem PC im Lager aus kann man mit der passenden Benutzerberechtigung direkt auf das System zugreifen. Die Key-User können die meisten Änderungen auch ohne Eingriffe in der Datenbank und ohne Programmierkenntnisse vornehmen. Das System läßt sich einfach handhaben und bietet alle notwendigen Informationen am Leitstand.

PorTello Projektleiter Stefan Arnold ist zufrieden: „Das Vertrauen in Witron hat sich gelohnt. Ich möchte besonders die kurzen Reaktionszeiten und den kompetenten Support durch die Witron-Mitarbeiter während aller Projektphasen hervorheben.“

Erschienen in Ausgabe: 05/2002