"Wir müssen den Erfolg immerneu erarbeiten"

Unternehmen

Tür & Tor - Wahre Champions hüten sich, ihren Erfolg als gegeben hinzunehmen. Zu schnell kann Marktführerschaft in Gefahr geraten. Um das zu verhindern, braucht es ein kluges Management. Martin J. Hörmann über Nachhaltigkeit, neue Produkte und das Selbstverständnis eines großen Familien-unternehmens. Gesprächspartner: Michael Weilacher

03. April 2017
© Klemme/Maarit Mittwoch/Hörmann »Man kann die Favoriten-rolle erobern, aber eben auch verlieren« Martin J. Hörmann, Hörmann KG
Bild 1: "Wir müssen den Erfolg immerneu erarbeiten" (© Klemme/Maarit Mittwoch/Hörmann »Man kann die Favoriten-rolle erobern, aber eben auch verlieren« Martin J. Hörmann, Hörmann KG)

Herr Hörmann, Ihr Bruder Christoph hat es in München während der »Bau 2017«, eine wichtige Messe auch für Ihr Haus, deut-lich gesagt: »Logistik wird immer wichtiger.« Trägt Ihr Haus dieser Entwicklung Rechnung?

Ja, das macht es. Nicht nur mit den beiden Produktionsstandorten für Verladetechnik sind wir gut aufgestellt. Selbiges gilt auch für die Hörmann-Werke, die Produkte für verschiedene Industriebereiche herstellen und einen starken Fokus auf logistische Prozesse legen. Denken Sie nur an die unterschiedlichen Typen von Industrietoren und ihre Bedeutung für reibungslose logistische Abläufe. Ganz zu schweigen davon, dass die Tore mit ihrer Abdichtfunktion und mit zeitgemäßen Antrieben auch für eine hohe Energieeffizienz der Prozesse sorgen.

Prozesse gibt es viele. Und noch mehr Möglichkeiten, sie zu bewältigen.

In den letzten Jahren haben wir viel Zeit investiert, um Dinge zusammenzufassen – mit dem Ziel, einheitliche Lösungen respektive Kombilösungen anbieten zu können. Unter dem Claim »Alles aus einer Hand« bieten wir wirtschaftliche Logistiklösungen vom Tor bis zur Tür für logistische Dienstleister ebenso an wie Produkte für Endverbraucher, für Bauherren beispielsweise. Bei beiden Zielgruppen kommen wir damit an.

Hörmann kommt mit seinem Angebot an? Das dürfte ostwestfälisches Understatement sein. (Anmerkung der Redaktion: Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz im ostwestfälischen Steinhagen.) Ihr Haus, Herr Hörmann, ist in seinem Segment nicht weniger als europäischer Marktführer!

Ob Türen oder Tore: In beiden Bereichen haben wir es mit ernst zu nehmenden Wettbewerbern zu tun. Mit Understatement hat das wenig zu tun. Im Übrigen: Ich bin gebürtiger Saarländer.

Es setzt also kein Automatismus ein, wenn Ihre jeweilige Zielgruppe den Namen Hörmann hört. So nach dem Motto »Kenne ich, kaufe ich«.

Nein, und es ist auch wichtig in unserer Position als Marktführer, sich immer bewusst zu sein, dass es eben keinen Automatismus gibt, zu wissen, dass sich der Kunde, ob nun Händler oder Endkunde, jeden Tag anders entscheiden kann. Deshalb müssen wir unsere Leistung immer wieder neu erbringen. Auch wenn wir vielleicht einen gewissen Verlässlichkeitsbonus besitzen, der daher rührt, dass wir uns schon so lange und so zuverlässig in unserem Markt bewegen. Aber ein Automatismus? Nein, das wäre zu einfach.

Dann dürfen Sie sich also nicht auf eine Markentreue verlassen, wie man sie von großen Autobauern kennt – von Mercedes etwa, oder von BMW und Audi?

