»Wenn einer jammert, dann auf hohem Niveau.«

Clark Europe Anfang des Jahres hat sich Clark im Führungsteam neu aufgestellt. Seither leitet Andreas Krause als COO das operative Geschäft, Rolf Eiten ist als CEO und President für die strategische Geschäftsentwicklung zuständig. »logistik journal« hat die beiden Unternehmenslenker in Duisburg getroffen und mit ihnen über die Positionierung Clarks im Markt, die Konjunktur und den Elektroantrieb gesprochen. Interview: Tobias Rauser

21. November 2019
»Wenn einer jammert, dann auf hohem  Niveau.«
(© Clark Europe)

Herr Eiten, Clark ist ja Teil eines großen Konzerns, der Young An Hat Company. Tragen Sie auf Ihren Reisen nach Südkorea eigentlich immer einen Hut?

Rolf Eiten: Eine sehr gute Frage (lacht). In der Tat: Der Beginn des Geschäftes der Familie Baik, die die Company Young An 1959 gegründet hat, war eine Hutmanufaktur. Im wahrsten Sinne des Worte eine Manufaktur. Da wurde jeder einzelne Hut von Herrn Baik persönlich zusammengebaut. Zwischenzeitlich produziert Young An mehr als 100 Millionen Hüte im Jahr.

Ein echter Mischkonzern. Young An ist etwa auch in der Landwirtschaft und anderen Bereichen aktiv.

Eiten: Es gibt Landwirtschaft, es gibt aber auch Produktionsbereiche, zum Beispiel Busse. 2003 hat die Familie Baik aus dem zerschlagenen Daewoo-Konzern den Bereich Daewoo Bus gekauft.

Wie ist Ihre Rolle im Konzern?

Eiten: Wir machen vom Umsatz mehr als 40 Prozent des Konzerns aus und spielen schon deshalb eine wichtige Rolle. Obwohl die Erträge im Hutbereich höher sind. Ich bin der Geschäftsführer hier vor Ort, gemeinsam mit Herrn Baik junior, der in Korea sitzt.

Wo werden die Entscheidungen getroffen?

Eiten: Hier in Duisburg.

Wie oft sind Sie in Südkorea?

Eiten: Mindestens einmal im Jahr.

Herr Krause, wie läuft denn die Zusammenarbeit mit Südkorea beim Thema Technik und Entwicklung?

Andreas Krause: Die Technikabteilung hat sehr enge Verbindungen nach Südkorea, und wir haben schon mehrjährige Projekte mit den Koreanern zusammen gestemmt. So fahren wir ein gemeinsames CAD-System. Ich war die letzten Jahre immer zwei- bis dreimal im Jahr in Korea, um die Zusammenarbeit zu vertiefen. Wir machen viel über Skype, aber wenn sie zusammen an einer Maschine arbeiten wollen, dann muss man einfach vor Ort sein. Auch um die Leute kennenzulernen.

Sie haben sich hier in Duisburg zu Beginn des Jahres neu aufgestellt. Sie, Herr Eiten, haben Aufgaben an Andreas Krause als neuen COO abgegeben. Warum?

Eiten: Die Organisation hier in Deutschland, wo wir ja für Europa, Afrika und den Mittleren Osten als Vertriebsgebiet zuständig sind, ist seit 2004 stetig gewachsen. Die Aufgaben haben sich verändert. Wir übernehmen global immer mehr Aufgaben bei Clark und haben den Standort erweitert. Und wir haben noch viel vor. Da war es eigentlich nur der nächste Schritt, dass wir die Organisation breiter aufstellen.

Was erwarten Sie von Herrn Krause?

Eiten: Das ist eine gute Frage, Herr Rauser, denn es gibt vielfältige Erwartungen. Wenn ein Unternehmen wächst, dann muss man sehen, dass die Abläufe in der Organisation passen und aufeinander abgestimmt werden. Dafür braucht man die Funktion eines Betriebsleiters, und genau das ist der COO ja. Andreas Krause leitet alle operativen Bereiche. Ich konzentriere mich heute auf die Bereiche Vertrieb und Finanzen. Wir kennen uns schon sehr lange und verstehen uns oft auch ohne Worte.

»Nur ein Teil des Marktes wird automatisierte Fahrzeuge brauchen.«

— Rolf Eiten, Clark Europe

Was liegt denn ganz oben auf dem Schreibtisch für die nächsten Monate?

Eiten: Ganz aktuell ist das die Planung 2020. Das wird mich die nächsten zwei Monate stark beschäftigen. Und ansonsten gibt es andere Projekte, aber da möchte ich jetzt noch nicht drüber sprechen.

