Kommentar

Vielfalt: Stärke und Impulse

Erfolg im Unternehmen durch international gemischte Teams!

Nie habe ich verstanden, warum Deutschland von sich behauptet, kein Einwanderungsland zu sein und keine klaren Regelungen für Arbeitsmigration schafft. Eine florierende Volkswirtschaft ist prädestiniert, Menschen aus aller Welt anzuziehen, um dort beruflich tätig zu werden. Wenn sie bereits gut ausgebildet hierherkommen, ist das bestens, wenn sie hier eine Ausbildung machen oder studieren wollen: Toll! Das ist eine Bereicherung. Die Diskussion, die in Deutschland in einer Vermischung aus Asyl- und Flüchtlingsdebatte mit Armuts- und Arbeitsmigration geführt wird, hilft niemandem und leistet keinen Beitrag zur Lösung von Problemen.

13. Februar 2019
Vielfalt: Stärke und Impulse
Robert Blackburn, Vorsitzender des Vorstands, Bundesvereinigung Logistik (BVL) (Bild: © BVL/Jonas Ginter)

Schauen wir auf das Thema Arbeitsmigration. Der Bedarf und die Nachfrage nach qualifiziertem Personal sind groß in Industrie, Handel und Dienstleistung. Die Belegschaften stecken mitten im Umbruch – und das bei knappen personellen Ressourcen und unter Rahmenbedingungen, die sich zu Herausforderungen verdichten. Denn die demografische Entwicklung, ein generationenübergreifender Wertewandel, Digitalisierung und Globalisierung verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung.

Wir brauchen engagierte, gut ausgebildete Arbeitskräfte. Wo finden wir sie? In den letzten Jahren ist die Frauenerwerbsquote kontinuierlich gestiegen. Sie liegt heute bei 78,4 Prozent der Altersgruppe zwischen 15 und 65 Jahren – damit aber immer noch 5 Prozentpunkte unter der Erwerbsquote der Männer. Ebenfalls gestiegen ist die Erwerbsbeteiligung der älteren Mitarbeiter. Das alles reicht jedoch nicht, um eine dynamisch wachsende Wirtschaft, die sich in einem gewaltigen technologischen Wandel und im internationalen Wettbewerb befindet, mit Arbeitskräften zu versorgen.

Migrationsforscher gehen davon aus, dass Deutschland bis 2050 jährlich mehr als 300.000 qualifizierte Zuwanderer benötigt, um dem demografischen Wandel die Stirn bieten zu können. Es geht um engagierte Arbeitskräfte aus aller Welt – egal aus welcher Kultur und aus welcher Nation. Denn Vielfalt bringt Impulse und somit Stärke, das wissen wir aus vielen international gemischten Teams in den Unternehmen.

Welche Probleme hindern uns daran, einen Zustrom qualifizierter Kräfte möglich zu machen? Gesetzliche Regelungen setzen Grenzen, bürokratische Abläufe bringen Verzögerungen mit sich. Und leider gibt es auch Vorurteile, die den klugen Umgang mit Diversity in Wirtschaft und Gesellschaft blockieren.

Bei den gesetzlichen Regelungen ist einiges in Bewegung gekommen. Künftig soll nicht nur für Akademiker, sondern auch für Menschen mit nichtakademischer beruflicher Ausbildung gelten: Wenn ein Arbeitsangebot vorliegt, dann kann ein Vertrag geschlossen werden. Das alles sind Schritte in die richtige Richtung und ich wünsche mir, dass die Bürokratie sich nicht als Bremse erweist.

Damit neue Freiräume genutzt werden können, brauchen wir auch in den Unternehmen und in den Belegschaften einen Wandel: Wertschätzung für die Menschen, die sich für ein Leben in Deutschland entscheiden, Anerkennung ihrer Qualifikationen, auch wenn sie formell nicht ins deutsche Raster passen – und ein offenes, positives Miteinander. »Wir brauchen Vielfalt und keine Einfalt. Wir sind bunt, nicht braun.« So hat es BDI-Präsident Dieter Kempf auf den Punkt gebracht und dem schließe ich mich aus voller Überzeugung an. Die Logistik liefert dafür schon heute viele positive Beispiele. Dass es mehr werden, daran wollen wir gemeinsam tatkräftig arbeiten.

Sie haben Anmerkungen, Lob und Kritik? Schreiben Sie uns an lj@verlag-henrich.de!

Erschienen in Ausgabe: 01/2019
Seite: 73

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