Trefflicher Transport

FTS im Außeneinsatz

Das Gelände von Gambro Dialysatoren in Hechingen unterhalb der Burg Hohenzollern besteht aus mehreren Werksteilen und Gebäuden, zwischen denen ständig Material und Informationen fließen. Indumat sorgte mit einer fortschrittlichen Lösung für effizienten Transport.

29. April 2004

Zwischen Kunststoffspritzerei und Distributionszentrum wurden bis vor einiger Zeit an sieben Tagen pro Woche im Drei-Schicht-Betrieb Paletten und Spezialbehälter mit Frontstaplern auf einem ca. 30 m breiten Werkshof hin und her transportiert - eine wenig optimale Lösung, insbesondere zu nachtschlafender Zeit und bei schlechtem Wetter. Gambro suchte nach Abhilfe und entschied sich nach gründlicher Untersuchung mehrerer Lösungsansätze und unter Beachtung von technischen, städtebaulichen und wirtschaftlichen Aspekten für ein Fahrerloses Transportsystem (FTS), das direkt über den Hof fährt und sich die Fahrbahn mit dem übrigen Werksverkehr teilt. Das von Indumat konzipierte System besteht aus zwei Fahrzeugen, die berührungslos über einen Primärleiter im Boden mit Energie versorgt werden. Durch Einsatz dieser Technik entfallen Verlustzeiten und Personalkosten für Batterieladung oder -wechsel.

Durchdachte Lösungen

Zur Überbrückung von Bereichen, in denen der Primärleiter nicht genutzt wird (leitdrahtlose Kurven), sind die Fahrzeuge mit einer Stützbatterie ausgerüstet. Diese ermöglicht außerdem die manuelle Bedienung der Geräte außerhalb des Fahrkurses, z.B. zu Zwecken der Wartung. Der Primärleiter für die berührungslose Energieübertragung wird gleichzeitig als Leitspur zur induktiven Führung genutzt, so daß eine weitere Installation zur Fahrzeugführung überflüssig wurde.

Effizienter Schutz

Die Paletten werden in den Fahrzeugen von zwei mobilen Rollenförderern getragen. Die passenden Gegenstücke stehen am Ausgang der Spritzerei und im Distributionszentrum. Die Übergabe der Paletten wird durch eine unterlagerte Infrarot-Schnittstelle gesteuert. Zum Schutz der empfindlichen Ladung sind die Fahrzeuge mit einem Kofferaufbau und einem automatischem Rolltor ausgerüstet. Auf diese Weise kann die Ladung witterungsunabhängig transportiert werden. Für den Personenschutz sind an den Fahrzeugen Softfaces und Schaltleisten installiert. Im Hinblick auf den Werksverkehr sind zur Verhütung von Sachschäden weitere Softfaces und ein berührungsloser Laserscanner, der für den Außeneinsatz geeignet ist, am Fahrzeug angebracht.

Zweispurige Trasse

Damit die Fahrzeuge auch bei Nacht erkannt werden, sind sie mit einer für Lkw üblichen Beleuchtung und zusätzlich mit Blinklampen ausgestattet. Eine Ampelsteuerung signalisiert dem Werksverkehr, dass ein FTF die Fahrtrasse befährt. Die Strecke über den Werkshof besteht aus einer zweispurigen Betontrasse, die bei Kälte mit Prozeßabwärme aus der Fertigung beheizt wird.

Seine Transportaufträge erhält das FTS vom Lagerverwaltungsrechner des Distributionszentrums. Eine FTS-Anlagensteuerung nimmt die Transportaufträge an, disponiert die Fahrzeuge und regelt den Verkehr. Die Kommunikation mit den Fahrzeugen erfolgt über Funk.

Die Installation und Inbetriebnahme der Anlage wurde im Winter durchgeführt. Extreme Witterungsbedingungen (Schneefall, Eisregen, Frost) schon während der Inbetriebnahme belegten auf eindrucksvolle Weise die Funktionstüchtigkeit der für den Betrieb im Außenbereich konzipierten Technik.

Erschienen in Ausgabe: 04/2004