Sonnige Saison

Lagebericht Über der Staplerwelt scheint weiter die Sonne. Die gute Geschäftslage der Industrienationen, aber auch die Entwicklung von China und Osteuropa lässt das Business brummen. Von Michael Weilacher

10. Oktober 2007

> Keine Frage: Die Hersteller von Gabelstaplern und Lagertechnikgeräten haben allen Grund, zufrieden zu sein. Das Absatzhoch der vergangenen Jahre hält weiter an. Auch für 2008 gehen die allermeisten Anbieter von Flurförderzeugen von einer positiven Entwicklung ihres Marktes aus. Das Wachstum wird zwar möglicherweise weniger hoch ausfallen als in den Jahren 2004 (plus 13, 7 Prozent), 2005 (plus 9,8 Prozent) und 2006 (plus 11,5 Prozent), für gute Geschäfte aber wird es allemal reichen. Beste Stimmung also bei den Herstellern, mancherorts sogar leichte Anflüge von Euphorie. Doch die Freude über den fulminanten Absatz wird durch erste Unkenrufe gestört. Wie lange, fragen nicht nur bewährte Bedenkenträger, sondern auch zukunftsorientierte Strategen, wird das gute Geschäftsklima noch andauern? Und mit wie vielen weniger fetten Jahren ist im Anschluss an das Absatzhoch zu rechnen? Da kein Boom ewig anhält, ist es nur vernünftig, diese Fragen jetzt zu stellen. Wer die richtigen Antworten findet, wird in weniger umsatzstarken Jahren die Nase vorn haben. Apropos Nase vorn: Die vom logistik journal ermittelte Weltrangliste der Staplerproduzenten zeigt an der Spitze keine Veränderung. Platz 1 der Liste nimmt mit einem Umsatz von 5,254 Mrd. Euro (190.000 produzierte Einheiten) nach wie vor Toyota ein. Platz 2 belegt die Kion Group (4,020 Mrd. Euro Umsatz, 134.000 Einheiten). Bei Kion handelt es sich um die ehemalige Staplersparte des Linde-Konzerns. Nach seinem Verkauf befindet sich der Unternehmensbereich mit den Staplermarken Linde, Still und OM heute im Besitz von Finanzinvestoren. Momentan wird Kion fit gemacht für die Börse. Termin: 2009 (wenn's gut läuft), oder 2011 (wenn der Trimm etwas länger dauert). Doch Börse hin oder her: Dass Toyota auf dem Thron des Staplerkönigs sitzt, gefällt dem Vorgänger Linde (Nr. 1 bis zur Übernahme von BT durch Toyota im Jahr 2000) gar nicht gut. Linde Material Handling-Chef Dr. Stefan Rinck im Mai dieses Jahres: »Wir wollen insgesamt die Nr. 1 werden.« Auf dem Weg des Zukaufs, wie der Geschäftsführungssprecher ergänzte. Nur: Im Mai konnte Rinck nicht ahnen, dass es später im Jahr auf den Finanzmärkten zu einer veritablen Kreditkrise kommen und es für Milliardenübernahmen kaum noch Finanzierungen geben würde. Der Kauf eines zusätzlichen Staplerherstellers durch Kion in näherer Zukunft ist also wenig wahrscheinlich. Soll heißen: Auf die Schnelle wird Toyota vom Spitzenplatz der lj-Liste mit den erfolgreichsten Staplerbauern nicht zu vertreiben sein. Nicht mal durch die große Kion Group, die neben dem Besitz von Linde, Still und OM auch Anteile an Komatsu hält.

Einen Schritt voraus

Was immer sich ein Wettbewerber vornehmen mag ? Toyota bleibt gelassen. Denn, da ist man sich sicher in dem japanischen Mega-Unternehmen (36.000 Mitarbeiter): Von Toyota lernen, heißt siegen lernen. Der unerschütterliche Glaube an das eigene Potenzial gibt Toyota ein beeindruckendes Selbstvertrauen. Während andere Hersteller ihre Fabriken nur ungern für Besucher öffnen und das Fotografieren am liebsten unter Strafe stellen würden, führt Toyota sogar Abordnungen der Konkurrenz wie selbstverständlich durch seine Fertigungsstätten. Man wisse, so ein hochrangiger Toyota-Manager, dass man den Wettbewerbern ohnehin immer einen Schritt voraus sein müsse.

