- Frankreich ist EU-Mitglied – kein Zoll für Sendungen auf das Festland, keine Zollanmeldung nötig
- Ausnahme: Französische Überseegebiete (DOM-TOM) wie Martinique, Réunion oder Guadeloupe gelten zollrechtlich als Drittländer
- Laufzeiten für DE→FR liegen typisch bei 2–4 Werktagen, Express-Optionen bereits ab 1–2 Werktagen
- Für B2C-Versender relevant: OSS-Registrierung ab 10.000 Euro Nettoumsatz EU-weit (Lieferschwelle)
- Anbieter DHL, DPD, UPS und FedEx/TNT decken den deutschen Versand nach Frankreich vollständig ab
Frankreich ist nach Deutschland und den Niederlanden eines der wichtigsten Exportziele für deutsche Online-Händler und Spediteure. Die gute Nachricht: Innerhalb der EU entfallen Zollanmeldungen, und die Infrastruktur zwischen beiden Ländern ist gut ausgebaut. Trotzdem gibt es beim Paketversand nach Frankreich einige Punkte, die du kennen solltest – von den Besonderheiten der Überseegebiete über die Laufzeiten der großen Carrier bis hin zur steuerlichen Seite im B2C-Geschäft.
Dieser Leitfaden richtet sich an E-Commerce-Händler, Versandverantwortliche und Speditionskaufleute, die regelmäßig Pakete nach Frankreich schicken oder das Geschäft dorthin ausbauen wollen.
EU-Versand nach Frankreich: Was entfällt, was bleibt
Frankreich ist EU-Mitglied, und das hat direkte Auswirkungen auf die Versandabwicklung. Du brauchst keine Zollanmeldung, kein CN22 oder CN23, und keine Warenursprungsdokumente für den Versand auf das französische Festland. Der Warenverkehr innerhalb der EU ist zollfrei – das gilt natürlich auch für Deutschland nach Frankreich.
Was bleibt, ist die Mehrwertsteuer. Für B2B-Sendungen gilt das Reverse-Charge-Verfahren, sofern dein Empfänger eine gültige französische Umsatzsteuer-ID (TVA-Nummer) hat. Für B2C-Sendungen greift seit Juli 2021 die EU-weite Lieferschwelle von 10.000 Euro netto. Überschreitest du diesen Wert mit deinen grenzüberschreitenden Lieferungen innerhalb der EU, musst du dich für das One-Stop-Shop-Verfahren (OSS) beim Bundeszentralamt für Steuern registrieren und die Mehrwertsteuer des Empfängerlandes abführen. In Frankreich liegt der Standardsteuersatz bei 20 Prozent.
Ganz konkret bedeutet das: Wer als deutscher Online-Händler unter 10.000 Euro EU-weit liefert, rechnet weiter mit deutscher Mehrwertsteuer ab. Wer darüber liegt und kein OSS-Verfahren nutzt, riskiert steuerliche Probleme in Frankreich.
Sonderfall DOM-TOM: Französische Überseegebiete
Hier wird es komplizierter. Frankreich umfasst neben dem Festland auch sogenannte DOM-TOM – Départements und Territorien d’Outre-Mer. Dazu gehören unter anderem Martinique, Guadeloupe, Réunion, Mayotte und Französisch-Guyana. Diese Gebiete sind zwar politisch Teil Frankreichs, aber für die EU-Zollunion gelten andere Regeln.
Für Sendungen in die DOM-TOM gilt: Du benötigst eine Zollanmeldung, in der Regel das CN22-Formular für Pakete bis 300 Gramm und das CN23 für alles darüber. Außerdem können lokale Einfuhrabgaben anfallen, die je nach Gebiet unterschiedlich hoch sind. Réunion erhebt beispielsweise eine eigene Octroi de mer-Abgabe auf eingeführte Waren.
In der Praxis sieht das so aus: Dein Carrier stellt dir bei der Labelerstellung meist die Auswahl, ob es sich um ein Festlandziel oder ein Überseegebiet handelt. Wähle immer sorgfältig aus, denn eine falsch deklarierte Sendung in ein DOM-TOM-Gebiet führt zu Verzögerungen, Nachforderungen oder Rücksendungen. Prüfe die Postleitzahl des Empfängers: Überseegebiete haben eigene PLZ-Bereiche (z. B. 97100–97699 für die DOM-Gebiete).

Anbieter im Überblick: DHL, DPD, UPS und FedEx/TNT
Für den Versand von Deutschland nach Frankreich kommen primär vier etablierte Carrier in Frage. Sie alle haben direkte Linien nach Frankreich, eigene oder Partnernetze für die letzte Meile und gut integrierbare API-Schnittstellen für deinen Shop.
