»Wir setzen neue Maßstäbe«

Interview - Die Anforderungen an den innerbetrieblichen Materialfluß haben sich gewandelt ? sagt Linde MH-Geschäftsführungsmitglied Georg Silbermann. Außerdem sagt Silbermann, wie sein Haus auf die Herausforderungen reagiert.

09. Juni 2005

Logistik Journal: Herr Silbermann, Linde hat 2005 zum Jahr der Lagertechnik ausgerufen. Vor diesem Hintergrund ist von bedeutenden Neuentwicklungen die Rede. Worauf darf der Markt sich einstellen?

Georg Silbermann: Die Anforderungen an den innerbetrieblichen Materialfluß haben sich in den vergangenen Jahren spürbar gewandelt. Vor allem in Lagern und Logistikzentren brauchen unsere Kunden Fahrzeuge, deren Funktionen einerseits perfekt auf die jeweiligen Einsatzbedingungen abgestimmt sind. Das erfordert kundenspezifische Lösungen. Andererseits stehen Kosten- und Wirtschaftlichkeitsaspekte im Fokus jeder Kaufentscheidung. Zudem gilt es, den Fahrer zu schützen und zu unterstützen. Demnach verfolgen alle Innovationen, die in diesem Jahr auf den Markt kommen, zwei Ziele.

Erstens verfügen sie über eine sehr flexible Bauweise und machen zweitens den Einsatz der Fahrzeuge durch vorbildlichen Bedienkomfort noch wirtschaftlicher und sicherer. Den Start ins Jahr der Lagertechnik machte im März eine neue Generation von Niederhubwagen mit Fahrerplattform für Traglasten von 2,0 und 2,4 Tonnen. Bei den Modellen Linde T20 SP/T24 SP steht der Fahrer im Winkel von 45 Grad zur Fahrtrichtung und bedient alle Fahr- und Hubfunktionen mit einer Hand. Die Fahrgeschwindigkeit paßt sich der Lenkung an, das heißt, bei Kurvenfahrten wird das Gerät automatisch langsamer. Seitliche Stützräder mit hydraulischem Dämpfungssystem und Neigungssensorik sichern selbst auf schiefen Ebenen und bei Bodenunebenheiten ein stabiles Fahrverhalten.

Im Oktober feiert unser Produkt-Highlight des Jahres Premiere. Es setzt neue Maßstäbe in der Königsklasse der Lagertechnik und steht zusammen mit weiteren Neuentwicklungen im Mittelpunkt der Cemat. Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß ich dazu momentan nicht viel verraten möchte. Soviel sei aber hier versprochen: Der Weg nach Hannover wird sich für die Besucher auf jeden Fall lohnen. Mit den Plattformhubwagen ist gleichzeitig der Startschuß für eine neue Herstellungsgeneration gefallen, die durch starke Standardisierung der Bauteile innerhalb einer Produktreihe gekennzeichnet ist. Das Matrix-Konzept (s. Kasten links) erlaubt uns, in Zukunft sehr flexibel auf die Wünsche unserer Kunden einzugehen. Bei der Umsetzung hilft uns eine hochmoderne Fertigungsstrategie, die wir in unserem französischen Werk in Châtellerault etabliert haben.

LJ: Was sagt uns hier Ihr Slogan »Kraft durch Innovation«?

GS: Forschung und Entwicklung nehmen bei Linde traditionell einen hohen Stellenwert ein. Denn Innovationen sind der Katalysator jeder Produktverbesserung. Wenn unsere Kunden heute einen Linde-Stapler kaufen, dann tun sie dies, weil sie wissen, daß moderne Staplertechnik Wettbewerbsvorteile schafft. Mit leistungsfähigen, wirtschaftlichen Staplern sinken die Kosten des innerbetrieblichen Materialflusses, und es entsteht ein positiver Beitrag zum Unternehmenserfolg. Der Erfolg unserer Kunden ist dabei denkbar eng mit unserem Erfolg verknüpft.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit sind die Diesel- und Treibgasstapler Linde 39x. Das Fahrzeugkonzept setzt bei Bedienkomfort, Treibstoffverbrauch, Präzision und Umschlagleistung neue Maßstäbe, die Wirtschaftlichkeit der Stapler ist signifikant höher. Wie sehr der Markt diese fortschrittliche Technik honoriert, zeigen unsere beträchtlichen Marktanteilssteigerungen seit der Einführung im Jahr 2002. Deshalb werden unsere Ingenieure auch in Zukunft alles daran setzen, Linde-Stapler mit neuen Entwicklungen noch vorteilhafter zu machen.

LJ: Wie werden Sie Ihren Anspruch, zu den besonders innovativen Herstellern zu gehören, auf der diesjährigen Cemat unterstreichen?

GS: Wie bereits erwähnt, präsentieren wir zur Cemat eine ganze Reihe neuer Fahrzeuge, die einmal mehr unter Beweis stellen, daß ein Ende der technologischen Entwicklung bei Staplern und Lagertechnikgeräten noch lange nicht erreicht ist. Zudem wollen wir unsere Besucher davon überzeugen, daß wir auch bei produktbegleitenden Dienstleistungen und Service-Angeboten zu den führenden Anbietern zählen. Dafür haben wir in den letzten Jahren viel getan. Zweckmäßige Software unterstützt die Verkaufsberater unserer Händler bei der Suche nach der optimalen Materialflußlösung.