Einen Schritt voraus waren die Japaner ihrer Konkurrenz spätestens nach der Einführung des Toyota-Produktions-Systems. Ziel des TPS ist, durch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess jede Unzulänglichkeit innerhalb der Fertigung zu beseitigen. Am Ende steht der perfekte Produktionsprozess. Nachdem Hochschulen ihre Studenten auf TPS-Effizienz trimmen, hat das Produktionssystem von Toyota überall in der Wirtschaft Nachahmer gefunden. Einer der Schlüsselbegriffe im TPS lautet »Verschwendung«. Sie zu vermeiden ? egal ob bei Zeit, Material oder menschlichen Ressourcen ? gilt als hehres Ziel. Ein Ziel, das man seit einiger Zeit auch bei Toyota-Wettbewerber Linde stärker verfolgt. Und auch bei Jungheinrich (Platz 4 der Weltrangliste) findet sich eine Analogie zum Toyota-Produtions-System. In der Fertigung der FFZ-Spezialisten aus Hamburg arbeitet man nach dem JPS, dem Jungheinrich-Produktions-System. Fakt aber bleibt: Toyota verkauft mehr motorisierte Flurförderzeuge als jeder andere Hersteller.

Ehrgeiziges Ziel

Wenn es darum geht, diesen Erfolg zu erklären, nennt der deutsche Staplerchef von Toyota, Matthias Fischer, neben der hilfreichen Übernahme von BT durch Toyota im Jahr 2000 Begriffe wie »Qualität«, »Zuverlässigkeit«, »Sicherheit«, »Innovation« und »Umweltverträglichkeit« ? und macht kein Hehl daraus, dass Geräte mit diesen Eigenschaften in Deutschland einen höheren Marktanteil verdienen. Langfristig (»wenn ich langfristig sage, meine ich eine Zeitspanne von deutlich mehr als fünf Jahren«) peilt der Geschäftsführer von Toyota Material Handling Deutschland auf seinem Territorium einen Marktanteil von 20 Prozent an. Was nicht heißt, dass Fischer mit der aktuellen Entwicklung unzufrieden ist.

Deutliche Verbesserung

Mit Blick auf das zurückliegende Geschäftsjahr (2006) sagt der ehemalige Vertriebsvorstand des Toyota-Konkurrenten Jungheinrich: »Die Auftragseingänge und das Ergebnis haben sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert.« Und zum laufenden Geschäftsjahr: »Es ist besser als erwartet. Wir gehen davon aus, dass das Marktvolumen auch im Jahr 2007 nochmals wachsen wird.« Danach gefragt, welche Tendenzen er generell im Geschäft mit Flurförderzeugen erkennen kann, antwortet Fischer: »Hier muss man zwischen den verschiedenen Märkten differenzieren. In den sich stark entwickelnden Märkten Asiens und Osteuropas kristallisiert sich ein Trend zu verbrennungsmotorischen Gabelstaplern heraus. Aber auch die Lagertechnik entwickelt sich hier inzwischen rasant. In den westeuropäischen Märkten verzeichnen die verbrennungsmotorischen Geräte derzeit das größte Wachstum. Impulsgeber ist hier der Mittelstand, der nach einer langen Phase der Unsicherheit über die konjunkturelle Lage jetzt wieder kräftig investiert. Generell kann man erkennen, dass das Umweltbewusstsein deutlich steigt. Diesbezüglich sind wir mit unseren Fahrzeugen sehr gut aufgestellt. Die neuen Diesel und Treibgasstapler der Tonero-Baureihe sind zu 99 Prozent recycelbar und werden in umweltschonenden Herstellungsverfahren gefertigt. Nicht nur die Herstellungsverfahren der Premiumanbieter basieren auf neuesten Erkenntnissen aus der Forschung. Auch die Stapler und Lagertechnikgeräte selbst sind technologisch auf dem neuesten Stand. Welcher Hersteller bei den technischen Features die Nase vorn hat, kann der Außenstehende kaum beurteilen ? die Leistungsmerkmale vieler Geräte ähneln sich in starkem Maße. Selbst Insidern fällt eine Benotung schwer, nehmen doch alle Staplerbauer aus der ersten Reihe mehr oder weniger stark für sich in Anspruch, Technologieführer zu sein. Ein Titel, der Technikern beziehungsweise Entwicklern naturgemäß besonders viel bedeutet. In anderen Abteilungen sieht man die Sache nüchterner: Dr. Helmut Limberg, Vertriebsvorstand und damit oberster Verkäufer im Hause Jungheinrich: »Die finale Entscheidung, wer Innovationsführer ist, trifft der Kunde. Er wird immer genau die Technologie wählen, die ihm aktuell den größten Nutzen bringt. Vor diesem Hintergrund sorgen wir bei Jungheinrich vorausschauend dafür, dass wir immer aktuell die Top-Technik anbieten können und dem Kunden damit gute Argumente an die Hand geben, sich für uns zu entscheiden. « Auch Kenneth Dufford, Geschäftsführer European Business und Marketing Development bei Crown (vor MCF jetzt auf Platz 5 der Weltrangliste), sieht Technologieführerschaft differenziert: »Technologie kann für verschiedene Leute ganz Unterschiedliches bedeuten. Deshalb ist es nach meiner Auffassung etwas anmaßend, hier einen Führungsanspruch zu stellen. Unser Standpunkt ist, dass wir Technologie angemessen einsetzen und ? noch wichtiger ? innovative Lösungen anbieten, technologisch orientiert oder nicht, die unseren Kunden zuverlässigen Nutzen bieten. Wir lassen den Kunden entscheiden, und dieser Ansatz hat sich für uns bewährt.« Stimmt, am Ende entscheidet der Kunde. Der Kunde in Europa allerdings stellt andere Ansprüche als der in Asien oder Amerika.

