Starke Leistung

Strategien - Ein Roboterhersteller hat seine Produktionskapazität verdoppelt und zugleich den Staplerfuhrpark verkleinert. Die Intralogistiker von Still waren in den Optimierungsprozess eingebunden.

20. April 2006

Die Kuka Roboter GmbH in Augsburg gehört zu den international führenden Herstellern von Industrierobotern und ist in diesem Marktsegment weltweit die Nummer drei. Weltweit wächst der Markt für Industrieroboter jährlich um fünf bis acht Prozent. Die schwäbischen Roboterbauer mit einer Produktionskapazität von heute 8.000 Einheiten pro Jahr standen deshalb vor dem Problem, ihre Fertigung deutlich auszuweiten. Ziel der Reorganisation war es, die Fertigungskapazität auf 15.000 Roboter pro Jahr zu erweitern.

Eine Grundvoraussetzung dazu war eine Umgestaltung sämtlicher Logistikprozesse. So erforderte die Produktion noch im Frühjahr 2004 weite Wege zwischen den Hallen 7, 8 und 9, die direkt nebeneinander angeordnet sind, sowie der Halle 22 am entgegengesetzten Ende des Firmengeländes, in der die Hand- und Sondermontage ebenso untergebracht waren wie Messplätze und Teststände. »Seinerzeit haben Stapler unsere Produkte und Komponenten um die ganze Fabrik gekarrt«, erinnert sich Udo Erath, Produktionsleiter bei Kuka. Heute dagegen sind sämtliche produktiven Einheiten in den Werkshallen 6 und 7 konzentriert.

Alle Prozesse optimal vernetzt

Maßgeblich für den Produktivitätsfortschritt war aber auch die Optimierung der Produktionssteuerung. Dazu installierten die Roboterbauer intelligente Warehouse- und Materialfluss-Management-Systeme und vernetzten die Montageprozesse mit dem SAP-System, das auch den Transport von Robotern und der zugehörigen Schaltschränke steuert.

Komplett überarbeitet wurde auch die Organisation des Staplerfuhrparks. Hier kooperiert Kuka seit Jahren mit dem Hamburger Intralogistik-Spezialisten Still, aus dessen Produktion sämtliche Flurförderzeuge stammen, die in der Roboterfertigung zum Einsatz kommen. Alle Fahrzeuge sind jetzt Bestandteil eines Leasingvertrags und wurden im Zuge der Produktionsumstellung besser an die neuen Arbeitsanforderungen angepasst und neu zusammengestellt.

Software steuert den rationellen Staplereinsatz

Ein wichtiger Schritt bei der Produktionsumstellung war die Implementierung eines Staplerleitsystems, das die Staplereinsätze organisiert. Zugleich gewährleistet die Software eine durchgängige -Anbindung an das SAP-System. Dieses Staplerleitsystem ist Teil eines selbst entwickelten Materialfluss-Management-Systems (MMS) der Intralogistiker von der Elbe und ermöglicht eine bessere Auslastung der Fahrzeuge. Eingebunden sind derzeit 15 von insgesamt 21 Frontstaplern. Vor der Einführung der Lösung benötigten die Roboterbauer für ihre Produktion noch 25 Fahrzeuge. Das bedeutet eine Einsparung von 16 Prozent.

Das Still-System unterstützt optimal das nachfrageorientierte Produktionsmodell von Kuka, bei dem die Nachfrage des Endkunden als Ausgangspunkt der unternehmerischen Aktivitäten dient und so eine bedarfsgenaue Produktion ermöglicht. Notwendig dafür ist jedoch eine mit Kommunikationstechnik vernetzte Wertschöpfungskette. Sämtliche Stapler sind deshalb mit Terminals und Scannern ausgerüstet und drahtlos mit dem Staplerleitsystem und einem MMS-Server verbunden.

Der Einsatz von Datenterminals mit Scannern auf den Staplern und deren direkte Kommunikation mit dem SAP-System verbessert zudem die Unfallstatistik, weil die Staplerfahrer weniger stark unter Druck stehen. Zudem hat der Staplerverkehr durch die Wege- und Nutzlastoptimierung insgesamt abgenommen.

Die Einführung des MMS von Still ermöglichte also eine grundlegende Neuordnung des gesamten Produktionsprozesses und half zugleich, Doppelleistungen und Fehler zu eliminieren und Synergien zu entdecken. Kuka-Produktionsleiter Udo Erath ist sich sicher, dass sich die Investitionen in das Staplerleitsystem in weniger als zwei Jahren amortisieren.

Erschienen in Ausgabe: Fördertechnik/2006