»Wir werden jeden Tag besser«

Unternehmen / Hyundai Forklift Department

Gabelstapler - Die Marke kennt jeder. Dass Hyundai aber seit 2002 auch Gabelstapler und Lagerhausgeräte herstellt, wissen längst nicht alle, die es wissen sollten. Denn mit eigener Produktphilosophie und dem Anspruch, jeden Tag besser zu werden, wollen die Staplerbauer aus Korea gegenüber den alteingesessenen Herstellern Boden gut machen. Ein Gespräch mit Michel de Weert, Hyundai Forklift Sales Manager Europe. Gesprächspartner: Michael Weilacher

02. September 2013

Herr de Weert, der Weltmarkt für Flurförderzeuge ist auf hohem Niveau vergleichsweise stabil. Wie liegt Hyundai im Rennen?

Wenn man bedenkt, dass Hyundai mit Gabelstaplern und Lagertechnikgeräten erst seit 2002 unterwegs ist, können wir auf das Erreichte durchaus stolz sein. Immerhin bewegen wir uns in einem sehr wettbewerbsintensiven Markt. Und innerhalb dieses Umfelds wollen wir unsere Position sukzessive verbessern.

Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Wachstum erfordert Geduld. Man braucht einen langen Atem, wenn man profitabel wachsen will. Und natürlich auch die passenden Produkte. Schauen Sie sich nur mal unsere Flotte an. Nach elf Jahren in diesem Markt haben wir schon die vierte Staplergeneration am Start. Da können nicht viele mithalten. Zudem unterstreicht die stetige Neuentwicklung von Geräten, wie stark das Commitment unserer Konzernmutter gegenüber ihrer Staplersparte ist, und zwar weltweit wie auch auf europäischer Ebene. Hyundai ist da, um zu bleiben. Gerade jetzt zum Beispiel bringen wir den neuen Elektrostapler der Serie 9 auf den Markt.

Nimmt Hyundai bei seiner Marktpräsenz neben den Höhen auch Tiefen in Kauf?

Aber ja, natürlich. Im Wirtschaftsleben gibt es nicht nur Highlights. Damit muss man leben. Allerdings versuchen wir, die Zahl unserer Lowlights möglichst niedrig zu halten. Wenn ein Fehler passiert ist, wiederholen wir ihn nicht, sondern lernen daraus. Wir werden jeden Tag besser. Wenn man so will, befinden wir uns in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

Kann man das denn auch an Ihren Verkäufen ablesen?

Ja, definitiv. Verkaufsvolumen und Umsatz unserer Organisation haben über die Jahre stetig zulegt. 2012 haben wir weltweit 18.000 motorisierte Flurförderzeuge verkauft. Allein in Europa haben wir von 2010 bis 2012 ein jährliches Wachstum von 20 Prozent pro Jahr erreicht – nicht schlecht für ein Unternehmen, das erst seit gut einem Jahrzehnt im Staplermarkt aktiv ist, finde ich.

In Europa und speziell in Deutschland sehen Sie sich starker heimischer Konkurrenz gegenüber – ein Handicap der besonderen Art?

Nein, eine Gegebenheit, mehr nicht. Aber natürlich haben Sie Recht: Die Märkte unterscheiden sich. In Korea, unserer Heimat, sind wir die Nummer eins und nicht eine deutsche oder eine japanische Marke. Wer in einer bestimmten Region zu Hause ist, hat den Heimvorteil.

Im Vorteil ist aber auch der, der besonders gute Geräte anbietet.

Richtig, aber das hängt ganz entscheidend von der Definition des Adjektivs »gut« ab. Was ist ein »guter« Stapler? Ein rollender Computer mit allerlei Schnickschnack? Mit einer großen Zahl von Optionen, die zwar bezahlt werden müssen, die aber im Grunde niemand braucht? Oder ist ein »guter« Stapler doch eher ein technisch unkompliziertes Gerät, das zuverlässig seine Arbeit macht und dabei ein auch noch weniger kostet?

Das hängt allein vom Kunden und von dessen Ansprüchen ab.