Unterschiedliche Wünsche

Warum einem Amerikaner den State-of-the-Art-Stapler in Sachen Ergonomie anbieten, wenn Ergonomie in Amerika kein beherrschendes Thema ist? Warum einen Drehstromstapler in Asien an den Start bringen, wenn sich dort ein Trend hin zu verbrennungsmotorischen Geräten abzeichnet? Was Kenneth Dufford von Crown eher verhalten formuliert (»das Produkt muss sich den Ansprüchen des Marktes anpassen«), klingt bei Linde Material Handling eher nach einer handfesten Forderung. Geschäftsführungssprecher Dr. Stefan Rinck: »Es muss uns gelingen, die unterschiedlichen Erwartungen unserer Kunden weltweit mit den wirtschaftlichsten Produkten zu bedienen.« Mit anderen Worten: Jedes Land beziehungsweise jede Region soll genau den Linde-Stapler bekommen, der dort gebraucht wird. Ein Ziel, das speziell mit Blick auf China auch Linde MH-Konkurrent Jungheinrich verfolgt. Vorstandschef Hans-Georg Frey: »Wir bauen in China Produkte für den chinesischen Markt.« Wie wichtig die Belieferung der einzelnen Märkte mit passgenauen Produkten ist, unterstreicht auch Freys Vorstandskollege Dr. Helmut Limberg.

Spezielle Lösungsansätze

»Es gibt Märkte«, so Limberg, »die ganz besondere Lösungsansätze erfordern. Wer in diese Märkte hinein möchte, muss sich ihren Lösungsansätzen anpassen.« Wie weit diese Anpassung gehen darf, weiß man bei den High-Class-Anbietern sehr genau: Auch wenn sie für weniger anspruchsvolle Märkte weniger anspruchsvolle Geräte produzieren, soll es sich dabei doch um Premiumprodukte handeln, nur auf einem niedrigeren Level eben. Alles andere ? ganz klar ? würde die Marke beschädigen. Umsatz und Ergebnis der Premiumhersteller dagegen könnten mittel- und langfristig von Geräten beschädigt werden, die China selbst generiert. Auch wenn es die Staplerbauer aus dem Reich der Mitte mit den bekannten Technologieführern nicht wirklich aufnehmen können: Ignoriert werden sie auf keinen Fall. Kenneth Dufford von Crown: »Wir nehmen jeden Wettbewerber ernst.« Auch Jungheinrich wird die chinesischen Wettbewerber auf dem Weltmarkt weiterhin »wachsam beobachten, ohne ängstlich zu sein«, so der Vorstandsvorsitzende Hans-Georg Frey.