Wie steht es um Ihre Pläne einer Montagefertigung hier am Standort?

Eiten: Das Thema Montagefertigung liegt entscheidungsreif auf dem Tisch. Korea ist bei diesem Thema die treibende Kraft. Die Montagefertigung ist ein nächster konsequenter Schritt und eigentlich eine Erweiterung des schon Vorhandenen.

Wie sieht der Zeitplan aus, wann soll es losgehen?

Eiten: Mitte nächsten Jahres.

Clark befindet sich in Deutschland in einem harten Wettbewerb. Wie ist die Marke Clark positioniert, und wie unterscheiden Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Eiten: Erst einmal: Clark ist der Erfinder des Gabelstaplers. Das ist niemand sonst, das ist Clark. Unser Profil ist mit unserem Motto »Built to Last« gut beschrieben. Das steht für das Produkt, das Team und die Company.

Ist Deutschland ein besonders schwieriger Markt?

Eiten: In Deutschland haben wir eine ganz besondere Wettbewerbsherausforderung, durch die etablierten deutschen Hersteller wie Still, Linde und Jungheinrich. Sie sind die Marktführer in Europa und dominieren die Märkte.

»Die Verbrenner sind auf dem absteigenden Ast. Der Diesel wird verlieren, das Gas-Gerät wird kommen.«

— Andreas Krause, Clark Europe

Wie ist da die Rolle von Clark?

Eiten: Wir machen mit und gehören einmal als Erfinder des Gabelstaplers als auch als Wegbereiter für viele technische Einrichtungen am Gabelstapler zu den weltweit etablierten Herstellern, wenngleich unsere Organisation im Vergleich zu den Marktführern kleiner aufgestellt ist.

Was sind Ihre Ziele?

Eiten: Unser Inhaber, Senior Baik, hat es wie folgt formuliert: Er möchte langfristig zu den größten zehn Anbietern weltweit gehören.

Noch ist Clark laut »logistik journal«-Weltrangliste auf dem 12. Rang.

Eiten: Ja, das stimmt. Wir wollen mehr verkaufen als heute. Und wir haben das Glück, dass wir einen Eigentümer haben, der langfristig plant. Unser Eigentümer erwartet langfristiges, nachhaltiges Wachstum.

Um welche Themen geht es: Marktanteil oder Profitabilität?

Eiten: Im Fokus stehen Stückzahl und Profitabilität.

Krause: Und wichtig ist auch das Thema Nachhaltigkeit. Der Kunde soll immer wieder einen Clark kaufen. Auch wenn das Gerät nicht so high-sophisticated ist wie manch anderes: Es ist eine sehr gute, solide Arbeitsmaschine. Mit Fahrzeugen wie der Clark S-Series gehören wir zu den weltweit führenden Anbietern in der Klasse.

Wir sind ja nun am Ende eines schwierigen Jahres 2019. Wie ist es im Rückblick gelaufen?

Eiten: Nach dem ersten Quartal habe ich Schlimmes befürchtet. Das hat sich ein Stück weit relativiert. Das Jahr 2019 ist für uns mittlerweile ganz ordentlich. Im Ergebnis stückzahlmäßig besser als letztes Jahr, von der Profitabilität eher schlechter.

Und Ihre Pläne fürs nächste Jahr?

Eiten: Wir wollen mehr verkaufen. Aber ich werde Ihnen jetzt keine Stückzahlen nennen (lacht). Aber was Sie ja sicher als Nächstes fragen wollen: Befinden wir uns in einer Rezession? Das beantworte ich mit einem klaren Nein. Wir sollten die Rezession nicht herbeireden. Wenn jetzt einer jammert, dann jammert er auf hohem Niveau.

Ein anderes Marktthema ist die Bewegung hin zu Elektro.

Eiten: In der Tat. Vom Trend her über die letzten fünf Jahre muss man ganz klar sagen: Der Verbrennermarkt in Europa knickt ein. Elektro legt zu.

Sind Sie bei Clark ausreichend aufgestellt für diesen Trend?

Eiten: Wir haben uns über die Jahre immer besser aufgestellt.

Krause: Wir arbeiten an neuen Elektro-Fahrzeugen und haben zu diesem Thema auch gerade unsere »Go Green – Go Clark«-Kampagne gestartet. Wir wollen Elektro pushen. Und wir haben uns als Clark stetig im Klasse-3-Segment weiterentwickelt, hier sehen wir starkes Wachstum.

Wie lebendig ist der Diesel noch in Europa?

