Studien-Rat für RFID

Forschung & Lehre - Die Radio Frequency Identification, kurz RFID, ist in aller Munde. Viele wissen wenig darüber, eine Studie des Fraunhofer Instituts Ma-terialfluß und Logistik dagegen fast alles. Der Geschäftsführende Leiter des IML äußert sich zu Chancen und Hemmnissen der Technologie.

09. Juni 2005

Die Studie »Radio Frequenz IDentifikation 2004« vom Fraunhofer Institut Materialfluß und Logistik in Dortmund bewertet Anforderungen aus Handel und Industrie an Auto-ID Systeme. Detaillierte Angaben von 100 deutschen Unternehmen liefern ein Meinungsbild über den derzeitigen Stand und die Zukunftsaussichten dieser Technologie. Expertenbeiträge erläutern technologische Grundlagen und einzelne Anwendungsfelder anhand von geplanten und bereits realisierten Projekten.

Die eingeführten Ident-Technologien unterscheiden sich nach der funktionalen Ausrichtung. Den Überblick erleichtern fünf Bewertungskriterien in Form eines Profils mit anschaulich dargestellten Stärken und Schwächen (Abb. oben links). Zählen beim Barcode die geringen Kosten eindeutig als Vorteil, so sind es beim 2D-Code die übrigen vier Kriterien. RFID hingegen bietet mit Ausnahme der Kosten deutliche Vorteile gegenüber Barcode und 2D-Code. Vor allem im Bereich der Zukunftsfunktionalität verfügt die RFID-Technologie im Vergleich zur reinen Identifikation über die größten Stärken. Für die vorausliegende Marktentwicklung wird so deutlich: Der 2D-Code hat nur geringe Erfolgsaussichten, bei nahezu allen Kriterien ist RFID überlegen - wenn die Kostendifferenz nicht den Ausschlag gibt. Anders stellt sich der Sachverhalt in der Massenanwendung dar. Hier kann sich RFID in Konkurrenz zum Barcode überhaupt nur bei deutlich verringerter Kostendifferenz durchsetzen.

In Zukunft wird nach einhelliger Meinung der Anteil von passiven Systemen überwiegen. Den Grund liefern die niedrigeren Kosten für passive Transponder. Dem Handel gilt dieser Sachverhalt als eindeutig wegweisend für einen überschaubaren Zeitraum. Teilweise anders sehen es Konsumgüterhersteller und Dienstleister, sie rechnen mit einem geringen Anteil an aktiven Systemen. Von einer Gleichverteilung der aktiven und passiven Systeme geht man in der Investitionsgüterindustrie aus. Dabei ist die Zusatzfunktionalität (zum Beispiel Sensorik) von entscheidender Bedeutung.

Schnelle Klärung gefragt

Die favorisierten Frequenzbereiche in Deutschland sind 13,56 MHz und 860-930 MHz. Auf diesem Gebiet herrscht noch eine gewisse Unsicherheit infolge der unklaren Situation seitens der EPC-Initiative. Schnelle Klärung ist verlangt, um die Standardisierung und Markteinführung der RFID-Technologie nicht zu gefährden. Fehlende Standardisierung ist nach Ansicht der Befragten der größte Hemmfaktor für den RFID-Einsatz. Das führt zur abwartenden Haltung, da man befürchtet, aufs falsche Pferd zu setzen. Die Investitionskosten sind erwartungsgemäß ein weiterer Hemmfaktor (Abb. oben rechts), ebenso wie die ungeklärten Fragen zum Datenschutz. Konsumgüterhersteller befürchten einen direkten Einfluß des Datenschutzes auf das Einkaufsverhalten. Für Investitionsgüterhersteller indes sind diese Fragen ohne Belang. Weniger hemmend als erwartet wirken Investitionsaufwand, Leistungs- und Sicherheitsbedenken bei der RFID-Einführung. Nicht zuletzt zeigt sich daran die grundsätzliche Bereitschaft, RFID in nächster Zeit zu nutzen.

Die Eintrittsschwelle für den RFID-Einsatz bestimmen im groben Maße die Stückkosten der Transponder. Nach dem Einsatzzweck lassen sich zwei Preis-Cluster hervorheben: Für Produktkennzeichnungen liegt die Preisobergrenze bei etwa 10 Cent, zur Kennzeichnung von Sammeleinheiten (Verpackung) liegt sie bei 50 Cent je Transponder.

Die RFID-Technologie hat das Potential, Optimierungen und Rationalisierungen im Warenfluß zu erschließen und ermöglicht eine wettbewerbsrelevante Ausrichtung der Unternehmen im Hinblick auf die nächsten Jahre.

Die Ergebnisse der Studie »Radio Frequenz IDentifikation 2004« vom Fraunhofer Institut Materialfluß und Logistik verdeutlichen, daß auf der Ebene von Sammel- und Ladeeinheiten der Transponder in nächster Zeit erhebliche Marktanteile auf Kosten des Barcode gewinnen wird. Von Interesse ist hierbei besonders die unterschiedliche Erwartungshaltung in Industrie und Handel sowie zwischen Konsum- und Investitionsgüterindustrie.

Die künftigen Aufgaben sind klar erkennbar

Die Chancen der RFID-Technologie, verbesserte Leistung und höhere Qualität der Logistikprozesse zu erreichen, und die Hemmnisse, die durch fehlende Standardisierung und derzeitige Kosten entstehen, zeigen den Technikanbietern und Systemintegratoren die Schwerpunkte für ihre zukünftigen Aufgaben.

Die Marktstudie »RFID 2004 - Logistiktrends für Industrie und Handel« (99 €) ist im Praxiswissen Verlag, Dortmund, erschienen, umfaßt 170 Seiten und enthält 43 Abbildungen und Diagramme sowie zahlreiche Fotos. Bestellungen sind über den Buchhandel möglich oder direkt beim Fraunhofer IML in Dortmund.

Erschienen in Ausgabe: Fördertechnik/2005