Das Auto ist ein wesentlich emotionaleres Produkt als eine Tür oder ein Tor, und seien sie noch so ansprechend gestaltet. Über ein gewisses Maß an Kundentreue dürfen allerdings auch wir uns freuen. Die Marke Hörmann steht für Qualität, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit. Das weiß man im Markt. Trotzdem, Bindungen werden gelöst, andere werden geknüpft. Man kann die Favoritenrolle erobern, aber eben auch verlieren.

Letzteres, Herr Hörmann, ist mit Blick auf Ihr Unternehmen auch auf lange Sicht nicht zu befürchten. Ihr Haus gilt als Champion im Markt für Türen und Tore. Zudem sind Sie dabei, Ihr Portfolio zu erweitern. Mit dem italienischen Unternehmen Pilomat haben sie gerade einen Spezialisten für Flächen- und Gebäudesicherung übernommen. Jeder kennt die Poller, die ausgefahren werden, um Pkw, Busse, Lastwagen et cetera daran zu hindern, bestimmte Bereiche anzufahren. Ein neuer Geschäftsbereich Ihres Hauses?

Sagen wir so: Das Portfolio von Pilomatwird in die Hörmann-Markenwelt mit auf-genommen.

So wie zum Beispiel Schörghuber auf dem Gebiet der Spezialtüren aus Holz ?

Nein, nicht direkt, da Schörghuber-Produkte nicht unter der Marke Hörmann vertrieben werden. Dort setzen wir ganz auf den eigenständigen, sehr erfolgreichen Schörghuber- Vertrieb mit eigener Marke.

Sie nutzen also neben Hörmann und Schörghuber auch andere starke Marken in Ihrer Unternehmensgruppe?

Ja, auf jeden Fall. Eine Marke kann ja auch ein Wert an sich sein. Es wäre also nicht besonders schlau, einen solchen Wert ohne Not aufzugeben. Um in diesem Zusammenhang auf unsere jüngste Akquisition zurückzukommen: Dort, wo Pilomat eine starke Marke ist, etwa in ihrem Herkunftsland Italien, wird der Name bestimmt auf absehbare Zeit beibehalten. In anderen Regionen werden wir sicherlich den Namen Hörmann nut-zen – schon allein aus Bekanntheitsgründen.

Wenn »Flächen- und Gebäudesicherung« zu einem relevanten Geschäftsbereich Ihres Unternehmens werden soll, kann es kaum bei der Akquisition von Pilomat bleiben.

Wir bieten ja schon eine ganze Weile Produkte für die sogenannte Perimeter Protection an, Hof-Schiebetore zum Beispiel. Dass wir jetzt auch Poller im Programm haben, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Was uns aber sicher noch fehlt, sind Schranken und Zauneinrichtungen. Man muss sehen, ob unser Portfolio diesbezüglich in absehbarer Zeit erweiterbar ist, und falls ja, in welchem Umfang. Grundsätzlich aber können wir uns einen solchen Schritt vorstellen.

Nachdem Ihr Unternehmen auf mehreren Säulen ruht – Türen, Tore, Zargen, Antrie-be und, schon jetzt und demnächst noch mehr, auch auf Gelände- und Gebäudeschutz: Welchen Raum nimmt die Logistik ein?

Das hängt davon ab, wie weit man den Begriff Logistik fasst. Berücksichtigt man neben verladetechnischen Anlagen, also neben Ladebrücken, Torsystemen und -abdichtungen, auch unsere Produkte zur Optimierung logistischer Prozesse innerhalb von produktionstechnischen Bereichen, dann nimmt die Logistik im Hause Hörmann einen sehr großen Raum ein.

Lässt sich die Bedeutung der Logistik für Hörmann auch in Zahlen fassen?

Die Bereiche mitgerechnet, die in die industrielle Produktion hineinspielen, also nicht ausschließlich auf Dienstleister bezogen, macht die Logistik gut ein Drittel des von Hörmann erwirtschafteten Gesamtumsatzes aus.

Um den Bekanntheitsgrad eines Namens wie Hörmann zu erreichen, braucht es nicht nur hochwertige Produkte, sondern auch ein funktionierendes Marketing. Teil des Hörmann-Marketings ist die werbewirksame Präsenz des Firmennamens bei Sportveranstaltungen, beim Fußball etwa oder in der Saison 2016/2017 erstmals auch beim Biathlon. Beides kostet Geld. Lässt sich eigentlich messen, ob sich Ihr diesbezügliches Engagement am Ende auch auszahlt?

