Volle Craft voraus!

Logistikzentrum - Sport- und Lifestyle-Bekleidung boomt: Um schnell liefern zu können, realisierte New Wave ein neues Logistikzentrum für den Vertrieb der schwedischen Traditionsmarke Craft in Deutschland. Neben der Planung und Organisation der Regal- und Transporttechnik sowie der Layoutgestaltung lieferte Still die gesamte Intralogistik für das Zentrum in Geiselwind. Ein großes Thema war der unebene Hallenboden.

10. September 2019
Volle Craft voraus!
An 33.000 Pickplätzen für die EK-X-Fahrzeuge werden aus den Kartons Artikel bis zur Greifhöhe von 3,70 Metern kommissioniert. (© Still)

Die schwedische Qualitätsmarke Craft zählt heute zu den weltweit führenden Marken für technische Sportbekleidung. Durch zunehmende Umsätze und Artikel wurde das New-Wave-Lager an der österreichischen Grenze, nahe der Firmenzentrale in Oberaudorf, mit 1.700 Quadratmetern für den deutschen Vertrieb allmählich zu klein. Im Logistik-Center Geiselwind kann New Wave allein schon mit der Logistikfläche von 10.500 Quadratmetern einen besseren Service bieten. Der neue Standort liegt zentral in Deutschland – also ideal für eine schnelle Lieferfähigkeit. Mario Hammer, Betriebsleiter des neuen Logistik-Centers: »Die Hälfte unseres Handelsvolumens bestimmen die Craft-Kollektionen. Den größten Teil unserer weiteren Marken liefern wir überwiegend zur Veredelung. Für dieses kurzfristige Geschäft können wir die Bestellungen, die bis 14 Uhr von der Zentrale aus Oberaudorf eintreffen, noch am selben Tag kommissionieren und zur Auslieferung bereitstellen – zurzeit schaffen wir sogar die Aufträge bis 16 Uhr.« Ergänzt wird das neue Logistikzentrum durch einen Showroom.

Das Ziel der Lagerplanung war die optimale Auslastung der Lager- und Transportmittel bei einer Minimierung der Kosten für die Lagerbewirtschaftung.

Sorgfältige Lagerplanung

Patrick Litz, Projektleiter von Still: »Im Rahmen der Lagerplanung wurden zuerst die Anforderungen an das neue Logistikzentrum analysiert. Nach Bewertung und Prüfung auf Wirtschaftlichkeit haben wir gemeinsam mit New Wave unsere Lösungen evaluiert und darauf basierend das beste Logistikkonzept erstellt.« Dieses beinhaltet: die Layoutgestaltung, die Auswahl der Regalsysteme in Kombination mit den entsprechenden Fahrzeugen – inklusive Barcode-Drucker, Scanner und Fahrzeug-Terminals sowie einer Bühnenanlage für die neueste Craft-Kollektion. Andreas Dürlich, Planer für die Regalsysteme von Still: »Damit die Höhe der Halle zur Lagerhaltung auch maximal genutzt wird, wurde eine Hochregallageranlage installiert. Für einen hohen Flächennutzungsgrad und optimalen Materialfluss wurde dieses Lager in ein 10-gassiges Schmalganglager und ein Breitganglager mit 8 Gassen unterteilt.«

Die Regale mit den schmalen Gängen sind durch ihre hohe Flächennutzung ideal für Artikel mit großer Anzahl und mittlerem Umschlag. Ein MX-X-Schmalgangstapler wird dort sowohl zum Kommissionieren als auch zum Ein- und Auslagern von kompletten Paletten bis zu einer Höhe von 8,30 Metern eingesetzt. Projektleiter Litz von Still hebt hervor: »Bei der Entwicklung des MX-X ist ein großes Augenmerk auf die bedienerfreundliche und ergonomische Ausgestaltung des Arbeitsplatzes gelegt worden. So wurde der MX-X zusätzlich mit einer Neigeschranke ausgestattet.«

Was tun bei unebenem Boden?

Natürlich geht es bei New Wave neben den Themen Sicherheit und Ergonomie auch um eine wirtschaftliche Lösung, was zumeist eine Erhöhung der Umschlagleistung bedeutet. Markus Maier, Systemverkäufer für Intralogistiksysteme von Still Nürnberg: »Die Gegebenheit des Hallenbodens lassen beim MX-X nicht die maximale Fahrgeschwindigkeit zu.

