Die Schweiz liegt geographisch mitten in Europa, gehört aber nicht zur EU und auch nicht zum EU-Zollgebiet. Das macht den Paketversand in die Schweiz zu einem der häufigsten Fallstricke für E-Commerce-Händler und Versandverantwortliche. Wer das ignoriert, riskiert Pakete, die am Zoll stecken bleiben, Retourenprobleme und verärgerte Kunden. Dieser Artikel zeigt dir, was du beim Versand in die Schweiz konkret beachten musst: von der Zollanmeldung über die Anbieterwahl bis zu den Kosten.
- Die Schweiz ist kein EU-Mitglied – jedes Paket muss verzollt werden, unabhängig vom Warenwert.
- Die Mehrwertsteuer-Freigrenze liegt bei nur CHF 65 (ca. 67 Euro) – darunter keine Schweizer Einfuhrumsatzsteuer.
- Pflichtangaben auf dem Zollformular: Warenbeschreibung, Warenwert, HS-Code und Ursprungsland.
- Alle großen Anbieter (DHL, DPD, UPS, FedEx) bieten Schweiz-Versand an, teils mit integrierter Zollabwicklung.
- IOSS/OSS gilt nicht für die Schweiz – die Zollabwicklung läuft separat.
Warum der Schweiz-Versand eigene Regeln braucht
Viele Händler behandeln die Schweiz wie ein EU-Land – und wundern sich dann, wenn Pakete verzögert zugestellt werden oder der Empfänger zusätzliche Gebühren zahlen muss. Die Schweiz ist weder EU-Mitglied noch Teil der Zollunion. Jede Sendung, die die Grenze überquert, gilt rechtlich als Export aus Deutschland und Import in die Schweiz.
Das bedeutet ganz konkret: Du musst für jedes Paket eine Zollanmeldung abgeben, unabhängig davon, ob der Warenwert fünf Euro oder fünfhundert Euro beträgt. Ohne korrekte Zolldokumente wird das Paket am Schweizer Grenzübergang aufgehalten. Im schlimmsten Fall wird es zurückgeschickt.
Für den regulären Briefversand und Päckchen via Deutsche Post nutzt du das CN22- oder CN23-Formular. Für Pakete über Paketdienstleister wie DHL oder UPS übernehmen die Anbieter die Anmeldung üblicherweise elektronisch im Auftrag des Absenders, vorausgesetzt du gibst alle nötigen Informationen an.
Zollfreigrenze und Steuersätze in der Schweiz
Die Schweiz erhebt eine eigene Einfuhrumsatzsteuer. Der normale Steuersatz liegt bei 8,1 Prozent, der reduzierte Satz von 2,6 Prozent gilt für bestimmte Warenkategorien wie Lebensmittel, Bücher und Medikamente.
Entscheidend für viele E-Commerce-Händler ist die Freigrenze: Sendungen mit einem Warenwert unter CHF 65 (ungefähr 67 Euro) sind von der Schweizer Einfuhrumsatzsteuer befreit. Das klingt praktisch, ist aber täuschend. Denn die Zollanmeldungspflicht besteht trotzdem. Was wegfällt, ist lediglich die Steuerlast – nicht der Zollprozess selbst.
Für Pakete über CHF 65 gilt: Die Einfuhrumsatzsteuer wird vom Empfänger oder – je nach vereinbartem Lieferbedingung – vom Absender getragen. Wer mit Delivery Duty Paid (DDP) arbeitet, übernimmt als Händler alle Zollkosten vorab. Das verbessert das Kundenerlebnis, erfordert aber eine entsprechende Kalkulation in der Versandkostenpauschale.

Pflichtangaben auf dem Zollformular
Ob CN22, CN23 oder elektronische Zollanmeldung über den Dienstleister: Diese Angaben sind auf jedem Zolldokument Pflicht.
- Warenbezeichnung: Konkret und präzise – kein „gift“ oder „sample“, sondern etwa „Baumwoll-T-Shirt, Größe M“
- Warenwert: Realer Verkaufswert in der Rechnungswährung, kein Phantomwert
- HS-Code (Zolltarifnummer): Mindestens sechsstellig, besser achtstellig für die Schweiz
- Ursprungsland: Land, in dem die Ware hergestellt wurde, nicht das Versandland
- Anzahl und Gewicht: Stückzahl der Artikel und Bruttogewicht der Sendung
Falsche oder unvollständige Angaben führen nicht nur zu Verzögerungen, sondern können auch Strafgebühren nach sich ziehen. Die Schweizer Zollbehörden (Oberzolldirektion) prüfen Sendungen systematisch, besonders aus dem E-Commerce-Bereich. Wenn du häufig in die Schweiz versendest, lohnt es sich, eine Stammdatenpflege im Webshop oder Versandsystem einzurichten, die die HS-Codes automatisch in die Versanddaten überträgt. Wie das im Zusammenspiel mit Versandsoftware funktioniert, haben wir im Artikel über Multi-Carrier-Versandsoftware und Shop-Schnittstellen beschrieben.