Am Ende hoffen wir, dass die werblichen Aktivitäten unseren Händlern helfen, Hörmann-Produkte zu verkaufen. Trotzdem, und obwohl wir uns große Mühe geben, vieles sehr akkurat zu messen: Auf Euro und Cent lässt sich der Erfolg von Werbung sicher nicht beziffern. Wobei man erwähnen muss, dass es auf unser Biathlon-Engagement viel positives Feedback gegeben hat. Das ist einfach gut angekommen.

Daran hat ja vielleicht auch Laura Dahlmeier ihren Anteil.

Ganz bestimmt sogar. Ein Highlight für uns war, dass Laura Dahlmeier einen ihrer Siege auf der Titelseite der »Bild«-Zeitung in einem Hörmann-Trikot feierte.

Knallt bei derlei Anlässen in Ostwestfalen auch schon mal ein Sektkorken?

Bei uns knallen Sektkorken schon aus ganz anderen Gründen (lacht).

Ganz sicher aber auch bei der Eröffnung des Hörmanns-Forums.

Ja, klar, das war ein sehr guter Grund zum Feiern. Das Forum fasst auf ganz eigene und sehr zeitgemäße Weise zusammen, wofür das Haus Hörmann steht.

Für ein in der vierten Generation geführtes, mittlerweile weltweit tätiges Familienunternehmen?

Auch, ja. Wir wollen Werte wie Beständigkeit, Qualitätsbewusstsein, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit transportieren, aber eben auch unsere Produkte in einem angemessenen Rahmen präsentieren. Darüber hinaus bietet das Hörmann-Forum Raum für Seminare, Schulungen und andere Veranstaltungen – auch aus dem kulturellen Bereich.

Apropos Kultur: Nicht nur vor und im Hörmann-Forum findet sich Kunst. Auch die gegenüberliegende Unternehmenszentrale, ein zweckmäßiges Bürogebäude, ist mit erfreulich vielen Bildern und anderen Kunstobjekten ausgestattet. Zudem fördert Hörmann auch den künstlerischen Nachwuchs. Bricht sich da eine Leidenschaft Ihrer Familie Bahn, Herr Hörmann?

Ja, sowohl auf Seiten meiner Eltern als auch, was meinen Bruder und mich betrifft. (Anmerkung der Redaktion: Wie sein Bruder Christoph ist auch Martin J. Hörmann persönlich haftender Gesellschafter der Hörmann KG. Selbiges gilt für ihren Vater, Thomas J. Hörmann.) Allerdings spielt unser Interesse an Kunst keine vordergründige Rolle. Es ist eher privater Natur. Hauptamtlich und in allererster Linie sind wir Torbauer. Das ist unser Metier. Davon verstehen wir was.

Von Kunst aber doch auch.

Nicht wirklich. Dann jedenfalls, wenn man uns mit richtigen Sammlern vergleicht. Gut, wir haben Bilder gesammelt. Aber das macht noch keine Sammlung im eigentlichen Sinne aus. Wir haben über die Jahre angeschafft, was uns gefällt – in Fällen, in denen uns auch die Künstler beziehungsweise die Galeristen gefielen. Ein roter Faden allerdings zieht sich nicht durch die Arbeiten. Ob Fotografie, Malerei oder Bildhauerei, das geht alles so ein bisschen durcheinander.

Ist man gar nicht gewöhnt von Hörmann, Herr Hörmann. Produkte und Bilanzen, immer alles prima. Wie ja wohl auch die Jahre 2015 und 2016. Lag’s am Niedrigzins und der regen Bautätigkeit?

Ja, die Bauwirtschaft hat einen positiven Verlauf genommen in 2015 und 2016. Das hat auch mit der Zinssituation zu tun. Aber doch in erster Linie mit der Tatsache, dass Deutschland in den letzten Jahren die Lokomotive war in Europa. Das hat sich in erfreulicher Weise auch auf unser Geschäft ausgewirkt. Bei aller Internationalisierung von Hörmann darf man ja nicht vergessen, dass unser Heimatmarkt, Deutschland, auch unser wichtigster Markt ist. Es gab Jahre, in denen der Auslandsanteil an unserem Gesamtgeschäft beinah höher ausgefallen wäre als der Inlandsanteil. Inzwischen aber hat das Deutschland-Geschäft umsatzmäßig wieder ganz klar die Nase vorn.

