
Wer für einen Auftrag oder eine vertragliche Verpflichtung eine Bürgschaft benötigt, kann grundsätzlich unterschiedliche Wege wählen. Unternehmen können sich direkt an einen Kautionsversicherer wenden oder einen spezialisierten Bürgschaftsmakler mit dem Vergleich und der Vermittlung beauftragen.
Beide Wege können zu einer passenden Kautionsversicherung beziehungsweise einem geeigneten Avalrahmen führen. Sie unterscheiden sich jedoch darin, wie viel Vergleichs- und Abstimmungsarbeit das Unternehmen selbst übernehmen muss.
Gerade für Logistik-, Transport- und andere mittelständische Unternehmen kann dieser Unterschied relevant sein. Denn wenn regelmäßig Bürgschaften benötigt werden oder sich der Avalbedarf verändert, geht es nicht mehr nur um die erste Bürgschaft, sondern zunehmend um die Strukturierung und Verwaltung des gesamten Avalrahmens.
Direktversicherer oder Bürgschaftsmakler: Das Wichtigste in Kürze
- Beim Direktversicherer prüft das Unternehmen zunächst das Angebot eines einzelnen Versicherers.
- Ein Bürgschaftsmakler kann Angebote und Annahmekriterien verschiedener Kautionsversicherer gegenüberstellen.
- Direktversicherer bieten teilweise sehr gute digitale Prozesse und eigene Online-Portale.
- Der Maklerweg kann den eigenen Vergleichs- und Koordinationsaufwand reduzieren.
- Bei komplexerem Bedarf kann ein spezialisierter Makler weitere Versicherer prüfen und individuelle Lösungen begleiten.
Was ist eine Kautionsversicherung?
Eine Kautionsversicherung ermöglicht Unternehmen, Bürgschaften über einen Versicherer statt über die Hausbank bereitzustellen.
Dafür wird in der Regel ein Avalrahmen eingerichtet, innerhalb dessen einzelne Bürgschaften angefordert werden können. Typische Anwendungsfälle sind beispielsweise:
- Vertragserfüllungsbürgschaften
- Anzahlungs- beziehungsweise Vorauszahlungsbürgschaften
- Gewährleistungsbürgschaften
- Mietkautionsbürgschaften
- Bietungsbürgschaften
Ein möglicher Vorteil gegenüber einem klassischen Bankaval liegt darin, dass der Bürgschaftsbedarf über einen separaten Avalrahmen beim Versicherer abgebildet werden kann. Dadurch können bestehende Banklinien – abhängig von den individuellen Kreditvereinbarungen – stärker für andere Finanzierungszwecke verfügbar bleiben.
Wie funktioniert der Abschluss direkt beim Kautionsversicherer?
Beim direkten Weg wählt das Unternehmen zunächst einen Versicherer aus und prüft dessen Produktangebot.
Viele Kautionsversicherer haben ihre Prozesse inzwischen stark digitalisiert.
Die VHV bietet beispielsweise verschiedene Produktlinien für unterschiedliche Unternehmensgrößen und Bürgschaftsbedarfe an. Im VHV-Kreditportal können Kunden unter anderem die Auslastung ihrer Bürgschaftslinie einsehen, Bürgschaften beauftragen und Änderungen verwalten.
Auch Allianz Trade bietet digitale Bürgschaftslösungen und E-Avale an. Standardisierte Bürgschaften können elektronisch ausgestellt und anschließend digital verwaltet werden.
Der Direktweg kann deshalb gut funktionieren, wenn das Unternehmen bereits weiß, welcher Versicherer und welches Produkt zum eigenen Bedarf passen.
Der wesentliche Punkt: Ein einzelner Versicherer vergleicht sein eigenes Angebot nicht mit den Produkten anderer Gesellschaften.
Wer wissen möchte, ob ein anderer Versicherer andere Annahmekriterien, einen passenderen Avalrahmen oder abweichende Bedingungen bietet, muss diesen Vergleich selbst organisieren.
Wie funktioniert der Abschluss über einen Bürgschaftsmakler?
Ein spezialisierter Bürgschaftsmakler setzt bereits bei der Auswahl des passenden Versicherers an.