DHL Paket International
DHL bietet mit seinem Euro-Paket eine der meistgenutzten Optionen für den DE→FR-Versand. Standardlaufzeiten liegen bei 3–5 Werktagen, mit DHL Express sind 1–2 Werktage möglich. Die Sendungsverfolgung ist für Empfänger vollständig zugänglich. Wichtig zu wissen: In Frankreich kooperiert DHL für die letzte Meile häufig mit La Poste und Chronopost, was regional unterschiedliche Zustellerfahrungen ergeben kann.
DPD
DPD ist einer der stärksten Carrier für den innereuropäischen Paketversand und verfügt in Frankreich über ein dichtes eigenes Netz. Die Standardlaufzeit beträgt 2–3 Werktage, DPD Classic und DPD Express stehen je nach Volumen und Vertrag zur Verfügung. DPD setzt in Frankreich auch auf Paketshop-Konzepte (Pickup-Stationen), was für B2C-Händler eine gute Flexibilität schafft.
UPS
UPS eignet sich besonders für größere Pakete, gewerbliche Empfänger und zeitkritische Sendungen. Die Laufzeiten variieren je nach Produkt zwischen 2 und 5 Werktagen. UPS bietet neben Standardpaketen auch eigene Zoll- und Dokumentenservices an, was bei DOM-TOM-Sendungen oder bei Retouren aus Frankreich relevant sein kann.
FedEx/TNT
Nach der Übernahme von TNT durch FedEx hat das Unternehmen sein europäisches Netzwerk ausgebaut. Für Pakete nach Frankreich steht FedEx International Economy (3–5 Werktage) und FedEx International Priority (1–2 Werktage) zur Verfügung. TNT-Branding wird schrittweise auf FedEx umgestellt, technisch läuft der Betrieb aber weiterhin über die bewährten TNT-Hubs.
Versandkosten: Was du für ein Paket nach Frankreich kalkulieren musst
Die konkreten Versandkosten hängen von Paketgewicht, Maßen, Carrier und deinem Vertrag ab. Als Orientierung für Privatkunden oder Kleinsender liegen die Listenpreise für ein Standardpaket (bis 5 kg) nach Frankreich aktuell zwischen 12 und 22 Euro inklusive Tracking – wer statt eines Pakets nur einen Brief verschickt, kommt mit den aktuellen Portokosten 2026 deutlich günstiger weg. Für Geschäftskunden mit Volumenverträgen können die Kosten deutlich darunter liegen.
Folgende Faktoren bestimmen deinen tatsächlichen Preis:
- Gewicht und Maße: Carrier berechnen entweder das tatsächliche Gewicht oder das Volumengewicht (Länge × Breite × Höhe / 5.000), je nachdem was höher ist.
- Versicherungswert: Standardmäßig sind Pakete bis zu einem bestimmten Warenwert haftungsgesichert. Bei hochpreisigen Sendungen empfiehlt sich eine zusätzliche Transportversicherung.
- Zustelloptionen: Expresszustellung, Zeitfensterlieferung oder Paketshop-Lieferung kosten unterschiedlich viel.
- Treibstoffzuschlag: Alle großen Carrier erheben einen variablen Treibstoffzuschlag, der sich monatlich oder quartalsweise ändert.
- Gefahrgut und Sondermaße: Pakete mit Lithium-Akkus, Flüssigkeiten oder Übermaßen werden teurer oder erfordern besondere Dokumentation.
Für den systematischen Aufbau einer Versandkostenstrategie im Online-Shop lohnt es sich, alle Carrier regelmäßig zu vergleichen und eine Multi-Carrier-Lösung in Betracht zu ziehen, statt dauerhaft auf einen einzigen Anbieter zu setzen.
Tracking und letzte Meile in Frankreich
Ein Aspekt, der bei Frankreich-Sendungen regelmäßig für Fragen sorgt: die letzte Meile. Mehrere internationale Carrier geben Pakete in Frankreich an La Poste oder deren Expressmarke Chronopost ab. Das bedeutet, dass die Sendungsverfolgung nach der Übergabe auf das französische Zustellnetz wechselt und Empfänger dort ggf. eine neue Tracking-Nummer erhalten.
Für B2C-Händler mit vielen Frankreich-Bestellungen ist das ein relevanter Punkt für die Kundenkommunikation. Du solltest in deiner Bestellbestätigung und in Versandmails klar kommunizieren, dass ab einem bestimmten Punkt die Sendungsverfolgung über La Poste läuft – das reduziert Support-Anfragen erheblich.
Frankreich hat außerdem ein gut ausgebautes Netz an Paketabholstationen (Point Relais bei Mondial Relay, Relais Colis). Wenn dein Carrier diese Optionen anbietet, kannst du deinen französischen Endkunden günstigere Zustelloptionen anbieten und gleichzeitig deine Zustellquote erhöhen.
