Von der Faltbox bis zur Förderstrecke

AKL komplett: Alles aus einer Hand

An seinem Standort Uffenheim bei Würzburg errichtete die Eugen Trost GmbH, ein marktführendes Unternehmen im Kfz-Teilegroßhandel, ein neues Logistikzentrum. Rund 100.000 Artikel sind direkt ab Lager lieferbar. Die Zielsetzung des Lagerneubaus - Steigerung von Qualität und Schnelligkeit der Auslieferungen - stellte das für die Ausführung des AKL verantwortliche Unternehmen vor eine anspruchsvolle Aufgabe.

06. Juni 2003

Die Eugen Trost GmbH, Stuttgart, ist ein marktführendes Unternehmen im freien deutschen Kfz-Aftermarket. Die 1.700 Trost-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter verstehen sich als umfassende Problemlöser der Kfz-Werkstätten und Kfz-Teilefachhändler. Sie beraten und liefern ein Komplettangebot an Pkw- und Nfz-Teilen, an Werkzeugen, Werkstatteinrichtungen und Dienstleistungen rund um die Kfz-Reparatur - gemäß dem Unternehmensmotto & uot;Alles für Kfz-Profis& uot;.

Vollsortimenter

Gegründet 1904 als Motoreninstandsetzungsbetrieb und Motorenteilehandel wird in den sechziger Jahren das Kraftfahrzeugteile-Sortiment gestaltet und der Weg in die Filialisierung beschritten. Seit 1994 repräsentiert Joachim Trost die vierte Generation im Unternehmen. Mit der Gründung der Geschäftsbereiche Werkstatteinrichtungen und Dienstleistungen wird der Vollsortimentsgedanke ausgebaut. Heute repräsentiert das Produktangebot alle namhaften deutschen und internationalen Hersteller. Durch kontinuierliche Expansion entsteht jenes enge Netz an leistungsfähigen Verkaufshäusern, das Trost nicht nur historisch, sondern auch hinsichtlich der Marktleistung zur allerersten Adresse im deutschen Kfz-Teilegroßhandel werden läßt. Mit 350 Millionen Euro Umsatz in 2001 hält Trost die Marktführerschaft in Deutschland.

Kurzfristige Lieferung

Trost sorgt dafür, daß Pkw- und Nfz-Profis in Werkstatt und Handel das bekommen, was sie dringend brauchen: Ersatzteile und Zubehör für alle deutschen und ausländischen Fahrzeugmarken in einer Auswahl, die woanders kaum zu finden ist. Der komplette Lieferumfang umfaßt eine Million Artikel. Rund 100.000 sind direkt ab Lager lieferbar.

Das neue Zentrallager am Standort Uffenheim bei Würzburg liegt in der logistischen Mitte des Versorgungsgebietes, direkt an der Autobahn A7. Es ersetzt die ehemals sieben großen regionalen Lager, die für die Versorgung der Verkaufshäuser in der jeweiligen Region zuständig waren. Die Zusammenfassung von ehemals sieben auf nunmehr ein zentrales Lager zeigt, welche Leistungsfähigkeit ein einziges Lager erzielen kann - durch einen effizienten Materialfluß und den Einsatz moderner Lager- und Logistiksysteme. Dazu Andreas Wetzel, Lagerleiter bei Trost und zuständig für den Bereich Logistik: „Natürlich bedeutet der Neubau für uns enorm hohe Investitionskosten; dem gegenüber steht jedoch das Rationalisierungspotential, das wir voll ausschöpfen werden. Wir rechnen unter anderem mit einer erheblichen Reduzierung der Lagerhaltungs- und Transportkosten. Neben der Wirtschaftlichkeit werden wir auch die Qualität und Schnelligkeit unserer Services erhöhen. Die Verfügbarkeit der Ware wird steigen. Ob Schnell- oder Langsamdreher - die Artikel werden kurzfristig lieferbar sein.“

Herzstück des neuen Lagers

Das Lager setzt sich zusammen aus dem Automatischen Kleinteilelager mit 92.000 Behälterplätzen, einem Hochregallager mit 14.500 Palettenstellplätzen, einem Durchlaufregallager mit 2.500 Plätzen, einem Fachbodenregallager mit 18.200 laufenden Metern und einem Gefahrgutlager.