Das Unternehmen schildert seinen Bürgschaftsbedarf zunächst dem Makler. Dieser kann anschließend prüfen, welche Anbieter für die konkrete Situation infrage kommen.
Der wesentliche Unterschied liegt deshalb weniger in der später ausgestellten Bürgschaft als im Auswahl- und Vermittlungsprozess.
Bei einem spezialisierten Makler können unterschiedliche Versicherer und deren Annahmerichtlinien in die Prüfung einbezogen werden. Passt eine Standardlösung nicht, kann der Makler weitere Anbieter prüfen.
Gerade bei höheren Avalrahmen, besonderen Bürgschaftsarten oder einer komplexeren Bonität kann dieser breitere Marktzugang relevant sein.
Direktversicherer oder Bürgschaftsmakler im Vergleich
| Kriterium | Direkt beim Kautionsversicherer | Über spezialisierten Bürgschaftsmakler |
| Ansprechpartner | Ein Versicherer | Ein zentraler Ansprechpartner für verschiedene Versicherer |
| Marktvergleich | Unternehmen muss andere Anbieter selbst prüfen | Vergleich mehrerer Versicherer kann zentral erfolgen |
| Digitaler Abschluss | Bei vielen Versicherern möglich | Je nach Makler ebenfalls digital möglich |
| Angebotsauswahl | Produkte des jeweiligen Versicherers | Produkte verschiedener angebundener Versicherer |
| Bei Ablehnung | Unternehmen muss gegebenenfalls einen weiteren Versicherer anfragen | Makler kann weitere Anbieter prüfen |
| Sonderfälle | Individuelle Prüfung innerhalb der Möglichkeiten des Versicherers | Vermittlung kann unterschiedliche Versicherer und Sonderlösungen einbeziehen |
| Laufende Verwaltung | Häufig über das Portal des jeweiligen Versicherers | Kann versichererübergreifend durch Avalmanagement ergänzt werden |
| Eigener Abstimmungsaufwand | Tendenziell höher, wenn mehrere Anbieter verglichen werden sollen | Tendenziell geringer, da Vergleich und Kommunikation gebündelt werden |
Beide Wege haben damit ihre Berechtigung. Der Komfortvorteil des Maklers entsteht vor allem dann, wenn nicht schon von Anfang an klar ist, welcher Versicherer die passende Lösung bietet.
Warum kann der Weg über einen Bürgschaftsmakler komfortabler sein?
Für Unternehmen entsteht bei einer Kautionsversicherung häufig mehr Aufwand durch den Vergleich als durch den eigentlichen Antrag.
Wer direkt bei mehreren Versicherern anfragt, muss gegebenenfalls mehrere Prozesse parallel durchführen:
- Versicherer recherchieren
- Produkte und Rahmenbedingungen vergleichen
- Anfragen stellen
- Unternehmensunterlagen bereitstellen
- Rückfragen beantworten
- Angebote und Bedingungen gegenüberstellen
- bei einer Ablehnung einen weiteren Anbieter prüfen
Ein spezialisierter Makler kann einen Teil dieser Schritte bündeln.
Das Unternehmen übermittelt seinen Bedarf an einen Ansprechpartner. Dieser prüft anschließend, welche Kautionsversicherer grundsätzlich infrage kommen und wie die Angebote einzuordnen sind.
Der Unterschied liegt nicht darin, dass Direktversicherer keinen guten Service bieten. Viele Versicherer verfügen über leistungsfähige digitale Prozesse.
Ein Makler kann jedoch den Vergleich und die Kommunikation mit mehreren Versicherern bündeln. Das kann besonders relevant werden, wenn regelmäßig neue Bürgschaften benötigt werden.
Warum ist das für Logistikunternehmen interessant?
In der Logistik können Bürgschaften in unterschiedlichen Situationen eine Rolle spielen.
Denkbar sind beispielsweise Sicherheiten im Zusammenhang mit:
- gewerblichen Mietverträgen für Lager- oder Logistikflächen
- größeren Kundenverträgen
- Anzahlungen und Vorauszahlungen
- Projekt- und Dienstleistungsverträgen
- Ausschreibungen
- Investitions- oder Ausbauprojekten
Hinzu kommt, dass viele Logistikunternehmen einen laufenden Finanzierungsbedarf haben – beispielsweise für Fahrzeuge, Technik, Immobilien oder Betriebsmittel.