Retouren aus Frankreich: Verbraucherrechte beachten
Frankreich gilt in Europa als eines der konsumentenstärksten Länder mit gut informierten Verbrauchern. Das 14-tägige EU-weite Widerrufsrecht gilt natürlich auch hier. Darüber hinaus gibt es in Frankreich spezifische lokale Regelungen, etwa erweiterte Gewährleistungspflichten und strengere Anforderungen an die Kennzeichnung von Produkten.
Für dein Retourenmanagement bedeutet das: Du solltest einen klaren Retourenprozess für Frankreich-Kunden aufsetzen. Die meisten Carrier bieten dafür fertige Retourenlabel-Lösungen an, die der Empfänger ausdrucken oder an einer Paketstation hinterlegen kann. Ein gut organisiertes Retourenmanagement senkt nicht nur Kosten, sondern steigert auch die Kundenzufriedenheit und die Wiederkaufsrate.
OSS-Registrierung für E-Commerce-Händler
Wenn du als Online-Händler regelmäßig nach Frankreich verkaufst und die 10.000-Euro-Lieferschwelle überschreitest, ist die OSS-Registrierung nicht optional. Das One-Stop-Shop-Verfahren ermöglicht es dir, die ausländische Mehrwertsteuer zentral über das Bundeszentralamt für Steuern zu melden und abzuführen, statt dich in jedem EU-Land einzeln registrieren zu müssen.
Der Prozess ist überschaubar: Registrierung beim BZSt, quartalsweise Meldung der Umsätze nach Ländern aufgeteilt, Abführung der jeweiligen Landessteuersätze. Für Frankreich gilt der Standardsatz von 20 Prozent, reduzierte Sätze von 10 oder 5,5 Prozent gelten für bestimmte Warengruppen (Lebensmittel, Bücher, etc.).
Wer diese Pflicht ignoriert, riskiert Nachforderungen durch die französische Steuerbehörde (Direction Générale des Finances Publiques) und potenziell auch Bußgelder.
Fazit
Pakete nach Frankreich zu versenden ist für deutsche Händler und Spediteure grundsätzlich unkompliziert. Kein Zoll, gute Carrier-Infrastruktur, kurze Laufzeiten – die Rahmenbedingungen stimmen. Die zwei Punkte, die wirklich Aufmerksamkeit verdienen, sind erstens die Überseegebiete DOM-TOM (hier zollpflichtig behandeln und korrekt deklarieren) und zweitens die OSS-Pflicht für B2C-Verkäufer ab 10.000 Euro EU-weit.
Für die Carrier-Auswahl gilt: DHL, DPD, UPS und FedEx/TNT sind alle verlässliche Optionen. Welcher für dich passt, hängt von Paketvolumen, Durchschnittsgewicht und deinen Laufzeitanforderungen ab. Wer regelmäßig nach Frankreich versendet, profitiert von einem Volumenvertrag und einer Multi-Carrier-Softwarelösung, die Preise und Laufzeiten automatisiert vergleicht.
FAQ: Paket nach Frankreich versenden
Brauche ich einen Zoll für Pakete nach Frankreich?
Nein – Frankreich ist EU-Mitglied, daher fällt kein Zoll an und es ist keine Zollanmeldung nötig. Ausnahme: Französische Überseegebiete wie Martinique, Réunion oder Guadeloupe gelten zollrechtlich nicht als EU-Inland. Dort benötigst du ein CN22- oder CN23-Formular und es können lokale Abgaben anfallen.
Wie lange dauert ein Paket von Deutschland nach Frankreich?
Standardlaufzeiten liegen bei 2–4 Werktagen, je nach Carrier und Zustellregion. Mit Expressoptionen von DHL, UPS oder FedEx sind 1–2 Werktage erreichbar. In ländliche Regionen Südfrankreichs kann es gelegentlich etwas länger dauern.
Welche Anbieter versenden Pakete von Deutschland nach Frankreich?
DHL Paket International, DPD, UPS und FedEx/TNT bieten alle direkten Versand von Deutschland nach Frankreich an. Für sehr hohe Volumen lohnt es sich, Vertragskonditionen bei mehreren Carriern anzufragen und eine Multi-Carrier-Software zu nutzen.
Was kostet ein Paket nach Frankreich?
Listenpreise für Privatkunden liegen für ein Standardpaket bis 5 kg bei rund 12–22 Euro inklusive Sendungsverfolgung. Für Geschäftskunden mit Volumenverträgen sind erheblich günstigere Konditionen verhandelbar.
Muss ich mich für das OSS-Verfahren registrieren, wenn ich nach Frankreich verkaufe?
Wenn du als B2C-Händler mehr als 10.000 Euro netto grenzüberschreitend innerhalb der EU verkaufst (nicht nur nach Frankreich, sondern EU-weit zusammengerechnet), ist die OSS-Registrierung beim Bundeszentralamt für Steuern verpflichtend. Du meldest und zahlst dann die französische Mehrwertsteuer (20 % Standardsatz) über das zentrale OSS-Portal.