Wie viele Flurförderzeuge China in Summe weltweit verkauft, können auch Fachleute nur schätzen. Aber: Der Anteil am Gesamtmarkt dürfte beträchtlich sein. Immerhin, zwei chinesische Anbieter haben es in den Weltrangliste von logistik journal geschafft: Anhui Heli Forklift (28.500 produzierte Einheiten, Platz 15 der Bestenliste) und HC Forklift (27.000 Einheiten, Platz 16). Alle chinesischen Anbieter zusammen dürften deutlich mehr verkauft haben. Verlässliche Zahlen für journalistische Zwecke zu bekommen, ist jedoch ein beinahe aussichtsloses Unterfangen. Selbst intensive Recherchen führen nur zu vagen Ergebnissen. So viel aber steht fest: Die mit westlichem Know-how gefertigten China-Stapler ? auch FFZ-Technik wird im Reich der Mitte munter kopiert ? sind für die namhaften Hersteller eine nicht zu unterschätzende Größe. Vergleichsweise anspruchslos in Anwendung und Unterhalt, eignen die Geräte sich durchaus für die Bewältigung logistischer Basisaufgaben. Und auch derlei Maschinen werden nachgefragt. Als »führender Staplerhersteller in der Volksrepublik China« tritt Anhui Forklift Truck auf. Das Portfolio des asiatischen Anbieters umfasst Stapler mit elektrischem und verbrennungsmotorischem Antrieb für Traglasten bis 16 Tonnen. Mit seinen Geräten der Marke »Heli« ist das chinesische Unternehmen so erfolgreich, dass am Standort Hefei unlängst ein weiteres Werk in Betrieb genommen wurde.

Mit der Fertigung von Gabelstaplern sind in Hefei 7.500 Mitarbeiter befasst. Interessantes Detail dabei: Die Geräte werden in länderspezifischen Ausführungen gefertigt, für den US-Markt beispielsweise, für Europa und natürlich auch für den heimischen Markt. Stapler, die nach Europa exportiert werden, sind CE-zertifiziert und müssen hierzulande nicht mehr umgerüstet werden. Auch die Großstapler-Produktion boomt in China. So nahm die Anhui Forklift Truck Group im Dezember 2006 ein neues Werk für Leercontainer-Stapler bzw. Reachstacker in Betrieb. Zur beeindruckenden Entwicklung von Anhui heißt es in einer Firmenmitteilung aus dem Hause Heli Deutschland: »Der weltweite Erfolg basiert im Wesentlichen auf zwei Faktoren: Zum einen liefert man den Kunden Geräte, die man mit einem vernünftigen Aufwand ? zumeist in Eigenregie ? pflegen und gegebenenfalls reparieren kann. Zum anderen werden beispielsweise bei den Großgeräten Markenkomponenten verbaut, wie sie auch europäische Hersteller einsetzen: Volvo-Motoren, Rexroth-Hydraulikaggregate, ZF-Getriebe, Kessler-Vorderachsen oder Elme-Spreader.« Eines der jüngsten Geräte aus der Anhui-Produktion ist ein elektrisch betriebener Heli-Dreiradstapler für Lasten von 1,0 beziehungsweise 1,5 Tonnen.

Unkomplizierte Wartung

Gegenüber einem Vierrad-Elektrostapler weist dieses Modell mit seinem auf die Hinterachse wirkenden Einmotor-Fahrantrieb Herstellerangaben zufolge eine Energieeinsparung von 30 Prozent auf. Keine Frage also: Die Staplerbauer aus Fernost und ihr immer besser werdendes Produkt müssen ernst genommen werden, nicht zuletzt wegen der Wartungsfreundlichkeit der chinesischen Stapler. Wenn bei Hightech-Geräten aus dem Westen im Fall von Wartungs- oder Reparaturarbeiten der Laptop ausgepackt werden muss, reicht bei technologisch eher schlichten Staplern aus China oft schon der Schraubenschlüssel.