Stimmt, aber was wirklich zählt, ist doch die Wirtschaftlichkeit des Staplers, seine Leistungskraft in Verbindung mit größtmöglicher Verfügbarkeit. Hier bietet Hyundai ein wirklich sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Und was ist mit der C02-Debatte und dem »Carbon Footprint«? Ist es nicht so, dass auch die Umweltverträglichkeit eines Gabelstaplers bei der Kaufentscheidung eine immer größere Rolle spielt? Ihre Fahrzeuge, Herr de Weert, werden nach dem Prinzip »keep it simple« konstruiert. Wie steht’s in diesem Zusammenhang um die allgemein erhobene Forderung »keep it clean«?

Ein weniger aufwendig konstruiertes Fahrzeug muss doch nicht zwangsläufig ein weniger umweltfreundliches Gerät sein. Alle unsere Maschinen entsprechen den geltenden Emissionsvorschriften, sind also in jeder Hinsicht gesetzeskonform. Wenn sie wegen ihrer unkomplizierten Bauweise auch noch mit dem Schraubenschlüssel statt mit dem Laptop repariert werden können – umso besser. Und was den »Carbon Footprint« betrifft: Unser Mutterkonzern handelt nach dem Motto »Together we built a better future«. Und glauben Sie mir, diese Aussage nehmen alle bei Hyundai sehr ernst, auch und gerade was den Umweltschutz angeht.

Speziell der europäische Markt hat nun mal bestimmte Ansprüche.

Wie gesagt: Die Märkte und ihre Anforderungen an einen Gabelstapler sind sehr unterschiedlich. Während der europäische, zumindest der westeuropäische Markt, eher anspruchsvoll beziehungsweise technologieorien-tiert ist, sieht die Sache in Südostasien schon ganz anders aus. In Kambodscha sind Umweltnormen oder gesundheitsdienliche Ergonomie-Konzepte noch nicht das große Thema. Aber mit Blick auf Europa unternehmen wir alle Anstrengungen, um unsere Maschinen den Wünschen der Kunden anzupassen.

Von einem Weltkonzern wie Hyundai muss man das auch erwarten können.

Kann man auch. Wer unser Haus kennt, der weiß, welch hohe Ansprüche in Sachen Umweltschutz wir an uns selbst stellen, an unsere Produkte. Allerdings müssen auch Umwelt-Features bezahlbar bleiben und einen wirklichen Nutzen haben. Es ist ja nicht eine einzelne Technologie, die sämtliche Vorteile auf sich vereint. Bisweilen erreicht man seine Umweltziele ja auch durch die kluge Kombination unterschiedlicher Technologien. Daran arbeiten wir – und werden immer besser.

Auch mit Blick auf den europäischen Markt?

Ja, zum Beispiel mit den europaspezifischen Maschinen, an denen unsere Ingenieure arbeiten. Aber natürlich schauen wir auch auf die anderen Märkte. Gerade in den Emerging Markets haben wir sehr gute Karten. Da haben wir auch gegenüber dem Wettbewerb große Vorteile.

Große Vorteile, Sie erwähnten es bereits, hat auch der, dessen Geräte einwandfrei funktionieren, die hoch verfügbar sind und nur wenig anfällig.

Absolut richtig, und genau diese Maschinen liefern wir.

Und falls doch mal ein Problem auftritt? Wie ist es um Ihren Service bestellt.

Auch diesbezüglich haben wir in den zurückliegenden Jahren große Fortschritte gemacht. Im Regelfall ist ein Servicetechniker schnell zur Stelle. Steht der Kunde vor einem größeren Problem, stellen wir ihm ein Ersatzgerät vor die Tür. Auch die Ersatzteilbeschaffung stellt kein Problem dar. Selbst selten nachgefragte Teile sind im Regelfall innerhalb von 48 Stunden beim Kunden. Unser Zentrallager für Europa befindet sich im belgischen Geel, wo wir derzeit viel Geld in die Hand nehmen und innerhalb der nächsten zwei Jahre auf 10.000 Quadratmetern ein neues europäisches Headquarter bauen.

