Wendige Multitalente

Gilgen: Kurvengängige Regalbediengeräte

In der aktuellen Konjunkturlage unterliegen Investitionen in die Logistik vielerorts dem anhaltenden Investitionsstau. Doch die Waren wollen weiter bewegt werden und wohldosierte Automatisierung mit sukzessiver und übersichtlicher Investitionsanpassung ist oftmals die Lösung, insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen. Kurvengängige Regalbediengeräte bestechen hier sowohl in technischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht.

16. November 2003

Im Kontext von Gesamtanlagen für die In-House-Logistik übernehmen Regalbediengeräte eine Schlüsselfunktion. Gefragt sind Mobilität, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit. Im Unterschied zu gassengebundenen Lösungen kann ein kurven- und weichengängiges Regalbediengerät die Lagergasse über ein am Boden verlegtes Schienennetz wechseln. Kurvengänger sind vorwiegend für automatische Logistiksysteme konzipiert und bewähren sich in Lagern, deren Leistung es zuläßt, mehrere Gassen mit einem Gerät zu bedienen.

In Zeiten, wo jeder Euro und jeder Franken zählen, hat sich hier ein Trend entwickelt, der zunehmend das Interesse kleinerer und mittelständischer Unternehmen (KMU& pos;S) findet. Gilgen Logistic Systems, Dortmund, Anbieter kompletter Logistiklösungen für die Realisierung von Gesamtsystemen auf Hard- und Softwareebene, hat in jüngster Vergangenheit Projekte dieser Art mit hohem Nutzwert realisiert.

So betreibt zum Beispiel Salzmann Medico im schweizerischen St. Gallen ein kürzlich in Silobauweise errichtetes Hochregallager in der Größenordnung von 58 Metern Länge, 18 Metern Breite und 21 Metern Höhe. Innerhalb von 24 Stunden werden die Kunden in der Schweiz und im benachbarten Ausland aus einer rund 600 Artikel umfassenden Produktpalette für Arzt- und Spitalbedarf beliefert. Zwei kurvengängige Regalbediengeräte ver- und entsorgen mit einer Fahrgeschwindigkeit von 180 Metern pro Minute und einer Hubbeschleunigung von 60 Metern pro Minute rund 4.200 Palettenstellplätze in vier Gassen. Ausgerüstet mit einem elektronischen Bremssystem machen sie die Integration von Puffern überflüssig.

Leistungs- und Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen hatten im Vorfeld den automatischen Regalbediengeräten im Vergleich zum Staplereinsatz deutlichen Vorsprung bescheinigt. So konnte die beschränkte Hallenfläche in der Höhe von 21 Metern voll genutzt werden. Und da die geforderte Umschlagsleistung bei den Regalbediengeräten mit bis zu 30 Paletten pro Stunde doppelt so hoch wie bei Staplern ist, waren nur zwei Geräte erforderlich, um diesen Durchsatz sicher zu stellen. Zusätzliche Argumente, die den Staplerbetrieb ausschlossen, lagen im Bereich hoher Betriebs- und Wartungskosten. Bei automatisiertem Mehrschichtbetrieb entsprechen die tatsächlichen Betriebskosten denen des Einschichtbetriebes. Hohe Wartungskosten entstehen bei Staplern durch die Batterien.

Flexible Integration

Derselben Argumentation folgte die Getzner Textil AG bei der Planung des kürzlich in Betrieb gegangenen Spulenlagers im österreichischen Bludenz, das als Pufferlager für Garnspulen auf Paletten dient. Zwei Kurvengänger gleichen Typs bedienen bedarfsgerecht rund 3.300 Palettenstellplätze in den fünf Gassen des in Hallenbauweise errichteten Hochregallagers.

Kurze Reaktionszeiten und minimale Durchlaufzeiten konnten hier infolge des von Gilgen gelieferten Gesamtsystems, bestehend aus dem Hochregallager und den Regalbediengeräten samt integrierter Hard- und Software auf Lagerverwaltungsebene, realisiert werden. Die flexible Systemgestaltung bürgt für die Option auf zukünftige Erweiterungen und Leistungssteigerungen des Gesamtsystems.

Lukrative Automation

Wenngleich mit automatischen Lösungen zusätzliche Investitionen für EDV und Lagerverwaltung verbunden sind, amortisieren sich diese doch schnell durch hohe Durchsatzleistungen, minimierte Bedienfehler und einen profitablen Mehrschichtbetrieb.

Auf Anlagensanierungen als Alternative zum Neubau setzen heute vielerorts Unternehmen aus Industrie und Handel. Die technische Auslegung kurvengängiger Regalbediengeräte erlaubt eine flexible Integration in bestehende Hallen und auch die weitere Nutzung vorhandener Regale. Im Einzelfall ist zu prüfen, ob es sinnvoll ist, alle Gassen oder nur einzelne Lagerteilbereiche zu automatisieren.

Sukzessive Investition

Das Nachrüsten mit Regalbediengeräten verlangt eine vergleichsweise geringe Basisinvestition, weil in der Lagervorzone kaum weitere Fördertechnik notwendig ist, da die Regalbediengeräte aus der Lagergasse kommend, die Paletten an einer Kopfstation oder einem Kopfregal abgeben.

Ein weiteres Argument für den Einsatz dieser Technologie, die problemlos und flexibel an neu gestaltete und erweiterte Lager- und Kommissionierbereiche angepaßt werden kann, ist der Umstand, daß mit schrittweisen Leistungssteigerungen und damit mit sukzessivem Investitionsaufwand auf veränderte Marktbedingungen reagiert werden kann, zum Beispiel mit einer Dynamisierung des Materialflusses durch den Einsatz weiterer Geräte.

Neue Chancen für KMU& pos;s

Um auf den hart umkämpften Märkten bestehen zu können, hat sich der Trend zu automatischen Lagern auch bei kleineren Kapazitäten, also ab etwa 1.000 Paletten, und niedrigen Umschlägen, so um die 20 Paletten pro Stunde, durchgesetzt. Kurvengängige Regalbediengeräte vollbringen hier Spitzenleistungen in Sachen Mobilität, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit.

Auch in Deutschland sind unter anderem Panasonic in Wiesbaden, Siemens in Frankfurt, Lidl in Lübbenau und die Ostfriesische Tee Gesellschaft (OTG) in Gretzstadt und Buchholz erfolgreich mit der Kurventechnologie von Gilgen ausgerüstet worden.

Die Kurventechnologie bietet beste Voraussetzungen für eine nachträgliche Integration in ehemals staplerbetriebene Lager, erlaubt eine optimale Grundstücks- oder Hallennutzung, ist mit geringen Basisinvestitionen verbunden und bei Bedarf nachträglich aufrüstbar.

Erschienen in Ausgabe: 09/2003