Nur der Nutzen zählt

Am Ende aber zählt nur der tatsächliche Nutzen der Geräte. Wer vergleichsweise viel ausgibt für einen Gabelstapler, kann trotzdem die günstigste Lösung gewählt haben. In diesem Zusammenhang argumentieren gerade die Premiumanbieter gerne mit den »Total Costs of Ownership«. Sie geben Auskunft darüber, wie hoch die tatsächlichen Kosten sind, die ein Gabelstapler oder ein Lagertechnikgerät über den gesamten Lebenszyklus hinweg verursacht. Und hier schneiden die auf den ersten Blick hochpreisigen meist sehr gut ab. Die mit diesen Geräten zu erzielende Produktivität ist hoch, ihre Lebensdauer lang. Um solche Produkte anbieten zu können, investieren die Premiumanbieter hohe Summen in Forschung und Entwicklung. Aktuelles Beispiel: Linde Material Handling. Erst vor kurzem hat der Staplerbauer am Standort Aschaffenburg zehn Millionen Euro für eine neues Entwicklungszentrum ausgegeben.

Kreative Hightech-Ideen

Linde Material Handling-Geschäftsführungssprecher Dr. Stefan Rinck: »Das neue Entwicklungszentrum ist die Keimzelle unseres Erfolges. Sie soll unsere wettbewerbsentscheidende Innovationsführerschaft erhalten und in Zukunft gezielt ausbauen. 270 moderne Arbeitsplätze bieten beste Rahmenbedingungen, um kreative Hightech-Ideen für Stapler und Antriebstechnik zu entwickeln und letztlich in die Realität umzusetzen.« Wie Linde Material Handling bieten auch die anderen Premiumproduzenten Geräte an, die mit modernster Technik für ein Höchstmaß an Produktivität sorgen. Der Verkauf der Maschinen ist dabei nur ein Teil des Geschäftsmodells. Weil der Gewinn pro verkauftem Stapler vergleichweise niedrig ausfällt, ist der After-Sales-Bereich, also das Geschäft nach dem Verkauf, immer wichtiger geworden. Langfristige Verträge über die Wartung der Stapler und Lagertechnikgeräte ? häufig auch Bestandteil von Miet- bzw. Rental-Kontrakten ? sind für die Hersteller ein wichtiges Element ihrer Geschäftstätigkeit.

Win-Win-Situation

Das herausragende Merkmal von langfristigen Abkommen zwischen dem Staplerproduzenten und seinem Kunden ist die daraus resultierende Win-Win-Situation: Der Kundeverfügt jederzeit über ein einsatzfähiges Gerät, und der Hersteller hat eine Beziehung zum Kunden, die weit über den Tag hinaus Bestand hat. Ein weiterer Vorteil kommt hinzu. Bei langfristigen Verträgen kann der Gerätehersteller sein komplettes Know-how nutzen. Ein Aspekt, der gerade in jenen Häusern eine wichtige Rolle spielt, die den Gabelstapler als Teil eines Systems betrachten. Jungheinrich-Vertriebsvorstand Dr. Helmut Limberg: »Wir möchten dem Kunden eine ganzheitliche Lösung bieten ? von der Beratung über den Verkauf bis hin zu Inbetriebnahme und Wartung. « Ein Geschäftsmodell, das Jungheinrich beste Ergebnisse beschert. Für dieses Jahr rechnet der Hamburger Hersteller erstmals mit einem Umsatz, der jenseits der Zwei-Milliarden-Euro-Marke liegt. Damit könnte Jungheinrich hinter Toyota und Kion Platz 3 der lj-Weltrangliste mit den Herstellern motorisierter Flurförderzeuge einnehmen. Bislang wurde dieser Platz von Nacco (Yale, Hyster) gehalten. Derzeit allerdings sieht sich der amerikanische Anbieter in seinem Heimatmarkt einer eher verhaltenen Nachfrage nach Gabelstaplern gegenüber: Das US-Geschäft mit Gabelstaplern stagniert. Jungheinrich ermittelte zu Beginn dieses Jahre gar einen Rückgang von 15 Prozent. Das trifft nicht nur Nacco, sondern auch die anderen international tätigen Anbieter. Wer jedoch in Amerika seine Basis hat, sieht sich größeren Auswirkungen gegenüber als Hersteller mit anderen Heimatmärkten. Ein wirkliches Problem jedoch sehen die amerikanischen Anbieter nicht in der momentan eher verhaltenen Nachfrage auf dem US-Markt. Kenneth Dufford von Crown: »Nach einer sehr starken Wachstumsperiode gibt es typischerweise einen allmählichen Rückgang. Dies scheint auf dem US-Markt der Fall zu sein. Unserem Gefühl nach ist dies konjunkturell bedingt und basiert nicht auf einem wesentlichen Problem. Während die USA ein wichtiger Markt für Crown sind, hilft uns unsere globale Orientierung, regionale Rückgänge auszugleichen ? wie im Moment auf dem amerikanischen Markt.« Grund zur Sorge hat man bei Crown nicht. Kenneth Dufford: »Wir fühlen uns sehr wohl mit unseren derzeitigen Ergebnissen. Im Vergleich zum Vorjahr konnte Crown den Umsatz wiederum in zweistelliger Höhe steigern. Das entspricht einer durchschnittlichen Steigerungsrate des Ertrags von ca. 15 Prozent pro anno in den letzten drei Jahren. Highlights im vergangenen Jahr waren die Einführung des Hochregal-Kommissionierstaplers TSP 6000 und die Eröffnung unseres neuen Werkes in Suzhou. Mit diesem Werk hat sich unser Unternehmen eine Plattform in China geschaffen, von der aus wir den wachsenden Crown-Kundenstamm bedienen können. Als Folge des rasanten Wachstums in Osteuropa hat Crown aber auch dort seine Aktivitäten erheblich ausgebaut.«.