Anbieter im Überblick: DHL, DPD, UPS, FedEx und Deutsche Post
Alle großen Paketdienstleister bedienen die Schweiz. Die Unterschiede liegen bei Laufzeit, Zollservice und Preis.
DHL bietet für den Schweiz-Versand das Produkt „DHL Paket International“ an. Die Zustellung erfolgt in der Regel über die Partnerschaft mit Post CH. DHL übernimmt die elektronische Zollanmeldung, wenn du die Sendungsdaten vollständig pflegst. Laufzeit: 2 bis 3 Werktage ab deutschem Sortiercenter.
DPD arbeitet mit dem Schweizer Netz von DPD Schweiz zusammen und bietet ebenfalls integrierten Zollservice. Für regelmäßige Versender gibt es Großkundenkonditionen mit automatischer Zolldatenübermittlung per API.
UPS und FedEx sind besonders für zeitkritische Sendungen und Expressversand geeignet. Beide bieten dedizierte Zollabwicklung und DDP-Optionen an, was für hochpreisige Waren sinnvoll ist. Die Preise liegen höher als bei Standardpaketdienstleistern, dafür ist die Transparenz in der Sendungsverfolgung üblicherweise besser.
Deutsche Post eignet sich für kleinere Sendungen bis 2 kg über Päckchen International oder für Briefsendungen mit CN22-Formular. Die Laufzeit beträgt 3 bis 5 Werktage. Die letzte Meile übernimmt Post CH. Für größere Sendungsvolumina ist Deutsche Post weniger geeignet, da keine automatisierte Zolldatenübermittlung im gleichen Umfang wie bei den Kurierdienstleistern verfügbar ist.
Tracking und letzte Meile: Die Rolle von Post CH
Ein Punkt, der im operativen Alltag oft unterschätzt wird: Nahezu alle Paketdienstleister übergeben die Sendungen in der Schweiz an Post CH (die Schweizerische Post) für die letzte Meile. Das bedeutet, dass nach der Übergabe an Post CH in der Sendungsverfolgung ein Trägerwechsel stattfindet.
Für den Empfänger gibt es dann eine Schweizer Sendungsnummer von Post CH, mit der das Paket auf der Post-CH-Website weiterverfolgt werden kann. Einige Dienstleister integrieren diesen Übergang nahtlos in ihr eigenes Tracking-System, andere nicht. Informiere deine Kunden im Voraus darüber, damit keine unnötigen Rückfragen entstehen.
E-Commerce besonders: IOSS gilt nicht für die Schweiz
Seit der EU-Mehrwertsteuerreform 2021 können EU-Händler den IOSS (Import One Stop Shop) nutzen, um Mehrwertsteuer auf Sendungen unter 150 Euro an EU-Endkunden zentral abzuführen. Die Schweiz ist daran nicht beteiligt.
Das bedeutet: Für Sendungen in die Schweiz musst du die Schweizer Einfuhrumsatzsteuer separat handhaben. Als ausländischer Händler ohne Schweizer Mehrwertsteuernummer wird in der Regel der Empfänger zur Steuerpflicht herangezogen. Wenn du als Händler DDP anbietest, also alle Zoll- und Steuerkosten vorab trägst, musst du entweder über deinen Paketdienstleister mit Vorauszahlung arbeiten oder dich mit der Schweizer Fiduciaire oder einem Zollagenten abstimmen.
Für Händler mit signifikantem Schweiz-Volumen kann auch eine freiwillige Schweizer MWST-Registrierung sinnvoll sein. Die Schwelle liegt bei CHF 100.000 Jahresumsatz aus Lieferungen in die Schweiz.
Retouren aus der Schweiz: Das unterschätzte Problem
Retouren aus der Schweiz sind aufwändiger als aus EU-Ländern. Das zurückgesendete Paket muss beim Eingang in Deutschland wieder eingeführt werden. Technisch gesprochen handelt es sich um eine Wiedereinfuhr – und die ist zollpflichtig, sofern keine Ausnahmeregelung greift.
