»Wir spielen in der Champions League«

Klartext / Dr. Lars Brzoska, Jungheinrich

Flurförderzeuge und Logistiksysteme - Jungheinrich legt eine neue Dynamik an den Tag. Sie zielt unter anderem darauf ab, so Vertriebsvorstand Dr. Lars Brzoska, dass die exzellenten Produkte und Services seines Hauses ihrer Qualität entsprechend wahrgenommen werden. Interview: Michael Weilacher

13. Oktober 2015

Eine rundum positive! Die ambitionierten Ziele, die wir uns als Unternehmen für dieses Jahr gesetzt haben, sind entweder schon erreicht oder auf einem guten Weg.

Klingt so, als ob einiges passiert bei Jungheinrich. Können Sie Beispiele nennen?

Die wichtigste Veränderung, die wir zurzeit im Gesamtunternehmen durchlaufen, ist die Weiterentwicklung unserer Führungs- und Unternehmenskultur. Dies ist notwendig, um den Veränderungen in den Märkten und in der Welt Rechnung zu tragen.

Das hört sich immer noch einigermaßen abstrakt an, Herr Dr. Brzoska.

Wenn über die Entwicklung in der Führungs- und Unternehmenskultur gesprochen wird, dann klingt das grundsätzlich etwas abstrakt. Nun aber konkret: Auf unserer diesjährigen Executive Management Konferenz, an der rund 160 Jungheinrich-Führungskräfte aus aller Welt teilnahmen, haben wir eine Initiative unter dem Titel »Jungheinrich Way of Leadership« gestartet. Dieses Programm wird jede Führungskraft des Konzerns durchlaufen, es zielt aber auch auf alle anderen Mitarbeiter des Unternehmens ab. Die Weiterentwicklung unserer Führungs- und Unternehmenskultur ist die Grundlage dafür, auch in Zukunft im Markt erfolgreich zu sein.

Was genau, Herr Dr. Brzoska, ist denn unter dem »Jungheinrich Way of Leadership« zu verstehen?

Jungheinrich hat bisher eher zurückhaltend im Markt agiert. Dabei kamen an einigen Stellen wichtige Aspekte wie Unternehmertum, Mut, Vertrauen, Verantwortung und Resultatorientierung etwas zu kurz. Diese Aspekte stärken wir jetzt, in dem wir die gesamte Mannschaft in die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur einbeziehen.

Das heißt?

Alle Mitarbeiter inklusive der Führungskräfte müssen die eben genannten Aspekte stärken. Darüber hinaus genügt es nicht, viele gute Einzelspieler zu haben. Die Kunst ist es, aus diesen ein in sich geschlossenes Team zu formen. Dann ist dieses Team auch in der Lage, um in der Fußballersprache zu bleiben, auf dem Feld Top-Leistungen abzuliefern. Jungheinrich, so viel ist sicher, spielt als Hersteller von Flurförderzeugen und Anbieter von Intralogistiklösungen jetzt schon in der Champions League. Das müssen wir unterstreichen.

Ein anderes Marketing also?

Halten wir zunächst einmal fest, Jungheinrich hat alles zu bieten: eine hervorragende Mannschaft mit hoher Kompetenz, exzellente Produkte und Lösungen und einen erstklassigen Service. Hier sind wir in der Branche Benchmark! Wichtig ist, dass wir unseren Kunden den Mehrwert unserer Leistungen, also den Nutzen, verdeutlichen und – besonders wichtig – auch jeden Tag unter Beweis stellen. Jungheinrich benötigt auch einen noch stärkeren Marktauftritt. Das betrifft nicht nur das klassische Marketing, sondern erstreckt sich auf das ganze Unternehmen und die gesamte Mannschaft.

Ein stärkerer Auftritt, ob Marketing oder Vertrieb, verlangt auch stärkeres Teamwork.

Ja, aber nicht nur das – auch stärkeres unternehmerisches Denken, mehr Mut zu neuen Wegen, mehr Mut zur Übernahme von Verantwortung, mehr Mut sogar, auch mal einen Fehler zu machen.

Bis hinein in die mittleren und die unteren Ebenen?

Komplett durch alle Ebenen. Den Jungheinrich-Way soll jeder im Unternehmen gehen, egal ob mit oder ohne direkte Führungsverantwortung, egal ob in unserem Kernmarkt Europa oder in anderen Märkten der Welt.