Hinzu kommen maßgeschneiderte Finanzierungskonzepte, flexible Serviceverträge, Ausbildung der Staplerfahrer und ein Flottenmanagementsystem für Zugangskontrolle und Einsatzoptimierung. In einem übersichtlichen Dienstleistungspaket mit dem Namen »Pro-Log« stellen alle unsere Händler diese Leistungen ab sofort zur Verfügung. Unser prominenter Messestand unter dem Expo-Dach ist eine gute Gelegenheit für alle interessierten Flottenbetreiber, uns als kompetenten Service-Partner kennen zu lernen.

LJ: Apropos Cemat? Wie steht Linde MH der ersten eigenen, aus der Industriemesse Hannover herausgelösten Cemat gegenüber, die jetzt als »Weltleitmesse für Intralogistik« an den Start geht?

GS: Wir stehen der ersten eigenständigen Cemat sehr positiv und erwartungsvoll gegenüber und setzen alles daran, dem neuen Konzept zum Erfolg zu verhelfen. Alle Weichen sind meiner Meinung nach gestellt. Ein klar fokussiertes Messekonzept empfängt die Messebesucher aus dem In- und Ausland. Auf diese Weise können sich Flottenbetreiber in relativ kurzer Zeit über alle wichtigen Neuheiten und Trends informieren, ohne den Überblick zu verlieren.

Bis dato haben sich bereits über 800 Aussteller der Intralogistik-Branche angemeldet. Das macht die Cemat für Kunden und Interessenten, aber auch für uns als Hersteller zu einem Termin, den man einfach nicht missen kann. Sollte es gelingen, die Cemat bereits im ersten Jahr als »Weltleitmesse für Intralogistik« zu etablieren, wäre dies wirklich ein entscheidender Schritt für unsere Branche hin zu einem eigenen Selbstverständnis.

LJ: Das vergangene Geschäftsjahr ist für Linde MH äußerst erfreulich verlaufen. Wie sieht Ihre Prognose für 2005 aus?

GS: Wir erwarten für das Jahr 2005 erneut ein Wachstum auf dem Weltmarkt für Fördertechnik allerdings etwas verhaltener, mit geringeren Steigerungsraten. Unser Ziel ist es, überproportional an dieser Entwicklung zu partizipieren. Dabei soll uns die aktuelle Lagertechnik-Offensive ebenso helfen wie unser dichtes, weltweites Vertriebsnetz mit seinem leistungsstarken Service. Parallel dazu setzen wir unsere Anstrengungen bei Kostensenkung und Restrukturierung sowie die Optimierung unserer Prozesse unvermindert fort.

LJ: Wie schätzen Sie die mittelfristige Entwicklung des Rental- bzw. Leasing-Geschäfts von Linde MH ein, und mit welchem Anteil am Gesamtumsatz rechnen Sie diesbezüglich?

GS: Der Trend zur Staplerfinanzierung hält unvermindert an. Dabei kommt dem Rentalgeschäft, das Finanzierungsverträge mit Fullservice-Leistungen verbindet, eine Schlüsselrolle zu. Für einen fest kalkulierbaren, monatlichen Betrag verfügen die Betreiber über eine hochmoderne, stets einsatzbereite Staplerflotte. Unliebsame Überraschungen in Form hoher Reparaturkosten durch veraltete Geräte gehören der Vergangenheit an. Zudem lassen sich die gesamten Raten als Kosten steuerlich geltend machen, und die Investition erfolgt liquiditätsschonend.

Verstärkt wurde der Trend zur Finanzierung in letzter Zeit zusätzlich durch die Verlängerung der gesetzlich vorgeschriebenen Abschreibungszeiten bei Flurförderzeugen von fünf auf acht Jahre. Damit hat das Rental- und Leasinggeschäft nochmals an Attraktivität gewonnen. Last but not least sprechen die in jüngster Zeit zu verzeichnende, restriktivere Kreditvergabepolitik der Banken und die veränderten Bedingungen in Hinblick auf BASEL II für eine Nutzung von Finanzierungskonzepten. Wir erwarten deshalb, daß sich der Trend zu geleasten Flotten in den kommenden Jahren weiter verstärkt. Ob in Deutschland allerdings die hohen Zahlen aus Großbritannien erreicht werden, bleibt abzuwarten. Dort wird mittlerweile nur noch jeder fünfte Stapler gekauft. In Deutschland rechnen wir mittelfristig damit, daß der Umsatzanteil der Rental- und Leasinggeschäfte auf 70 Prozent steigt.

Das Matrix-PrinzipDer Kunde erhält Fahrzeuge nach Maß

Im französischen Werk von Linde wird mit hochmodernen Methoden gefertigt. Das Matrix-Konzept ist durch eine hohe Standardisierung der Bauteile und eine einzige, für alle Fahrzeuge verwendete Struktur gekennzeichnet. Es ähnelt somit dem Baukastensystem: Originäre Elemente wie Motor, Aggregatsraum und Energiebereich bilden den Kern des Fahrzeugs. Zu diesem Kern können weitere Module entsprechend den Vorgaben des Kunden hinzugefügt werden, ohne daß dadurch eine Sonderanfertigung entsteht. Dennoch erhält der Kunde ein exakt auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Fahrzeug.

Erschienen in Ausgabe: Fördertechnik/2005