Die Martin-Gruppe ist mit 700 Mitarbeitern und mehreren Tochtergesellschaften einer der weltweit führenden Hersteller von Medizintechnik. Das Produktprogramm setzt sich zusammen aus standardchirurgischen Instrumenten, Mund-, Gesichts- und kieferchirurgischen Implantaten, orthopädischen Implantaten und elektromedizinischen Hochfrequenz- Geräten, aus Lasern und OPLeuchten. Produziert wird an vier Standorten. Die Auslieferung des kompletten Programms erfolgt jedoch zentral vom Firmensitz in Tuttlingen aus. Rund 12.000 verschiedene Produkte der Medizintechnik müssen weltweit in kürzester Zeit beim Kunden eintreffen. Bei einem Exportanteil von über 70 Prozent und Forderungen nach immer kürzeren Reaktionszeiten war eine Restrukturierung der Abläufe und die Ausweitung der Kapazitäten zwingend notwendig. Das neue Warenbereitstellungszentrum beherbergt unter anderem ein Schmalgang-Palettenregallager, ein Automatisches Kleinteilelager (AKL) und ein kleines manuelles Lager für Sperrigteile. Der Großteil der Hardware stammt von SSI Schäfer, Neunkirchen. Der Lagertechnik-Spezialist lieferte den Stahlbau, die Tablare und Behälter für das AKL, Kommissionierbehälter und die Schmalgang-Palettenregalanlage.

5.000 Tablare, 50.000 Behälter

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Das zweigassige AKL ist auf Tablartechnik ausgelegt. Gut 5.000 Spectra-Stahlblech-Tablare finden hier ihren Platz und sind mit rund 50.000 Behältern bestückt. Das Ladehilfsmittel Tablar bietet Martin den Vorteil, dass auf dem einheitlichen Grundmaß (1.200 x 600 mm) Behälter unterschiedlicher Größen und Höhen kombiniert werden können. Behälter und Tablare sind auf Euromaß abgestimmt. Bei der Einlagerung werden die Tablare nach Bedarf mit 3 bis 24 Behältern in drei Standardhöhen (120 mm, 220 mm und 420 mm) bestückt. Die Einlagerung erfolgt über eine automatische Scannerstation in Verbindung mit einer Waage, die das Tablar automatisch erfaßt und überprüft, ob die zulässige Inhaltslast von 60 kg eingehalten wird.

Größtmögliche Flexibilität

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Die Euro-Fix-Kästen von Schäfer zur Bestückung der Tablare sind in 25 Größen und über 150 Varianten verfügbar und gewährleisten somit größtmögliche Flexibilität und Lagerverdichtung. Als das AKL zur Hälfte eingelagert und ein Großteil der Euro-Fix-Kästen von Schäfer geliefert war, beschloß Martin-Logistikleiter Manfred A. Schmiermund, durch einen größeren Anteil von kleinen Behältern die Kapazität zu erhöhen. Damals wurden 2.500 Kästen in die doppelte Menge der halben Größe umgetauscht. Flexibilität ist für Martin ein wichtiges Kriterium der Lagerorganisation. Die rasante Entwicklung der Medizintechnik sorgt für einen permanenten Umbruch des Sortiments. Größere und großvolumiger abgefragte Artikel sind im Schmalgang-Palettenlager von Schäfer untergebracht. In vier Gassen wurden rund 1.000 Plätze für Paletten und Gitterboxen geschaffen, die auch zur Bevorratung von Puffermengen für das AKL dienen. Eine Besonderheit des Lagers ist, daß die Paletten in unterschiedlichen Höhen eingesetzt werden und die Bedienung aufgrund der Schmalgangbauweise über einen induktionsgeführten Kommissionierstapler erfolgt.

Unterstützende Software

Im Wareneingang treffen die Komponenten und vertriebsfertigen Produkte für die Distribution ein, um hier erfaßt und - falls noch nicht geschehen - mit einer Kennzeichnung und einem Barcode versehen zu werden. Große Teile werden im Palettenregal eingelagert. Die meisten Produkte werden vor der Einlagerung konfektioniert, d.h. einzeln eingetütet, mit Barcode-Etiketten versehen und in die jeweils passende Größe der Schäfer- Kästen umgepackt, wobei jeder Behälter nur ein und denselben Artikel enthalten darf. Im Anschluß werden die Behälter vom Konfektionierungsbereich zum AKL transportiert und eingelagert.

Die Kommissionierung erfolgt an drei kombinierten Kommissionierund Vorpackplätzen. Die Lagerverwaltungssoftware unterstützt den Kommissionierer beim Pickprozeß durch Anweisung und optische Hinweise. Auf dem Bildschirm wird übersichtlich angezeigt, aus welchem Behälter welche Menge entnommen werden soll. Die Artikel werden dann positionsweise zusammen in einem PE-Beutel eingeschweißt, mit einem Pickzettel versehen und in einen Behälter gelegt. Als Kommissionierbox setzt Martin 500 Konische Mehrwegbehälter (KMB) von SSI Schäfer ein. Dank der konischen Form können diese Boxen in leerem Zustand platzsparend ineinander geschachtelt werden, so daß sie 75 Prozent weniger Raum benötigen. In befülltem Zustand werden die Behälter durch Umklappen des entsprechenden Bügels sicher gestapelt.

Wegeoptimiertes Arbeiten

An den Kommissionierplätzen werden jeweils sechs Kundenaufträge gleichzeitig bearbeitet. So können die Regalbediengeräte wegeoptimiert arbeiten und Fahrten einsparen. Damit keine Fehler passieren, unterstützt ein Pick-to-Light-System den Mitarbeiter beim Einlegen der Ware in die Behälter. Nach Angaben von Martin liegt die Kommissioniergenauigkeit mittlerweile bei 99,94 Prozent.

Aufgrund der parallelen Auftragsbearbeitung im Palettenlager und AKL werden die Aufträge in der Auftragszusammenführungszone gepuffert, um die kommissionierte Ware aus den beiden Lagerbereichen zusammenzuführen. Mittels Funkterminals wird die Ware auf entsprechende Pufferlagerplätze gebracht. Das Scannen der entsprechenden Behälter und Plätze innerhalb dieses Bereichs sorgt dafür, daß die richtigen Artikel aus den zwei Lagerbereichen zusammenkommen. Wenn die letzte Position einer Lieferung in die Auftragszusammenführung überstellt wurde, wird automatisch der Lieferschein mit Barcode gedruckt. Nach dem Abscannen des Barcodes wird der Mitarbeiter an die entsprechenden Stellplätze geführt, um die Ware versandfertig zu verpacken.