Verlobung im großen Stil

Toyota will BT übernehmen

Der schwedische Lagertechnikspezialist BT und der japanische Frontstaplerhersteller Toyota sind jeweils führend in ihrem Segment. Mit der geplanten Übernahme von BT durch Toyota könnte ein Staplerriese mit umfassender Produktpalette und globaler Präsenz entstehen.

18. Mai 2001

Wir blicken mit Zuversicht in das Jahr 2000.“ Die Worte, mit denen Carl-Erik Ridderstrale, Präsident des schwedischen Flurförderzeugherstellers BT Industries, zur Hannover Messe seinen Optimismus ausdrückte, waren nicht von besonderer Dramatik geprägt. Eine starke Marktposition und eine wettbewerbsfähige Produktreihe werde den Erfolg seines Unternehmens sichern, erklärte er. Was Ridderstrale zwar wusste, aber noch nicht sagen konnte: Die Zuversicht gilt einem der wichtigsten Jahre in der BT-Unternehmensgeschichte, aus dem der Hersteller mit völlig neuen Perspektiven in Bezug auf Märkte und Produkte hervorgehen könnte.

Etwas mehr als eine Woche nach der Messe war es dann kein Geheimnis mehr: Toyoda Automatic Loom Works, Hersteller der Toyota-Gabelstapler, gab die Absicht bekannt, BT zu übernehmen. Zunächst sollen 25,1 Prozent der Anteile des Lagertechnikspezialisten von zwei Großaktionären, der Nordico Invest und der Bank of America Equity Partners, in den Besitz von Toyota übergehen. Insgesamt wollen die Japaner 90 Prozent aller BT-Aktien erwerben.

BT liegt mit mehr als zwei Milliarden Mark Umsatz derzeit nur zwei Plätze unterhalb von Toyota auf Rang fünf der Weltrangliste. Ein großer Brocken für die Japaner - der Kaufpreis soll 1,7 Milliarden Mark betragen. Wenn alles wie geplant läuft, entsteht ein neuer Staplerriese mit globaler Marktabdeckung und einem umfassenden Angebot an Frontstaplern und Lagertechnikgeräten.

Neue Nummer eins?

„Bildung des weltweit größten Flurförderzeuganbieters“ lautete die Überschrift einer BT-Presseerklärung zu dem geplanten Deal. Und tatsächlich: Die Umsatzzahlen der Unternehmen legen nahe, dass Toyota mit BT den bisherigen Weltmarktführer Linde knapp einholen könnte. Der gemeinsame Jahresumsatz werde 5,7 Milliarden Mark überschreiten, prognostiziert BT. Wobei der Linde-Umsatz zwar 1999 „nur“ bei fünf Milliarden Mark lag, zweistellige Wachstumsraten bei den Wiesbadenern für dieses Jahr jedoch nicht ausgeschlossen erscheinen.

Was zunächst verwundert: Mit dem Deal würde ein derzeit mit großem Appetit gesegneter Fisch von einem Artgenossen geschluckt, der als eher behäbig bekannt ist. Während Toyota zum ersten Mal in der Firmengeschichte eine Akquisition dieser Art durchführt, ist BT bereits seit einigen Jahren dabei, durch Zukäufe massiv zu expandieren. So kauften die Schweden erst 1997 für 650 Millionen Mark die amerikanische Raymond. Und parallel zu den Verhandlungen mit Toyota wurde in diesen Tagen die vollständige Akquisition des italienischen Frontstaplerherstellers Cesab abgeschlossen.

Übernahmen überschneiden sich

Die zwei zentralen Ziele, die derzeit alle großen Hersteller von Flurförderzeugen mit mehr oder mit weniger Erfolg zu erreichen versuchen, erscheinen für Toyota und BT in greifbarer Nähe: eine komplette Produktpalette mit Frontstaplern und Lagertechnik sowie die globale Präsenz auf den drei großen Weltmärkten Europa, USA und Japan. „BT Industries kann uns mit Lagertechnik versorgen und ermöglicht es uns, unser Angebot in Europa und Nordamerika auszuweiten“, erklärte Tadashi Ishikawa, Präsident der Toyoda Automatic Loom Works. Ein besonderes Augenmerk der Japaner gilt dabei offenbar den USA. „Unsere Weltklasse-Stellung ist ein entscheidender Grund, warum Toyota die Akquisition von BT als strategisch wichtig erachtet“, erklärte James T. Malvaso, Präsident der amerikanischen BT-Tochter Raymond.

Heiratsgründe gibt es also genug. Und mit der schwedisch-japanischen Liaison scheinen sich zwei ideale Partner gefunden zu haben. Wobei allerdings nicht vergessen werden darf, dass gerade in letzter Zeit so manches bereits öffentlich verlobte Paar vor dem endgültigen Jawort dann doch zurückgeschreckt ist.

Erschienen in Ausgabe: 05/2000