Verstärkung für Nissan

Seine Aktivitäten erheblich ausgebaut hat auch Nissan, allerdings in eine völlig andere Richtung. Sollte die EU-Kommission keine Einwände erheben, übernehmen die Staplerbauer des japanischen Konzerns zum Jahresende das schwedische Unternehmen Atlet. Damit verstärkt sich die Staplersparte von Nissan um einen Anbieter von anerkannt hoher Qualität. Allerdings soll auch Atlet von der Übernahme profitieren. So soll die Produktpalette der Schweden unter dem bestehenden Namen auch in Märkte vordringen, die bisher für Atlet nicht erreichbar waren. Während das Produktprogramm von Nissan Forklift in erster Linie aus Gegengewichtsstaplern besteht, hat Atlet seine besondere Stärke auf dem Gebiet der Lagertechnikgeräte. Zusammen können Nissan und Atlet, beide Marken werden separat im Markt operieren, rund 36.500 Geräte pro Jahr absetzen. Der Umsatz wird bei 858 Millionen Euro liegen. Ebenfalls zusammen unterwegs: SHS und Terra. In einer Pressemitteilung vom 11. Mai hieß es dazu: »SHS schließt sich mit sofortiger Wirkung der Terra-Gruppe an.« Damit haben sich die Terra-Marken Jumbo, Lancer und Ranger um Baumann und Irion verstärkt.

Größe ist nicht alles

Kein Zweifel: Die Größe eines Unternehmens kann beim Erreichen bestimmter Ziele von entscheidender Bedeutung sein. Wichtigstes Kriterium ist sie jedoch nicht. Dr. Helmut Limberg von Jungheinrich: »In unserer Unternehmensstrategie ist das Ziel eines nachhaltigen, profitablen Wachstums verankert. Es geht uns eben nicht um die Erhöhung des Marktanteils um jeden Preis. Ferner ist Jungheinrich auf organisches Wachstum ausgerichtet, denn wir sehen darin die beste Grundlage für die Erreichung einer hohen Nachhaltigkeit unseres Unternehmenswachstums.«

Wachstum dauert an

2006 betreffend geht der Vertriebsvorstand von Jungheinrich ins Detail: »Der Konzernumsatz überstieg mit 1.748 Millionen Euro den Wert des Jahres 2005 um über sechs Prozent. Das Inlandsgeschäft legte im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zwei Prozent zu, das Auslandsgeschäft um rund acht Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag mit 118 Millionen Euro um zehn Prozent über dem Vorjahresergebnis. « Wachstumsmotoren auch im Jahr 2007 sind wieder Osteuropa und Asien. Originalton Jungheinrich: »Die weltweite Nachfrage nach Flurförderzeugen entwickelte sich im zweiten Quartal 2007 mit einer Wachstumsrate von fast 13 Prozent. Mit 22 Prozent war Europa daran überdurchschnittlich beteiligt. Osteuropa wuchs mit 51 Prozent weiterhin deutlich stärker als Westeuropa mit 18 Prozent.«