Krause: Schwierige Frage, aber man muss diese Frage stellen. Die Verbrenner sind generell auf dem absteigenden Ast. Wir werden dennoch nicht auf ihn verzichten können, da er in einigen Anwendungen einfach gebraucht wird. Diesel wird Marktanteile verlieren, das Gas-Gerät wird kommen.

Eiten: Viele unserer Kunden verlieren die Scheu in Bezug auf Elektrogeräte. Dennoch: Wenn man weltweit guckt, dann ist der Verbrenner-Stapler prozentual immer noch ganz weit vorne; vor allem, wenn Stückzahlen mit zugehörigen Umsatzgrößen bewertet werden.

Wie sieht das bei Ihnen aus im Umsatz?

Eiten: Wir haben immer noch mehr Verbrenner-Fahrzeuge bei den Gegengewichts- Gabelstaplern als Elektro. Aber das Verhältnis verschiebt sich Richtung Elektro.

Das macht es für Sie komplexer – wenn Sie das eine nicht aufgeben, aber beim anderen Gas geben wollen.

Eiten: Ja, das ist so.

Krause: Wir müssen sogar dreigleisig denken. Das haben wir allerdings schon immer gemacht. Wir teilen es im Konzern auf. Die Koreaner übernehmen einen Hauptanteil der Entwicklung und sind eher verbrennerlastig. Die Amerikaner haben hoheitlich das Elektro-Projekt übernommen. Wir kümmern uns um die Klasse 3. Das ist komplex, ja, aber wir haben die Herausforderungen bis jetzt immer gut gemeistert.

Wie sieht es bei der Frage Lithium-Ionen oder Bleisäure aus?

Eiten: Schwer zu sagen. Was wir merken: Es wird bei den Kunden immer mehr über Lithium-Ionen-Batterien gesprochen. Aber es gibt in unserer Klientel immer noch mehr Kunden, die nach Bleisäure fragen.

Interessieren sich Ihre Kunden auch für das Thema Automatisierung und Vernetzung?

Eiten: Na ja, es gibt eine gewisse Nachfrage. Aber für uns ist das noch kein echtes Geschäftsmodell. Unsere Ingenieure in Korea arbeiten daran. Die Frage ist: Welche Maschinen werden wir mittelfristig tatsächlich anbieten können? Und was passt auf unsere Klientel? Das werden wir dann ausloten müssen.

»Die Montagefertigung hier in Duisburg ist ein nächster konsequenter Schritt und eine Erweiterung des Vorhandenen.«

— Rolf Eiten, Clark Europe

Und, passt es auf Ihre Klientel?

Eiten: Ich bin da skeptisch. Nur ein Teil des Marktes wird automatisierte Fahrzeuge brauchen. Vielleicht sogar der kleinere Teil des Marktes. Das Gros unserer Kunden betreibt vielleicht fünf Gabelstapler, manche nur drei. Und der soll dann automatisiert sein?

Wollen Sie auf diesem Feld also gar nicht mitspielen?

Eiten: Wir wollen uns aussuchen, wo wir mitspielen. Ganz ehrlich: Manchmal ist ein Geschäft ein Geschäft, wenn man es nicht macht. Es gibt Kunden, deren Bedingungen sind so haarsträubend, dass man sich überlegen muss, ob man sich das erlauben will. Wir wollen gar nicht überall Lieferant sein. Am Ende muss unser Händler auch Geld verdienen.

Meine Abschlussfrage: Was halten Sie eigentlich von dem Klimapaket, das jetzt beschlossen wurde?

Eiten: Ich finde es gut, dass die Bundesregierung sich Gedanken zum Thema Klima macht. Reichlich spät. Wenn es um das Klimapaket geht, sehe ich bislang noch nicht wirklich Auswirkungen auf uns als Unternehmen. Es ist vielleicht auch zu früh, um das sagen zu können. Aber vom Grundsatz her merken wir in unserer Industrie, dass Betreiber sich heute mehr für emissionsfreie oder -arme Fahrzeuge interessieren.

Krause: Deutschland ist lange Vorreiter im Klimaschutz gewesen, und ich finde, wir sollten es bleiben. Wir machen zu wenig, das ist jetzt meine persönliche Meinung. Und wenn wir in die eigene Branche schauen, dann geht es auch um das Thema Strom. Es gibt ja diesen Spruch: Der Strom kommt aus der Steckdose. Allerdings wird dieser zurzeit noch fossil erzeugt. Da brauchen wir mehr politischen Einsatz.

Erschienen in Ausgabe: 06/2019
Seite: 5 bis 19

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