SSI Schäfer reorganisiert GEHE

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Lager- und Logistiksysteme. An nur drei Wochenenden hat ein Expertenteam von SSI Schäfer, Lö-sungsanbieter von modularen Lager- und Logistiksystemen, die Behälterfördertechnik im Landshuter Distributionszentrum von GEHE Pharma Handel GmbH auf den neuesten Stand der Technik gebracht.

20. Februar 2018
Das Maßnahmenpaket zur Erneuerung der Versand-vorbereitung bei GEHE umfasste auch die Integration einer neuen Kühlzelle. © SSI Schäfer
Bild 1: SSI Schäfer reorganisiert GEHE (Das Maßnahmenpaket zur Erneuerung der Versand-vorbereitung bei GEHE umfasste auch die Integration einer neuen Kühlzelle. © SSI Schäfer)

Auf Basis der implementierten Qualitäts- und Sicherheitsstandards ist das traditionsreiche Großhandelsunternehmen GEHE bestens dafür gerüstet, gesetzliche Vorgaben im pharmazeutischen Umfeld ohne Abstriche erfüllen und auch die permanent steigenden Erwartungen der Endabnehmer bedienen zu können. Die GEHE Pharma Handel GmbH ist mit Hauptsitz in Stuttgart eine feste Größe. Über 19 Niederlassungen liefert das Tochterunternehmen der McKesson Europe bis zu viermal täglich Arzneimittel und weitere medizinische Produkte bundesweit in die Apotheken – bei Bedarf innerhalb von maximal zwei Stunden. Mit diesem Serviceangebot leistet der pharmazeutische Vollversorger, dessen Historie bis in das Jahr 1835 zurückreicht, einen elementaren Beitrag, die Arzneimittelversorgung im Sinne bedürftiger Menschen sicherzustellen. Aktuell beschäftigt GEHE über sämtliche Standorte hinweg 2.500 Mitarbeitende. 15 der 19 strategisch regional verankerten Auslieferungslager sind mit automatisierten Förder- und Kommissionieranlagen von SSI Schäfer ausgestattet. Gehandhabt werden in der Regel kleinere Verpackungseinheiten. Dazu zählen zum Beispiel Schmerztabletten, Grippemittel, Blutdrucksenker, Emulsionen und Pflaster, aber auch Krebsmedikamente sowie kühlpflichtiges Insulin.

Weitreichende Partnerschaft

Jüngstes Beispiel für die lang anhaltende, erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen GEHE und dem weltweit leistungsstarken Lösungsanbieter von Produkten und Systemen für den innerbetrieblichen Materialfluss ist das Distributionszentrum im niederbayerischen Landshut. Dort hatte SSI Schäfer im Jahr 2002 ein umfassendes Modernisierungs- und Erweiterungsprojekt im laufenden Betrieb erfolgreich umgesetzt. Durch eine adäquate Erneuerung der Versandvorbereitung sollte die Durchsatzleistung der Anlage nun erneut gesteigert werden. Parallel galt es, eine neue Kühlzelle inklusive Kommissionierung zu integrieren. Die erneute Auftragsvergabe an SSI Schäfer begründet Thomas Merkle, Projektleiter GEHE Stuttgart, wie folgt: »Wir haben mit dem Intralogistikspezialisten bereits zahlreiche Projekte realisiert und schätzen dessen Know-how und Engagement. Außerdem wünschten wir uns einen Partner, der als Generalunternehmer sämtliche Leistungen aus einer Hand anbietet.«

Um den Produktionsbetrieb nicht zu beeinträchtigen, sah der gemeinsam entwickelte Maßnahmenkatalog einen sukzessiven Umbau in betriebsfreien Zeiten vor. SSI Schäfer Projektleiter Manuel Seelaus erinnert sich gut an die Zeit zwischen Ende September und Mitte Oktober 2016: »Die große Herausforderung bestand darin, dass alle Maßnahmenpakete an nur drei Wochenenden ohne jegliches Provisorium umzusetzen waren.Dieser Herkulesaufgabe sei das Team jedoch durchaus gewachsen gewesen. »Jeder Umbau verlief ohne Probleme. Die jeweiligen Kundentests erfolgten wie geplant und konnten fast auf die Minute genau um 18 Uhr abgeschlossen werden.« Die bei GEHE in Landshut installierte Behälterfördertechnik erstreckt sich über zwei per Senkrechtförderer verbundene Ebenen und besteht aus insgesamt 66 Versandbahnen. Die zu transportierenden Auftragsbehälter in zwei Größen sind konisch ausgebildet und fassen jeweils ein Gewicht bis 20 Kilogramm. Im Mittelpunkt des ersten Umbauwochenendes stand die Modifikation der Fördertechnik unter Berücksichtigung von zwei neu zu integrierenden Deckelmaschinen LAI (Lidding Adress Insertion), die den Materialfluss weiter beschleunigen sollten. »Die Handlingmaschine in der Versandvorbereitung wurde in doppelter Ausführung installiert, sodass dieser Bereich auch bei einer etwaigen Störung beziehungsweise einem Teilausfall ungehindert weiterarbeiten kann«, erklärt Manuel Seelaus.

