
FMCG-Unternehmen stehen regelmäßig vor saisonalen Nachfragespitzen, kurzfristigen Verkaufsaktionen oder personellen Engpässen bei manuellen Verpackungsprozessen. In solchen Situationen kann die Zusammenarbeit mit einem externen Co-Packing-Dienstleister eine flexible Ergänzung der eigenen Kapazitäten sein.
Bei der Suche nach geeigneten Partnern richtet sich der Blick häufig zunächst auf den eigenen Markt. Doch auch in Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn gibt es etablierte Anbieter, die für Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz interessant sein können. Gründe dafür können je nach Projekt niedrigere Arbeitskosten, eine breite Zertifizierungslandschaft sowie die geografische Nähe zum deutschen Markt sein.
Auch regulatorisch gestaltet sich die Zusammenarbeit innerhalb der EU vergleichsweise unkompliziert: Für Waren im freien Verkehr entfallen im EU-Binnenmarkt grundsätzlich Zölle und reguläre Zollabfertigungen an den Grenzen, auch wenn je nach Produktgruppe umsatzsteuerliche, dokumentarische oder transportrechtliche Anforderungen bestehen bleiben. Von zahlreichen Standorten in der Region lassen sich deutsche Distributionszentren im Straßengüterverkehr zudem häufig innerhalb eines Tages erreichen.
Fünf Co-Packing-Anbieter aus Mitteleuropa im Überblick
Die Region bietet dabei nicht nur Kapazitäten für klassische Konfektionierung, Etikettierung oder Aktionsware, sondern auch ein breites Spektrum spezialisierter Leistungen. Im Folgenden stellen wir fünf Co-Packing-Unternehmen aus Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn als Beispiele für unterschiedliche Spezialisierungen vor.
TRANSPAK: automatisierte Prozesse für ein breites FMCG-Spektrum
TRANSPAK aus Żabno in Westpolen zeigt, wie breit das Leistungsspektrum eines Co-Packing-Betriebs sein kann. Neben klassischer Konfektionierung, Etikettierung und Umverpackung investiert das Unternehmen zunehmend in automatisierte und teilautomatisierte Prozesse. Das betrifft etwa die Abfüllung pulverförmiger Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel wie Elektrolytpulver, Instantkaffee, Matcha, Gewürze, Chiasamen oder Proteinpulver, die automatisierte Etikettierung sowie das Einfolieren und Einschweißen für Aktions- und Schutzverpackungen.
Nach eigenen Angaben arbeitet das Unternehmen mit Zertifizierungen nach ISO 9001, ISO 14001 und ISO 22000, nach GMP und HACCP sowie mit einer Bio-Zertifizierung. Der Betrieb beschäftigt mehr als 150 Mitarbeitende und liegt rund 300 Kilometer von Berlin entfernt an der Autobahn A2.
MIBA Czech: Verpackung und technische Näharbeiten
Eine ungewöhnliche Kombination bietet die MIBA Czech s.r.o. aus Milevsko in Südböhmen: Neben klassischer Konfektionierung, Kommissionierung und Fulfillment hat sich der Betrieb auch auf industrielle Näh- und Sticktechnik spezialisiert. Diese Kombination kann relevant sein, wenn ein Produkt neben der Verpackung auch textile Komponenten benötigt, etwa genähte Beutel, Schutzhüllen oder bestickte Zubehörteile. Die Bündelung mehrerer Arbeitsschritte bei einem Dienstleister kann Schnittstellen und Abstimmungsaufwand reduzieren.
Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen 2016 mit drei Mitarbeitenden gestartet und verfügt heute über mehr als 4.000 m² Hallenfläche.
JAKOB: breites Co-Packing- und Rework-Angebot aus Nordböhmen
JAKOB aus Jablonec nad Nisou in Nordböhmen, nahe dem Dreiländereck mit Sachsen und Polen, deckt ein breites Spektrum klassischer Co-Packing-Leistungen ab: Schrumpf- und Polyolefinfolierung, Blister- und Beutelverpackungen, Geschenk- und Promotionsets, Etikettierung mit 1D- und 2D-Codes (einschließlich QR-Codes) sowie die Konfektionierung von POS-Displays. Nach eigenen Angaben werden wöchentlich rund 1,25 Millionen Teile montiert.
Besonders relevant ist das Rework-Angebot: Umverpackung, Umetikettierung oder die Nachbearbeitung von Chargen, etwa bei geänderten Etikettierungs-, Verpackungs- oder Marktanforderungen.
C-PRODUCT: von der Verpackung zur eigenen Süßwarenproduktion
C-PRODUCT aus Dunajská Streda im Südwesten der Slowakei, rund 45 Kilometer von Bratislava und nahe der ungarischen Grenze, zeigt, wie sich ein Co-Packing-Betrieb in eine eigene Produktionsnische entwickeln kann. Der Schwerpunkt liegt heute auf einer eigenen Nougatproduktion sowie weiteren schokoladenbasierten Süßwaren, ergänzt um klassisches Co-Packing wie Etikettierung, Multipacks und Bündelung.
Nach Unternehmensangaben arbeitet der Betrieb mit einem HACCP-basierten Qualitätsmanagement, ist seit 2013 im Sedex-System registriert und beschäftigt je nach Auftragslage zwischen 50 und 150 Mitarbeitende.
Strapa-Pack: Verpackung für regulierte und gefährliche Güter
Nicht jede Ware lässt sich einfach verpacken und verschicken: Wer Gefahrgüter oder andere besonders regulierte Produkte transportieren will, braucht einen Partner, der die einschlägigen Vorschriften, Verpackungsanforderungen und Dokumentationspflichten beherrscht. Genau hier positioniert sich Strapa-Pack aus Dunaharaszti bei Budapest. Das Unternehmen bietet Verpackungs- und Dokumentationsleistungen für Gefahrgut im Straßen-, See- und Lufttransport an und verweist dafür auf entsprechend qualifiziertes Personal.
Ergänzt wird das Angebot durch eine eigene Fertigung von Holzkisten und Kartonagen, auf Wunsch mit isolierenden Auskleidungen. Auch kleinere Auftragsgrößen gehören nach Unternehmensangaben zum Leistungsspektrum. Das kann insbesondere bei Sonderprojekten, Musterläufen oder kleineren Serien relevant sein.
Worauf es bei der Wahl ankommt
Die fünf Beispiele zeigen: Co-Packing in Mitteleuropa ist nicht allein eine Frage des Preises. Neben unterschiedlichen Kostenstrukturen spielen die Nähe zum deutschen Markt, die Integration in den EU-Binnenmarkt sowie ein breites Spektrum spezialisierter Leistungen eine Rolle, von klassischer Konfektionierung und Rework über Textilveredelung und Süßwarenproduktion bis zur Verpackung von Gefahrgut.
Ob ein Partner in Polen, Tschechien, der Slowakei oder Ungarn für das eigene Unternehmen sinnvoll ist, hängt letztlich vom konkreten Produkt, den Qualitäts- und Zertifizierungsanforderungen, dem Auftragsvolumen und der Transportplanung ab. Die vorgestellten Beispiele zeigen jedoch, dass die Region für sehr unterschiedliche Co-Packing-Aufgaben ein breites Spektrum möglicher Lösungen bietet.
