Stark und schnell

Spitzentechnik - Eines der modernsten Logistikzentren in Europa entsteht derzeit In der Nähe von Madrid. Erheblichen Anteil am Gelingen des Projekts hat Spitzentechnik aus dem Hause Witron.

07. März 2006

Die Lebensmitteleinzelhandelskette Mercadona gilt in Spanien als führendes Unternehmen seiner Branche. Das Unternehmen unterhält dort mehr als 900 Supermarktfilialen für Lebensmittel und Drogerieprodukte und erzielt mit mehr als 52.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz in Höhe von über 8,7 Milliarden Euro. Jährlich eröffnen durchschnittlich 100 neue Supermärkte, und entsprechend schnell wachsen die Ansprüche an die Distributionslogistik.

Für die Belieferung der Supermärkte im Raum Madrid hat das Unternehmen deshalb ein völlig neues Regionallager in Ciempozuelos nahe der spanischen Hauptstadt errichtet. Im Unterschied zu den meisten Lagerzentren der Branche verlaufen dort sämtliche Logistikprozesse vollautomatisch. Die Basis dafür legt das mannlos arbeitende Lager- und Kommissioniersystem OPM (Order Picking Machinery) des bayerischen Kommissionierungsspezialisten Witron. Dieses System ermöglicht das vollautomatische Handling unterschiedlichster Handelseinheiten vom Wareneingang bis hin zur Bereitstellung von Auftragspaletten.

Das Unternehmen aus Parkstein in der Oberpfalz realisiert als Generalunternehmer die Lösung nicht nur für das gesamte Trockensortiment, sondern stattet hier erstmals auch den gesamten Frische- und Tiefkühlbereich mit dieser Technologie aus. Das Frische- und Tiefkühlzentrum ist in drei Temperaturzonen mit +12 °C, +3 °C und -23 °C gegliedert und enthält ein automatisches Traylager mit 237.000 Stellplätzen, das von 46 Regalbediengeräten bedient wird, sowie ein zwölfgassiges Paletten-Hochregallager mit Platz für 8.600 Europaletten.

Allein in diesem Systembereich verbaut Witron insgesamt acht automatische Lagen-Depalettierer und 23 mechanisierte Kommissioniermaschinen der Baureihe COM (Case Order Machine), mit deren Hilfe sich Handelseinheiten in den verschiedensten Verpackungsgrößen und -formaten komplett maschinell und -ladenspiegelgerecht kommissionieren -lassen. In Spitzentagen ermöglicht das System damit eine Kommissionierleistung von 220.000 Behältern oder Kartons, entsprechend etwa 3.600 Auftragspaletten.

155.000 Handelseinheiten pro Tag

Ein zweites automatisches Traylager mit 32 Gassen und 265.000 Stellplätzen dient zur Pufferung der Handelseinheiten des Trockensortiments. Der Nachschub dafür kommt vollautomatisch aus einem 103 Meter langen, 80 Meter breiten und 18 Meter hohen Paletten-Hochregallager mit 20 Regalbediengeräten und 20.400 Palettenplätzen. Die insgesamt 16 Kommissioniermaschinen können hier bis zu 5.900 Auftragspaletten vollautomatisch zusammenstellen, entsprechend rund 155.000 Handelseinheiten.

Neben der Kommissionierung einzelner Handelseinheiten und dem Vollpaletten-Handling realisiert Witron in Spanien auch ein System zur vollautomatischen Kommissionierung von Halb- und Viertelpaletten mit der Bezeichnung PS²M. Dieses Kürzel steht für »Pallet Storage Stacking Machinery« und bezeichnet eine Kommissionierfunktion, die direkt im Nachschublager des Trockensortiments integriert wird und verschiedene Halb- und Viertelpaletten vollautomatisch und kundengerecht auf Versandpalette kommissioniert. Für sehr kleine Artikel und für Produkte, die nicht vollautomatisiert kommissioniert werden, dienen zudem integrierte Sonderkommissionierzonen, in denen Witrons bewährte Behälterkommissionierlösung DPS (Dynamic Picking System) mit 250 dynamischen und statischen Kommissionierkanälen und zusätzlich 360 Fachboden-Kommissionierplätzen zum Einsatz kommt. Großvolumige und sperrige Produkte, wie beispielsweise Sackware, werden zudem in einer weiteren separaten Palettenkommissionierzone auf Basis der Witron-Lösung MPS (Module Picking System) kommissioniert. Beide Systeme arbeiten mit Pick-by-Light-Technologie und kombinieren die Kommissionierprinzipien »Ware zum Mann« und »Mann zur Ware«.

Erstmals nutzen werden die Spanier das neue Lager im Sommer 2006. Zu diesem Zeitpunkt startet schrittweise der Betrieb im Traylager und im Nachschub-Hochregallager für die Trockenware, bis zuletzt schließlich täglich bis zu 5.900 Auftragspaletten das Verteilzentrum verlassen. Die Stahlbauarbeiten dafür begannen Ende März 2005. In den temperaturgeregelten Bereichen installieren die Oberpfälzer die Automatisierungstechnik seit November 2005. Der Hochlauf in diesem Bereich ist für Januar 2007 vorgesehen.

Bereits im Einsatz ist die Order Picking Machinery unter anderem in den USA, etwa bei der Drogeriemarktkette CVS/Pharmacy und bei der Supermarktkette The Kroger. Stellvertretend für den europäischen Markt stehen erfolgreiche Projektrealisierungen für das Pharmalogistik-Unternehmen Salutas in Barleben bei Magdeburg, für den Bekleidungsfilialisten Ernsting’s Family im sachsen-anhaltinischen Klieken oder für den Fahrzeugteilehersteller Bilstein in Ennepetal.

Für das Jahr 2006 verzeichneten die Oberpfälzer bisher allein für die OPM einen Auftragseingang von sechs Großprojekten im Gesamtvolumen von 300 Millionen Euro. Auf dem Plan steht unter anderem die erste Produktivnutzung der Case Order Machine in Deutschland bei der Lebensmittelhandelskette Edeka Rhein-Ruhr sowie die erste Installation der neu entwickelten modularen Systemlösung E-DPS (Ergonomic-Dynamic Picking System) für die manuelle Kommissionierung aus Behältern bei dem finnischen Fleischproduzenten Atria in Nurmo. Diese Systemlösung für behälterfähige Ware ermöglicht Kommissionierleistungen von bis zu 1.000 Behältern pro Stunde und Modul. Im Vergleich zu anderen Lösungen verspricht Witron durch den Einsatz des Systems eine Kostensenkung pro Pick um 40 Prozent und mehr. Möglich machen diese Leistung zum einen die hochdynamischen Regalbediengeräte, die in mehreren Ebenen übereinander verbaut werden. Zum anderen kommt ein Vertikal-Taktförderer mit multivariabler Ein- und Ausschleusung der Behälter mit einer Taktzeit von durchschnittlich zwei Sekunden zum Einsatz. Ebenfalls positiv wirken sich die äußerst ergonomischen Kommissionierplätze aus, an denen im Sitzen oder im Stehen gearbeitet werden kann. Doch mit all dem ist die Entwicklung noch nicht zu Ende, und Witron-Gründer Walter Winkler ist überzeugt: »Das Potenzial für noch effizientere oder schnellere Komponenten ist noch nicht ausgeschöpft. Die Grenzen der Entwicklung setzt uns nur die Physik, und an diese Grenzen werden wir uns allmählich herantasten.«

Erschienen in Ausgabe: 01/2006