Voice-Lösung macht kurzen Prozess

Sprachtechnologie Immer mehr Unternehmen nutzen bei ihren logistischen Prozessen sprachgeführte Abläufe. Pick-by-Voice sorgt für die zügige und nahezu fehlerfreie Erledigung von Aufträgen.

15. Februar 2007

In der Kommissionierung gewährleistet die Optimierung der betrieblichen Abläufe mittels Pick-by-Voice die bedarfsgerechte, zeitnahe und effiziente Bereitstellung der Ware. Dies wird dadurch ermöglicht, dass der Mitarbeiter beide Hände frei hat für seine eigentliche Tätigkeit. Die für seine Arbeit notwendigen Informationen erhält er über Headset - mit Blick auf die Bewegungsfreiheit ein unschätzbarer Vorteil. Die Kommunikation via Datenfunk, etwa mit dem Lagerverwaltungssystem, gewährleistet ein Voice-Client. Auf diese Weise können die unterschiedlichsten Abläufe unterstützt werden, neben der Kommissionierung zum Beispiel auch die Warenvereinnahmung.

Den Kern der Voice-Systeme bilden die Spracherkennung, deren Umsetzung und die Programmierung. Dabei ist nicht das zu erstellende Sprachprofil das Maß aller Dinge, sondern die Bedienbarkeit des Gesamtsystems. So jedenfalls sehen es die Perdictum GmbH + Co KG, deutscher Entwickler von Spracherkennung, und deren Kooperationspartner und Lösungsanbieter Prologistik. Das - genau wie Partner Perdictum - in Dortmund ansässige Unternehmen hat ein sprecherunabhängiges Voice-Systems entwickelt. Hierbei sind Geräte und Kopfhörer sofort einsetzbar (im Gegensatz zu Lösungen, welche die Erzeugung eines Sprachprofils und die Verwendung eines dem jeweiligen Mitarbeiter zugewiesenen Kopfhörers verlangen). Dialekte, Geschlechter und Altersgruppen aus dem maßgeblichen Sprachraum sind bei der Lösung aus Dortmund vorab berücksichtigt. Somit ist dieses Pick-by-Voice-System jederzeit und von jedem Mitarbeiter einsetzbar. Weiterer Vorteil: die Möglichkeit zum Einsatz der Bluetooth-Technik für die Anbindung der Kopfhörer und eventueller Zusatzkomponenten (Scanner, Drucker, RFID-Lesegeräte etc.).

Beste Ergebnisse in der Praxis

Bei Bührmann Weine, Moers, kommt neben dem Voice-System auch das Lagerverwaltungssystem PL-Store von Prologistik zum Einsatz. Zur Verbesserung der Pro-zesse bei Bührmann wurde das vorhandene Warenwirtschaftssystem modifiziert und das neue Lagerverwaltungssystem (LVS) als Subsystem integriert.

PL-Store setzt bereits beim Wareneingang auf. Artikel- und lagerortspezifische Zulagerungsmengen werden sofort erfasst und einem festen Kommissionierplatz zugewiesen. Der Verfügbarkeit der Festplätze kommt ein hohe Priorität zu. Bei der Zuteilung von Lagerplätzen müssen bestimmte Einlagerungsstrategien wie Kühlpflicht oder Gewichtsrestriktionen berücksichtigt werden. Im Rahmen der Warenvereinnahmung wird zwischen Ganzpaletten-, Mischpaletten- und Blockvereinnahmung sowie der Reserve-Einlagerung unterschieden. Die unterschiedlichen Abläufe werden durch das Voice-System unterstützt.

Mit dem Scannen des Strichcodes auf dem WE-Avis meldet sich der Mitarbeiter für den Vorgang »Warenvereinnahmung« beim LVS an. Durch Ansage der Positionsnummer über das Voice-System oder alter-nativ durch Scannen wählt er eine Position bzw. einen Artikel aus dem Warenzugang aus. Gegebenenfalls wird der Mitarbeiter aufgefordert, Überprüfungen und/oder Eingaben von Jahrgang, Mindesthaltbarkeit und/oder Charge vorzunehmen. Handelt es sich bei der angelieferten Menge um Ganzpaletten, die zur Einlagerung in der Reserve vorzusehen sind, so wird der Mitarbeiter vom LVS in die Ganzpalettenvereinnahmung geführt. Ist die Menge kleiner als der Standardpalettensatz, so setzt die Mischpalettenvereinnahmung auf. Der Mitarbeiter wird per Voice zum entsprechenden Kommissionierplatz geführt. Sollte die einzulagernde Menge für diesen Kommissionierplatz zu groß sein, wird der Mitarbeiter automatisch zur Reserve-Einlagerung aufgefordert.

Fehlerquote geht gegen null

Die Platzverwaltung unterscheidet zwischen sechs Platzarten. Dabei handelt es sich um feste und dynamische Kommissionierplätze, Reserveplätze, Blockplätze sowie um das Kühl- und Zolllager. Die Identifizierung der Lagerplätze erfolgt durch entsprechende Prüfziffern. Feste Kommissionierplätze befinden sich im Hochregallager und im Shop. Im Hochregallager wird jeder Artikel mit seinen spezifischen Merkmalen wie Jahrgang, Charge und Mindesthaltbarkeit geführt. Die Mischung unterschiedlicher Jahrgänge oder Chargen auf dem Lagerplatz wird per Definition ausgeschlossen. Im Shop hingegen gilt diese Regelung nicht, so dass dem Kunden auf einem Platz z. B. ein Artikel aus verschiedenen Jahrgängen mit unterschiedlichen Mindesthaltbarkeitsdaten angeboten wird.

Dynamische Kommissionierplätze sind nur im Hochregallager angesiedelt und werden im Rahmen der Zulagerung aus dem Wareneingang befüllt. Kühllager und Zolllager sind Bestandteile des Hochregallagers und unterliegen der normalen Lagerplatzlogik.

Für die beleglose Arbeit wurden alle Mitarbeiter mit Voice-Clients aus dem Hause Prologistik ausgestattet, so dass sie über Datenfunk mit dem Lagerverwaltungssystem kommunizieren können. Damit eine einwandfreie Datenfunk-Kommunikation zu jeder Zeit gewährleistet ist, wurden an zehn exponierten Stellen Access Points installiert.

Durch die Einführung des neuen Systems sank die Fehlerquote bei Bührmann fast auf null. Die Abläufe wurden beschleunigt, und die Belegerstellung beschränkte sich auf nur noch wenige Dokumente. Zufriedenheit herrscht bei Bührmann-Chef Erich Kümper auch mit Blick auf die Inventur. Als permanente Inventur ist sie zu einem zeitsparenden Instrument geworden. Die Komplettinventur kann seit Einführung des LVS entfallen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2007