Gerade dann kann es sinnvoll sein, den Bürgschaftsbedarf und die klassische Bankfinanzierung getrennt zu betrachten und zu prüfen, ob ein zusätzlicher Avalrahmen bei einem Kautionsversicherer sinnvoll ist.
Wenn mehrere Bürgschaften parallel bestehen, gewinnt außerdem der Überblick über die Auslastung des Avalrahmens an Bedeutung.
Wie lässt sich eine Kautionsversicherung möglichst einfach abschließen?
Wer eine Kautionsversicherung möglichst unkompliziert abschließen möchte, kann dafür eine spezialisierte Vergleichs- und Vermittlungsplattform wie Bürgschaft24 nutzen.
Der Vorteil liegt vor allem darin, dass Unternehmen nicht selbst mehrere Kautionsversicherer einzeln anfragen und deren Angebote vergleichen müssen. Bürgschaft24 bündelt diesen Prozess und berücksichtigt dabei mehr als 13 führende Kautionsversicherer.
Standardfälle können digital gestartet und effizient bearbeitet werden. Reicht eine Standardlösung nicht aus, steht zusätzlich persönliche Fachberatung zur Verfügung. Das kann beispielsweise bei höheren Avalrahmen, besonderen Bürgschaftsarten oder komplexeren Bonitätssituationen relevant sein.
Ein weiterer Aspekt ist das laufende Avalmanagement. Bürgschaft24 unterstützt Unternehmen nicht nur bei der Einrichtung einer Kautionsversicherung beziehungsweise eines Avalrahmens, sondern auch bei der weiteren Nutzung und Verwaltung bestehender Rahmen. Verträge und Unterlagen können zudem über den digitalen Versicherungsordner „simplr“ verwaltet werden.
Damit verbindet Bürgschaft24 Marktabdeckung, digitalen Einstieg, persönliche Beratung bei Sonderfällen und laufende Betreuung.
FAQ: Häufige Fragen zu Direktversicherern und Bürgschaftsmaklern
Welche Unterlagen werden für eine Kautionsversicherung benötigt?
Das hängt vom gewünschten Avalrahmen, der Unternehmensgröße und dem jeweiligen Versicherer ab. Typischerweise werden Unternehmensdaten und je nach Fall auch aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen, Jahresabschlüsse oder Informationen zum konkreten Bürgschaftsbedarf benötigt.
Kann ein Bürgschaftsmakler auch bestehende Avalrahmen optimieren?
Ja, das kann Teil des laufenden Avalmanagements sein. Dabei wird beispielsweise geprüft, wie bestehende Rahmen ausgelastet sind, welche Bürgschaften nicht mehr benötigt werden und ob die aktuelle Struktur noch zum tatsächlichen Bedarf des Unternehmens passt.
Ist ein Wechsel vom Bankaval zur Kautionsversicherung möglich?
Grundsätzlich können Unternehmen prüfen, ob bestehender oder zukünftiger Bürgschaftsbedarf über eine Kautionsversicherung abgebildet werden kann. Ob ein konkretes Bankaval ersetzt werden kann, hängt jedoch von den vertraglichen Vereinbarungen und davon ab, ob der Bürgschaftsgläubiger die neue Sicherheit akzeptiert.
Können mehrere Kautionsversicherer parallel genutzt werden?
Ja, je nach Unternehmenssituation können mehrere Avalrahmen bei unterschiedlichen Versicherern bestehen. Das kann insbesondere bei größerem oder wachsendem Bürgschaftsbedarf sinnvoll sein. Wichtig ist eine transparente Verwaltung der gesamten Auslastung.
Für welche Unternehmen lohnt sich ein Bürgschaftsmakler besonders?
Ein spezialisierter Makler kann insbesondere für Unternehmen mit regelmäßigem Bürgschaftsbedarf, mehreren parallelen Projekten, höheren Avalrahmen oder komplexeren Bonitätssituationen relevant sein. Auch Unternehmen, die verschiedene Versicherer vergleichen möchten, ohne jeden Anbieter einzeln anzusprechen, können von einem gebündelten Vermittlungsprozess profitieren
