Zelle für die Zukunft

Projekt Der Hamburger Intralogistiker Still, Linde Gas und der Kontraktlogistiker HHLA Logistics testen in einem zweijährigen Pilotprojekt einen Brennstoffzellen-Stapler. Einsatzort ist der Hamburger Freihafen. von Sabine Barde

01. Oktober 2008

Die Landesinitiative Wasserstoff- und Brennstoffzellen- Technologie der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der Stadt Hamburg fördert das Projekt für zwei Jahre. Dr. Stephan H. Winters , Staatsrat der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, erklärte beim Start der Maßnahme: »Die Zukunftstechnologie ›Brennstoffzelle‹ ist technisch in der Gegenwart angekommen. Aufgrund der hohen Kosten ist sie heute noch nicht flächendeckend realisierbar, doch das gegenwärtige Projekt zeigt, dass der Brennstoffzellen-Stapler Vorteile gegenüber Elektrostaplern hat und dass sich sein Einsatz rechnen kann.« Die HHLA Logistics, ein Tochterunternehmen der Hamburger Hafen und Logistik AG, setzt den Still-Stapler R 60-25 Fuel Cell im täglichen Lagerbetrieb ein. Bestehen die Fahrzeuge den Test, könnte die vorhandene Elektrostaplerflotte künftig um Brennstoffzellen-Stapler ergänzt werden. Michael Schirmeier, Geschäftsführer der HHLA Logistics: »Wir arbeiten schon seit einigen Jahren erfolgreich mit Still und Linde zusammen. Es liegt auch in unserem Interesse, den Stapler mit Brennstoffzelle auf Herz und Nieren zu prüfen, damit wir bei den immer schneller werdenden Warenumschlägen und flexibler gestalteten Prozessen mit den richtigen Werkzeugen konkurrenzfähig bleiben. Außerdem haben wir uns zum Schutz der Umwelt zu nachhaltigem Handeln verpflichtet.«

Erfahrener Partner

Die Hamburger Still GmbH hat auf dem Gebiet der Wasserstoff-Technologie schon einige Erfahrung. So testete sie in verschiedenen Projekten unterschiedliche Fahrzeuge. »Elektrostapler können vergleichsweise einfach modifiziert werden«, weiß Jürgen Wrusch, verantwortlich für International Corporate Communications bei Still. Die Systeme des innovativen Intralogistikers Still sind vom Prinzip her gleich aufgebaut und können weitestgehend in den Batterieraum eines Elektrostaplers eingesetzt werden.

Leistungsfähiges Set-up

Das Set-up besteht aus einem Brennstoffzellen-Stapel mit einer Leistung von beispielsweise 3 x 6 Kilowatt, einem elektrischen Zwischenspeicher, der beim Bremsen Energie speichert und sie beim Beschleunigen wieder abgibt, den Gastanks für Wasserstoff, einem Kühler und einem Kompressor. Zwischenspeicher sind je nach Einsatzbedingungen Hochleistungskondensatoren oder schnell ladbare beziehungsweise entladbare Batteriesysteme. »Im Gegensatz zur Traktionsbatterie, wo die Spannung gegen Ende abfällt, kann ein Stapler mit Brennstoffzelle durchweg mit voller Leistung über die gesamte Betriebsdauer arbeiten«, freut sich Christian Baerwolff, Leiter Marketing bei Still. Die Umwelt wird dabei geschont, da beim Betrieb des Staplers weder Rußpartikel noch Stickoxide oder Kohlendioxid austreten. Lediglich Wasserstoff wird freigesetzt.

Zügiges Betanken

Das Fahrzeug kann innerhalb von fünf bis zehn Minuten an der Wasserstoff-Tankstelle betankt werden. Ergebnis: Im Gegensatz zum Batteriewechsel beim Elektrostapler ist der Brennstoffzellen-Stapler deutlich schneller wieder am Start. Die von Linde Gas realisierte Tankstelle besitzt als externe Schnittstelle einen elektrischen Anschluss. Sie wird bei 200 bar aus Gasflaschen versorgt. Der Druck im Tank des Staplers liegt bei 350 bar. Bis zum Druckausgleich zwischen Tankstelle und Fahrzeug erfolgt die Versorgung aus der Bündelstation. Danach kommt der Wasserstoff aus dem internen Wasserstoff-Hochdruckspeicher der Tankstelle. Für den Druckaufbau sorgt ein elektrischer Membrankompressor, der den Wasserstoff auf bis zu 450 bar komprimiert. Das Betriebspersonal kann die Betankung selbstständig durchführen. Der Wasserstoff reicht für bis zu vier Gabelstapler. »Da sich kurzfristig eine flächendeckende Wasserstoff-Infrastruktur in Deutschland nicht realisieren lässt, haben wir uns für den Clusteransatz entschieden. Dabei werden Regionen identifiziert, in denen die Erzeugung und der Verbrauch zur Deckung gebracht werden können, um Verluste zu vermeiden«, erklärt Norbert Pfeiffer, Berater bei Linde Gas. »Eine nachhaltige Zusammenarbeit von Politik, Industrie und Verbänden ist nötig, um die bestehenden Hürden zu nehmen. Dies sollte auch die Unterstützung von Projekten wie hier im Hamburger Hafen einschließen, damit die umweltschonenden Technologien möglichst rasch das Laborstadium verlassen und ihre Alltagstauglichkeit zu wettbewerbsfähigen Preisen beweisen können.«

Erschienen in Ausgabe: 05/2008