Rund die Hälfte der ständig bevorrateten Artikel ist behälterfähig und im vollautomatisch gesteuerten Kleinteilelager untergebracht. Das AKL ist das Herzstück des neuen Lagers. Es arbeitet nach dem Prinzip „Ware zum Mann“ und ist ideal für Schnelläufer. Ganze Lagereinheiten voller Kleinteile werden mechanisch über EDV gesteuert, von unbemannten automatischen Regalbediengeräten oder -förderzeugen aus dem Regal entnommen und zum Kommissionierplatz oder an der Anbindung an eine Förderstrecke bereitgestellt. Während das Förderzeug arbeitet, können die Mitarbeiter aus den bereitgestellten Einheiten kommissionieren. So werden lange Sammelwege vor Regalen vermieden; unproduktive Sucharbeit entfällt.

Anspruchsvoll

Das AKL ist 55 Meter lang, 20 Me-ter Breit und 17 Meter hoch. Die acht Regalgassen sind jeweils mit einem Regalbediengerät ausgestattet, welches mittels Greiftechnik die Behälter ein- und auslagert. Da AKL nach engen Toleranzvorgaben im Regalbau geplant werden, stellen sie hohe Ansprüche an Fertigungsgenauigkeit und Können bei Montage und Ausrichten. Der Stahlbau des AKL stammt von SSI Schäfer und wurde in rund acht Wochen von einem Montagetrupp von bis zu zwölf Mann aufgebaut. Die einzelnen Regalelemente wie Profile und Traversen werden zunächst in einer Art Montagestraße vormontiert und im Anschluß zusam-mengeführt und fixiert.

Klar definierte Schnittstellen

Als Systemlieferant der AKL-Technik wurde SSI Schäfer Noell gewählt. Das Leistungsspektrum des Giebelstädter Unternehmens reicht von der Systemplanung und Beratung über die Realisierung schlüsselfertiger Anlagen inklusive passender IT-Systeme bis hin zu maßgeschneidertem After-Sales-Service. Für Trost wurde eine spezielle Software und Elektrik für den Materialfluß entwickelt, die das AKL und die angeschlossene Fördertechnik für die Behälter steuert. Zudem mußte die Materialflußsteuerung mit dem Lagerverwaltungsrechner gekoppelt werden. Beide Systeme werden über klar definierte Schnittstellen geregelt. Andreas Hümmer, Projektleiter bei SSI Schäfer Noell erläutert die Aufgabenstellung: „Im Grunde bildet das AKL einen in sich geschlossenen Kreislauf, der nach dem Prinzip „Ware zum Mann“ die maximale Leistung von bis zu 800 Spielen, also Ein- und Auslagervor-gänge, pro Stunde erbringt. Damit ist es bestens geeignet für die Lagerung schnelldrehender Ware.“

Andreas Wetzel zur Zusammenarbeit mit SSI Schäfer: „Wir haben den Auftrag zur AKL-Technik an SSI Schäfer erteilt, da wir einen Lieferanten wollten, der die AKL-Systemtechnik komplett aus einer Hand anbietet. Die angeschlossenen Partner haben bereits Erfahrung im Zusammenspiel der Systeme; das gibt uns eine gewisse Sicherheit, zum Beispiel beim Schnittstellen-Management.“

Chaotische Lagerhaltung

Moderne Fördertechnik verbindet das AKL mit dem Warenein- und -ausgang sowie den Kommissionierplätzen. Nach dem Wareneingang wird die erfaßte Ware an den Rüstplätzen in die Schäfer-Behälter hineinkommissioniert und zur Einlagerung ins AKL bereitgestellt. Gemäß dem Prinzip der chaotischen Lagerhaltung wird die Ware einem bestimmten Behälter zugeordnet. Die Behälter sind durch Barcode-Etiketten gekennzeichnet, die schon bei Schäfer angebracht werden. Bei der Auslagerung wird der Behälter mit der benötigten Ware zu dem entsprechenden Kommissionierplatz befördert.

