Umsteigen leicht gemacht

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Flughafenlogistik. Flughäfen sind auf eine besonders zuverlässige Gepäckabfertigung angewiesen. Die Beumer Group bietet mit ihrem weiterentwickelten Gepäckfördersystem »Beumer autover« die Lösung.

20. Februar 2018
© Beumer Group
Bild 1: Umsteigen leicht gemacht (© Beumer Group)

Gerade zu Spitzenzeiten erfordern kurze Umsteige- und Transferzeiten an Flughäfen eine zuverlässige und schnelle Gepäckabfertigung. Die Beumer Group hat dazu das Hochgeschwindigkeits-Gepäckfördersystem Beumer autover im Programm. Um nicht nur Standardkoffer und Taschen schnell und sorgfältig zum Zielort zu befördern, sondern auch Sperrgepäck, hat der Systemanbieter die intelligenten autoca-Fahrzeuge weiterentwickelt. Sie können die in Größe und Form unterschiedlichen Gepäckstücke auf den gleichen Fahrschienen und mit der gleichen Geschwindigkeit transportieren. Auf diese Lösung setzen internationale Flughäfen wie Moskau-Scheremetjewo. Der Betreiber ist damit für künftiges Wachstum gut gerüstet.

Einfach gut: Beumer autoca

Das Beumer autover System besteht aus einem Schienensystem und einzelnen Fahrzeugen, den sogenannten Beumer autoca. Eine Zentraleinheit, ausgestattet mit der Beumer-Logistiksoftware BeSS (Beumer Sortation System), versorgt jedes dieser Fahrzeuge mit Aufträgen. Selbstständig, leise und unabhängig voneinander bewegen sie sich – meist nach dem Check-in – mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Kilometern in der Stunde und mit ihrem Fördergut von maximal 50 Kilogramm zu ihrem Zielort. Ihr On-Board-Controller ermittelt dazu die ideale Fahrstrecke. Zusätzlich können die Fahrzeuge die Koffer in einen Frühgepäckspeicher ein- und auslagern. Fällt ein Durchleuchtungsgerät aus, leitet das System das Beumer autoca mit dem zu durchleuchtenden Gepäck zu einem betriebsbereiten Gerät um. Das sorgt für ein hohes Maß an Betriebssicherheit. »Muss am Flughafen das Schienensystem erweitert werden, können wir ganz einfach neue Segmente anbinden«, erläutert Thomas Frank, Senior Systems Manager Airport bei der Beumer Group. Weil Kurven und Weichen mit kleinen Radien von 1,25 Metern eingesetzt werden können, benötigt das Gepäckfördersystem nur wenig Platz. Zudem meistern die Fahrzeuge auch große Entfernungen und schwierige Gebäudesituationen wie Steige- und Gefällestrecken. »Um unser Hochgeschwindigkeits-Gepäckfördersystem noch flexibler zu gestalten und damit auch auf ganz unterschiedliche Gepäckstücke effizient reagieren zu können, haben wir die Beumer autoca weiterentwickelt«, berichtet Frank. Das Ziel bestand darin, sowohl Standardkoffer als auch Gepäckstücke mit Längen von bis zu 2,5 Metern mit unterschiedlichen Ladungsträgern in ein und demselben Schienensystem und mit gleicher Geschwindigkeit schonend und schnell zu ihrem Bestimmungsort zu fahren.

Vom Koffer bis zum Surfbrett

Je nach Fördergut werden die Beumer autoca mit einem Gurt oder einem Behälter genutzt, welcher auf dem Beumer autoca montiert ist. »Damit können wir mit dem Beumer autover nun auch Sperrgepäck wie Surfbretter, Skier, Sonnenschirme oder Kinderwagen sicher transportieren«, betont Frank. Die Anzahl der aktiven Fahrzeuge lässt sich während des laufenden Betriebs automatisch an die Anzahl der zu befördernden Gepäckstücke anpassen, um Energie und Wartungsaufwand auf ein Minimum zu reduzieren. Beumer autover kann das Gepäck anschließend nahtlos an andere Systeme, wie die Behälterförder- und Sortieranlage CrisBag aus dem Beumer-Group-Produktportfolio übergeben. Mit der Bezeichnung NG III besitzt das neue Beumer autoca nun einen konkav geformten Gurt mit Waffelmuster. Darauf kann selbst ein Koffer mit Rollen nicht verrutschen. »In der Vorgängerversion hatten wir einen glatten und flachen Gurt verbaut«, berichtet Frank. »Um die Ladung zu sichern, waren an beiden Seiten Klappen angebracht, die sich beim Be- und Entladen automatisch öffnen und schließen konnten.« Das entfällt nun. Die Beumer-Entwickler haben stattdessen die Seitenwangen höher gestaltet und mit einer robusten Blechkonstruktion versehen. Sechs Lichtschranken in jedem Fahrzeug überwachen permanent die Position des Gepäckstücks. Dieses kann somit während der Fahrt zentriert werden. Um Instandhaltungsarbeiten zu vereinfachen, ist in der neuen Version die komplette Antriebstechnik auf einer Seite des Fahrwagens angeordnet; die Installation wurde auf die Rückseite des Fahrzeugs verlagert. Für eine verbesserte Positionierung ist der Bandantrieb mit einem Impulsgeber ausgestattet. Die Beumer-Entwickler haben zudem einen viermal schnelleren Prozessor eingebaut. Seine Auslastung konnte im Vergleich zum Vorgänger deutlich gesenkt werden. Damit erreicht das System noch schnellere Reaktionszeiten.