Bei einer Hubhöhe von bis zu 8,30 Metern wären drei Millimeter Höhenunterschied von der rechten zur linken Fahrspur noch akzeptabel. Gemessen wurden jedoch bis zu 9,5 Millimeter.« Patrick Litz fügt an: »Mit unserem Assistenzsystem Active Floor Compensation (AFC) sind wir trotz geringerer Anforderung an die Ebenheit des Hallenbodens in der Lage, die volle Performance des Fahrzeugs abzurufen. Unser AFC-System erfasst Bodenunebenheiten auf den Fahrspuren der Lasträder und gleicht diese in Echtzeit aus.« Das AFC-System von Still reagiert verzögerungsfrei auch bei maximal möglicher Fahrgeschwindigkeit. Im Gegensatz zu passiven Systemen, die dämpfen, wird ein Schwingungsaufkommen aktiv unterbunden, bevor es entsteht. Damit stellt es laut Still eine echte Alternative zur Aufarbeitung des Lagerbodens dar. Mario Hammer betont: »Die Fahrzeugperfomance des MX-X ist mit AFC beindruckend. Der Unterschied ist enorm. Nach der Höhen-Vermessung in den Fahrgassen hat uns das von Still zusätzlich installierte Assistenzsystem überzeugt. Die teure Aufarbeitung des Hallenbodens konnten wir damit einsparen.«

Gegen die Schwankungen

Beim Ein- und Auslagern schwerer Lasten entstehen bei großen Hubhöhen auch Schwankungen im Mast des MX-X. Bis zum Abklingen dieser Schwingungen muss der Fahrer warten. Um beides zu reduzieren, steuert ein weiteres Assistenzsystem von Still, die Aktive Laststabilisierung (ALS), dem entgegen.

13.000 neue Artikel kommen dazu

Zur optimalen Kommissionierung wurden in der gesamten Hochregalanlage auf den unteren fünf Regal- und den jeweiligen Bodenebenen 33.000 Kartonpickplätze und 8.500 Palettenstellplätze für den jeweiligen Nachschub eingerichtet. Alle Lagerplätze sind festen Lagerbereichen im Warenwirtschaftssystem zugewiesen und für den schnellen Zugriff in A-, B- oder C-drehende Artikel eingeteilt. Dabei liegt die Reserve jeweils in einer der darüber liegenden Paletten und wird im Breitganglager mit den beiden FM-X-Schubmaststaplern gesteuert – im Schmalganglager mit dem MX-X. Mario Hammer erklärt: »Tagtäglich stellen wir rund 3.000 Promoware-Artikel mit den EK-X-Kommissionierern zusammen. Ende des Jahres kommen circa 13.000 Artikel im Bereich Teamsport zum Sortiment hinzu. Auf diese zusätzlichen Anforderungen haben wir bereits mit der Bestellung eines zweiten Still-MX-X-Fahrzeugs reagiert.«

Auftragsspitzen zweimal im Jahr

Auf der Bühnenanlage wird in Schütten eines Fachbodenregals zweimal im Jahr die neueste Craft-Kollektion eingelagert. Die Reserveartikel liegen im Breitganglager unterhalb der Bühne. Jeweils mit der Sommer- und Winterkollektion fällt das Gros der Aufträge zweimal im Jahr an. Denn dann bestellen alle Sportartikel-Händler gleichzeitig.

»Die teure Aufarbeitung des Hallenbodens konnten wir einsparen.«

— Mario Hammer, Betriebsleiter New Wave

Durch die transparente Organisation der Lagerplätze mit der klaren Einteilung nach Umsätzen hat sich die Übersicht im Lager nach Angaben von New Wave verbessert. Zusammen mit den Flurförderzeugen und den großen Kommissionierflächen wurde so der gesamte Materialfluss optimiert. »Damit können wir flexibler reagieren, sowohl bei größeren Aufträgen als auch bei kleineren Onlinebestellungen. Nach der Inbetriebnahme unseres Logistik-Centers haben wir bereits nach kurzer Zeit schon sehr gute Resultate in der Leistungskurve erreicht«, resümiert Mario Hammer.

Erschienen in Ausgabe: 04/2019
Seite: 28 bis 29

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