Die Ziele von Jungheinrich, Sie sagten es bereits, Herr Dr. Brzoska, sind ja durchaus ambitioniert. Im vergangenen Geschäftsjahr noch bei einem Umsatz von 2,5 Milliarden Euro, soll er bis 2017 auf 3 Milliarden steigen – ein relativ kurzer Zeitraum zum Erreichen von relativ viel Umsatz.

Auch hier gilt: Wir sind gut unterwegs, das bestätigen die Zahlen. Jungheinrich ist ein überdurchschnittlich schnell und nachhaltig wachsender Anbieter im Flurförderzeug-Markt – und das profitabel. Im Übrigen: Auch über 2017 hinaus wollen wir unser Wachstum deutlich beschleunigen.

Wo will Jungheinrich denn umsatzmäßig, sagen wir, 2020 stehen?

Das hängt natürlich in erster Linie von der Entwicklung der Märkte ab, darauf haben wir keinen Einfluss. Wir haben aber eine Vielzahl von Projekten und Maßnahmen eingeleitet, die uns bei einer – sagen wir – »normalen« Entwicklung der Weltmärkte in Richtung 4 Milliarden Euro Umsatz bringen werden. Zu diesen zählen unter anderem der Aufbau neuer Direktvertriebseinheiten insbesondere auch außerhalb von Europa, eine große Anzahl an Produktinnovationen sowie der weitere Ausbau unseres umfassenden Servicenetzwerks, um nur einiges zu nennen. Hinzu kommt unser Systemgeschäft. Der Erwerb der MIAS Group war ein ebenso logischer wie weiterführender Schritt in diesem Bereich. Die exzellenten Produkte von MIAS passen hervorragend zum Jungheinrich-Portfolio. Außerdem stärkt diese Arrondierung unsere technologische Kompetenz weiter, und wir freuen uns auch, eine topausgebildete, hochmotivierte Mannschaft an Bord zu holen! Und – ich betone es noch einmal – die Einführung des »Jungheinrich Way of Leadership« ist die Grundlage für die weitere erfolgreiche Entwicklung von Jungheinrich. Man kann die besten Strategien entwickeln, wenn man die Zusammenarbeit nicht hinbekommt, wenn man das Führungsverhalten nicht ändert, dann bleibt auch ein noch so kluges Konzept schwarze Schrift auf weißem Papier.

Aber Führung allein reicht doch nicht, um anspruchsvolle Unternehmensziele zu erreichen.

Wie bereits erwähnt. Unabdingbar sind exzellente Produkte und Lösungen gepaart mit einem erstklassigen Service. Aber es bedarf natürlich auch der richtigen Mitarbeiter in den richtigen Positionen. Daher hat sich Jungheinrich in den zurückliegenden anderthalb Jahren insbesondere auch im Vertrieb organisatorisch wie personell verändert und dadurch deutlich verstärkt.

Das heißt, die Mannschaft steht?

Die Mannschaft steht. Und das ist ausschlaggebend für unseren Erfolg. Wichtig ist, dass Jungheinrich stets darauf bedacht ist, insbesondere auch eigene Mitarbeiter in die richtigen Positionen zu bringen, sie zu fördern und für weiterführende Aufgaben zu qualifizieren. Aber auch für externe High Potentials gilt: Wer Talent hat und Willen, rennt bei uns offene Türen ein. Das ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Unternehmenskultur.

Genau wie das Streben nach einer noch positiveren Wahrnehmung?

In der Vergangenheit wurden wir als eher konservativ wahrgenommen, haben uns unter Wert präsentiert. Das müssen wir ändern! Viel ist schon erreicht, in manchen Bereichen ist diesbezüglich aber auch noch einiges zu leisten. Ziel bleibt die von uns angestrebte »Market Excellence«. Bei allem, was wir tun, müssen wir als exzellentes Unternehmen mit exzellenten Produkten und Lösungen wahrgenommen werden. Das schulden wir unseren Kunden und letztendlich auch uns selbst.

Insgesamt, Herr Dr. Brzoska, hat man den Eindruck, dass Jungheinrich eine neue Dynamik an den Tag legt. Liegen wir mit dieser Einschätzung richtig?

Ja, Jungheinrich hat an Fahrt zugelegt. Wobei die Dynamik eines Unternehmens nicht Selbstzweck sein darf. Sie muss sich ausschließlich an den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden orientieren. Unsere Kunden zufriedenzustellen, bleibt unser oberstes Unternehmensziel. Das ist der Grund dafür, in jedem unserer Märkte mit einer hoch motivierten, qualifizierten Mannschaft am Start zu sein, eben eine exzellente Performance hinzulegen.