Die Märkte fest im Blick

Der asiatische Markt legte laut Jungheinrich um 15 Prozent zu. »Wachstumstreiber mit einem Anstieg von 24 Prozent war einmal mehr China.« Auch Jungheinrich-Konkurrent Kion hat die Wachstumsmärkte fest im Fokus. Mit Blick auf 2007 sagen die Experten aus Wiesbaden: »Insbesondere in Osteuropa wird es wieder zu einem überdurchschnittlichen Wachstum kommen. Auch Asien wird überproportional wachsen, getrieben durch die Dynamik in China.« Wie bei den anderen Anbietern hält sich auch bei Kion die Begeisterung über die Entwicklung des US-Marktes in Grenzen: »Für Nordamerika erwarten wir einen leichten Einbruch der Nachfrage.«

Aber Nordamerika hin, Asien her ? der Kernmarkt, auch für große Hersteller wie Linde MH oder Jungheinrich, bleibt Europa. Nicht ohne Grund betreiben beide Hersteller in Deutschland modernste Fabriken, die für ein Höchstmaß an Produktivität stehen. So rollte Mitte des Jahres am Linde Material Handling-Standort Aschaffenburg der 500.000ste in Deutschland gefertigte Linde-Stapler vom Band. Eine Ehrfurcht gebietende Zahl, keine Frage. Die Kollegen von Clark jedoch blieben unbeeindruckt. Über alle Territorien hinweg, heißt es in der Europazentrale in Mülheim an der Ruhr, habe Clark bis zum heutigen Tag rund 1,2 Millionen Stapler verkauft ? in einem Zeitraum von 90 Jahren allerdings. Seinen ersten Stapler hatte Firmengründer Eugene Clark 1917 im US-Bundesstaat Kentucky zusammengebaut. Was folgte, war eine ebenso imposante wie wechselvolle Firmengeschichte (lesen Sie dazu auch unseren Beitrag auf Seite 60). Nach wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist Clark heute wieder auf Erfolgskurs. Europa-Chef Egon Strehl: »2006 hat nicht nur das Vorjahr, sondern auch alle Erwartungen deutlich übertroffen. Im Zusammenspiel mit der Konjunkturbelebung konnten wir eine Entwicklung forcieren, wie wir sie 2007 auch gesamteuropäisch anstreben. Gegenüber dem Vorjahr hat Clark 2006 15,2 Prozent mehr Stapler ausgeliefert. Und Clark Europe hat mit 43,6 Prozent erheblich dazu beigetragen.« Wie andere Anbieter auch verweist Egon Strehl auf »das große Potenzial, das die stark wachsenden Märkte Osteuropas bieten. Clark wird einen Schwerpunkt auf diese Märkte setzen und erheblich in die Entwicklung eines Vertriebsnetzes investieren. « Besonders erfreulich: Für das laufende Geschäftsjahr musste Clark die prognostizierten Absatzzahlen bereits nach oben korrigieren. Geschäftsführer Strehl: »2007 wird Clark Europe den Absatz von 2006 um 33 Prozent steigern. « Und auch für 2008 rechnet Clark in Europa »mit Wachstum deutlich über dem Branchendurchschnitt«.

Sehr hohes Niveau

Positive Aussichten auch für Stöcklin Logistik in der Schweiz. Bruno Haller, Leiter des Geschäftsbereichs Flurfördermittel, über das laufende Geschäftsjahr: »Die Nachfrage läuft nach wie vor auf sehr hohem Niveau. Die bisherige Tendenz lässt wieder auf eine markante Steigerung im zweistelligen Bereich schließen.« Andreas Schumacher, Marketing- und Vertriebsdirektor bei Kalmar Flurförderzeuge, zeichnet für sein Haus ein differenziertes Bild der Lage:

Differenziertes Bild

»Im vergangenen Jahr«, so Schumacher, »hat Kalmar in Deutschland wieder ein sehr gutes Ergebnis erzielt. Durch den anhaltenden Containerboom an den Küsten, aber auch im Inland, haben unsere Kunden ihre Kapazitäten aufgestockt. Auch im Industriebereich konnten wir deutliche Steigerungen verzeichnen. In den ersten Monaten dieses Jahres konnten wir an den Erfolg von 2006 anknüpfen, stellen aber im Containerbereich nach vielen Jahren zum ersten Mal eine gewisse Zurückhaltung fest. Grundsätzlich gehen wir aber von einem Markt wie im Vorjahr aus.«

Erschienen in Ausgabe: 05/2007