Für Ihre breite Produktpalette brauchen Sie ja auch reichlich Platz.

Ja, keine Frage, das ist so. Mit unserer breiten Range vom Handhubwagen bis zum Schwertlaststapler sind wir inzwischen ein echter Full-Liner.

Auch auf dem Gebiet der elektromotorisch angetriebenen Fahrzeuge, bei jenen Geräten also, die speziell in Europa zahlenmäßig immer weiter zulegen?

Ja, auch bei den Elektrogeräten, lagertechnische Produkte und so weiter. Auch damit liegen wir gut im Rennen, können aber noch jede Menge Boden gutmachen. Unsere Entwicklungsingenieure sind fleißige Leute.

Auch wenn es um die Entwicklung wirklicher Spezialgeräte geht.

Natürlich gibt es zahlenmäßig Grenzen nach unten. Geräte zu bauen, die hohe Entwicklungskosten verursachen, im Verkauf aber nur niedrige Stückzahlen bringen, lohnt sich nicht. Jedenfalls nicht für einen Großkonzern wie Hyundai. Wir sind ganz eindeutig ein Volumenhersteller, einer, der große Stückzahlen produzieren will und muss. Denken Sie nur an die hohe Zahl unserer Mitarbeiter. Auf Konzernebene waren es im Jahr 2012 rund 25.000.

Noch mal zurück zu den Staplerzahlen. Funktioniert der Verkauf noch immer am besten über den Gerätepreis? Oder betrachtet der Kunde inzwischen nicht doch eher die Kosten, die der Stapler über seine komplette Lebens- beziehungsweise Einsatzdauerverursacht?

Die Toal Costs of Ownerships, also die Gesamtkosten, die ein Stapler verursacht, rücken immer stärker ins Blickfeld. Aber natürlich geht auch weiter viel über den reinen Gerätepreis. Doch egal welche Betrachtungsweise gerade gilt: Hyundai kann sicher mithalten.

Auch was den Vertrieb beziehungsweise die Marktabdeckung angeht?

Wer sich für ein Hyundai-Gerät interessiert, hat alle Möglichkeiten, dies zu tun, egal ob im Gespräch mit dem nächstgelegenen Händler, auf Messen oder via Internet. Auch telefonisch, Sie werden es kaum glauben, kann man uns jederzeit erreichen. Richtig ist aber, dass wir unser Netzwerk noch stärker ausbauen müssen. Auch diesbezüglich liegt noch ein gutes Stück Wegstrecke vor uns.

Wie wäre es denn mit Direktvertrieb?

Direktvertrieb ist auch für uns eine Option, aber nur in Verbindung mit dem Händler vor Ort. Der Händler kennt die Bedürfnisse des Kunden am besten. Er ist sozusagen der Staplerexperte vor der Haustür.

»Keep it simple« also nicht nur in Sachen Konstruktion, sondern auch, was den Umgang mit dem Kunden betrifft?

Ja, auf jeden Fall, der Kunde möchte unkomplizierte Lösungen.

Mit einfachen Lösungen müsste Ihr Haus auch und gerade in Nordamerika viele Kunden finden. »Keep it simple« ist ja beinah so etwas wie ein uramerikanisches Prinzip.

Richtig, une deshalb kommen wir, was die Absatzzahlen unserer Geräte angeht, in Nordamerika wirklich gut voran – wobei wir noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben.

Das dürfte auch für Deutschland gelten, also für den wichtigsten Staplermarkt in Europa. Wie wollen Sie hier Marktanteile hinzugewinnen. Denn um Marktanteile geht es doch, oder?

Sicher, ja. Auch große Märkte stoßen an Wachstumsgrenzen. Da ist ja nicht unendlich viel Luft nach oben.

Aber genug Luft für Hyundai?

Na klar. Unsere Geräte sind gut, und der Preis stimmt auch. Warum also sollten wir nicht mittel- und langfristig ein größeres Stück vom Kuchen abbekommen?

Vielleicht weil die anderen Hersteller dem Kunden auch gute Angebote machen?