Und wie ist es um das Ausland bestellt? Welche Märkte bereiten dem Haus Hörmann dort besondere Freude?

Portugal und Spanien beispielsweise, weil beide das Tal der Tränen offensichtlich durchschritten haben.

Und die Sorgenkinder?

In Italien sieht man zwar Licht am Ende des Tunnels, mit einer raschen Erholung des Marktes allerdings ist nicht zu rechnen. Ein echtes Sorgenkind aber ist Osteuropa und dort vor allem Russland. Das liegt an der dortigen Konjunktur, aber auch an den gegen das Land verhängten Sanktionen. Sie haben unser dortiges Geschäft nicht eben beflügelt.

Was besonders gravierend ist, wenn man die Größe dieses Marktes zugrunde legt.

Russland ist ein sehr großer und damit auch ein sehr wichtiger Markt. Hörmann hatte sich dort stark engagiert und gut aufgestellt. Doch dann haben wir drei Jahre in Folge hohe zweistellige Prozentsätze verloren.

Auch in Brasilien, wo Hörmann ebenfalls eine eigene Gesellschaft unterhält, ist die Lage schon seit Jahren nicht gerade rosig.

Hörmann Brasilien ist noch ein kleines, zartes Pflänzlein. Da macht sich ein Rückgang des Marktes nicht so sehr bemerkbar.

… was für Märkte wie China und Indien kaum gelten dürfte.

Stimmt, wobei diese beiden Märkte auch kaum miteinander zu vergleichen sind. Verglichen mit Indien ist China von seinen Rahmenbedingungen und auch von seiner Infrastruktur her ein hoch entwickelter Markt, der es ermöglicht, Geschäfte eher problemlos abzuwickeln. In Indien dagegen ist das ungleich schwieriger. Das Land tritt seit Jahren, fast schon seit Jahrzehnten, auf der Stelle und kämpft zudem mit enormen bürokratischen Hemmnissen. Trotzdem laufen unsere Geschäfte dort ganz ordentlich. Aber dafür mussten wir viel investieren und viel anschieben.

Von den Märkten hin zur technischen Entwicklung: Alle Welt redet von Industrie 4.0, von vernetzten Prozessen und smarten Fa-briken. Hörmann auch?

Ja, also absolut, und zwar bezogen auf die verschiedensten Bereiche. Auf unsere eigene Produktion etwa, aber auch mit Blick auf unsere Produktentwicklung und auch unsere Händler. Mit welchen Systemen arbeiten sie? Und welche sind für sie von Nutzen? Das Leben läuft auf sämtlichen Ebenen sehr viel schneller als früher. Für die Optimierung von Prozessen gibt es eine Vielzahl völlig neuer Möglichkeiten, gerade was Automatisierung betrifft. Wer nicht ins Hintertreffen geraten will, muss diese Möglichkeiten, oder zumindest einen Teil davon, nutzen.

Dafür braucht es Orientierung und Know-how.

Richtig, und auch diesbezüglich leistet Hörmann seinen Beitrag. Etwa durch praxisorientierte Schulungen in einem neu gebauten Montagezentrum am Hauptsitz des Unternehmens in Steinhagen.

Zum Markenkern von Hörmann zählen nicht nur Produktqualität, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit, sondern auch Innovationsfreude. Sind der Lust am Neuen dennoch Grenzen gesetzt?

Ja, absolut. Neuentwicklungen müssen einen Sinn ergeben, müssen dem Anwender einen Mehrwert bieten, einen echten Nutzen eben. Ist dem nicht so, stellen wir das Produkt gar nicht erst her. Alles andere wäre rausgeschmissenes Geld. Und Geld rausschmeißen, das möchten wir nun gar nicht. Da sind wir ganz Ostwestfalen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2017