Ladungsträger für ein AKL müssen besondere Kriterien erfüllen: Biegesteife Böden bei voller Nutzlast, Laufruhe auf unterschiedlicher Fördertechnik, Steuerbarkeit in logistischen Systemen, Stapelbarkeit und nicht zuletzt Organisierbarkeit durch Trennwände oder Einsatzkästen. Bei Trost wird der neue Lager- und Transportbehälter LTB eingesetzt. Im Bereich Kästen und Behälter umfaßt die Produktpalette von SSI Schäfer mehr als 2.000 verschiedene Typen - das Ergebnis unzähliger kundenindividueller Lösungen der betrieblichen Praxis. Der LTB-Behälter erfüllt sämtliche zuvor genannten Anforde-rungen an einen Ladungsträger für ein AKL. Bei geringem Eigengewicht ist der LTB aufgrund seiner stabilen Eck- und Bodenkonstruktion dennoch biegefest und verwindungssteif. Zur Gewährleistung eines guten Handlings durch das Regalbediengerät verfügt der LTB über eine Ziehnut für das automatische Greifgerät. Die kantenparallelen Laufrippen sorgen dabei für einen reibungslosen und leisen Lauf auf allen Förderstrecken - bei Trost läuft der LTB problemlos sowohl auf Gurt- als auch auf Rollenförderern. Der Behälter ist im Format 600 mal 400 Millimeter und in den Höhen von 220 und 320 Millimetern im Einsatz. Die maximale Inhaltslast beträgt 50 Kilogramm.

Sonderlösung

Als Sonderlösung für Trost sind die Schäfer-Behälter mit Schlitzen ausgerüstet, die zur Aufnahme von Stecktrennwänden aus Kunststoff dienen. So kann jeder einzelne Behälter wahlweise in zwei bis vier Fächer unterteilt werden. Diese Fächer können auch mit unterschiedlichen Artikeln bestückt werden, da sie am Oberrand mit Fachnummern versehen sind.

Mittel- bis langsamdrehende Teile sind in den Fachboden- und Durchlaufregalen aufgehoben, die innerhalb einer Bühnenkonstruktion auf anderen Ebenen gelagert werden. Auch diese Bereiche sind über Fördertechnik und ein Mehrwegbehälter-System mit Warenein- und -ausgang verbunden; über einen Vertikalförderer des Typs „Pater Noster“ werden die Behälter in die verschiedenen Stockwerke befördert.

Auch Paletten können problemlos über die sechs Etagen befördert werden. Neben einem Lasten-Aufzug wurde eigens ein Palettenheber installiert, der Europaletten mit einem Gewicht von bis zu 1.000 Kilogramm in die verschiedenen Ebenen bringt.

Zur Belieferung der 65 Verkaufshäuser von Trost ist ein weiterer Schäfer-Behälter im Einsatz. Die Falt-Klapp-Box eignet sich besonders für den Trost-internen Mehrwegkreislauf, da die leeren Boxen zusammengeklappt und somit stark volumenreduziert zurückgeführt werden können.

Testphase

Die Inbetriebnahme des neuen Zentrallagers ist geplant für April 2003. In den letzten verbleibenden Wochen werden noch einmal alle Funktionalitäten durchgetestet. Wichtig dabei ist ein reibungsloses Zusammenspiel von Lagerverwaltungssoftware, Materialflußsteuerung und Fördertechnik. Parallel zu den Probeläufen findet die Befüllung des Lagers statt. Andreas Wetzel zeigt sich zufrieden: „Bis jetzt sind wir im Plan und zuversichtlich, daß sich unsere hohen Erwartungen in punkto Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllen werden.“

Erschienen in Ausgabe: 03/2003