Combilift

»Wir müssen flexibel bleiben«

Der Gabelstapler-Hersteller Combilift hat im irischen Monaghan eine neue Fabrik eröffnet. »logistik journal« sprach mit Firmengründer und -chef Martin McVicar vor Ort über seine ambitionierten Wachstumspläne und den Brexit als Geschäftsrisiko. Interview: Tobias Rauser

04. September 2018
© Tobias Rauser
(© Tobias Rauser)

Herr McVicar, Sie haben sich für Combilift ehrgeizige Ziele gesteckt. Wie sieht Ihr Plan aus? 

Mit der neuen Fabrik hier in Monaghan und den damit verbundenen neuen Möglichkeiten wollen wir die Combilift-Produktion in den nächsten fünf Jahren verdoppeln. 

Auch durch Zukäufe? 

Nein. Wir wollen organisch wachsen. 

Noch ist die Größe von Combilift ja überschaubar. Ist das ein Vor- oder Nachteil? 

Erst einmal sind wir zwar noch klein, aber wir werden ambitioniert wachsen. Unser Ziel ist die Massenproduktion von maßgeschneiderten Produkten.

Hier müssen wir als Combilift flexibel bleiben, denn das ist eine unserer wichtigsten Stärken am Markt. Diese Flexibilität ist eine Herausforderung für die meisten anderen großen Hersteller, die Standardprodukte produzieren wollen. 

Es gibt auch Risiken in Ihren Wachstumsplänen. Wir sind hier im irischen Monaghan nur wenige Kilometer von Nordirland entfernt. Nach dem Brexit vielleicht die Außengrenze der EU. 

Der Ausgang der Brexit-Abstimmung vom Juni 2016 war nicht der, den wir erhofft haben. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Großbritannien ist mit 25 Prozent unser größter Exportmarkt. Und wir haben über 50 Mitarbeiter in unserer neuen Fabrik, die hier in Irland arbeiten und in Nordirland wohnen. Sie überqueren die Grenze jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit. Die Vereinbarung von EU, Irland und Großbritannien, dass es keine harte Grenze in Irland geben soll, hat unseren Mitarbeitern Sicherheit gegeben. 

Aber der »harte Brexit« ist doch noch möglich?

Wir wissen nicht, wie der Brexit am Ende ausfällt. Im schlechtesten Szenario steigen die Zölle und unsere Produkte werden in Großbritannien teurer. Selbst in diesem Fall sind wir zuversichtlich, dass unsere Kunden aufgrund des hohen Nutzens diese höheren Preise akzeptieren werden.

Vita

Martin McVicar (geboren 1972) startete seine Karriere mit 16 Jahren beim Hersteller Moffett Engineering, wo er schon mit 19 Chefingenieur wurde. Nach dem Verkauf von Moffett gründete McVicar zusammen mit Robert Moffett im Jahr 1998 die Firma Combilift. Das Unternehmen hat bisher über 40.000 Stapler in 85 Ländern verkauft.

Und Ihre Zulieferer? 

Ja, das ist die andere Herausforderung. Wir kaufen viele Materialien und Komponenten in UK. Seit ein »harter Brexit« wahrscheinlicher wird, ändern wir unsere Strukturen. Wir suchen neue Zulieferer in Kontinental-Europa. 

Was bedeutet Digitalisierung für einen Hersteller wie Combilift? 

In den nächsten fünf Jahren ist Telematik das wichtigste Thema. Ich denke, dass heute rund 30 Prozent der Stapler damit arbeiten. In den nächsten fünf Jahren wird Telematik zum Standard für alle.

Wenn wir aber den Markt betrachten, finden wir unterschiedliche Marken mit eigener Telematiksoftware. Das macht es auf lange Sicht komplex, da Kunden mit mehreren Marken auch mehrere Telematiksysteme handhaben müssen. Wir brauchen mehr Einheitlichkeit.

Ein Standard, der auch bei der Automatisierung wichtig ist. 

Ja, genau. Es betrifft genauso die Warehouse-Management-Software. Auch hier gibt es eine Vielzahl an Systemen da draußen. Wenn ein Unternehmen ein automatisiertes Fahrzeug entwickelt, welche Software ist da die richtige, um es beim Kunden zu integrieren? Ich denke, es ist der einfache Teil, den Stapler zu automatisieren. Diesen dann effizient im Lager des Kunden einzusetzen, das ist die größere Herausforderung. 

Wer soll diese Aufgabe lösen?

Das könnte etwas für die Googles dieser Welt sein – oder Softwareunternehmen, die gemeinsame Plattformen anbieten. 

Neue Combilift-Fabrik in Monaghan

Im Sommer hat Combilift seine neue Fabrik und den globalen Hauptsitz im irischen Monaghan nahe der nordirischen Grenze eröffnet. Der Bau der 46.500 Quadratmeter großen Fertigungsstätte – eine der größten Irlands – hat das Unternehmen 50 Millionen Euro gekostet, rund 550 Mitarbeiter arbeiten dort. Das Gelände ist 40 Hektar groß. »Damit ist viel Platz für zukünftiges Wachstum«, sagt Firmenchef Martin McVicar. Combilift will in Monaghan die »Massenproduktion von maßgeschneiderten Produkten« (siehe Interview) umsetzen – Stichwort »mass customisation«. Die vier Montagelinien des Werks produzieren alle 15 Minuten ein fertiges Gerät.

Erschienen in Ausgabe: 04/2018

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