Trefflicher Transport

Effizienz - Die Geschäfte laufen gut für den Feinkost-Spezialisten Rila. Schon darum müssen die modernen Anlagen stets auf dem neuesten Stand sein. Im Logistikzentrum setzt Rila unter anderem auf ein Fahrerloses Transportsystem.

09. Juni 2005

Es müssen nicht immer Discounter sein. Diese Ansicht vertritt eine große Zahl von Konsumenten, die ihre Einkäufe lieber bei Lebensmitteleinzelhändlern bzw. familiengeführten Läden tätigen. Nur solche Händler beliefert der Feinkost-Importeur Rila aus dem ostwestfälischen Stemwede-Levern unweit von Osnabrück. Der Lieferant von Ländermarken-Spezialitäten ist aus zwei Unternehmen hervorgegangen (»Helmut Richter, Internationale Transporte und Spedition« und »Ursula Richter, Lebensmittel-Importe und Großhandel«), die in den 70er Jahren gegründet wurden. Richter war im internationalen Linienverkehr tätig, der ihn auch nach Griechenland führte. Dabei entdeckte er eine Marktlücke: Die nach Deutschland strebenden Gastarbeiter hatten weiterhin den Wunsch nach Lebensmitteln aus ihrer Heimat. Richter beschaffte sie ihnen. Als erstes Lager diente eine leerstehende alte Mühle. In der Folgezeit wurde nicht nur das Produktspektrum wesentlich erweitert, man avancierte auch vom klassischen Importeur zum Produzenten. Und es entstanden Tochterfirmen in Deutschland, Griechenland und Chile. Der von stetiger Expansion gekennzeichnete Weg des Leckerbissen-Spezialisten führte schließlich dazu, daß seit Anfang 2003 auf dem Rila-Areal ein Logistikzentrum seinen Platz hat.

Jährlicher Umschlag von 16.000 Tonnen

Ohne den modernen Bau wäre der Umschlag von jährlich 16.000 Tonnen Ware, von denen 30 Prozent in eigenen Betrieben hergestellt werden, nicht zu bewältigen. Vom SB-Markt bis zum Feinkostladen werden über das Logistikzentrum um die 900 Empfänger in Deutschland und Österreich sowie weltweit zahlreiche Importeure beliefert.

Zum Logistikzentrum gehören heute ein Hochregallager für 6.800 Paletten, ein Kommissionierlager mit 2.200 Palettenplätzen und zwei freifahrende Transportfahrzeuge von MLR. Die Fahrzeuge haben die Aufgabe, das Kommissionierlager mit Waren zu versorgen und den Abtransport der anfallenden Leerpaletten zu übernehmen. Zusätzlich bedient das Fahrerlose Transportsystem (FTS) auch die Umpackzone für Zentrallageraufträge. Der Abtransport erfolgt in Stapeln mit bis zu acht Leerpaletten. Die automatischen Fahrzeuge nehmen die bereitgestellten Vollpaletten auf der Auslager-Fördertechnik des Hochregallagers auf, transportieren sie ins Kommissionierlager und geben dort die Paletten an stationären Schwerkraftrollenbahnen ab. An den Durchlaufregalen und in der Umpackzone erfolgt die Lastübergabe an eine stationäre Fördertechnik. Die Stapel mit Leerpaletten, die im Kommissionierlager entstehen, sowie die Leer- und Anbruchpaletten an den Durchlaufregalen stellt man später auf stationären Fördertechniken zur Abholung durch die automatischen Fahrzeuge bereit. Alle Transportaufträge werden von einem übergeordneten Lagerverwaltungsrechner generiert und über eine Schnittstelle an den FTS-Leitrechner Logos-FTS übertragen. Es gibt zwei Arten von Transportaufträgen: die Auslagerung von Vollpaletten und die Einlagerung von Leer- und Anbruchpaletten. Insgesamt bedienen die beiden Fahrzeuge zehn Holziele und rund 900 Bringziele. Der Fahrkurs ist etwa 550 Meter lang. Die Fahrzeuge vom Typ Phoenix FH-1,1 Mr sind als Radarmstapler mit integriertem Duplex-Hubmast ausgeführt. Sie tragen je eine Rollenbahn und können damit die Paletten schnell und sicher aufnehmen und abgeben. Auch die übrigen technischen Merkmale entsprechen dem heutigen Stand der Technik: Drehstromantriebe, Magnetnavigation, automatische Batterieaufladung über Ladekontakte.

Zuverlässiger Datenfluß über Breitbandfunk

Die Ansteuerung der Ladegeräte übernimmt der Logos-Leitrechner. Der Datenfluß zwischen Leitstand und Fahrzeugen läuft über Breitbandfunk. Dabei sind in das Funk-LAN zusätzliche Kommissionier-Terminals integriert. Das heißt, sie nutzen das gleiche Funknetz.

Der Leitrechner, ein Server-PC, steuert die Fahrzeuge und kommuniziert mit peripheren Steuerungen (z.B. für das Brandschutztor). Die gesamte Anlage ist visualisiert und über zusätzliche Netzwerk-PC bedienbar. Da die Verantwortlichen bei Rila mit dem installierten FTS gute Erfahrungen gemacht haben, die Durchsatzkapazität aber erneut gesteigert werden muß, orderten sie vor kurzem beim Systemlieferanten MLR ein drittes Fahrzeug und damit einhergehend die weitere Optimierung des Leitsystems Logos.

Rila Feinkost Breites Sortiment

Der Feinkostspezialist Rila hat seinen Sitz im ostwestfälischen Stemwede-Levern unweit von Osnabrück. Das aktuelle Lieferprogramm von Rila umfaßt 1.100 Produkte. Zum Sortiment gehören Spezialitäten unter anderem aus Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich, Fernost, aus den USA und Lateinamerika. Die Unternehmensgruppe beschäftigt 220 Mitarbeiter.

Erschienen in Ausgabe: Fördertechnik/2005