Dann muss unser Angebot eben besser – oder anders formuliert – vernünftiger sein. Denn nicht alles, was der Kunde angeboten bekommt, nutzt ihm auch. Wir bei Hyundai dagegen schauen immer darauf, dass jedes unserer Geräte, jedes Feature, dem Kunden einen echten Mehrwert bietet.

Der Hyundai-Stapler also als zuverlässiges, wirtschaftliches, in technischer Hinsicht aber eher schlichtes Arbeitsgerät?

Nicht schlicht, sondern unkompliziert, im besten Sinne einfach eben. Schlicht würde ja bedeuten, dass unsere Entwicklungsabteilung die Füße hochlegt, dass sie sich nichts Neues einfallen lässt. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Wie eingangs gesagt: Wir arbeiten ständig an Verbesserungen. Das ist ein nie endender Prozess. Dabei führen wir ständig sogenannte »Field Audits« durch, um im Rahmen von Befragungen zu ermitteln, wie wir unsere Geräte noch stärker den Wünschen unserer Kunden anpassen können.

Was, Herr de Weert, ist denn mittel- oder längerfristig betrachtet das nächste Ziel auf diesem Weg?

Neben Europa sehen wir auch auf dem US-Markt gute Chancen für unsere Produkte. In Nordamerika kommen nicht nur unsere Geräte sehr gut an. Auch die dortige Wettbewerbssituation kommt uns entgegen.

Wie genau will die Staplersparte von Hyundai denn weiter wachsen?

Unter anderem durch geschicktes Marketing. Unser Name ist ja weltweit bekannt. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass Hyundai eine starke Marke ist, die durchaus und mit gutem Grund mit Begriffen wie Haltbarkeit und Zuverlässigkeit in Verbindung gebracht wird. Bloß, wer den Namen Hyundai hört, denkt nicht zwangsläufig auch an Gabelstapler. Das muss sich ändern. Wir müssen stärker als bisher auch als Staplerhersteller wahrgenommen werden.

Als Hersteller mit einem bestimmten Image?

Ja, hohe Leistung zum fairen Preis. Bei uns zählt Wirtschaftlichkeit, nicht Technikverliebtheit. Wirklich wichtig ist am Ende nur der Nutzen, den der Kunde von unseren Geräten hat.

Das sagen auch Ihre Wettbewerber.

Natürlich, weil es stimmt.

Und wie wollen Sie dann weiter nach vorn in der Weltrangliste der Staplerbauer, wie mehr Geräte verkaufen und wie einen höheren Umsatz erzielen?

Das geht nur mit unserem Gesamtpaket aus solider Technik, großer Zuverlässigkeit, gutem Service und einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis.

Angesichts des wettbewerbsintensiven Markts, in dem Sie mitmischen, braucht es sicher auch reichlich Durchhaltevermögen.

Ohne Zweifel, ja. Aber weil wir die Stärkung unserer Position auch als Herausforderung sehen, bringen wir einen langen Atem mit. Wir sind auf der Langstrecke unterwegs, nicht auf der 100-Meter-Bahn.

Welche Kunden warten denn da am Wegesrand? Eher solche, die klassische Stapler wollen? Oder doch eher die, die Lagertechnikgeräte brauchen?

In Europa und auf lange Sicht? Ganz klar: Kunden, die Lagertechnikgeräte brauchen. Die entwickelten Märkte werden immer mehr zu Dienstleistern, industrielle Fertigung findet zunehmend anderswo statt, schon wegen der Löhne. Gelagert und verteilt aber wird weiter in Deutschland und in anderen europäischen Ländern. Dafür braucht es leistungsfähige Lagerhausgeräte. Hyundai bietet diese Geräte an. Wobei wir versuchen, dem Kunden exakt das anzubieten, was er wirklich braucht, und zwar zu einem vernünftigen Preis. Egal ob es sich um einen Hubwagen oder um einen Schwerlaststapler handelt, um ein einfaches oder ein komplexes Gerät.

Erschienen in Ausgabe: 04/2013