Für Waren, die nachweislich ursprünglich aus Deutschland oder der EU exportiert wurden, gibt es das Rückkehr-Erleichterungsverfahren. Voraussetzung ist, dass du beim Export eine Ausfuhranmeldung im ATLAS-System gemacht hast und die Waren innerhalb von drei Jahren zurückgebracht werden. In der Praxis wird das oft vergessen, und die Retoure landet dann in einem kostspieligen regulären Einfuhrverfahren.
Ein weiterer Aspekt: Du kannst keine klassischen Rücksendeetiketten mit Postfreimachung für die Schweiz ausstellen, wie du es für EU-Länder kennst. Der Retourenprozess muss über den jeweiligen Dienstleister mit Schweiz-kompatiblem Retourenlabel abgewickelt werden. Informiere dich bei deinem Anbieter, welches Retourenprodukt er für Schweiz-Sendungen anbietet, und kommuniziere das deinen Kunden transparent.
Wie du die Zolldokumentation für Aus- und Einfuhren systemseitig effizient aufbaust, erklärt unser Artikel zur Zollsoftware und ATLAS-Ausfuhr.
Fazit
Der Paketversand in die Schweiz ist handhabbar – aber er erfordert sorgfältige Vorbereitung. Die wichtigste Erkenntnis: Behandle die Schweiz nie wie ein EU-Land. Jede Sendung braucht vollständige Zolldaten, und die Zollanmeldungspflicht gilt unabhängig vom Warenwert.
Wähle deinen Dienstleister nach deinem Versandvolumen und den Bedürfnissen deiner Kunden. Für kleine Stückzahlen reicht Deutsche Post oder DHL mit Standard-Zollservice. Für größere Volumen oder hochpreisige Waren lohnt sich ein Blick auf DDP-Optionen bei UPS oder FedEx, kombiniert mit einer sauberen Systemintegration für die Zolldaten.
Setze intern klare Prozesse auf: HS-Codes in der Artikelstammdaten pflegen, Zolldokumente automatisiert befüllen, Kunden über den Trägerwechsel informieren und den Retourenprozess separat organisieren. Dann wird die Schweiz zu einem zuverlässig bedienten Markt – trotz des Aufwands.
FAQ: Paket in die Schweiz versenden
Muss ich für jedes Paket in die Schweiz eine Zollanmeldung machen?
Ja. Die Schweiz ist nicht in der EU-Zollunion. Jede Sendung, unabhängig vom Warenwert, muss zollangemeldet werden. Die Freigrenze von CHF 65 betrifft nur die Schweizer Einfuhrumsatzsteuer, nicht die Anmeldepflicht.
Was passiert, wenn ich keine oder fehlerhafte Zolldokumente beifüge?
Das Paket wird am Schweizer Zoll aufgehalten. Im besten Fall wird der Empfänger kontaktiert und kann fehlende Informationen nachliefern. Im schlechtesten Fall wird die Sendung zurückgeschickt. Bei wiederholten Fehlern können Zusatzgebühren entstehen.
Kann ich als Händler die Zollkosten übernehmen, damit der Kunde nichts zahlt?
Ja, das funktioniert über Delivery Duty Paid (DDP). Alle Zoll- und Steuerlast liegt dann beim Absender. UPS und FedEx bieten das standardmäßig an, bei DHL und DPD ist es über Großkundenvereinbarungen möglich. Kalkuliere die Kosten entsprechend in deine Versandpauschale ein.
Gilt IOSS für Sendungen in die Schweiz?
Nein. IOSS ist ein EU-Instrument und gilt ausschließlich für Sendungen in EU-Länder. Für die Schweiz gibt es kein entsprechendes vereinfachtes Verfahren. Die Zoll- und Steuerabwicklung muss separat und manuell bzw. über den Dienstleister erfolgen.
Welcher Anbieter ist für den Schweiz-Versand am günstigsten?
Das hängt vom Paketgewicht und -format sowie deinem Volumen ab. Deutsche Post ist bei kleinen Paketen bis 2 kg oft günstig, bietet aber weniger Service-Optionen. DHL und DPD sind für das Standardgeschäft gut geeignet. Ein Preisvergleich über eine Multi-Carrier-Plattform lohnt sich ab einem gewissen Volumen deutlich.
