"Wir brauchen bunt, nicht braun"

Markt

Logistik - Egal ob Nationalismus, Klimaschutz oder Fachkräftemangel – das langanhaltende Wachstum der Branche findet unter komplizierten Bedingungen statt. Engagiert wurde darüber auf dem Logistik-Kongress in Berlin diskutiert.

07. November 2018
© BVL/Kai B
(Bild: BVL/Kai B)

Die Branche wächst weiter«, rief Robert Blackburn, der Vorsitzende des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik (BVL) den Besuchern des Deutschen Logistik-Kongresses in Berlin zur Eröffnung zu. Geschäftslage, Erwartungen und Klima seien positiv – gute Aussichten also. Für das Jahr 2019 prognostizierte Blackburn ein Wachstum der Logistik von 1,7 Prozent, für 2020 von 2 Prozent. 

»Die Politik allein gelassen«

Dennoch steht die Branche vor wichtigen Herausforderungen. Eine davon: der Fachkräftemangel. »Für unser Wachstum brauchen wir qualifiziertes Personal«, sagte Blackburn. Diese Anwerbung gelinge nur, wenn die Gesellschaft auch offen für Veränderung sei: »Wir brauchen bunt, nicht braun.« Wie andere Redner sprach er sich für offene Märkte aus: »Öffnung ist immer besser als Protektionismus – egal ob es um chinesischen Staatskapitalismus, America first oder den Brexit geht.« Ähnlich formulierte es Carsten Spohr, Chef der Lufthansa.

Die Globalisierung sei die Grundlage für den Erfolg deutscher Unternehmen, auch seiner Airline. »Wir als Unternehmen müssen diese Globalisierung besser erklären, da haben wir als Wirtschaft die Politik etwas allein gelassen«, gab sich der Manager selbstkritisch. »Die Globalisierung ist unaufhaltsam, aber nicht unumstritten«, sagte Spohr.

Um weiterhin qualifizierte Fachkräfte für die Logistik zu gewinnen, muss der Ruf der Branche besser werden. Die auf dem Kongress gestartete, bundesweite Imagekampagne »Logistikhelden« soll Bewerber und Öffentlichkeit ansprechen und Aufmerksamkeit für die Logistikbranche schaffen.

BDI gegen Klima-Sektorziele

Mit dem Klimaschutz und den daraus resultierenden Vorgaben setzte sich BDI-Präsident Dieter Kempf auseinander. »Ja, wir brauchen Klimaschutz«, sagte er. Um dann ein »aber« hinzuzufügen: »Aber mit klugen und technologieoffenen Vorgaben.« Bisher sind diese seiner Meinung nach zu restriktiv und unrealistisch. Kempf kritisierte die nationalen Sektorziele Deutschlands. »Sie schaden dem Industriestandort Deutschland.« Er forderte vor allem von Grünen-Politikern »mehr Logik« in der Diskussion.

»Die Luft in den Städten ist nicht schlechter, sondern besser geworden«, sagte Kempf. Auch die Fokussierung auf batteriebetriebene Elektromobilität ist aus Sicht des BDI-Präsidenten vorschnell. »Vor allem im Straßengüterverkehr ist das Rennen um die beste Technologie noch offen.«

Erschienen in Ausgabe: 06/2018