Und wir dachten immer, Jungheinrich sei bereits ein Top-Performer.

Sind wir ja auch. Was uns aber nicht daran hindert, unsere Stärken weiter auszubauen und Schwachstellen zu beseitigen. Nur so bleibt man in einem wettbewerbsintensiven Umfeld an der Spitze.

Bei den verbrennungsmotorischen Geräten dürften Sie aber noch zulegen wollen.

Sicher, im Bereich der Gegengewichtsstapler haben wir noch Potential und können noch Marktanteile hinzugewinnen, obgleich wir sowohl im Segment der Verbrenner als auch im Elektro-Gegengewichtsbereich jetzt schon stark wachsen. Ganz zu schweigen von den Möglichkeiten Jungheinrichs bei der Lagertechnik und im Bereich der Logistiksysteme. Hier haben wir viele namhafte Referenzen, die unsere Qualität auch in diesem Marktsegment eindrucksvoll belegen. Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass wir in Summe sehr gut aufgestellt sind.

Beinhaltet das auch das Thema Technologie? Müssen oder wollen Sie auf diesem Gebiet die Nummer eins sein?

Auch wenn ich mich wiederhole: Was zählt, ist der Nutzen, den der Kunde aus unseren Produkten ziehen kann. Allerdings sind wir als Premiumanbieter mit dem Anspruch der Nutzenführerschaft durchaus auch technologiegetrieben. Das Ergebnis, die erstklassige Qualität unserer Produkte, spricht für sich. Fakt ist aber auch, dass insbesondere Märkte außerhalb Europas oft auch einfachere Fahrzeuge mit einer geringen Optionsvielfalt brauchen. Nicht überall auf der Welt besteht ein Bedarf an Hightech- und Premium-Produkten. Insofern orientieren wir uns auch bei der Produktentwicklung für die Emerging Markets am Kundenbedarf. Von Jungheinrich bekommt der Kunde genau das Fahrzeug oder das System, das er zur Bewältigung seiner Aufgaben braucht – nicht mehr und nicht weniger und überall auf der Welt. Dass wir dabei besser sein wollen als unsere Wettbewerber, versteht sich von selbst.

Anders als etwa Brasilien bereitet Nordamerika den Global Playern unter den Logistikern nach einer langen Durststrecke wieder viel Freude. Ihnen auch?

Wir kommen in Nordamerika gut voran. Nicht zuletzt, weil wir in unserer Kooperation mit Mitsubishi Caterpillar Forklift America unter anderem auch maßgeschneiderte Produkte entwickelt haben – und das nicht nur für Nordamerika, sondern auch für Mittel- und Südamerika sowie für den Nahen Osten, die APAC-Region und sogar für Europa.

Dann schauen wir einmal von West nach Ost. Wie, Herr Dr. Brzoska, schätzen Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage in China ein?

Der dortige Markt war und bleibt stark. Den kurzfristigen Börsen-Dip sollte man nicht dramatisieren, jedoch sorgfältig beobachten. Jungheinrich ist in China seit gut elf Jahren mit einer eigenen Top-Mannschaft vertreten und gut im Markt unterwegs. Das wird sich auch so fortsetzen, übrigens auch mit Produkten speziell für den chinesischen Markt. China ist ein großes Land mit einem umfassenden Bedarf an Flurförderzeugen und intralogistischen Lösungen. Davon wird Jungheinrich auch in Zukunft profitieren. Die stärkere Volatilität der Märkte aber, eben auch des chinesischen, bleibt eine Herausforderung für jedes Management.

Apropos Management, Herr Dr. Brzoska, welche Attribute fallen Ihnen in diesem Zusammenhang zu Jungheinrich ein?

Leidenschaft, Professionalität, Zuverlässigkeit! Das Jungheinrich-Management ist an einer langfristigen, nachhaltigen und aufrichtigen Beziehung zu Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern interessiert. Nur in einer festen, vertrauensvollen Partnerschaft kann man zielorientiert und für beide Seiten gewinnbringend arbeiten. Und bei aller geschäftlicher Ernsthaftigkeit: Die Arbeit muss auch Spaß machen, um letztendlich ganz oben in der Champions-League dabei zu sein.

Erschienen in Ausgabe: 05/2015