Bei der LAI handelt es sich um ein automatisches System, das Adressbelege druckt, beilegt und fertig kommissionierte Behälter deckelt. Auf diese Weise wird verhindert, dass Formulare irrtümlich vertauscht werden. Die Deckelung schützt den Inhalt vor unbefugtem Zugriff, der eine mögliche Negativbeeinflussung nach sich ziehen könnte. Zudem lassen sich die Behälter leichter stapeln. Die Adressbelege werden stets in Fahrtrichtung an der Behälterinnenseite unter den Deckel geklemmt. Jedwede andere als die bestimmungsgemäße Verwendung ist aus Sicherheitsgründen absolut untersagt. Wenn beide LAI im Einsatz sind, sorgt eine intelligente Steuerung dafür, dass es nicht zu Rückstaus vor den Maschinen kommt. Anschließend durchlaufen die Behälter ebenfalls neu installierte Umreifungsautomaten mit analoger Steuerungsphilosophie, die bei Bedarf in Spitzen greift. Diese Stationen sind mit einer Bandendkontrolle sowie einer automatischen Bandeinfädelung ausgestattet. Nach dieser erneuten Sicherung werden die Behälter zum Versand abtransportiert. Jede dieser beiden Förderstrecken verfügt über eine eigene Behälterdrehung. Darüber ist gewährleistet, dass das Adressetikett je anzufahrender Versandrampe auch korrekt ausgerichtet ist.

  

Bauabschnitt 2 fokussierte die integrierte »Sonderkontrolle«, die aufgrund punktueller Erweiterungen versetzt werden musste. Nachdem die alten Adressbeigaben durch die neuen LAIs ersetzt worden waren, hat SSI Schäfer diese Station am zweiten Umbauwochenende neu aufgebaut. Der »Sonderkontrolle« obliegen die Kontrolle von Aufträgen bei Wiegefehlern und/oder fehlenden Produkten sowie die Beigabe von Werbemitteln oder auch stichprobenartige Überprüfungen unter Qualitäts- und Sicherheitsaspekten. Im Zuge der dritten Phase wurde die Fördertechnik im Kühlbereich umgestaltet und mechanisch erneuert. Abschließend folgte die Installation einer weiteren Kreuzungsweiche, die in Ergänzung zu den bereits in der Anlage verbauten Kreuzungsweichen erweiterte Möglichkeiten bietet, Behälter bei sich abzeichnendem Stauüberlauf frühzeitig aussteuern zu können. Um Energie zu sparen und die Lebensdauer der im Einsatz befindlichen Fördertechnikelemente zu verlängern, hat SSI Schäfer darüber hinaus eine sogenannte »Bedarfseinschaltung« implementiert. Aufgegebenes Fördergut wird über Sensoren erfasst, die zeitgleich das Anlaufen eines Förderbands oder eines Teilbereichs auslösen. Diese bleiben so lange aktiviert, bis die definierte Laufzeit überschritten und kein weiteres Fördergut eingeschleust wird, oder das Fördergut beim Verlassen der Station die Bereichslichtschranke passiert hat.

Automatisierungsrezept zeigt Wirkung

Seit Inbetriebnahme Ende 2016 ist die rundum erneuerte Anlage im GEHE-Distributionszentrum Landshut im Betrieb. »Mit dem Erreichten sind wir absolut zufrieden, zumal dies innerhalb kürzester Zeit zu einem überschaubaren Aufwand geschehen ist«, resümiert GEHE-Projektleiter Thomas Merkle.

Der Umbau habe nur zwei reguläre und ein verlängertes Wochenende beansprucht und die Maßnahmen seien ohne Mängel umgesetzt und die Anlage wie geplant in Betrieb genommen worden. Modernste Technik unterstützt die im Bereich der Pharmalogistik geforderten, besonders hohen Sicherheits- und Qualitätsstandards und sorgt für eine fehlerfreie, termingerechte Lieferung. Damit ist der Pharmagroßhändler auch bestens dafür präpariert, die Wettbewerbsfähigkeit der Präsenzapotheken im lokalen Umfeld zu sichern – analog zur Zielsetzung der 2004 ins Leben gerufenen Initiative »gesund leben-Apotheken«, mit 2.300 Mitgliedern und circa 60 Industriepartnern die stärkste Apothekenkooperation Deutschlands.

Daten & Fakten

Die SSI Schäfer Gruppe ist einer der führenden Lösungsanbieter von modularen Lager- und Logistiksystemen.

Das Unternehmen beschäftigt am internationalen Hauptsitz in Neunkirchen sowie global in rund 70 operativ tätigen Gesellschaften und an über zehn Produktionsstätten im In- und Ausland über 9.500 Mitarbeiter.

Verteilt auf sechs Kontinente entwickelt SSI Schäfer innovative Konzepte.

Erschienen in Ausgabe: 01/2018

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