 

Lückenlose Rückverfolgung

Um einen reibungslosen Betrieb sicherzustellen, führen die Beumer autoca automatisch Selbstdiagnosen durch und melden sich nach frei wählbaren Intervallen im Bedarfsfall selbstständig zur Wartung an. Ein Mausklick genügt, um das entsprechende Fahrzeug in den zentralen Wartungsbereich fahren zu lassen. Die übrige Gepäckbeförderung wird hierdurch nicht beeinträchtigt. Der Bediener erhält auf Wunsch auch eine Benachrichtigung per SMS, bei welchem Fahrzeug eine Wartung ansteht. »Aber grundsätzlich sind bei unserem Beumer autover durch die berührungslose Energie- und Datenübertragung die Wartungs-, Betriebs- und Instandhaltungskosten gering«, erläutert Frank. Weil keine Verschleißteile verbaut sind und das Schienensystem nahezu wartungsfrei ist, kommt es kaum zu Folgekosten. »Bei geringem Gepäckaufkommen fahren die Beumer autoca einfach in eine vordefinierte Parkzone und warten auf ihren Einsatz.

Das spart zusätzlich Energie ein«. Zudem werden Brandschutzbestimmungen in vollem Umfang erfüllt: Durchläuft das Gepäckfördersystem verschiedene Brandschutzbereiche, werden die Schienen bei Feuer automatisch hochgeklappt, damit die Feuerschutztüren schließen können. Beumer autover ist nach dem Prinzip gestaltet, dass immer ein Lastaufnahmemittel oder ein Behälter auch nur ein Gepäckstück aufnimmt. Dies verbessert sowohl die Rückverfolgbarkeit als auch die Sicherheit. Denn in jeder Phase der Bearbeitung lässt sich das Fördergut mit hundertprozentiger Genauigkeit orten. Und das wird immer wichtiger: In den vergangenen Jahren ist der Anspruch der Flughäfen und Fluggesellschaften gewachsen, dies den Passagieren als Service anzubieten. Dazu kommt die Einhaltung der IATA-Resolution 753, die im Juni 2018 in Kraft treten wird. Kurz zusammengefasst heißt es dort:

Die Mitglieder der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung sollen künftig das Gepäck ihrer Passagiere genauer verfolgen können. Dazu setzt die Beumer Group im Beumer autover auf das Independent Carrier System (ICS), das die hohen Anforderungen seitens der Passagiere und der Behörden erfüllt. »Weil vom Check-in und Frühgepäckspeicher bis zur Durchleuchtung und Ausschleusung jedes Stück im gleichen Behälter oder auf dem Gurt bleibt, stellt unser System eine hundertprozentige Verfolgung in jeder Transportphase sicher«, betont Frank. »Am Flughafen Montreal haben wir das Beumer autover zum Beispiel direkt an die verschiedenen Stufen der Sicherheitsüberprüfung angebunden.« Damit ist die Zuordnung jedes Gepäckstückes zu einem Beumer autoca und zum Passagier jederzeit möglich: Erst wenn der Passagier und sein Gepäck als »sicher« eingestuft sind und alle Kontrollen durchlaufen haben, wird der Koffer, der vorab durch das Beumer autoca in den Frühgepäckspeicher eingelagert wurde, wieder ausgelagert und zum eigentlichen Ziel transportiert.

Für die Zukunft gesichert

Zum Einsatz kommt Beumer autover neben Montreal auch in Flughäfen wie Dubai oder Nizza – und bald in Stansted in UK sowie in Russlands größtem Flughafen Moskau-Scheremetjewo. Aktuell beträgt das Passagieraufkommen dort rund 31 Millionen pro Jahr. Im Rahmen seiner Strategie will der Betreiber bis zum Jahr 2030 ein Aufkommen von 40 Millionen Passagieren bewältigen können. Dazu wird der Nordterminalkomplex ausgebaut. Fast zwei Kilometer trennen diesen vom Südteil des Flughafens. Verbunden sind die Komplexe durch einen Tunnel. Um kurze Anschlusszeiten für Passagiere und Gepäck zu ermöglichen, soll dieser mit einem Beumer autover ausgestattet werden. Zum Beumer-Lieferumfang gehört die Konzeption, Fertigung, Lieferung, Montage, Inbetriebnahme und Umsetzung des Systems. Die Länge der Schienen wird fast fünf Kilometer betragen. Zum Einsatz kommen 187 Beumer autoca.

Mehr über die Beumer Group gibt’s auf der Logimat (Halle 5, Stand A41).

Erschienen in Ausgabe: 01/2018

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