Viel Platz auf wenig Raum

Verfahrbare Regalsysteme

Mit über 85 Millionen Mark Umsatz ist mac Sevice, Langenlonsheim, das drittgrößte Messebauunternehmen Deutschlands. Durch ständig anwachsende Kundenzahlen ist auch der Bedarf an Lager- und Bereitstellungsflächen gewachsen. Mit der Konzipierung und Einrichtung der neuen Lagerhalle in Langenlonsheim wurde Bito Lagertechnik beauftragt.

04. Februar 2002

Von allen Komponenten der Messestände, die zur Vermietung bereitgehalten werden, befindet sich immer nur ein bestimmter Anteil auf Messen, der andere Teil hingegen lagert oft über längere Zeit in Langenlonsheim. Bisher hatte mac diese Komponenten in einem Lager mit feststehenden Palettenregalen deponiert. Viel Platz wurde so verschenkt, und Fläche zur Bearbeitung und Bereitstellung der Aufträge stand kaum zur Verfügung. Eine neue Lagerhalle sollte für dieses Problem Abhilfe schaffen und wurde in Planung genommen. Die Vorgaben verlangten eine gleichmäßige Hallenaufteilung in Lagerfläche und Bereitstellzone für die Auftragsbearbeitung. Zudem wollte mac natürlich ein Maximum an Messestandeinrichtungen auf einem Minimum an Raum unterbringen.

Bei der Ausschreibung des Projekts hatte Bito Lagertechnik aus Meisenheim mit dem Vorschlag Erfolg, das neue Gebäude mit einer Kombination aus stationären und verfahrbaren Regalen auszurüsten.

Im einzelnen setzt sich die von Bito konzipierte Anlage aus zwei stationären Palettenregalen, drei ebenfalls feststehenden Kragarmregalzeilen und insgesamt 15 verfahrbaren Palettenregal-Doppelzeilen. Alle Regalzeilen sind rund 30 Meter lang, acht Meter hoch und haben eine Tragkraft von je 20 Tonnen pro Feld. Die zwei feststehenden Regale befinden sich an den Außenseiten der Anlage. Die verfahrbaren Doppelregale sind jeweils auf einen durchgehenden Verfahrwagen montiert, der mit einer Maximalgeschwindigkeit von vier Metern pro Minute über 32 Führungs- beziehungsweise Antriebsrollen auf den im Boden eingelassenen Schienen läuft. Die gesamte Anlage ist in vier Blöcke unterteilt, die sich unabhängig voneinander bedienen lassen. Diese Anordnung bietet vor allem den Vorteile, daß an jedem Block völlig unabhängig gearbeitet werden kann. So können etwa mehrere Stapler gleichzeitig arbeiten, ohne sich gegenseitig zu behindern.

Im Praxisbeispiel erhält nun ein Staplerfahrer über sein mobiles Terminal einen Auftrag. Via Fernbedienung leitet er diesen Auftrag an die von einer Siemens SPS Steuerung geregelten Anlage weiter. Daraufhin öffnet sich der entsprechende Regalblock an der richtigen Stelle und der Fahrer kann seinen angewiesenen Stellplatz ansteuern. Im weiteren können statt des einen - für den Staplerbetrieb notwendigen - breiten Ganges mehrere schmale Gänge für Kommissioniertätigkeiten geöffnet werden.

Sehr zufrieden äußert sich Irmela Schwerdtfeger, Geschäftsführerin von mac, über das neue Lager: „Für uns hat sich die Investition in ein verfahrbare Regalsystem gelohnt. Die Vorgaben an Effizienz Schnelligkeit sowie die Schaffung von möglichst viel Lager- und Pufferfläche für die Messestandkomponenten konnten mit dieser Lösung optimal realisiert werden“. Immerhin konnte Bito die Lagerkapazität des Messebauexperten um fast 75 Prozent bei gleichgebliebenem Raumangebot erhöhen.

Vorteile

Die Vorteile der verfahrbaren Regalsysteme im Gegensatz zu stationären Anlagen beurteilt Göttel vor allem nach dem Grundsatz: „Nicht nur Zeit, sondern auch Raum ist Geld. Dies bedeutet, die Kosten für umbauten Raum sind sehr hoch. Gleichzeitig steigt bei den Unternehmen der Bedarf an Lagerkapazitäten, um schnell auf Kundenwünsche reagieren zu können. Um hier nicht in eine Kostenspirale zu geraten, erweisen sich verfahrbare Regalanlagen als eine gute Lösung. Denn sie bieten die Zugriffsmöglichkeit auf jede Palette und haben gleichzeitig einen hohen Raumausnutzungsgrad: eine solche Anlage bringt im Idealfall die Verdoppelung der Lagerkapazität bei gleicher Fläche im Vergleich zu stationären Anlagen.“

Amortisierung

Lohnend sei die Anschaffung eines verfahrbaren Regalsystems besonders für Unternehmen, „die viele verschiedene Produkte lagern müssen, von denen manche weniger häufig umgeschlagen werden und denen nur ein begrenztes Raumangebot zur Verfügung steht. In solchen Betrieben herrscht ein hoher Bedarf an Lager- und Bereitstellungsfläche. Mit verfahrbaren Regalanlagen ist es zum Beispiel möglich, in einer Hälfte der Lagerhalle die Produkte oder Waren zu lagern und die andere Hälfte in Form eines Blocklagers als Pufferfläche zu nutzen.

Umrüstung stationärer Systeme

Grundsätzlich lassen sich nach Göttel alle Stationären Anlagen in verfahrbare Umwandeln. „Wir können allerdings keine Fremdregale auf unsere Verfahrwagen stellen, sondern nur solche aus eigener Produktion. Insgesamt ist es aber sinnvoller, im Vorfeld abzuklären, ob zu einem späteren Zeitpunkt eine verfahrbare Anlage geplant ist. In diesem Fall könnten die Schienen gleich in den Hallenboden eingelassen werden.“

Entwicklungsmöglichkeiten

„Die neuen Antriegs- beziehungsweise Steuerungskonzepte und die verbesserte Regaltechnik ermöglichen bei einer optimalen Anfahr- und Abbremstechnik noch größere Wagenlängen und noch schwerere Nutzlasten. Die Grenzen dieser Entwicklung liegen aber weniger in der Technik oder dessen Steuerung - wir müssen im Interesse des Kunden handeln und diesem eine insgesamt wirtschaftlich vernünftige Lösung anbieten. Entwicklungsmöglichkeiten sehe ich besonders im fördertechnischen Bereich. Automatische Regalbediengeräte werden die verfahrbaren Regalanlagen von morgen in vollautomatische Systeme verwandeln und damit eine verbesserte Anbindung an die Lagerverwaltung schaffen.

Erschienen in Ausgabe: 11/2001